Rezensionen aus der Zwickauer Kulturszene


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Willy Lohmann, Klaus Birkefeld, links, als Handlungsreisender im Kniefall vor seinem Chef, Howard Wagner, Michael Schramm, dem Typ moderner Manager.

Tod eines Handlungsreisenden

Zwickau , 5. April 2001(sti). Willy Lohmann ist in Selbstgesprächen versunken. Der Handlungsreisende steigert sich in ein Wunschbild. Das zeigt seine Söhne als Halbwüchsige, mit denen er gemeinsam sein Auto poliert. Die Erinnerung verdeckt die frustrierende Gegenwart. "Tod eines Handlungsreisenden" ist das Erfolgsstück, mit dem der Amerikaner Arthur Miller über Nacht berühmt wurde. Miller haben die meisten eher als einen der Ehemänner von Marilyn Monroe in Erinnerung. Sein "Tod eines Handlungsreisenden" steht seit Februar auf dem Spielplan des Theaters Plauen Zwickau. Willy Lohmann ist am Ende. Klaus Birkfeld spielt den, man sagt heute Vertreter, eindrucksvoll. Das Bild als seine Jungs den alten Chevrolet aufpolierten ist die Erinnerung an bessere Zeiten aus seinem Familienleben, das er beschwörend vor sich hin murmelt, sich dahinein steigert. Der 63 Jahre alte Vertreter wurde von seinem Arbeitgeber auf Provision gesetzt, und es fällt ihm immer schwerer Kunden zu finden. Eigentlich hat er ja auch einen Freund, mit dem er Karten spielt. Der bietet ihm einen Job. Den anzunehmen ist die innere Barriere zu hoch. Das Bild des erfolgreichen Handlungstreisenden gestert noch durch das Gehirn von Willy Lohmann und der Stolz verbietet einen "minderwertigen" Job, der die Existenz sichern würde. Die Söhne sind in der Leistungsgesellschaft keine Perlen geworden. Biff, Jörg Metzner, ist genau genommen gescheitert. Das begann mit der verbauten Prüfung am College. Gerade da hatte der Vertreter Lohmann seinen "Lebenshöhepunkt", eine Affäre in der fremden Stadt, in die der hilfesuchende Biff hineinplatzt. Das ist das Lebenstrauma der beiden, als der Alte mal gebraucht wurde, war er gerade auf Abwegen und Biff landete auf der Rutschbahn ins Nichts. Zwar hat der pragmatische Happy, Robert Arnold, weniger Probleme, aber als Vorzeigesohn ist er auch nicht zu gebrauchen. Birkefeld gestaltet sicht- und hörbar den Versager, als den er sich in seinem tiefsten Inneren fühlt, in der Gesellschaft, wo doch der Mustersohn seines Bekannten als Rechtsanwalt im fernen Washington brilliert, und doch mit Biff in die Schule ging. Eigentlich könnte es für ein bescheidenes Leben reichen, das Haus ist fast abbezahlt, ein machbarer Job wäre drin, aber Willy Lohmann träumt von einer Karriere seines Lieblingssohns Biff: Die Prämie aus der Lebensversicherung Lohmanns sollte als Startkapital dienen können.
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