Oberbürgermeister von Plauen und Zwickau: „Niemand will das Musiktheater schließen!“

siehe auch Kommentar dazu - Rezensionen aus 20 Jahren Kultur in Zwickau - Brief des Rektors der Musikhochschule - die Theaterleitung zu Verschiebung der Entscheidung - Oberbürgermeister wollen Kürzung der Zuschüsse - Öffentlicher Brief der Sängerin Nathalie Senf - Stand der Verhandlungen der Städte Plauen-Zwickau am 7. Januar 2015 und dazu das Theater

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Die Gewandhausfassade zeigt auch symbolisch das bröckelnde Theater. Pläne, über die Kürzung der Finanzen für das Theater sollen auch das Ensemble bröckeln lassenFoto: Stiegler

Oberbürgermeister von Plauen und Zwickau: „Niemand will das Musiktheater schließen!“



ZWICKAU, am 13. Dezember 2014 - Niemand habe den Theater-Plauen Zwickau vorschreiben wollen, dass es bis 2018 das Musiktheater und das Philharmonische Orchester schließen sollen, betonten die Oberbürgermeister von Plauen und Zwickau, Ralf Oberdörfer und Pia Findeiß, gestern in einem Pressegespräch. Freitag in Zwickau trafen.



Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß erläutert, dass man als Mitgesellschafter von der Vorgabe Plauens ausgehen musste, ab 2018 nur noch 2 Mio. Euro bezahlen zu können. Entgegenkommen gegenüber der Nachbarstadt und dem Theater habe die Stadtverwaltung bewiesen, indem man dem Stadtrat vorschlage, den Verteilungsschlüssel zu ändern. Bisher wurden die Zuschüsse von Zwickau und Plauen im Verhältnis 56:44 bezahlt, ab 2016 solle es 60:40 erfolgen.Foto: Theo Stiegler




Über die Verwaltungen der beiden Städte ergießt sich seit Bekanntwerden genau dieser Pläne um die Fortschreibung des Grundlagenvertrages mit dem die Partnerstädte jetzt in die Stadtratssitzungen gehen, eine Flut von empörten Zuschriften.
Fest scheint aber bereits zu stehen: Von den gegenwärtig etwa 18 Millionen Euro Zuschüssen aus Zwickau, Plauen und aus dem Kulturraum Ostsachsen für das gemeinsame Theater bleiben aber ab 2018 nur noch 12,5 Millionen Euro. Oberdorfer hat sich schlau gemacht: „Der Blick auf andere Theater in Sachsen zeigt, dass ähnliche Einrichtungen mit wesentlich weniger Geld auskämen.“
So bekäme das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau nur 13,3 Mio. Euro und das Mittelsächsische Theater und Philharmonie Döbeln/Freiberg nur 10,7 Mio. Euro.



Ralf Oberdorfer: Das Theater Plauen-Zwickau hat im Jahr 2012 Zuschüsse in Höhe von insgesamt ca. 18,2 Mio. Euro erhalten. Der Aufwand beim Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau lag, nach der Stadt Plauen vorliegenden Informationen, hingegen bei rund 13,3 Mio. Euro, beim Mittelsächsischen Theater und Philharmonie Döbeln/Freiberg bei 10,7 Mio. Euro. Diese Theater sind produzierende Mehrspartentheater und bieten auch Musiktheater an, so der Plauener OB. Foto: Theo Stiegler




Oberdorfer: „Diese Theater sind produzierende Mehrspartentheater und bieten auch Musiktheater an.“
Für Oberdorfer heißt das auch: Personalabbau bedeute noch nicht Spartenschließung, er könne sich auch ein Orchester mit 60 statt 80 Musikern vorstellen. „Man kann auch das Musiktheater mit zusätzlich engagierten Gästen inszenieren, man muss nicht alles aus dem eigenen Ensemble bestreiten“, setzt der Plauener Oberbürgermeister seine Gedanken über Einsparpläne fort.
Beide Oberbürgermeister betonen: Seit 2012 seien die Theaterleute mit den Plänen künftiger Finanzmöglichkeiten vertraut gewesen und sollten sich dazu positionieren, leider sei von dort keine Antwort gekommen. Damit reagieren die Politiker auch auf die Vorwürfe seitens der Theaterleitung: Man habe sie kalt mit den neuen Plänen getroffen.

