Richard Wagners romantische Oper „Tannhäuser“ am Zwickauer Gewandhaus

Skandal beim Sängerwettbewerb auf der Wartburg

Hier geht´s zurück zur HOMEPAGE



Sinnenbetörend zeigt sich die Szenerie auf dem Venusberg, der Tannhäuser am Anfang gefangen hält. Fotos: Awtukowitsch

Richard Wagners romantische Oper „Tannhäuser“ am Zwickauer Gewandhaus

Skandal beim Sängerwettbewerb auf der Wartburg


ZWICKAU, 24.Mai 2013 – Der hehren Liebe zu huldigen, das war das Ziel der edlen Ritter und ihrer Minnesänger um Walther von der Vogelweide vor 800 Jahren. Sängerfeste auf der Wartburg gerieten denn auch in aller Regel zur Lobpreisung der edlen Minne. Versuchte einer mal aus der Rolle zu fallen und ein wenig die Sinnesfreuden der körperlichen Liebe zu preisen, kostete das in aller Regel den Kopf des Wagemutigen. Richard Wagner lässt seinen romantischen Helden Tannhäuser den Versuch wagen. Am Freitag hatte die Wagneroper „Tannhäuser“ am Zwickauer Gewandhaus Premiere.
Zunächst erfüllt das Sinfonieorchester unter der Stabführung von Generalmusikdirektor Lutz de Veer mit einem fulminanten Strom von Tönen die Sinne bis zum Ohrenklingen, die Ouvertüre erfasst das ausverkaufte Gewandhaus.

Venus, Nathalie Senf, umgarnt Tannhäuser, Ricardo Tamura, mit all ihren Sinnen. Es hilft nicht, er will und muss zurück auf die Erde.









Tannhäuser, Ricardo Tamura, schwelgt in den Armen der Göttin Venus, Nathalie Senf, auf dem Venusberg und könnte eigentlich zufrieden sein. Auf dem Venusberg ist alles dem Sinnesgenuss gewidmet. Das Ballett des Theaters Plauen-Zwickau erfüllt erst auf der Leinewand in Großaufnahmen und dann im Tanz auf der Bühne die Szene mit opulentem Leibergewirr. Die dünnen Trikots verraten mehr als sie verdecken und die Choreographie von Alexandre Tourinho zeigt eindeutige Vereinigungsszenen. Venus verspricht Tannhäuser weitere tolle Sinnesfreuden, wenn er denn auf dem Venusberg bliebe. Es hilft nichts, Tannhäuser sehnt sich nach der wirklichen Welt. „Im Traum war mir’s als hörte ich – was meinem Ohr so lange fremd! Als hörte ich der Glocken frohes Geläute!“ Alles Schmeicheln und betören, und Nathalie Senf ist eine betörende Venus, hilft nichts, Tannhäuser flieht vom Venusberg und findet sich unversehens vor der Wartburg bei Eisenach wieder, man muss es wissen, das Bühnenbild verrät nichts davon. Dort trifft Tannhäuser er auf seinen alten Freund, Wolfram von Eschenbach, Hinrich Horn. Die Erwähnung von Elisabeth, Katrin Kapplusch, der Nichte des Landgrafen von Thüringen, Karsten Schröter, elektrisiert Tannhäuser. „Auf zur Burg!“
Auf der Wartburg kommt Tannhäuser gerade recht, um am Sängerwettstreit, zu dem der Landgraf Sänger von Nah und Fern versammelt hat, teilzunehmen. Beeindruckend und genussvoll der volle Sound des verstärkten Opernchores mit mehr als 50 Sängerinnen und Sängern auf der Gewandhausbühne.
Herrmann, der Landgraf von Thüringen, Karsten Schröter, verkündet das Motto des Wettbewerbs: „… könnt ihr der Liebe Wesen mir ergründen? Wer es vermag, wer sie am Würdigsten besingt, dem reich‘ Elisabeth den Preis?“
Wolfram von Eschenbach, Walther von der Vogelweide, Raphael Wittmer, und weitere Minnesänger preisen die romantische Liebe. Nur Tannhäuser, noch von den Freuden auf dem Venusberg betört, hält dagegen: „In vollen Zügen trink ich Wonnen, … denn unversiegbar ist der Bronnen, wie mein Verlangen nie erlischt.“
Der Skandal ist perfekt, seine Freunde wenden sich gegen ihn, und beinah wäre er erschlagen worden. Elisabeth rettet ihm das Leben, aber sie selbst ist zerbrochen. „Lass hin zu dir ihn wallen, du Gott der Gnad und Huld!“

Elisabeth, Katrin Kapplusch, hat viele Jahre auf die Rückkehr von Tannhäuser, Ricardo Tamura, gewartet. Nach seiner Rückkehr kann sie auch wieder mit Freude an den Sängerwettbewerben, die sie in seiner Abwesenheit gemieden hat, teilnehmen.








Nur eine Pilgerfahrt zum Papst nach Rom bietet sich als Ausweg. Der Pilger soll vom Heiligen Vater seiner Sünden frei gesprochen werden. Man sollte bei all dem Trubel auch die Sängerin Chrissa Maliamani, die als junger Hirte erfrischend mit ihrem Sopran die Szenen auflockert, nicht vergessen zu erwähnen.
Warum der Regisseur, Roland May, und die Ausstatterin, Luisa Lange, die Akteure in langweilige und zusammengewürfelte Anzüge und Uniformen aus dem 20. Jahrhundert stecken, bleibt rätselhaft. Ob es die hohen Kosten für historische Kostüme, eine Leutnantsuniform der Wehrmacht dagegen gibt`s wahrscheinlich umsonst, oder, ob es der Zeitgeist ist, der Regisseure heute in Fachkreisen unmöglich macht, wenn sie es denn wagen, die Handlungen zeitgemäß inszenieren – die Frage wird auch durch den Gedanken, dass die Bigotterie des 14. Jahrhunderts sich bis in den Ehrenkodex des 20. hineinzieht, nicht ausreichend begründet.
Das Publikum hat die tollen Leistungen der Sängerinnen und Sänger am Ende mit tosenden und lang anhaltenden Beifall gewürdigt.
Theo Stiegler







Tannhäuser, Ricardo Tamura, preist im Wettbewerb ganz unerwartet die sinnliche Liebe und erzeugt damit einen ungeheuren Skandal. Fotos: Peter Awtukowitsch.
zur Theater-Website Kartentelefon 0375 274114647


Mail to Stiegler




Besuche "Tannhäuser"counter
Besuche DerZwickauer counter
hier geht´s nach oben und
hier geht´s zurück zur Homepage