3. Internationales Bildhauersymposium in Zwickau

siehe auch 4. Internationales Bildhauersymposium 2006 vom 18. September bis 6. Oktober


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DieTeilnehmer am Bildhauersymposium Robert Harding, Susan Donath, Jo Harbort, Sakari Matinlauri, Colin Forster, Victor Sebergs, Stefano Grattarola und Anne Kajer. Foto: Stiegler

Arbeitsreiches Treffen mit Künstlern aus aller Welt


Zwickau. Auf dem Zwickauer Windberg kreischten die Motorsägen und sirren die Trennschleifer. Künstler sind zunächst mal begabte Handwerker, denen phantasievolle Formen unter den Händen gelingen. Das 3. Internationale Bildhauersymposium hat den Zipfel des Zwickauer Stadtwaldes am ehemaligen Windberghotel gründlich aus seiner Ruhe geweckt. Jo Harbort, Bildhauer und kunstbesessener Globetrotter aus Zwickau, lud weltweit Kollegen nach Zwickau zum gemeinsamen Arbeiten ein. Australien und Kanada sind die weitest gelegenen Länder, aus denen Teilnehmer nach Zwickau gekommen sind. Vom 20. September bis zum 9. Oktober hatten sich alle Künstlerinnen und Künstler ein ordentliches Stück Arbeit vorgenommen. Da hat Jo erstmals die Gilde getrennt: Oben am Hotelgebäude liegen dicke Eichenstämme, sind die Arbeiten der Holzbildhauer schon weit gediehen. Unten im Wald stieben die Staubwolken, schlägt sich ein feines Puder von Gesteinsstaub auf Büschen und Bäumen, auf Plastiken und Frühstücksbroten nieder. Die Holzwürmer haben es vorgezogen, ein eigenes Terrain zu beziehen, sich die Staubwolken vom Hals zu halten. Erstaunlich, wie aus groben Blöcken und Baumstämmen figürliches, geometrisch Geordnetes oder auch allegorisch Verschlungenes entsteht. Besucher sind zur Arbeit herzlich willkommen. Knapp drei Wochen Arbeit aus den Händen der Teilnehmer werden der Stadt Zwickau wieder viel Erstaunlichen für ihren Grüngürtel längs des Dr.-Friedrichs-Ring bescheren, wird das Bild der Stadt wieder durch neue, interessante Bildwerke bereichert. Da ist der liegende Astronaut des Wahlungarn Colin Forster: Der Engländer lebt seit vielen Jahren in Ungarn und seine steinernen Engel sind schon auf allen Kontinenten dieser Erde zu finden. Der Astronaut, den Colin Forster in Zwickau in Arbeit hat, bildet eine Symbiose aus menschlichen Formen und geometrischen Gegenständen, die man getrost als Bedienpult in einem Raumschiff sehen sollte. Eigene Flügel bilden am Astronauten die Beziehung zum Engel. Engel dieser Art haben eine Beziehung zu allem, was sich bewegt, Boote, Autos, Flugzeuge, der Kunstprofessor aus dem ungarischen Pecs hat sie mit Lebenden und Allegorischen verbunden. Gleich neben Forster arbeitet die deutsche Kunststudentin Anne Kajer, die sich einen Platz im bunten Herbstwald gesichert hat. Erstmals sind zum Symposium auch Studenten aus der Dresdner Kunsthochschule mit dabei. Ein guter Impuls. Anne liebt alles rund, obwohl sie selbst gertenschlank daher kommt. Der Stein ist unter ihren Händen zu einem großen, runden Laib geworden. Der Staub, den die Flex produzierte, ist lange verzogen und Feinschliff steht an. Liebevoll streicht die Studentin über die Rundungen, fühlt die Aufbrüche, die scharfkantig Öffnungen andeuten. „Da haben die meisten erstmal die Finger drin“, sagt sie und lacht bei dem Gedanken, dass die Betrachter einen „Schweinekram“ darin vermuten. Sollen sie ruhig. Aber gemeint sei etwas ganz anderes: Die