4. Internationales Bildhauersymposium in Zwickau vom 18. September bis 6. Oktober 2006

siehe auch 3. Internationales Bildhauersymposium 2002

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Erika Harbort lässt den Bohrhammer dröhnen, bis zum 6. Oktober ist Zeit, das Werk zu vollenden. Foto: Stiegler

Internationales Bildhauersymposium auf dem Zwickauer Windberg


Bildhauerei im Zeichen von „Schumann, Musik und Kunst“


ZWICKAU – „Gleich wird es hier extrem laut“, sagt Katrin Pannick, 37. Die Bildhauerin aus Halle setzt sich noch die Ohrschützer auf und greift zur Kettensäge und schon stieben die Späne. Aus den fast meterdicken Eichenstämmen wird ein Kopf entstehen. Dem soll man ansehen, „dass er eine Musik hört“. Wie das zu sehen sein wird, bleibt noch das Geheimnis der Bildhauerin aus Halle.
Die Künstlerin ist eine von 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am 4. Internationalen Bildhauersymposium, das die Stadt Zwickau veranstaltet. Cheforganisator Jo Harbort, selbst bekannter Bildhauer aus Zwickau freut sich auf die kommenden drei Wochen. „Es ist das zweite Mal, dass wir das Symposium unter ein bestimmtes Thema gestellt haben“. „Schumann- Musik und Kunst“ liegt im150. Jahr nach dem Tod von Robert Schumann in der Zwickauer Luft. 1994 hatte das erste Symposium unter dem Titel „Georgius Agricola“ stattgefunden, 1998 und 2002 waren die Themen für die Teilnehmer frei wählbar.
Unter den Händen von Jan Szewczyk entstehen unverkennbar Hände, die über Klaviertasten schweben. „Memory of Schumann und Chopin“ liegt für den Bildhauer aus Polen nahe. Sein Landsmann Frederyc Chopin und Robert Schumann waren Zeitgenossen, „Schumann hat als einer der ersten das große Talent meines Landsmannes in einen Aufsatz gewürdigt“, weiß Szewczyk.
Die Chinesin Jiang Bian, 26, lässt aus Stein und Holz das Thema „Schumann und Clara“ entstehen. „Schroffes und Weiches, Festes und Nachgiebiges sollen so erkennbar werden“, sagt die Studentin der Dresdner Kunstakademie, die seit sechs Jahren in Deutschland studiert. Wilfried Düwentester aus dem mecklenburgischen Teterow klebt derweil Bretter parallel in geschlitzte Steine, Notenlinien werden so den Bogen zum Thema spannen. Die Steine selber sollen wie Noten gruppiert werden. „Ich glaube eher nicht“, sagt er auf die Frage, ob ihm da eine bestimmte Melodie vorschwebt. „Das soll abstrakt wirken und wird eher den Zufall überlassen“, will er das Thema nicht von vornherein eingrenzen. Die zweite Dresdner Studentin, die einen Freiplatz zum Symposium erhielt, ist Melanie Fieger. Unter den Händen der Erfurterin entsteht sichtbar ein überdimensional großes Ohr. Schwieriger ist das Thema, das sich die Dänin Charlotte Boesen aus Kopenhagen vorgenommen hat: „In einer Installation soll das Opus 73 von Schumann bildlich die Musik wiedergeben.“ Die Dänin findet in der Musik Schumanns eine enorme Spannung, die sie mit bizarren Holzstückchen auf einem Feld darzustellen versucht.
Seit vergangenem Montag arbeitet die Künstlergruppe im Zwickauer Stadtwald auf dem Windberg. Und erstaunlich viel ist schon nach einer knappen Woche schon zu sehen. Besucher sind willkommen; die Künstler lassen sich gern bei der Arbeit über die Schulter sehen. Traditionell bleiben die Arbeiten nach Abschluss des Symposiums im Besitz der Stadt Zwickau. Erika Harbort, die sonst nur noch mit Marmor in Griechenland arbeitet, hat sich für diese Mal einen großen Sandsteinblock vorgenommen. „Es bleibt noch viel Arbeit, ich weiß nicht, ob ich das in der verbleibenden Zeit alles schaffe, aber ich genieße die Arbeit und die Atmosphäre hier in dem idyllischen Wald, großartig“, sagt die Bildhauerin und schon lässt sie den Block wieder unter dem Bohrhammer dröhnen. Theo Stiegler


Dreizehn Künstler aus sechs Ländern ein Thema:
„Robert Schumann - Musik und Kunst“

Kunst auf dem Windberg: Beginnend mit dem 18. September werden insgesamt dreizehn von einer Jury ausgewählte Künstlerinnen und Künstler drei Wochen im wahrsten Wortsinne „nach allen Regeln der Kunst“ im Freien „werkeln“. Der erste Tag des Symposiums war mit dem Einrichten der Arbeitsplätze auf dem Windberggelände - d. h. mit Holz- und Steinerücken - ausgefüllt. Hier werden in den nächsten Tagen die eingereichten Entwürfe in Materialien wie sächsischen Sandstein, Holz von der Ostseeküste sowie Metall umgesetzt.

