Standortentwicklungsgesellschaft im Jahr 2001


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Skandale um Skandale

Im Zusammenhang mit der Entwicklung des alten Industriestandortes Papierfabrik Crossen und der damit beauftragten Standortentwicklungsgesellschaft SEZ wurden eine Reihe von Berichten mit "sensationellen" Inhalten veröffentlicht. Quelle war offenbar die Untersuchung des Rechnungsprüfungsamtes der Stadt." Ein unabhängiges Wirtschaftsprüfunginstitut hat im Juli 2001 ein wenig Licht ins Geschehen gebracht. In der Führung der SEZ wurden offenbar eine Reihe von Fehlern gemacht, die die Ergebnisse von einem wirtschaftlichen Erfolg weit entfernt sehen. Unterstellte kriminelle Handlungen wurden nicht festgestellt. Zwickau. Was soll man davon halten: Bevor der Oberbürgermeister den Bericht im Jahr 2000 hatte, lag er bei einer Zeitung auf dem Redaktionstisch. Das Peinliche daran ist: Der Bericht zur Standortentwicklungsgesellschaft, SEZ, erweist sich jetzt im August 2001 als überaus fehlerhaft. Wenn das keine Gefälligkeit aus dem Rechnungsprüfungsamt war, was soll man dann noch als Gefälligkeit bezeichnen? Vertrauliche Berichte gegen alle guten Sitten als Schlagzeilenlieferant an die Zeitung, bevor Betroffene überhaupt die Möglichkeit hatten, Stellung zu nehmen. Die Stellungnahmen kamen alle zu spät, die Schlagzeilen waren produziert, die Stadt Zwickau wieder mal deutschlandweit durch den Dreck gezogen worden. Der Ex-Oberbürgermeister Rainer Eichhorn schreibt an seinem letzten Arbeitstag an das Rechnungsprüfungsamt: "...ich erlaube mir, Ihnen (dem Amtsleiter Reder) ein an mich adressiertes Schreiben zu übergeben. Daraus erkennen Sie, dass in Auswertung des Prüfungsberichtes der unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner der Aufsichtsrat der SEZ zu dem Ergebnis gelangt, dass der amtliche Prüfbericht des Rechnungsprüfungsamtes der Stadt Zwickau einer fachlichen Beurteilung nicht standgehalten hat...". Auch kommen die beauftragten Prüfer zu dem Ergebnis: Der angebliche Skandal um die SEZ war hausgemacht, oder noch deutlicher: Der vom Rechnungsprüfungsamt gelieferte Bericht sei in wichtigen Teilen falsch oder wenigstens falsch zu verstehen. Der Skandal um die Standortentwicklungsgesellschaft ist längst noch nicht beendet. Allerdings: Die ursprünglichen Vorwürfe der Rechnungsprüfer der Stadt sind zu Staub zerfallen. Zwar bezeichnet eine Tageszeitung den Prüfbericht der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft als Gefälligkeitsgutachten, aber das ist gewagt. Schließlich ist Rödl & Partner nicht irgend wer. Weltweit arbeiten 2100 Mitarbeiter in 24 inländischen und 43 ausländischen Standorten erfolgreich für die Prüf- und Beratungsgesellschaft, gefährlich ist, einer solchen Beratungsgesellschaft, ohne stichhaltigen Beweis Gefälligkeitsgutachten zu unterstellen. Damit nicht genug: die Staatsanwaltschaft Chemnitz kommt zu deckungsgleichen Ergebnissen: Von Anfang an habe keine Gefährdung des Vermögens der Stadt Zwickau vorgelegen, teilt die Behörde im selben Zusammenhang bezüglich der erhobenen Vorwürfe gegen den Bürgermeister Jörg Ruscher mit. Im Gegenteil wird dem Finanzbürgermeister ausdrücklich Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein bescheinigt. Mittelbar, kann man daraus schließen, möchte der Kommentator der Zeitung, die massenhaft Gefälligkeiten schneller Information aus dem Rechnungsprüfungsamt zu genießen scheint, auch die Staatsanwaltschaft in Chemnitz der Gefälligkeit gegenüber der Standortentwicklungsgesellschaft, dem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern bezichtigen. Rainer Eichhorn schreibt an die Rechnungsprüfer: "Gestatten Sie mir aus der Situation heraus, Ihnen für die Zukunft eine Empfehlung zu geben. Beziehen Sie in Ihre Prüfungen und Untersuchungen stets auch entlastende Argumente der geprüften Stellen und Personen, so sie verfügbar sind, in Ihre Überlegungen, Feststellungen und Wertungen ein, um die für eine Rechnungsprüfung angemessene Objektivität zu erreichen." Da hatte Eichhorn guten Grund zum Tadel, schließlich waren die Berichte der städtischen Wirtschaftsprüfer schon mehrfach durchgefallen, bis hin zum Gericht: Auf Grund falscher Berichte aus dem Rechnungsprüfungsamt entlassene Mitarbeiter der Verwaltung habe man nach gerichtlicher Prüfung wieder einstellen müssen, wissen Eingeweihte in Verwaltungssachen zu berichten.