Theo Stiegler



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STADTVERWALTUNG ZWICKAU
Medieninfo Nr. 478 vom 12. Dezember 2014
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Die Städte Plauen und Zwickau informieren:

„GESELLSCHAFTER WOLLEN THEATER IN BEIDEN STÄDTEN LANGFRISTIG SICHERN“



Oberbürgermeister Oberdorfer und Oberbürgermeisterin Findeiß zur vorgeschlagenen Verlängerung des Grundlagenvertrages


„Das Theater Plauen-Zwickau kann dauerhaft nur erhalten werden, wenn wir bereit sind, eingefahrene Gleise zu verlassen, neue Wege zu gehen und strukturelle Änderungen anzugehen!“, so die Grundaussage, die die Oberbürgermeister von Plauen und Zwickau, Ralf Oberdorfer und Dr. Pia Findeiß, in einem Pressegespräch am heutigen „Der Entwurf des neuen Grundlagenvertrages, wie er am 18. Dezember im Zwickauer Stadtrat und anschließend im Januar in Plauen beraten werden soll, legt hierfür langfristig bis zum Jahr 2020 den finanziellen Rahmen fest. Die politischen Gremien in beiden Städten sind in der Verantwortung, einen Finanzrahmen vorzugeben, der alle Aufgaben der Stadt ausgewogen berücksichtigt. Erst, wenn der finanzielle Rahmen feststeht, folgt die Strukturdiskussion, bei der alle kreativen und konstruktiven Köpfe gefragt sind.“
Die Oberbürgermeister betonten, dass die Gesellschafter nicht verlangen, konkrete Sparten zu schließen. „Es geht darum, ein modernes und finanzierbares Modell zu entwickeln, das nach wie vor produzierendes Theater enthält.“ Wie Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer darlegte, belege der Blick auf andere Theater in Sachsen, dass ähnliche Einrichtungen mit wesentlich weniger Geld auskämen. Das Theater Plauen-Zwickau habe im Jahr 2012 Zuschüsse in Höhe von insgesamt ca. 18,2 Mio. Euro erhalten. Der Aufwand beim Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau lag, nach der Stadt Plauen vorliegenden Informationen, hingegen bei rund 13,3 Mio. Euro, beim Mittelsächsischen Theater und Philharmonie Döbeln/Freiberg bei 10,7 Mio. Euro. „Diese Theater sind produzierende Mehrspartentheater und bieten auch Musiktheater an. Allerdings sind, wie bei allen Theatern kreisangehöriger Städte in Sachsen, die jeweiligen Landkreise Mitgesellschafter. Die Theater befinden sich zwar in den Städten, Theater wird jedoch für die gesamte Region angeboten. Daher ist es legitim, die Landkreise Vogtlandkreis und Zwickauer Land mit ins Boot holen zu wollen. Als Mitgesellschafter können sie auch mitbestimmen. Das ist unser Angebot“, so der Plauener OB.

Die Städte Plauen und Zwickau leisteten derzeit mit 54,47 Euro bzw. 48,74 Euro bezogen auf die Einwohnerzahl den größten Zuschuss. Der Anteil pro Einwohner liege bei anderen kreisangehörigen Städten im Freistaat zwischen 39,21 Euro und 3,97 Euro.

Nicht unerwähnt darf bleiben, dass das Theater Plauen-Zwickau in den vergangenen Jahren weder mit den Zuschüssen im 2011 beschlossenen Grundlagenvertrag auskam noch die Vorgaben des Strukturkonzeptes einhalten konnte. Regelmäßig waren nach Ablauf des Geschäftsjahres Ergebnisfehlbeträge zu kompensieren, um eine bilanzielle Überschuldung der gemeinsamen Gesellschaft abzuwenden. Allein die Stadt Zwickau musste seit 2010 jährlich zwischen 620.000 und 1,3 Mio. Euro zusätzlich aufwenden, Plauen zwischen 500.000 Euro und einer Million Euro.

Seit mindestens zweieinhalb Jahren sei bekannt gewesen, dass für das Theater Plauen-Zwickau ein neues und auf Nachhaltigkeit angelegtes Konzept erforderlich sei. Die grundlegenden Probleme wurden beispielsweise in einer erweiterten Aufsichtsratssitzung thematisiert, die bereits im April 2012 stattfand und an der unter anderem der Geschäftsführer sowie der Intendant teilnahmen. Die Vertreter der Gesellschafter, Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer und Zwickaus Finanz- und Kulturbürgermeister Bernd Meyer, hatten schon damals ausdrücklich auf Änderungen aufmerksam gemacht. „Leider hat die Theaterleitung nicht mit konstruktiven Konzepten, die den Fortbestand des Theaters sichern, reagiert“, stellten Oberdorfer und Findeiß fest.

Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß erläuterte weiterhin, dass man als Mitgesellschafter von der Vorgabe Plauens ausgehen musste, ab 2018 nur noch 2 Mio. Euro bezahlen zu können. Entgegenkommen gegenüber der Nachbarstadt und dem Theater habe die Stadtverwaltung bewiesen, indem man dem Stadtrat vorschlage, den Verteilungsschlüssel zu ändern. Bisher wurden die Zuschüsse von Zwickau und Plauen im Verhältnis 56:44 bezahlt, ab 2016 solle es 60:40 erfolgen. Dies begründe sich in der Einwohnerzahl und der unterschiedlichen Finanzkraft beider Städte. Sie schätzt außerdem ein, dass selbst die bisherigen Zuschüsse in ihrer Höhe auf Dauer nicht zu finanzieren seien oder zu Lasten anderer Leistungen gingen. Zu bedenken sei dabei, dass sich die finanzielle Ausstattung der Kommunen verschlechtere. Gerade das Auslaufen des Solidarpaktes II sowie die anstehende Neuordnung des Länderfinanzausgleiches spielen hier eine Rolle.

Sie wies außerdem auf die Verhältnismäßigkeit der Zuschüsse hin. So werde jeder Theaterbesuch von den Städten Plauen und Zwickau derzeit mit durchschnittlich gut 50 Euro subventioniert – unabhängig davon, über welches Einkommen der jeweilige Gast verfüge. Rechne man die Kulturraummittel hinzu, würde jeder Besuch mit etwa 100 Euro aus öffentlichen Mitteln bezuschusst.

Die beiden Oberbürgermeister betonten abschließend, dass eine Verschiebung der Beschlussvorlage wenig Sinn mache. „Die eigentliche Arbeit beginnt erst nach dem Beschluss des finanziell Machbaren. Mit dem Grundlagenvertrag wird Theater in Plauen und Zwickau bis Ende 2020, das heißt für die nächsten sechs Jahre, finanziell gesichert. Statt der bisher geleisteten 8 Millionen Euro sieht der neue Grundlagenvertrag die schrittweise Senkung der Zuschüsse vor. Ab 2018 hätte das Theater pro Jahr einen Zuschuss in Höhe von 5 Millionen Euro vor: 2 Millionen Euro Plauen, 3 Millionen Euro Zwickau. Hinzu kommt der Zuschuss des Kulturraumes in Höhe von 7,5 Millionen Euro. 2018 hätte das Theater somit dann ein Jahresbudget von 12,5 Millionen Euro zur Verfügung. Das ist eine Basis, andere Theater machen es uns vor. Für die Entwicklung einer modernen und kreativen Theaterstruktur stehen die kommenden zwei Jahre zur Verfügung. Ausdrücklich appellieren wir daher an alle – Stadt- und Kreisräte, Aufsichtsrat, Theaterleitung und Beschäftige sich konstruktiv bei der Entwicklung von Lösungsvorschlägen einzubringen.“

Stellungnahme der Theaterleitung des Theaters Plauen-Zwickau zum Absetzen der Beschlussvorlage zu einem neuen Theatergrundlagenvertrag

