siehe auch - Baubeginn zur Sanierung des Schlosses Osterstein

Schloss Osterstein als Schmuckstück für die Stadt Zwickau wieder geöffnet


Kulturzentrum und Altenpflege gemeinsam unter dem Dach des Renaissanceschlosses der Wettiner


- siehe auch Entdeckungen am benachbarten Kornhaus

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Ansicht des Schlosses Osterstein von Norden im November 2008. Foto: Stiegler


Schloss Osterstein begrüßt die Zwickauer Besucher als schmucker Hingucker



ZWICKAU – Die Muldestadt Zwickau hat einen neuen Hingucker: Das Schloss Osterstein wurde nach vielen Jahren tristen Ruinendaseins gestern frisch renoviert an die künftigen Besitzer übergeben. Weiß und mächtig, mit feinen Türmchen und Fassaden verziert, breitet sich die alte Feste des Dresdner Fürstengeschlechtes der Wettiner unübersehbar vor den Blicken der Besucher hinter der Mauritiusbrücke.
Ein Schmuckstück ist den Zwickauern wiedergegeben worden. Fast hätte niemand mehr daran geglaubt, dass die zwei Meter dicken Mauern der Feste, die mächtigen Gewölbe und riesigen Dächer eines Tage wieder wie neu erstrahlen würden. Am Ende ging alles sehr schnell. Investor Günter Papenburg: „Es ist schon ein Wunder. Heute in der Zeit der Bankenkrise würden wir die Finanzierung schwerlich noch mal hinbekommen. Ein Glück, dass Siegfried Heinze von der Stadtverwaltung so hartnäckig für das Schloss gekämpft hat. Er hat nicht locker gelassen, bis ich mitgemacht habe“.

Anblick des Schlosses heute von der Stadtseite


Immerhin: Papenburg hat neun Millionen Euro in das Projekt gesteckt. Insgesamt blieb die verbaute Summe mit 19 Millionen Euro etwas unter den Erwartungen.
Auch ohne die künftigen Nutzer wäre die Sanierung nicht möglich gewesen. Wieder war es Heinze, der den Chef der Zwickauer Seniorenheime Uwe Köhler für das Projekt gewann. Und so ist es ein Glücksfall, dass in das neu erstandene Schloss ab nächste Woche auch wieder Leben einzieht.

Modern eingerichtete Gemeinschaftsräume strahlen eine warme Gemütlichkeit aus.

Die ersten sieben Bewohner sitzen zu Hause auf gepackten Koffern, um in die nach „modernsten Gesichtspunkten“, so Köhler, eingerichteten Zimmer einzuziehen. Es wird eine Weile dauern, bis alle 130 Pflegeplätze belegt sind. Heinze: „Wir wollen uns Zeit lassen und alle künftigen Bewohner individuell begrüßen.“
Neben den Pflegebereichen wird es im Schloss eine rege Betriebsamkeit geben. Die große Hofstube, ein Kellerestaurant, eine Weinstube und weitere Gastronomie zieht ins Schloss ein. Köhler: „Senioren von heute wollen nicht mehr am Ende eines einsamen Tales im Gebirge weggesteckt werden, sie wollen am Leben teilhaben. Da sind sie hier richtig.“

Der Dachstuhl des Suedflügels konnte in weiten Teilen in seiner ursprünglichen Form, wie er im späten 16. Jahrhundert errichtet wurde, erhalten werden. Eine extra eingerichtete Besucherempore gestattet den Zugang zu diesem historischen Highlight.


Die Gaststätten im Schloss werden künftig von der Mauritusbrauerei bewirtschaftet. Damit bleiben die Leistungen in Zwickau.
Auch die 55 Pflegekräfte, die die Senioren-Heim GmbH einstellen wird, stellen neue Arbeitsplätze für die Muldestadt dar. Zwischen 850 bis 1200 Euro kosten die Pflegeplätze im Heim mit Blick auf die Zwickauer City.
Theo Stiegler

Am 7. November wurden folgende Reden an die Presse ausgereicht

Diese Reden im vollen Wortlaut.
Vortrag anlässlich der Einweihung der Großen Hofstube
im Schloss Osterstein am 21. Oktober 2008


Vortrag gehalten von: Steffi Haupt, Leiterin Büro für Denkmalpflege und Archäologie untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Zwickau


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte die zurückliegenden 45 Jahre unseres Schlosses schlaglichtartig aufblättern, einerseits um zu erinnern, durch welche Tiefen Osterstein gegangen ist. Aber vor allem, um zu verdeutlichen, welche Leistung speziell in den letzten beiden Jahren — nicht zuletzt dank aller Ihrer Hilfe — eigentlich vollbracht wurde.