Vorgeschichten

Industriegebiet Nord mit ersten Erfolgen

Ansiedlung von Schnellecke bringt Arbeitsplätze und Hoffnung Zwickau (sti). Rainer Eichhorn zeigte sich im Herbst 2000 erleichtert: Die Montage- und Modultechnik hat mit 60 neuen Arbeitsplätzen die Produktion auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik in Crossen aufgenommen. Nach monatelangem Streit um die Standortentwicklungsgesellschaft, SEZ, ist dies der Lichtblick, den die Verfechter des Gewerbegebietes auf diesem Gelände dringend nötig hatten. Der Oberbürgermeister sah in die Runde und konnte es sich nicht verkneifen zu sagen: "Ich bin froh, heute niemand von denen zu sehen, die ständig gegen das Projekt waren." Das Projekt war lange umstritten, und die Kritiker meinten: Die aus Zeiten der Papier- und Zelluloseproduktion stark belastete Immobilie kommt der Stadt zu teuer. Da weiß der Investor Rolf Schnellecke die Zwickauer Verantwortlichen zu loben: "Wenn hier nicht Menschen mit hoher Verantwortung für ihre Stadt den Mut gehabt hätten, die Dinge anzupacken, dann wäre auch unser Engagement umsonst gewesen." Das wieder wäre fatal: Seit 1990 hat Schnellecke als Zulieferer und Dienstleister für Volkswagen 1000 Arbeitsplätze in der Region geschaffen. Seit wenigen Wochen arbeiten 60 Beschäftigte auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik und nicht auf der grünen Wiese weit vor den Toren der Stadt. Mit Eichhorn verbinde ihm die Erinnerung von der ersten Stunde 1990 als gutem Partner bei dem Aufbau neuer Produktionsstätten. Seit Jahren hat Schnellecke mit seinen Unternehmen erfolgreich in Glauchau auf problematischem Gelände Erfahrungen gesammelt, die Probleme erfolgreich bewältigt. Am Standort sei die neue Halle in der Größe eines Fußballfeldes nur der Anfang. Schnell werden auf dem 60.000 Quadratmeter großen Gelände weitere Hallen entstehen, können Baugruppen fürs Volkswagenwerk montiert werden. Am letzten Oktoberwochenende 2000 war symbolisch die letzte Dampflok der ehemaligen Deutschen Reichsbahn vor der Halle aufgefahren: Das Eisenbahngleis wird wieder eine wichtige Rolle erhalten. Viele Transporte sollen über die Schiene abgewickelt werden, die Straße entlasten. Nicht zuletzt verspricht Schnellecke: Auch das Gebäude in Plattenbauweise, gegenüber dem Lueg-Verwaltungsgebäude an der Zwickauer Schubertstraße, wird als Gegenstück zu diesem einen neuen Blickfang im guten Sinne bieten, das Tor der Muldestadt von Norden her attraktiv machen. Der Chemnitzer Regierungspräsident Karl Noltze sieht die neue Halle auch als Zeichen eines allgemeinen Durchbruchs für die Region: "Diese Region ist auf dem Weg, wieder zu einer industriellen Wachstumsregion zu werden. 60 Prozent der Exporte aus Sachsen kommen heute aus Südwestsachsen", freut sich der Regierungspräsident und verspricht Schnellecke: "Sollte sich jemals ein Widerstand bei weiteren Investitonen auftun, ich kümmer mich persönlich darum." Lesen Sie auch SEZ wird aufgelöst und SEZ .

Mit der letzten Dampflok der Deutschen Reichsbahn vor der neuen Halle machen die Investoren deutlich: Die Mehrheit der Transporte des Logistik- und Montageunternehmens solle auf die Schiene.

Der alte Säureturm der Crossener Papierfabrik, vormals Leonhard & Söhne, signalisiert von Weitem: Säure und Gift für über hundert Jahre Papier- und Zelluloseproduktion hinterlassen ihre Spuren im Boden. Mit der Bodenbelastung muss die Stadt nun selber fertig werden, der Geländekauf wurde "praktischerweise" wie gesehen so gekauft abgschlossen. "Gratualtion" zu so viel Kompetenz der Stadtverwaltung und Standortentwicklungsgesellschaft, sagen Zyniker.

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