von der Tagesordnung des Zwickauer Stadtrats am 18. Dezember 2014

Zwickau, am 15. Dezember 2014 - Die Oberbürgermeisterin Frau Dr. Pia Findeiß hat sich laut Pressemitteilung der Stadt Zwickau heute entschieden, die Beschlussvorlage zu einem neuen Theatergrundlagenvertrag von der Tagesordnung der Stadtratssitzung der Stadt Zwickau am 18.12. 2014 zu nehmen, da Sie befürchtete, dass die Vorlage abgelehnt würde. Die Theaterleitung des Theaters Plauen-Zwickau begrüßt diese Entscheidung.
In den vergangenen Tagen und Wochen hat sich ein Proteststurm in den Städten Plauen und Zwickau und darüber hinaus gegen die exorbitanten Kürzungspläne der beiden Gesellschafter entwickelt. Die avisierten Streichungen ganzer Sparten und die fragwürdige Kommunikationsstrategie der beiden Gesellschafter hat zu großem Unverständnis und zur Entrüstung in der Belegschaft des Theaters und breiten Teilen der Bevölkerung im Kulturraum Zwickau/ Vogtland geführt. Mehr als 16 000 Unterschriften wurden bis heute als Protest gegen die Sparpläne in wenigen Tagen gesammelt. Republikweit treffen täglich offene Briefe und Stellungnahmen von Verbänden, Firmen und Einzelpersonen ein. Namhafte Vertreter des öffentlichen Lebens Sachsens, besonders der beiden Trägerstädte haben sich in Stellungnahmen für den Erhalt des Theaters Plauen-Zwickau in der jetzigen Struktur ausgesprochen.
Für die weitere Planung der Struktur des Theaters nach Auslaufen des derzeitigen Grundlagenvertrages im Juli 2015 ist nun ein kleines Zeitfenster gewonnen, das Gesellschafter, Aufsichtsrat, Betriebsrat und Theaterleitung nutzen sollten für die konstruktive Arbeit zum Erhalt des fusionierten Theaters in seiner jetzigen Qualität und Quantität.
Wir möchten einmal Dank sagen an alle aktiven Unterstützer in den vergangenen Tagen und Wochen. Dank den Kollegen, besonders denen des Musiktheaters für die außergewöhnliche Präsentation der künstlerischen Bandbreite der Sparte am vergangenen Mittwoch in Zwickau, Dank an alle beteiligten Kolleginnen und Kollegen für die Aktionen am vergangenen Wochenende und darüber hinaus. Danke an die Aktionsbündnisse und Fördervereine des Theaters für ihre ideelle und materielle Unterstützung. Dank an große Teile des Aufsichtsrates des Theaters für das großartige Engagement. Dank vielen Vertretern der Politik und Medien für ihre klaren, unmissverständlichen Stellungnahmen und ihre Unterstützung auch bei den Podiumsdiskussionen in beiden Städten. Dank an die Werbeabteilung, die uns auf der Homepage des Theaters ständig aktuell informiert, Aktionen koordiniert und zwischen verschiedenen Akteuren moderiert. Dank an die Spartenleiter, die in ständigem Austausch mit der Theaterleitung über Protestpläne der Sparten stehen. Dank an alle Unterstützer in nah und fern.
Dieser 15.Dezember 2014 ist erst einmal ein guter Tag für das Theater. Der Kampf für die Erhaltung unserer so wichtigen Arbeit ist noch nicht vorbei, aber er hat eine erste erfolgreiche Resonanz gefunden, die uns in unserem Engagement für unser Theater ermutigt und bestärkt.
Roland May Volker Arnold
Generalintendant Geschäftsführer

Prof. Ekkehard Klemm
Rektor Hochschule für Musik Dresden
Präsident des VDKC

Nun kann gleich einmal bewiesen werden, wie ernst es Politik und Kommunalpolitik mit dem Schutz der deutschen Theater- und Orchesterlandschaft meinen: Sie stehen auf der deutschen Liste des schützenswerten immateriellen Kulturerbes (nicht identisch mit der UNESCO-Liste).

Hier mein Offener Brief an die beiden Oberhäupter der Städte Plauen und Zwickau:

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Dr. Findeiß,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Oberdorfer,

mit Erschrecken, Unverständnis und großer Besorgnis nehmen die Kunst- und Kulturschaffenden sowie ein großes Publikum in ganz Sachsen und Deutschland wahr, was noch im Dezember den Stadtrat von Zwickau beschäftigen wird: Die Abschaffung des kompletten Musiktheaters in zwei Städten, die wohl zum musikalischsten und kulturvollsten Teil des Landes zählen können: Nicht nur der nahe Instrumentenbau im gesamten Vogtland sollte dafür Zeugnis ablegen, sondern auch die vielseitige Geschichte beider Häuser. Mit der "Jubel-Ouvertüre" von Carl Maria von Weber wurde das Plauener Haus einstmals eröffnet, ein Jahr später erklang "Der Freischütz". In der Geburtsstadt Robert Schumanns, in Zwickau, Orchester, Chor und Musiktheater mit einem Federstreich zu entlassen, ist eine Entscheidung, die deshalb gerade einem Musikhochschulrektor aus Dresden, wo sowohl Weber als auch Schumann prägend gewirkt haben, einen lauten Zwischenruf gestattet. Die vielfältigen Beziehungen von Musikerinnen und Musikern des Vogtlands, des Erzgebirges und der sächsischen Landeshauptstadt sowie die Bedeutung der Musik dieser Region für Sachsen und Dresden sind Beweis genug, dass dieses Reservoir größte Bedeutung hat.

