Auseinandersetzung mit der Sekte Scientology


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Norbert Potthoff, ein bekannter Scientology-Aussteiger aus Krefeld im Zwickauer Alten Gasometer

Die Sekte Scientology im Allgemeinen und in der Muldestadt Zwickau

Norbert Potthoff im Alten Gasometer von Zwickau über Scientology
Pschyoterror und kalte Herzen im Spiegel des Erfolgs

Die spannende Frage, die am Freitag, 19. Oktober ´01, über den Köpfen der 300 Besucher im Zwickauer Alten Gasometer hing, war: Sind denn auch Scientologen hier? Norbert Potthoff aus Krefeld ist keiner mehr. Potthoff berichtet heute über seine Zeit in der Sekte, der er selber sieben Jahre anhing, bis er 1990 mit der Organisation brach. Der DGB-Chef von Zwickau und Westsachsen, Werner Schuh, hatte ihn eingeladen. Die Stadt Zwickau leidet unter dem Ruf, den ihr der bekennende Scientologe Kurt Fliegerbauer eingebracht hat. Das heißt, Fliegerbauer selber hat direkt minimal zu der Leidensgschichte beigetragen. Außer dem Bekenntnis, selber den Methoden des Scientology-Begründers Ron Hubbert zur Selbsorganisation seiner Persönlichkeit anzuhängen und schließlich selbst Scientologe zu sein, brauchte der Zwickauer Immobilienmakler und Bauunternehmer nichts weiter zu tun. Ein Brief des ehemaligen Oberbürgermeisters Rainer Eichhorn, in dem dieser Fliegerbauer eigentlich die kalte Schulter zeigt, aber auch anerkenne, dass Fliegerbauer mit 200 alten, fein renovierten Bürgerhäusern aus der Gründerzeit Verdienst habe, reichte den Medien von der Tageszeitung bis zum Zweiten Deutschen Fernsehen einen deutschlandweiten Rummel loszutreten, in dem sich der extrovertierte Fliegerbauer nur noch zu sonnen brauchte. Der Brief war offensichtlich gezielt der Presse zugespielt worden, wahrscheinlich sogar aus dem Büro des Immobilienmoguls. Am Freitag war Fliegerbauer nicht da. Andere Scientologen meldeten sich nicht. „Das würde zu ihnen passen“, sagt Potthoff. Denn, Scientologen seien eigentlich feige, setzt der Aussteiger einen Punkt. Er selber hätte es begrüßt, und Angst habe er keine mehr, sagt der ehemalige Insider der Sekte. Obwohl er schon Beispiele aus seinem engsten Freundes- und Bekanntenkreis nennt, wo der Kontakt mit den Scientologen tödlich endete. Psychoterror und Schulden führten zum Selbstmord. Potthoff blieben 400.000 Mark Schulden nach seinem Ausstieg, froh ist er darüber nicht, aber es hätte schlimmer kommen können. Von der Anwerbung bis zum Ausstieg und zum Überwinden von Depressionen war ein weiter Weg. Nach wilden Jahren als 68iger, Studium als Designer und Familiengründung stand Potthoff in der Situation vieler; Familie und mäßiger Erfolg im Beruf nährten persönlichen Stress. Mangelndes Selbstbewusstsein bereitete einen erfolgreichen Freund mit Geld, Erfolg und Beziehungen ein leichtes Feld: Was kommt, klingt ein wenig wie die Geschichte vom Kohlenpeter aus Wilhelm Hauffs „Kalten Herz“. Der Verführer verspricht Reichtum und Erfolg, nur das eigene Herz ist abzugeben und gegen eine steinernes abzugeben. Eben ein kaltes Herz brauchen Scientologen, ihre eigene Menschlichkeit haben sie abzugeben, macht Potthoff klar. Das sage schon die Theorie der Sekte: Menschen sind Maschinen, sie funktionieren so, wenn nicht, müssen sie repariert werden, erläutert Potthoff. Wer nicht reparabel ist, wird zunächst nicht beachtet, für später habe die Scientology-Church eine andere Lösung: Wegsperren in Lagern. „Wie konnte ich, der als Katholik erzogen wurde, nur jemals einer solchen perfiden Theorie aufsitzen“, fragt sich der ehemalige Scientologe. Aber, zunächst sei da der Anspruch einer besseren Welt, der die Harmonie der Erfolgreichen in der Organisation begründe. Dem sei schwer zu begegnen. Schließlich muss man ja für „das Gute“ sein. Allerdings, Scientologen definieren alle Begriffe neu. Der Erfolg kommt, wenn man sich durchsetzt; und richtig, mit dem neu trainierten Auftreten begann die Karriere Potthoffs, Erfolge im Beruf und eine gescheiterte Ehe, eine Karriere bis ins Europamanagement der Scientologen in Kopenhagen führen aufwärts. Irgendwo im Unterbewusstsein nagte der Zweifel. „Menschen, die