Risse werden mit glänzenden Metall so ausgekleidet. Der Eindruck soll entstehen, der aufgeplatzte Steinblock sei im Inneren aus Metall, die spielerische Verbindung zwischen beiden Elementen soll verblüffen. Anne hat sich bereit erklärt, den internationalen Kreis der Teilnehmer vorzustellen. Australien, Kanada, Italien und Litauen, Ungarn und Polen, Deutschland und Spanien sind auf dem Windberg vertreten. Die meisten der Teilnehmer hat Jo Harbort irgendwo auf der Welt kennengelernt, Colin Forster, den ungarischen Professor, beispielsweise in Argentinien. Aus Kanada ist Ryszard Litwinink, von Geburt Pole, angereist. Harborts Teilnahmen an den Eisfestivals in Kanada sind in Zwickau Legende. Skulpturen aus Eis hat der produktive Harbort auch schon im fernen Japan hinterlassen. Metamorphosen nennt der Kanadier Litwinink sein Thema auf dem Zwickauer Windberg. Das erinnert den Betrachter flüchtig an ein Krokodil mit zwei Köpfen. Würfel wurden aufwändig und sorgfältig mit der Kettensäge aus dem Vollen getrennt und immer entstanden aus dem nächsten inneren Quader wieder ein hohler Würfel. Eine handwerklich sehr anspruchsvolle Arbeit, die nun mit Edelstahlstiften ihre Verbindung erhielten, die an die Verwandlung des Gegenständlichen erinnern sollen. Der Leichtigkeit des Seins und dem Paradoxon der Schwere des Materials beim Schweben in der Luft hat Arvydas Ališanka aus Litauen seine „Paperfly“ gewidmet. Massiv und schwer aus dickem Eichenholz sind die Flügel seiner Papiertaube, die sicher nicht von lockerer Hand über den Windberg schweben wird, wenn nächste Woche am Mittwoch das Symposium seinen Abschluss findet. Witzelnd würdigen die Künstler untereinander ihre Werke. Stefano Grattarola aus Italien nahm sich den weichen Stein gründlich vor. Zweier Riesenkeulen gleich liegt seine „Germination“ unter dem Zeltdach. „Rund“, findet Anne Kajer, das sei schon mal gut. Die Begegnung von natürlichen und technischen Formen, von Landschaft und Städten, wie er sie in Deutschland erlebt, möchte Stefano in seiner Arbeit ausdrücken. Dass seine Kollegen in den steinernen Keulen auch riesenhaft vergrößerte Spermien sehen, lässt ihn lächeln. Begegnung sei immer gut. Für Anne ist die Arbeit mit bekannten Bildhauern und interessanten Menschen der eigentliche Schatz der letzten drei Wochen in Zwickau. Gleich neben dem Italiener Stefano arbeitet Robert Harding, er poliert an einem äußerst technisch aussehenden Gebilde herum. Das Edelstahlteil hat der im spanischen Malaga lebende Künstler auf einem Zwickauer Schrottplatz entdeckt und sofort die künstlerische Potenz in der silbern glänzenden Wendel erkannt. Sein „Liebesbrunnen“ erfährt durch die Extruderwelle eine Krönung. Einem großen Kaktus gleich bildet ein großer bearbeiteter Sandsteinblock die eiförmige Basis für den „Brunnen“, der „allways“ seine Wirkung tue, versichert Harding die Ausstrahlung seines Liebesbrunnens. Am weitesten gereist ist Victor Sebergs. Der Australier musste am vergangenen Freitag eine kleine Kunstpause einlegen. Jo Harbort war unterwegs, um Gas für den großgewachsenen Australier zu besorgen. Nach dem spitzen Werkzeug braucht der Australier nun die Flamme. Einen riesigen Eichenholzsstamm hat Sebergs von außen mit dreieckförmigen Rillen längs gefurcht. Das Innere des meterdicken Zylinders wurde und wird mit der Flamme herausgebrannt. Der reinigenden Kraft des