Das Ensemble des Theaters gehört zu den unverzichtbaren Säulen einer lebendigen Musikszene. Chöre, Kantoreien, Musikschulen, auch allgemeinbildende Schulen und Gymnasien, Fach- und Hochschulen sowie eine weitverzweigte freie Szene leben von der inspirierenden Kraft des Philharmonischen Orchesters, eines leistungsfähigen Chores, der beliebten Solistinnen und Solisten sowie der Tänzerinnen und Tänzer. Großveranstaltungen wie die Tage der Chor- und Orchestermusik 2014, das 18. Deutsche Chorfestival des VDKC 2013 und der regelmäßig stattfindende Robert-Schumann-Wettbewerb haben eindrucksvoll erwiesen, welch große Chancen damit einhergehen. Bei unseren Begegnungen habe ich Sie, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, als Streiterin für die Kultur kennengelernt, ich kann mir kaum vorstellen, dass sich an dieser Haltung etwas geändert hat.

Als Rektor der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden darf ich auf wundervolle Kooperationen verweisen, die wir mit dem Theater eingegangen sind, vor allem aber auch auf die vielen Alumni, die von Plauen und Zwickau aus ihre Karrieren angetreten haben oder bei Ihnen engagiert sind. Als Präsident des Verbandes Deutscher KonzertChöre VDKC erinnere ich insbesondere an die fulminanten Aufführungen des War-Requiems von Benjamin Britten 2013 im Dom, an Konzerte mit Werken von Schubert, Mendelssohn und Schumann in München und Dresden – stets war das Philharmonische Orchester ein Partner auf höchstem Niveau, agierte mit Leidenschaft und Hingabe und bewies gerade dadurch seine Unverzichtbarkeit für das Musikleben einer ganzen Region. Sie kulturell attraktiv zu halten, sollte das Interesse beider Städte sein, einerseits, um kreative Potenziale, poetische Konzepte und elementare gesellschaftliche Auseinandersetzungen durch Kunst und Musik weiter zu befördern. Andererseits kann dadurch auch die wirtschaftliche Basis Westsachsens dauerhaft erhalten und verbessert werden, denn mehr und mehr erweist sich, dass jeder in Kultur investierte Euro verdoppelt oder sogar verdreifacht wieder zurückkommt, wie das verschiedene Studien längst erwiesen haben. Ein Verzicht auf die Kraftquelle eines kompletten Musiktheaterensembles hätte die großflächige Verarmung einer ganzen Region zur Folge: Zunächst eine des Geistes und der Kunst, anschließend aber auch eine ganz reale: Denn wer sieht und plant seine Zukunft gern in einer Stadt ohne attraktive Kulturangebote? Der Ruf nach mehr Musiklehrerinnen und –lehrern ist allgemein – wo jedoch sollen diese herkommen, wenn wir die Wurzeln ihres Wirkens abschlagen?

Bitte erlauben Sie noch einen letzten Gedanken: Unter großen persönlichen und finanziellen Opfern haben die Ensembles aus Plauen und Zwickau die Theaterfusion vollzogen und umgesetzt. Bis heute sind die Nachwirkungen von Überhängen und nicht möglichen Neubesetzungen von Stellen zu spüren. Nun, da die Konsolidierung möglich wäre und zum ersten Mal die Chance einer Profilierung mit neu hinzukommenden jungen Musikerinnen und Musikern besteht, erhält das Ensemble die Komplettabsage. Dass zum Zweck der Durchsetzung der Strukturveränderungen zunächst die Haustarifverträge beendet und die Künstler auf 100% Lohn gesetzt werden, um sie danach ganz zu entlassen und dafür 25 Mill. € Abfindungen einzuplanen ist ein Konzept, das allem Verzicht der Künstler bis heute, das allen großartigen künstlerischen Leistungen Hohn spricht und nur als bizarr bezeichnet werden kann.

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister – ich vertraue auf Ihren integrierenden und vermittelnden Einfluss, eine Entscheidung dieser Tragweite, die für ganz Sachsen das Signal einer kulturellen Bankrotterklärung wäre, zu verhindern. Ich bin sicher, dass es den politischen Willen der Bevölkerung gibt, einen solchen Beschluss der künstlerischen und musikalischen Verarmung zu verhindern. Bitte erlauben Sie, wenn ich Ihnen auf diesem Weg den Protest des Rektorats, der Professorinnen und Professoren der HfM Dresden sowie des Geschäftsführenden Vorstandes und des Künstlerischen Beirats des VDKC übermittle. Auch als Mitglied des Sächsischen Kultursenats und der Sächsischen Akademie der Künste bitte ich Sie inständig und dringend, Musik und Kunst als Chance und Bereicherung der gesamten Gesellschaft und nicht unter dem Aspekt finanzieller Herausforderungen als Belastung zu begreifen. Wir wissen darum, dass dieser Weg nicht einfach ist. Das sollte aber nicht zu Kurzschlussreaktionen wie den angedachten Stadtratsbeschlüssen führen. Die große kulturelle Tradition beider Städte, die Musikgeschichte des gesamten Vogtlandes und seines Instrumentenbaus, die Geburtsstadt Robert Schumanns haben eine solche Entscheidung nicht verdient.