nach der Theorie nicht perfekt funktionieren, in Lager sperren“, da saß der Haken. „Scientologen sind Faschisten“, hat Potthoff schließlich erkannt und mit dem Ausstieg seine zweite Ehe verloren. Je länger der Abend dauert, um so mehr verschmelzen die Welten der Scientologen mit denen der Faschisten in der Darstellung des Aussteigers. Kurt Fliegerbauer brauchte in Zwickau als Scientologe nicht viel zu tun. Es ist niemand öffentlich bekannt, dem er als Scientologe zugesetzt hat. Dass er regelmäßig als Geschäftspartner vor Zwickauer Gerichtsschranken steht, sieht selbst der Präsident des Landgerichtes, Jürgen Kränzlein, als normal an: Bautätigkeiten mit mehreren 100 Millionen Mark Umsatz führten fast zwangsläufig dazu, dass immer mal eine Forderung vor Gericht durchgesetzt werden soll, hat Kränzlein schon vor Jahren geäußert. Darin unterscheide sich Fliegerbauer kaum von anderen Bauträgern und Immobilienhändlern. Norbert Potthoff vermeidet sorgfältig Tatsachenbehauptungen. Er hat schon Federn lassen müssen, schnell seien tausende Mark Gerichtskosten fällig, und Schulden habe er genug aus der Zeit, als er noch glaubte, mit immer teureren Lehrgängen bei Scientology ließen sich seine Probleme lösen. Deshalb beschränkt sich der Vortragende auf allgemeine Feststellungen: Durch rücksichtslose, kaltherzige Geschäftstätigkeit leiden meist Angestellte und Partner unter dem Erfolg und den Geschäften der Scientologen. Dann kommen die Fragen: Gern möchte ein Zwickauer einen Rezeptkatalog zum Erkennen von Scientologen: Nun, wer versuche, den Menschen in das mathematische Gerüst der Maschinentheorie zu zwängen, Menschlichkeit und Fehlverhalten – heimlich eine Zigarette rauchen beispielsweise – als Schwerverbrechen zu behandele, der sei schon gut als Scientologe zu erkennen. Arroganz könnte ein Merkmal sein. „Für Scientologen sind alle anderen Menschen krank, sind Affen“, erinnert sich Potthoff an die Zeit, als er frisch missioniert durch die Straßen von Krefeld ging, den menschlichen Kontakt zu Freunden und Bekannten verlor. Da lauert auch Gefahr: „Ich halte es nicht für staatsgefährdend, wenn jemand eine Brille bei einem Optiker kauft, der bekennender Scientologe ist“, macht Potthoff auf die Kehrseite aufmerksam. Schnell wird ein Konkurrent mit dem Anhängsel belastet, schnell wird ein politischer Gegner diffamiert, indem man ihm Mitgliedschaft oder Kungelei mit der Scientology vorwirft. Aus der Scientology lässt sich trefflich Kapital schlagen. Und, schon musste Werner Schuh eingreifen. Einer der Bürger hatte seiner Frage den ganzen Katalog der Zwickauer Verdächtigungen und unverdauten Gerüchteküche vorangestellt. Es werde zu wenig getan, sagte Mann, der Stadtrat und die Verwaltung sei vielleicht gar unterwandert. Das war Schuh zu viel: „Die Stadträte haben sämtlich die eidesstattliche Erklärung, nicht mit der Scientology zu tun zu haben, unterschrieben.“ Die Bürgermeister mussten auch unterschreiben. Und, außerdem, als Gewerkschafter hat Schuh Potthoff zum Vortrag nach Zwickau geholt. Unmenschliche Theorien zu verbreiten und danach zu handeln, da wird die Gewerkschaft hellwach. Schließlich sei eines der Hauptziele der Scientolgy, die Gemeinschaft zu zerstören, die Gemeinschaft der Solidarität, die bisher sichert, dass Schwache von Starken unterstützt werden, Kranke von Gesunden, Alte von Jungen, dass kein Mensch aus der Gemeinschaft verstoßen werden kann. Dagegen muss man etwas tun, ist sich Werner Schuh sicher. Ob das Glitzern in den Augen mancher „ehrenamtlicher“ Scientology-Jäger, die in Zwickau mehr Aktivitäten gegen Scientology in der Veranstaltung am Freitag im Zwickauer Alten Gasometer forderten, Soldarität zum Ziel hat? Das blieb hinter dem Schluss der Veranstaltung verborgen. Eines allerdings wurde noch deutlich: „Scientologische Methoden greifen auch außerhalb der Sekte um sich“, sagt Potthoff, und mancher Lehrgang zur Motivation junger, erfolgshungriger Teams, die vor Kraft, Rücksichtslosigkeit und von Ahnungslosigkeit eigener Lebensrisiken strotzen, könnte auch aus den Entwürfen der Scientologen stammen.
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