„Wilhelm Tell“ Oper von Gioachino Rossini auf der Zwickauer Gewandhausbühne



Urrevolution nach Schweizer Modell
oder wie man Unterdrücker zum Teufel jagt


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Heinrich Geßler, Martin Schweepers, Landvogt der Habsburger, hier in der Uniform und mit dem Auftreten moderner Besatzer bedroht den "Helden" Wilhelm Tell, - Shin Taniguchi, Schumann-Preisträger für Gesang 2000 - der sich der Besatzerwillkür widersetzt. Foto:theater

„Wilhelm Tell“ Oper von Gioachino Rossini auf der Zwickauer Gewandhausbühne



Urrevolution nach Schweizer Modell
oder wie man Unterdrücker zum Teufel jagt



ZWICKAU, 9. Oktober 2009 – Der einzige Farbpunkt auf der Bühne ist der leuchtend rote Feuerlöcher, der einsam an der Rückwand hängt. Ansonsten hat die Ausstatterin, Katharina Gault, die nackten, schwarzen Wände des Bühnenhauses als Kulisse für „Wilhelm Tell“ gewählt. Das Ensemble kann sich voll entfalten. Am Freitag, 9. Oktober 2009, hatte „Wilhelm Tell“ als Grand Opera von Gioachino Rossini nach Friedrich Schiller im Zwickauer Gewandhaus Premiere.
Vor 700 Jahren jagten die Schweizer Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden ihre Unterdrücker und Ausbeuter, das Habsburger Adelsgeschlecht mit ihren machtgeilen Vögten zum Teufel. Die Eidgenossen kommen seither auch ziemlich gut ohne fremde Herren zurecht. Für Regisseur Alexander von Pfeil in Zwickau ist dies Grund genug, der Oper zeitlose Züge zu verpassen. Also tritt der fiese Landvogt Heinrich Geßler, Martin Schweepers, in Zwickau als Kaugummi kauender Ranger auf. Seine Vasallen sind in Zwickau mit Kampfanzügen in Tarnmuster und Maschinenpistolen des Typs Kalaschnikow dabei, das Volk zu unterdrücken. Fast idyllisch dagegen die Szenerie der Bauernhochzeit im ersten Akt.
Unter der Stabführung von Thomas Kalb entfaltet das Philharmonische Orchester die voluminöse Klangfülle Rossinischer Harmonien. Da ist der schwierigste Part zweifellos in der Rolle das Arnold Melchthal, Joan Ribalta, angelegt. Der Wanderer zwischen den Welten als Schweizer Landsmann und Angestellter fremder Herren hat die wohl gesanglich anspruchsvollsten Aufgaben zu bewältigen. Fast ausschließlich im hohen C zu singen gelingt dem gebürtigen Spanier in Zwickau mit Bravour, was ihm gebührigen Applaus über die gesamte Vorstellung hin sichert. Wilhelm Tell, Shin Taniguchi, Schumann-Preisträger für Gesang 2000, erweist sich ebenso als Glücksfall für das neu formierte Ensemble des Zwickauer Musiktheaters. Obwohl nicht mit eigener Arie ausgestattet, hat der Japaner keine Schwierigkeit stimmliche Dominanz im fulminanten Klang der Gesänge vom Duett bis zum Chor zu erringen. Kathrin Kapplusch als Mathilde im Bunde mit den Sängern erfüllt Gewandhaus mit einer hinreißenden Klangfülle, die alte Opernfreunde zu wahren Lobhymnen stimulieren. Das war wohl lange schon ein Wunsch des Zwickauer Stammpublikums, die beliebte Sängerin wieder öfter auf der Gewandhausbühne zu sehen. Zehn Jahre fest im Ensemble, ist die Kapplusch seit sechs Jahren nur noch Gastrollen in Zwickau aufgetreten.
„Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern“, Schiller hat den Satz für die Eidgnossen ausgedacht, die Formel hat dennoch immer wieder Gänsehautwirkung. Das Volk versammelt sich zum Schwur auf der Rütliwiese. Derweil: Geßler und seine Landsknechte knechten die Bürger, und es kommt zum Eklat: Tell weigert sich, vor dem blöden Vögtehut auf der Stange am Marktflecken seinen Kniefall zu erweisen. Als Rache befiehlt Geßler, dass der Armbrustschütze Tell seinen Sohn Jemmi, Uta Simone ist in der Hosenrolle des Jungen gut aufgestellt, einen Apfel vom Kopf zu schießen hat, das rührt das Publikum noch allemal. Tell trifft den Apfel. Fast möchte man meinen, es gibt ein Happyend, aber Tell findet keine Ruhe, bevor er nicht den Tyrannen den Pfeil durch die Brust gejagt hat. Tyrannenmord oder Befreiung vom Unterdrücker? Minutenlanger Beifall belohnt das Ensemble, das eine großartige Vorstellung geboten hat.
Theo Stiegler