Ich danke Ihnen für Ihre Bemühungen und bin mit hoffnungsvollen Grüßen

Ihr


Prof.
Ekkehard Klemm
Rektor HfM Dresden
Präsident des VDKC

Theater Plauen-Zwickau: Vor dem Zusammenbruch?


Geschrieben am 8.Dezember 2014 von Jörg Rowohlt
Für das Theater Plauen-Zwickau sind existenzgefährdende Kürzungen geplant. Unser Mitglied Nathalie Senf (ehemalige Obfrau des Theaters und in Zwickau wohnhaft) hat zur aktuellen Lage einen Bericht verfasst:
Lange war es still in Plauen und Zwickau. Obwohl ein Dialog in Sachen Theater dringend notwendig war und von Seiten des Aufsichtsrates, der Theaterleitung, des Betriebsrates und des Aktionsbündnisses Pro Vogtlandtheater mehrfach erbeten wurde. Die Politiker der beiden Städte Plauen und Zwickau hielten still.
Was es so Dringendes zu besprechen gibt? Im Juli 2015 laufen aus: •
der Grundlagenvertrag, der regelt, mit welchen Geldern das Theater ausgestattet wird, und •
der Haustarifvertrag, der in immer neuen Fassungen seit zehn Jahren immer mehr Gagenverzicht aller am Theater Beschäftigten verlangt.
Damit ist alles offen. Offen, wieviel Geld fließen soll, wie es verwendet werden soll, ob die Belegschaft und Künstler weiter hier arbeiten dürfen oder nicht, sogar die Struktur des Hauses.