Feuers soll das Gebilde gewidmet sein. An australische Buschfeuer mit ihrer erneuernden Kraft auf Landschaft und Kultur will der Australier erinnern. Nördlich vom Polarkreis ist der Finne Sakari Matinlauri zu Hause. Sein Thema: „Licht“. Ganz handwerklich ist er an seiner Skulptur damit beschäftigt, Schrauben und Gewinde am Sockel anzubringen. Nebenan wartet das eigentliche Kunstwerk: „Das ist ein Leuchtturm“, sagt der Finne. Traditionell zahlt die Stadt Zwickau den beteiligten Künstlern für ihre Teilnahme am Symposium ein Honorar. Die in den drei Wochen entstehenden Kunstwerke gehören der Stadt. Aufmerksame Besucher entdecken die interessanten Spuren vergangener Symposien, 1994 und 1998, in den Grünanlagen am Dr.-Friedrichs-Ring, im Museumsgarten am Platz der Völkerfreundschaft oder im Domhof. Jo Harbort, selbst auch immer mit anspruchsvollen Zielsetzungen als Bildhauer dabei, hat sich dieses Mal das Thema Kommunikation ausgedacht. Eine lange, bunte Röhre verläuft parallel zu einem gewendelten Holzstamm von beachtlicher Länge. „Das ist zum Experimentieren“, sagt der Bildhauer und lacht. „Vielleicht versucht auch mal jemand durch die Röhre hindurch zu sprechen.“ Nicht ganz klar erscheint die Zukunft der studentischen Werke. Anne Kajer weiß, ihre Plastik wird wohl nur drei Jahre in Zwickau zu sehen sein, das weitere Schicksal sei offen, kommt zum Ausdruck. Eigentlich schade für Zwickau, sollte die wohl gerundete Form mit den metallenen Anschein seines Inneren nach drei Jahre wieder verschwinden. Harborts 1998er Werk, der gekreuzigte Jesus, steht im Zwickauer Domhof. Dem Ansinnen, die Werke zur Bereicherung der Innenstadt aufzustellen, kommt diesmal entgegen, dass sich die Teilnehmer ausschließlich „handliche Werke“ vorgenommen haben. Aufwändige Installationen mit schwer erschließbaren Inhalten und weit verstreuten Bestandteilen sind nicht in Arbeit. Die entstehenden Werke bieten trotzdem viele Anregungen für die Phantasie des Betrachters. Wer gern die Künstler kennen lernen will: Am kommenden Mittwoch, 9. Oktober, 16 Uhr, findet die diesjährige Abschlussveranstaltung des 3. Internationalen Bildhauersymposiums auf dem Zwickauer Windberg, Werdauer Straße 160, statt. Da sind alle Werke fertig, aber noch beieinander und die Bildhauer freuen sich auf viele interessierte Besucher. Theo Stiegler

Figuren aus menschlichen und technischen Formen mit Engelsflügeln dazu: Das Thema der Bewegung beschäftigt Colin Forster seit vielen Jahren. „Ernsthafte Engel“ von Forster sind auf allen Kontinenten zu finden. Nun bekommt auch Zwickau eines..

Anne Kajer liebt die Rundungen. Ihre Plastik soll mit der ungewöhnlichen Verbindung von Stein und Metall die Betrachter verblüffen.

Victor Seborgs erinnert an die reinigende Kraft des Feuers..

Metamorphosen von Susan Donath.

Ryszard Litwink schafft Metamorphosen mit aufwändigen Sägearbeiten: „2 in one“ ist eine seiner beiden Plastiken, die er in Zwickau geschaffen hat.

Robert Harding baut an seinen "Liebesbrunnen".

Jo Harbort mit "Kommunikation"

Victor Sebergs und Jo Harbort.

Stefano Grattarola mit der Flex die "Spermien" aus dem Stein herausgeschliffen.

Arvydas Ališanka baut „Papiertauben“ aus dicken Eichenhölzern und möchte an das Paradoxon des Fliegens erinnern. .

Dr. Theo Stiegler, freier Journalist für Text und Foto
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