ZWICKAU, Bronislav Roznos inszeniert und choreographiert am Zwickauer Gewandhaus


Filmhandlung „Solo Sunny“ nun als TanzMusical auf der Bühne



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Melanie Rainer als Sunny bietet hinreißendes Showtalent. Fotos: theater

Solo Sunny - der Erfolgsfilm der DEFA nun als Tanzmusical auf der Zwickauer Gewandhausbühne

Vom schweren Leben einer Individualistin im gesellschaftlichen System der DDR
Erfolge und Misserfolge einer jungen Sängerin - Melanie Rainer stürmisch gefeiert



ZWICKAU – „So böse stampfte mein nackter Fuß den Sand. Und schlug ich von meiner Schulter deine Hand. Micha, mein Micha und alles tat so weh. Tu das noch einmal, Micha, und ich geh! Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael. Nun glaubt uns kein Mensch wie schön’s hier war“, Sunny in Zwickau oder besser Melanie Rainer hat das Lied der frechen Göre nicht kreiert, aber sie beherrscht den Ton wie einst Nina Hagen, schrill, frech, provokant.
Melanie Rainer spielt die Sängerin Sunny, die sich nicht anpassen will. Und dabei war doch Anpassung eines der wichtigsten Lebenselixiere in der DDR, nur dort?
Auch ein gehöriger Hauch von Nostalgie erfasst die Besucher im Zwickauer Gewandhauses, wenn die Ohrwürmer aus der DDR-Schlagerszene erklingen, Im Zwickauer Gewandhaus hatte am Freitag das Tanzmusical „Solo Sunny“ von Bronislav Roznos nach dem gleichnamigen DEFA-Film von Wolfgang Kohlhaase seine Uraufführung.

Melanie Rainer als Sunny und Linda Kuhn als tänzerische Ergänzung der Hauptdarstellerin umgarnen Ralph, Rainer Hutstedt, den Saxophonisten und Philosophen.


Sunny beherrscht die Szene des Provinztingeltangels als Sängerin. Sie singt, was verlangt wird, sie träumt von mehr auf der Bühne und im Leben.
Das Zwickauer Ensemble hat das Programm gegenüber dem Film durch zahlreiche DDR-Hits angereichert. Klaviersolos von Günther Fischer umrahmen eindringlich die Handlung.
Conférencier Benno, Mario Böttrich, beherrscht in täglicher Routine Band -fünf Musiker bilden eine reale Band für die Zwickauer Aufführung - Repertoire und sein Publikum, das als Statisterie auf der Bühne an Tischen sitzt. Eine Hinterhofszenerie, in die Ausstatter Robert die Handlung platziert hat. Triste, fast vergessene Wände mit abgebröckelten Putzflächen. Das Statistenpublikum applaudiert artig. Allmählich springt der Beifall in den realen Zuschauerraum des Gewandhauses über.
Conférencier Benno ist Routinier. Zum Ritual der täglichen Ansage gehört auch der Anspruch, anschließend die Sängerin ins Bett zu kriegen: Nicht mit Sunny. Die hat eigene Vorstellungen vom Liebesglück, das auch mit eigenen Anstrengungen verdient werden muss. Der neue Saxophonist Ralph spricht sie emotional an, da muss aber eher Sunny am Erfolg arbeiten, eine erfrischende Erotik, die von Melanie Rainer und ihren Pendant Linda Kuhn getragen wird, knistert auf der Bühne.
Die Alltäglichkeit der Beziehungskiste war wohl auch eines der Erfolgsrezepte, die Anfang der achtziger Jahre den Film „Solo Sunny“ wochenlang die Kinosäle füllen half. Da war auch schon in der DDR klar: Nur mit angepassten Typen ist auf Dauer kein Blumentopf zu gewinnen.
Sunny will kompromisslos leben, in der Musik und in der Liebe. Als Benno sie feuert, versucht sie ihr Glück als Sängerin in einer noblen Bar in einem Berliner Hotel. Aber: „Ich muss spüren, dass man mich will.“
Davon kann in einer sterilen Hotelbar mit gelangweilten Typen keine Rede sein. Also scheitert auch dieser Versuch, und auch die Angebote vom treuen Taxifahrer Harri, Ilja Schierbaum, sie mit bescheidener Sicherheit zu umhüllen, sind zum Scheitern verurteilt: Man sieht deutlich die körperliche Abneigung Sunnys, die der ach so vernünftigen Lösung eines kleinen Glücks entgegenstehen.
Bronislav Roznos hat als Choreograph und Regisseur zu Schauspiel und Gesang den Tanz hinzugefügt, für den Ausdruck der Gefühle hat die Sängerin und Schauspielerin immer ein zweites Ich in Form der Tänzerin Lind Kuhn dabei. Geschickt wird die Handlung parallel und doppelt dargestellt. Das gelingt sehr zum Wohlgefallen des Publikums, führt aber gelegentlich zu Irritationen. Auch die oft sehr kurzen Sequenzen, immer durch absolute Dunkelheit auf der Bühne unterbrochen, machen es schwer, die gerade gesponnene Verbindung zwischen Ensemble und Publikum aufrecht zu halten.
Das macht Melanie Rainer am Ende mehr als wett: Sie zieht alle Register von Frank Schöbel bis zur jungen Nina Hagen und bietet in den Schlussszenen eine hinreißende Show von sehens- und hörenswertem Entertainment auf der Bühne. Lang anhaltender Beifall belohnt das Ensemble auch für die sehenswerte Premiere eines Versuchs, den Ausdruckstanz gleichwertig neben die Musicalhandlung zu stellen. Bronislav Roznos hat wieder viel junges Publikum ins Zwickauer Gewandhaus gelockt, eine durchaus erfreuliche Tendenz für das Theater Plauen Zwickau.
Theo Stiegler


Theo Stiegler



Nächste Vorstellungen 5. März, 19.30 Uhr

Ticket-Service theater zwickau, Gewandhaus, Telefon 0375 834647.

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