Nathalie Senf und Juliane Schenk in Cosi Fan Tutte. Foto: Peter Awtukowitsch










Plauen wollte den Vogtlandkreis als zusätzlichen Gesellschafter gewinnen, um den eigenen Anteil des Zuschusses reduzieren zu können. Zwickau wartete ab.
Nun gab es einen großen Knall: die Beschlussvorlage für den neuen Grundlagenvertrag wurde am 04.12.2014 im Stadtportal der Stadt Zwickau (www.zwickau.de -> Bürger & Politik -> Stadtratssitzungen -> Ratsinformationssystem -> 18.12.2014 -> Punkt 6.8) veröf-fentlicht. Der Betreff liest sich noch ganz harmlos. Von der Sicherung der Theater Plauen-Zwickau gGmbH ist dort die Rede. Liest man weiter, fragt man sich, was mit “Sicherung” gemeint ist. Das Übrigbleiben eines Skelettes scheint demnach auszureichen.
In der Begründung zur Beschlussvorlage wird die Situation erläutert. Unter anderem wird der gescheiterte Versuch, den Vogtlandkreis als zusätzlichen Gesellschafter zu gewinnen, erwähnt und dass Plauen seinen Zuschuss zurückfahren müsse. Doch besonders ein Satz lässt aufhorchen. In dem heißt es, die Gesellschafter sähen lediglich die Möglichkeit einer nachhaltigen Zuschussbegrenzung durch eine umfassende Restrukturierung des Theaterbetrie-bes. Was im Klartext heißt: Plauen und Zwickau wollen den Etat des Theaters reduzieren, was nur geht, wenn Sparten abgebaut werden.
Im Weiteren werden tabellarisch für die Jahre 2015 bis 2018 der Zuschuss der Gesell-schafter (ca. 9 Mio €, 9,1 Mio €, 8,2 Mio €, 5 Mio €) sowie die Mittel des Kulturraumes aufge-führt, die immer in der gleichen Höhe angegeben werden. Was irreführend ist, denn die Höhe der Kulturraummittel ist an die Zuwendung der Gesellschafter gekoppelt. Es ist also gar nicht damit zu rechnen, dass diese gleich bleiben. Vielmehr sehr wahrscheinlich, dass sie ebenfalls sinken werden. Somit wird der Gesamtetat für 2018 mit geschönten 12,5 Mio € angegeben, sich aber wahrscheinlich unter 10 Mio € befinden. Gegenüber dem Etat von 2015 würden dem Theater also ab 2018 bis zu 6,5 Mio € weniger zur Verfügung stehen, das entspricht einer Kürzung von fast 40 Prozent.
Wohlgemerkt: Es geht in dieser Beschlussvorlage lediglich um die Finanzierung des Hauses, nicht um seine Struktur! Welche Stellen wie abgebaut werden sollen, ist also noch völlig unklar.
So wird in der Begründung ausgeführt, dass der resultierende Personalabbau mit erhebli-chen Abfindungsaufwendungen einhergehe, die noch nicht genauer beziffert werden könnten. Wie auch, wenn man nicht weiß, wem man eine Abfindung zahlen soll. Man rechnet trotzdem mal mit 24,5 Mio. € zusätzlicher Kosten. Außerdem seien die erforderlichen Einschnitte in der Personalausstattung nur im Rahmen von Spartenschließungen umsetzbar. So müssten die Sparten Musiktheater und Ballett abgebaut und zusätzlich Mitarbeiter der Dramaturgie, Technik und Verwaltung entlassen werden. Die Sparten Schauspiel und Puppentheater würden erhalten bleiben. Puppentheater und Ballett könnten auch getauscht werden.
Schließlich heißt es noch lapidar, ob Spartenschließungen durch Fremdbespielung kompensiert werden können, hänge von der derzeit nicht zu erfassenden Höhe des Kulturraumzuschusses ab. Damit wird nicht nur der “schwarze Peter” hin und her geschoben. Es wird auch deutlich, dass hier nichts zu Ende gedacht ist und ins Blaue hinein gekürzt werden soll, ohne strukturel-le Perspektive für die Zukunft. Obwohl es genug Vorlaufzeit für die Entwicklung eines neuen Grundlagenvertrages gab, wirkt die Beschlussvorlage wie mit der heißen Nadel gestrickt.
Wird dieser Beschlussvorlage zugestimmt, wird es ganz bestimmt ab 2018 noch stiller in Zwickau und Plauen. Denn vorher gab es wenigstens noch Musik…
Doch jetzt ist es nicht mehr still in Zwickau und Plauen. Die Mitarbeiter des Theaters machen mobil und setzen alle ihre Kreativität ein, um die Stadträte davon zu überzeugen, dass ein dermaßen beschnittenes Theater zu wenig ist für die Robert-Schumann-Stadt Zwickau und das Oberzentrum Plauen. Obwohl der Plauener Stadtrat erst im Februar über den Grundlagen-vertrag verhandeln soll, ist er in Zwickau schon am 18. Dezember auf der Tagesordnung. Dadurch ist nun Eile geboten. Dem Theater kann nur eine Änderung der Beschlussvorlage helfen, und dafür braucht es zunächst einmal Zeit. Zeit, in der die Gesellschafter die Konse-quenzen der derzeit vorliegenden Beschlussvorlage durchdenken und sich klar darüber werden können, welches Theater sie wollen.
Auf openpetition.de sind zwei Petitionen geschaltet. Aus technischen Gründen musste für die Plauener und die Zwickauer Stadtverwaltung je eine gesonderte Petition gestartet werden. Es wird gebeten, beide zu unterschrieben. Bitte helfen Sie dem Theater Plauen Zwickau. Die Petitionen finden sie im Internet mit den Stichworten “Petition Theater Plauen” und “Petition Theater Zwickau”.
Außerdem hat das Theater eine Pressemitteilung veröffentlicht. Hier der Wortlaut:
Die beiden Oberbürgermeister der Städte Plauen und Zwickau beabsichtigen ab 2018 ihre Zuschüsse für das Theater Plauen-Zwickau um dann 5 Millionen Euro abzusenken und ein-schneidende Strukturveränderungen vorzunehmen. In einer Beschlussvorlage, die am 18.12. in den Zwickauer Stadtrat eingehen soll, wird bereits angekündigt, dass bis 2018 Musiktheater, Chor, Orchester und große Teile der künstlerischen Leitung, Technik und Verwaltung abgebaut werden und ab dann nur noch die Sparten Schau-spiel und Puppentheater, bzw. alternativ Ballett bestehen bleiben sollen. Seit der Theaterfusion im Jahr 2000 ist die aus zwei Ensembles zusammengewachsene Theater-gesellschaft inzwischen auf die Stärke der Belegschaft eines einzelnen ehemaligen Hauses ge-schrumpft und macht trotzdem mit künstlerisch bedeutsamen Inszenierungen regional und überregional auf sich aufmerksam. Die Mitarbeiter verzichten seit Jahren auf Lohn, Gehalt und Gage, aktuell auf ca. 13 %, um das Theater in seiner Vielfalt zu erhalten. Unklar ist, wie die notwendigen Abfindungszahlungen im zweistelligen Millionenbereich finan-ziert werden sollen. In einer Mitgliederversammlung am 05.12.2014 wurde von den Beschäftigten der Umgang mit ihnen und die Kurzsichtigkeit der Gesellschafter kritisiert. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbei-ter brachten ihre Empörung und ihr Unverständnis über die immensen Sparvorschläge zum Ausdruck. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theaters planen vielfältige Aktionen, um die Zukunft der Gesellschaft zu sichern.
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STADTVERWALTUNG ZWICKAU
Medieninfo Nr. 005 vom 6. Januar 2015
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Das Presse- und Oberbürgermeisterbüro informiert:
ZWICKAU UND PLAUEN ERZIELEN KOMPROMISS BEI THEATERFINANZIERUNG

