Kunst-Frauen-Kunst in der Galerie am Domhof in Zwickau


Carla Schoppe und Töchter füllen die Räume hintergründiger Malerei


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Kunst-Frauen-Kunst in der Galerie am Domhof in Zwickau


Carla Schoppe und Töchter füllen die Räume hintergründiger Malerei



ZWICKAU – „Das ist die Kunst, die uns jung hält“, sagt Carla Schoppe und sich selbst Beweis ihrer Theorie. Carla Schoppe, 70, sieht keineswegs wie 70 aus, und ihr eigener Auftritt ist eher jung, wie der einer aufgeregten 20-Jährigen.
Mit großräumigen Gesten und schneller Rede erzählt die Künstlerin Schoppe von sich und ihren Töchtern. Die drei, Carla Schoppe, Meike Georgi, 50, und Sylvia Schinko, 49, zeigen zur Zeit in der Zwickauer Galerie am Domhof in einer gemeinsamen, umfangreichen Ausstellung, was ihnen in den letzten Jahren gelungen ist: Viele beeindruckende Bilder und in Carla Schoppes Fall zusätzlich eine neue Passion, künstlerische Keramikköpfe. Die Siebzigjährige hat sich in den letzten Jahren mit voller Kraft einem neuen Gebiet zugewandt. So sind neben großflächigen Bildern mit vielen kräftigen Farben und großzügigem Pinselstrich nun auch Köpfe aus Keramik und voller Ausdruck zu sehen.
Drei starke Frauen, drei völlig verschiedene Sujets der Malerei. Während die Bilder der Mutter vor Farbe praktisch überquellen, zeigt Sylvia Schinko im Nachbarraum Grafiken und Zeichnungen voller Nachdenklichkeit und sparsamer Farbigkeit, denen zunächst meist der Zufall die Ausgangssituation liefert: Die Bilder entstehen meist aus Frottagen von Baumrinden und anderen Naturvorlagen, denen die Zeichnerin mit feinen Strich Hintergründiges hinzufügt, Phantasiegesichter, Figuren und Traumgespinnste verbergen sich in den Landschaftsbildern, die aus den Durchdrucken von Baumrinden oder anderen Naturmaterialien heraus entstanden. Sylvia Schinko vermischt Techniken und Materialien zu überraschen Effekten, die durch Feinheit der Ausführung beeindrucken.
Einen Raum weiter bietet Meike Georgi großflächige Ansichten von einsamen Stadtszenen. Leere Straßenfronten, einsame Plätze und Perspektiven von Architekturen mit historischen Arkaden enthüllen bei genauerem Hinsehen immer eine zweite Ebene, die sich den Betrachter erst allmählich zeigt. Im Morgenlicht liegt da ein Ball, ein vergessenes Spielzeug oder ein Schatten beteiligt den verborgenen Mitspieler an der Szene, in der die Malerin mit Licht und Schatten spielt, den Menschen indirekt einbezieht.
Meike Georgi erweist sich als detailverliebte Künstlerin mit viel Hintersinn. Der Laudator charakterisiert das Lichtspiel in den Szenen: „Dies ist nicht ein warmes Licht, weich und mild am Abend im Untergang der Sonne, die den Tag mit Licht gefüllt hat, sondern, so scheint es mir, dies ist das frühe, das erste wie neu geschaffene scharfe und gebündelte Licht, - wie wir es aus dem Süden kennen - , flach über den Horizont kommt und den Tag aus dem Schlaf weckt.“
Ralf Busz, Kunstprofessor aus Kassel, Laudator und Freund der Familie sagt weiter zu den Frauen: „Carla Schoppe ist eine Künstlerin, die noch den Mut zur Farbe hat, die mit Farbe umgehen kann, an Meike Georgi entdecke ich immer Hintergründiges in ihren Bildern und bei Sylvia Schinko sehe ich das Zarte in ihren Graphiken.“ Die Worte erregen bei Sylvia Schinko eine leichte verhaltene Regung: „Sind meine Bilder etwa nicht hintergründig?“
Carla Schoppe dagegen unterstreicht das Gesagte: „Das brauche ich einfach, ich muss mit viel Farbe umgehen.“ Mit kräftigen Pinselstrichen lebt sie ihr stürmisches Temperament aus.
Aber auch ihren Bildern leben in der zweiten Ebene. Während das Bild „Paar“ scheinbar mit einer bunten Karnevalsszene den Besucher anspringt, enthüllt der zweite Blick den eigentlichen Hinterhalt, da ist ein junges Mädchen, das unter dem Vorwand der karnevalistischer Freiheit von einem alten Lüstling schamlos betatscht wird. Sie wehrt sich, versucht den Unverschämten abzuwehren. „Eine Szene, die ich selbst oft so gesehen habe“, betätigt die Künstlerin den Eindruck. Hinter dem oberflächlichen Eindruck einer Ansammlung von „Clowns der Welt“ enthüllt sich schnell der gequälte Gesichtsausdruck der berufsmäßigen Spaßmacher, der im wirklichen Leben gerade dem täglichen Faschismus begegnet.
Die Ausstellung „Kunst-Frauen-Kunst“ ist eine Ehrung der Galerie am Domhof an Carla Schoppe, die selbst dort 30 Jahre als Galeristin gearbeitet hat. Die Töchter hat die Galeristin von klein an dort an die Malerei miterleben lassen. Erst als Modelle und dann als Zeichenschülerinnen im Förderstudio für Malerei und Graphik des Zwickauer Kunstvereins sind sie in ihre eigene Kunstbesessenheit hineingewachsen. Inzwischen haben beide Töchter an namhaften Universitäten und Kunsthochschule studiert. Bekannte Lehrer und Künstler wie Klaus Matthäi, Karl-Heinz Jakob oder Arno Rink, Max-Pechstein-Preisträger der Stadt Zwickau, gehörten zu ihren Ausbildern, sie sind nun längst selbst Kunstpreisträgerinnen. Jetzt zeigen die Töchter ihre Malerei zum ersten Mal gemeinsam mit ihrer Mutter in einer Ausstellung.
Zu sehen ist die Ausstellung KUNST-FRAUEN-KUNST mit Werken von Carla Schoppe, Meike Georgi und Sylvia Schinko noch bis zum 4. Oktober 2009 in der „Galerie am Domhof“ in Zwickau.
Theo Stiegler

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