Die Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden treffen sich, um ihren Bund gegen die Unterdrücker zu beschwören.

Foto:theater



Pressemitteilung des Theaters zu „Wilhelm Tell“
250. Geburtstag von Friedrich Schiller
Wilhelm Tell
Oper in vier Akten von Gioachino Rossini nach Friedrich Schiller
In deutscher Sprache

Musikalische Leitung: Thomas Kalb
Regie: Alexander von Pfeil
Bühne/Kostüme: Katharina Gault
Premiere Plauen 11. Oktober 2009 Vogtlandtheater
Premiere Zwickau 09. Oktober 2009 Gewandhaus

Ende des 13. Jahrhunderts: Die Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden werden von Habsburger Vögten regiert, die das Land ausbluten lassen und erbarmungslos unterdrücken. In der Bergbevölkerung brodelt es und im Geheimen gründet sich ein Bund, der den Sturz der verhassten Herrscher zum Ziel hat. Als die Vorbereitungen schon weit gediehen sind, macht ein Zwischenfall den Plan zunichte.
Der Landvogt Gessler hat seinen Hut auf dem Markt aufstellen lassen, vor dem jeder niederzuknien hat. Als der Gebirgsjäger Tell den Gruß verweigert, zwingt Gessler den weithin bekannten Meisterschützen, einen Apfel vom Kopf seines Kindes zu schießen. Der Volkszorn ist kaum mehr zurückzuhalten, doch Tell gelingt das Unmögliche. Als Gessler ihn fragt, was er mit dem zweiten Pfeil, den er bei sich trug, getan hätte, bricht es aus Tell heraus, dass dieser ihm, Gessler, gegolten hätte. Tell wird festgenommen und ein Sturz des Regimes scheint in weite Ferne zu rücken...
Gioachino Rossini (1792 – 1868) gilt als bedeutendster italienischer Komponist zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Sein Barbier von Sevilla gehört bis heute zu den meistgespielten Opern überhaupt. Doch sein Schaffen war reichhaltiger, als es vielen bekannt ist. Allein sein Opernoeuvre umfasst 39 Opern. Mit nur 37 Jahren beendete der schon zu Lebzeiten überaus erfolgreiche Komponist sein Opernschaffen mit der Grand Opéra Guillaume Tell
(Uraufführung Paris 1829) nach Schillers deutschem Klassiker aus dem Jahre 1804. Ist die Handlung auch vereinfacht, trägt sie doch alle Züge des Schillerschen Dramas. Interessant dabei ist, dass der Gründungsmythos der Schweiz auf einer nordischen Sage beruht. Während die Tell umgebenden Gestalten zum Großteil historisch nachgewiesen sind, ist die Figur des Tell eine Fiktion. Schiller selbst hat nie die Schweiz bereist.

Diese Eröffnungspremiere des Musiktheaters in der neuen Spielzeit inszeniert Alexander von Pfeil, der Musiktheater-Regie bei Götz Friedrich an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg studierte. An der Oper Kiel war er von 2000 bis 2003 Oberspielleiter. Weitere Regiearbeiten führten ihn nach Düsseldorf, an das Theaterhaus Jena, nach Meiningen, Bielefeld und Freiburg. Von 2005 bis 2007 war er Chefregisseur an der Deutschen Oper Berlin. Im Juni 2006 realisierte er an der Hamburgischen Staatsoper Donizettis Regimentstochter und im Februar 2008 Wagners Tannhäuser am Oldenburgischen Staatstheater.

Ticket-Service im Gewandhaus 0375 27411 46 47 oder 0375 27411 46 48 und zur Theater-Website


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