Premiere von „Ein Sommernachtstraum“ als Oper von Benjamin Britten und Abschied vom „Das Ballhaus“ von Steffen Mensching – großes Theaterwochenende am Zwickauer Gewandhaus



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Titania hat sich mit Oberon verkracht. Verwirrung und Chaos im Zauberwald.
Foto: Awtukowitsch

Premiere von „Ein Sommernachtstraum“ als Oper von Benjamin Britten und Abschied vom „Das Ballhaus“ von Steffen Mensching – großes Theaterwochendende am Zwickauer Gewandhaus



Ein Ensemble nimmt Abschied von seinem Publikum - stehende Ovationen für scheidende Publikumslieblinge


ZWICKAU, 29. Mai 2009 – Großes Theaterwochenende in Zwickau, zwei Mal ausverkauftes Haus, zwei völlig verschiedene Theaterabende. Freitag die Premiere einer 400 Jahre alten Komödie in moderner Fassung mit schriller Musik und fantastischen Ambiente, Sonnabend der Abschied eines äußerst erfolgreichen Theaterstückes ohne Worte mit sehr viel Ausdruck. Freitag feierten Sänger und Publikum die Premiere der Shakespeares vom „Sommernachtstraum“ in der Opernfassung von Benjamin Britten, Sonnabend nahmen die Schauspieler und das Publikum Abschied vom „Ballhaus“, das allein in Plauen weit über hundert Aufführungen erlebte. Mit dem „Ballhaus“ verlassen auch zahlreiche Schauspieler die vereinigten Bühnen des Theaters Plauen Zwickau. Nicht dass sie nicht hätten weiter in Zwickau und Plauen spielen wollten, oder dass sie dem hiesigen Publikum nicht mehr gefallen hätten, mitnichten – Schauspielerinnen wie Marie-Luise von Gottberg oder Sandrine Guiraud, Schauspieler wie Jörg Metzner oder Egbert Soutschek, um nur einige zu nennen, wurden noch immer mit heftigem Applaus gefeiert; auch am Sonnabend verabschiedeten sich die Zwickauer mit stehenden Ovationen von ihren Favoriten. Der neue Hausherr des Theaters, der ab August das Szepter schwingt hat andere Pläne, er will für die kommende Spielzeit eigene Leute mitbringen. Morgenpost berichtete.
Vorm Abschied erlebte das seit langem ausverkaufte Haus noch einmal drei Stunden spannende Geschichte. Unter der immer gleich bleibenden Kulisse eines Tanzetablissements, dem Ballhaus mit Jugendstiltür und Kunstmarmorsäulen, verstreichen in wortlosen Szenen, aber mit viel Tanz und gekonnter Mimik gestaltet die Jahre der Weltwirtschaftskrise, die Nazizeit, viel DDR-Geschichte und schließlich die Zeit bis zum Lichtausknipsen vor dem Augen des Publikums. Tango, Charleston, Rock’n’Roll, Lipsi und Lambada setzen unvergessliche Marken, Nazis, Westverwandte, Funktionäre vom Blockwart bis zum Wahlleiter, vom Volkspolizisten bis neuen Eigentümer mit neuen Plänen für den Saal, das alles weckt äußerst lebendige Erinnerungen und Regungen im Publikum. Während noch eine Zuschauerin in Erinnerung murmelt: „Jetzt sollten sie noch ein Schild mit der Aufschrift „Sie werden platziert“ anbringen, und prompt erscheint die Garderobenfrau mit genau dieser Tafel am Saaleingang, man kann heute darüber lachen.

Ganz anders der Premierenfreitag. Gespenstig und fantastisch tut sich die Szenerie im Zauberwald vor den Augen der Zuschauer auf. Oberon, Matthias Koch, liegt im Streit mit Titania, Inga-Britt Andersson. In die Szene platzen die Menschenpaare Lysander, Thomas Löffler, und Hermia, Silke Richter, Demetrius, Michael Junge und Helena, Uta Simone Schmidt. Puck, Jörg Simmat, ein Elf, hilft, Verwirrung auf allen Ebenen zu stiften.
Jörg Simmat tut dies mit nahezu artistischem Geschick, quirlt um alle Ecken, jongliert und dirigiert die Elfenschar. Ines Nadler hat als Ausstatterin den sonst üblichen Wald in Zwickau durch Science-fiction-Elementen ersetzt, die Bühne wirkt als ferne Welt.

Während noch Puck auf Geheiß von Oberon die benötigte Zauberblume besorgt, dröhnen die Ohren unter der ungewohnt dissonanten Musik Benjamin Brittens.
Unter der Stabführung von Georg Christoph Sandmann meistert das Orchester bewundernswert die schwierige Musik, die sich so gar nicht ans Trommelfell anschmiegen will. Auch die Sängerinnen und Sänger werden aufs Äußerste gefordert. Im hohen Falsett singt Matthias Koch den Oberon, leistet mit seiner Stimme Außergewöhnliches.
Derweil taucht im Zauberwald eine Schar von theaterbegeisterten Handwerkern auf. So etwas hat’s wohl vor 400 Jahren in England gegeben. Die Truppe übt für eine Aufführung, die das Hochzeitsfest von Theseus, Hagen Erkrath, und Hyppolyta, Tamara Noack, umrahmen soll.
Elf Puck hext den Handwerker Zettel, Hasso Wardeck, einen Eselskopf an. Und ausgerechnet den Esel erblickt Titania als erstes, als sie die Augen öffnet. Der Zaubertrank den ihr Puck eingeflößt hat, wirkt, sie verliebt sich unsterblich in den Esel. Inga-Britt Andersson feiert ihren neuen Schwarm: „Begehre nicht, aus diesem Hain zu fliehen; ich liebe Dich! Drum folge mir. Ich gebe Elfen zur Bedienung Dir.“ Trotz der anstrengenden Sangespartie sind die Worte gut verständlich.
Zettel ist verwirrt aber auch geschmeichelt. Hasso Wardeck glänzt in der Rolle des Handwerkers und Laienschauspielers. Da auch die Liebespaare Hermia und Lysander sowie Helena und Demetrius von dem Zaubertrank abbekommen haben, kommt es zu dem erwarteten turbulenten Verwirrspiel, das sich natürlich in shakespearescher Manier am Ende wieder wohltuend auflöst. Minutenlanger herzlicher Applaus belohnt die höchst anspruchsvolle musikalische Leistung des Ensembles und des Orchesters.
Wer’s schnell noch sehen möchte, mit der Vorstellung am kommenden Freitag, 19.30 Uhr, beschließt das Ensemble des Musiktheaters die Spielzeit 2008/09 in Zwickau. Wiederaufnahme ungewiss. Auch das Ensemble des Musiktheaters verliert unter dem neuen Intendanten Roland May viele Sängerinnen und Sänger.
Theo Stiegler

Ticket-Service im Gewandhaus 0375 27411 46 47 oder 0375 27411 46 48 und zur Theater-Website


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