Die Veranstalter die Stadt Zwickau und der Kunstverein Zwickau e. V. freuen sich, je einen Künstler aus China, Dänemark, Korea und Polen, zwei aus Spanien sowie sechs aus Deutschland begrüßen zu können. Der Spanier Rob Harding ist bereits zum zweiten Mal dabei. Sozusagen als Teilnehmer mit der „Startnummer 13“ wird auch ein Organisator, der Zwickauer Bildhauer Jo Harbort, wieder einen Beweis seines Könnens abliefern. In seinen bewährten Händen liegt die Durchführung der Veranstaltung, die in Verantwortung und Regie des Kulturamtes stattfindet. Mit Technik unterstützt werden die Organisatoren durch Stadtförster Reiner Freudenberg.

Dass ein Festjahr – von der Stadt zu Ehren eines hier geborenen großen Komponisten veranstaltet sich auf das Motto weiterer künstlerischer Events auswirken kann, zeigt das Bildhauersymposium 2006: „Schumann- Musik und Kunst“. Dieses Thema, könnte sich durchaus für einen Bildhauer zur echten künstlerischen Herausforderung gestalten. Einige der Künstler verrieten bereits ihren Arbeitstitel: „Das Hören“, „Klavier“, „Vibration“, „Ohr“. Ganz im Sinne Schumannschen Schaffens wird unter Jo Harborts Händen eine „Träumerei“ entstehen, wie er auf Anfrage verriet. Andere haben sich nicht gleich von vornherein festgelegen wollen und sorgen vielleicht gerade deshalb noch für eine Überraschung im „Schumann-Jahr 2006“. Die Präsentation der fertigen Werke wird vor Ort am letzten Tag, am Freitag, dem 6. Oktober, erfolgen. Wo die Objekte danach in Zwickau ihren Platz finden, entscheidet sich dann allerdings erst im Frühjahr 2007.

Was zum 3. Bildhauersymposium im Jahr 2002 erstmals realisiert wurde, wiederholt sich nun beim 4. Treffen: Erneut wurden zwei Plätze für die Dresdner Hochschule für bildende Künste reserviert und wieder kommen zwei Studentinnen – die Erfurterin Melanie Flieger und die Chinesin Jiang Bian in den Genuss, an diesem Künstlertreffen teilzunehmen: Das erklärte Ziel, das sich damals wie heute damit verbindet: Die Veranstalter wollen einen Beitrag zur Förderung junger Künstler leisten - eine Tradition in der Geburtsstadt der „Brücke“-Mitglieder Max Pechstein und Fritz Bleyl.

WEITERE INFOS:

Nachdem Bildhauersymposien vor 1990 im nationalen Rahmen stattfanden, wird seit 1994 alle vier Jahre - mit inzwischen weltweiter Resonanz - ein Internationales Bildhauersymposium in Zwickau abgehalten.


Während des Symposiums besteht die Möglichkeit, die Künstlerinnen und Künstler bei der Arbeit kennen zu lernen. Das sind:

Jiang Bian, China
(z. Zt. Studentin an der Hochschule für bildende Künste in Dresden)
Charlotte Boesen ,z.Zt. Bremen , Dänemark
Rob Harding, Spanien
Dong-Hun Sung, Korea
Jan Szewczyk, Polen
Antonio Yesa, Spanien

...sowie die Künstler aus Deutschland:

Wilfried Duwentester, Hohen-Demzin
Melanie Fieger, Erfurt
(z.Zt. Studentin – Hochschule f. bildende Künste, Dresden)
Erika Harbort, Glauchau
Jo Harbort, Zwickau
Bodo Korsig, Trier
Eckard Labs, Greifswald
Katrin Pannicke, Halle (Saale)


Jiang Bian aus der Nähe von Peking lässt den Stein unter der Flex kreischen.

Dong-Hun Sung aus Korea hat sich das Ohr und das Hören abstrakt vorgenommen.

Wer recht zu wirken denkt, muss auf das beste Werkzeug halten, frei nach dem Altmeister Goehte schärfen Charlotte Boesen und Katrin Pannicke ihre Kettensägen.

Den Bogen zwischen Schumann und Chopin will der Pole Jan Szewczyk spannen.

Melanie Fieger, Studentin aus Dresden, lässt ein großes Ohr Musik hören.

Die Hallenserin Katrin Pannicke hat sich einen Kopf vorgenommen, dem soll an das "Hören" ansehen können.

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Charlotte Boesen aus Kopenhagen arbeitet am Sichtbarmachen der Musik von Robert Schumann.

Notenlinien entstehen hier unter den Händen von Wilfried Duwentester.

Auch die Pausenversorgung klappt bestens, die Ehefrau des Koreaners Dong_Hun Sung: Cappuchino?.

Dr. Theo Stiegler, freier Journalist für Text und Foto
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