"Zar und Zimmermann" im Zwickauer Gewandhaus



Hier geht´s zurück zur HOMEPAGE

Vermeintlich hat Bürgermeister van Bett, Hasso Wardeck, einen guten Fang gemacht. Er lässt die beiden Russen verhaften. Da hat er auch den Zaren, Michael Kunze, miterwischt. Der Deserteur aus der Zarenarmee, Peter Iwanow, Marcus Sandmann, wird am Ende belohnt. Fotos: theater

Albert Lortzings „Zar und Zimmermann“ erfreut Zwickauer Publikum



Trotteliger Bürgermeister sorgt für Schadenfreude




ZWICKAU, 30. März 2007 – Inga-Britt Andersson knickst mit großer Grandezza, breit und ironisch kommt das „Majestät“, das sie zur Probe säuselt. Inga-Britt Andersson spielt und singt die Rolle der Marie in Lortzings „Zar und Zimmermann“, der am Freitag im Zwickauer Gewandhaus Premiere hatte. Andersson, seit langem Publikumsliebling im Zwickauer Ensemble, spielt und singt die Rolle der Bürgermeisternichte mit großer Ausstrahlung und bildet einen amüsanten Mittelpunkt in dem Verwirrspiel, das die Anwesenheit des russischen Zaren Peter des I., Michael Kunze, auf der Schiffswerft im holländischen Saardam anrichtet. Natürlich glaubt Marie nicht, dass der von ihr geliebte Russe Peter Iwanow, Marcus Sandmann, wirklich der gesuchte Zar sein könnte, aber sie will ihm gern als solchen huldigen, wenn nur am Ende alles gut wird. Das Spiel gefällt dem Publikum, und die Zwickauer nehmen die Oper als komisches Spektakel und weniger als strenges Historienspiel. Inga-Britt Andersson übertrifft als Sopranistin noch ihr köstliches Schauspieltalent. Viel Szenenapplaus gibt’s für die Marie und für das Opern-Ensemble, das vom Orchester unter der Stabführung von Victor Puhl glänzende Unterstützung erfährt. Derweil also Peter Iwanow als vermeintlicher Zar vom Bürgermeister und vom Volk gehuldigt wird, Holzschuhtanz und Chor lassen die Musikfreunde voll auf ihre Kosten kommen, kann der zweite Russe, Peter Michailow, Michael Kunze, seine Geheimdiplomatie mit dem französischen Gesandten, Reinhardt Ginzel, betreiben. Kunzes Bariton ist ohne Fehl und Tadel, seine Schauspielkunst dagegen ist Geschmackssache.
Fast meint man zu begreifen, warum die Russen seit Zar Peters Zeiten mehr der leichten, eleganten französischen Lebensart zugetan waren, als man das von der englischen Biederniss sagen kann, aber das liegt wohl in dem Fall an der Ausstattung von Francesca Ciola, die den englischen Gesandten, Hagen Erkrath, in Südwester und tristen Regenmantel, den Franzosen dagegen in buntes und aufgeputztes Rokoko steckt.
Das Zwickauer Urgestein Hasso Wardeck singt aus voller Brust: „Oh, ich bin klug und weise, und mich betrügt man nicht.“ Da hat Regisseur Ingolf Huhn Glück. Mit Wardeck steht ihm ein Bass zur Verfügung, der Rollen wie den Bürgermeister von Saardam brillant ausfüllt. Als ihm dann der Zar in seinem Abschiedsschreiben als trotteligen Bürgermeister benennt, und Wardeck „spontan“ ruft: „Das bin ich“, hat er die Lacher auf seiner Seite. Am Ende gab’s langen und heftigen Applaus für die leicht verdauliche Lortzing-Oper, die seit 170 Jahren ihr Publikum begeistert. Theo Stiegler

Highlight jeder Zar und Zimmermann"-Inszenierung ist der Holzschuhtanz.

Nächste Vorstellungen: 15. April, 15 Uhr, 28. April, 19.30 Uhr. Premiere in Plauen: 21. April 2007
Ticket-Service theater zwickau, Gewandhaus, Telefon 0375 834647.
Theo Stiegler

zur Stadthalle oder zum Theaterservice




Mail to Stiegler




Besuche "Rosenkavalier" im TIM counter
Besuche DerZwickauer counter
hier geht´s nach oben und
hier geht´s zurück zur Homepage