Die Städte Plauen und Zwickau haben einen Kompromiss für die Verlängerung des Grundlagenvertrages des Theaters Plauen-Zwickau erzielt. Das ist das Ergebnis der gemeinsamen Beratung von Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer, Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß mit den Vorsitzenden aller Stadtratsfraktionen. Diese fand am heutigen Nachmittag in Zwickau statt.

Demnach soll der Zuschuss ab 2018 15 Mio. Euro betragen. Im bisherigen Entwurf zur Verlängerung des Grundlagenvertrages waren 12,57 Mio. Euro vorgesehen. Die Stadt Plauen will dementsprechend einen Anteil von 3 Mio. Euro bezahlen, Zwickau würde 4,5 Mio. Euro zuschießen. Die städtischen Vertreter gehen weiterhin davon aus, dass der Finanzierungsbeitrag des Kulturraumes wie bisher 7,5 Mio. Euro beträgt. Die Vertreter der Stadt Zwickau signalisierten außerdem, dass etwaige Aufwendungen für Abfindungen, wenn diese durch die Städte getragen werden müssen, im Verhältnis von 60 % (Zwickau) zu 40 % (Plauen) finanziert werden. Diese Verteilung entspricht dem künftigen Zuschussschlüssel.

Einmütig wurde außerdem das Ziel formuliert, dass der Vogtlandkreis und der Landkreis Zwickau sowie der Freistaat zur Finanzierung des Theaters beitragen sollten.

Stellungnahme der Theaterleitung und des Betriebsrates zu Einigung über die Finanzierung der Theatergesellschaft zwischen den Städten Plauen und Zwickau


Pressemitteilung vom 07.01.2015

Zwickau, 7. Januar 2015 - Die Theaterleitung und der Betriebsrat des Theaters Plauen-Zwickau begrüßen die erfolgte Einigung in der gemeinsamen Beratung der beiden Oberbürgermeister und Fraktionsvorsitzenden der beiden Trägerstädte zur Verlängerung des Grundlagenvertrages ab Sommer 2015.
Die Erhöhung der bisher im Entwurf des neuen Grundlagenvertrages mit 12,5 Mio Euro geplanten Zuschüsse ab 2018 auf 15 Mio Euro wertet das Theater als Erfolg der massiven Bürgerproteste und Solidaritätsbekundungen aus Bürgerschaft, Politik und Wirtschaft. Innerhalb kürzester Zeit wurden u. a. rund 40.000 Unterschriften für den Erhalt des Vierspartentheaters in beiden Städten und online gesammelt.
Die Theaterleitung beurteilt die Erhöhung sowie auch die prinzipielle vertragliche Absicherung des Theaters bis 2020 als Bekenntnis der beiden Oberbürgermeister zum Erhalt des produzierenden Mehrspartentheaters und wertschätzt insbesondere die finanziellen Zugeständnisse der Stadt Plauen, die ihren bisher geplanten Anteil deutlich um 1 Mio Euro angehoben hat.
Auch das formulierte Ziel, die beiden Landkreise sowie den Freistaat zusätzlich in die weitere Finanzierung einzubeziehen, sieht das Theater als unbedingt weiter zu verfolgendes Anliegen.
Nichtsdestotrotz bleiben mit der gestrigen Einigung noch viele Fragen. Trotz der Erhöhung bleibt bei der geplanten Zahlung des vollen Tarifes für die 326 Mitarbeiter des Theaters ein Minderbetrag von ca. 3,5 Mio Euro 2018. Offen ist auch die Finanzierung der zu erwartenden Tariferhöhungen ab 2018.

Theater-Plauen-Zwickau im Web

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