Lassen Sie mich beginnen mit einem Brief, den der damalige Stadtarchitekt Herbert
Drechsler am 12. Sept. 1962 an den Stadtarchivar und sicher auch Freund Dr. Karl
Steinmüller schrieb — ich zitiere:
„Lieber Karl, offenbar ist es Dir nicht vergönnt, ungestört Deinen wohlverdienten Urlaub mit Deiner Familie zu verbringen. Du wirst natürlich fragen wieso?... Man höre und staune — aber nur ganz vertraulich — Osterstein wird ab 13. Dezember 1962 vollständig frei —amtlich.... Es ist aber guter Rat teuer. Was soll nun aus dem Schloß werden? Ich denke man muss schnell handeln, sonst ist im Handumdrehen ein Warenlager daraus entstanden...“

So Unrecht hatte Drechsler mit seiner Vermutung nicht - verschiedene Betriebe, städtische Dienststellen richteten dort Büros und Lager ein, das Bergbauarchiv wurde im Zellenhaus eingelagert, eine Wäscherei betrieben.
Als diese schließlich zum 31.12. 1983 ihren Betrieb einstellte, war Osterstein fortan ohne Nutzung. Baudenkmale ohne Nutzung verfallen... - so leider auch Osterstein!

Auf der Suche nach Nutzungen gab es verschiedenste Vorstellungen:
Osterstein als: - Stadt- / Kreis - / Staatsarchiv
- Ratsschulbibliothek
- Theaterfundus / Theaterschneiderei, Malsaal
- Naturkunde oder Automobilmuseum...

Konkreter wurde es ab 1985: — Der damalige VEB Denkmalpflege Zwickau erarbeitete für das Schloss im Auftrag der Stadt Nutzungsstudien in Verbindung mit der Planung und Projektierung einer Generalreparatur. Es wurden Sicherungsmaßnahmen
durchgeführt und es fanden bauarchäologische Untersuchungen statt.
Das Vorhaben scheitert schließlich an finanziellen und materiellen Engpässen: z.B. wurden die, für das Eindecken der benachbarten Posthalterei erforderlichen Biberschwanzdachziegel am Nordflügel des Schlosses abgedeckt - damit wurde dem beschleunigten Verfall Tür und Tor - eben auch Dach – geöffnet

Doch es wurde auch Bleibendes geschaffen: so dienten jetzt die damals gefertigten Zeichnungen für die Rekonstruktion der Volutengiebel und der Turmhaubenkonstruktionen den Planern und Handwerkern als Ausführungsgrundlage.

1991/92 scheiterte leider der kurz vor dem Abschluss stehende Erbbaurechtsvertrag mit der Heilith & Wörner Bau AG, die als erster ernst zu nehmender Investor nach der Wende das Schloss zu einem Schlosshotel umbauen wollte.

1993 nach Überführung in Bundesvermögen verkauft die Bundesrepublik Deutschland die Gesamtanlage an einen privaten Investor.

Es gibt auch viel versprechende Ansätze in Richtung Hotel- oder Kaufhausnutzung aber außer Planungen, archäologischen Grabungen und teils vertragswidrigen Teilabbrüchen - die schließlich zum Totalverlust des Zellenhauses führen - bleiben dringendst notwendige Sicherungsmaßnahmen aus. Osterstein verfällt rapide weiter.

Es kommt 2000/01 zum Zwangsversteigerungsverfahren und Eigentümerwechsel. Im Mai 2000 gründet sich der Förderverein Schloß Osterstein Zwickau e.V.

Im Nov. 2000 ist der Bauzustand kaum noch kontrollierbar. Um Osterstein vorm Einsturz zu bewahren, beginnen durch die Philipp Holzmann AG/NL Zwickau an den historischen Flügeln - unter ständiger denkmalfachlicher Begleitung - tief in den Bestand eingreifende Notsicherungen: Dacheindeckungen, der Dachstuhl Nordflügel, die stark geschädigten Holzbalkendecken, Schornsteine und historisch unbedeutende lnnenwände werden komplett entfernt, die Mauerkronen umlaufend gesichert, Mauerwerk stabilisiert und bandagiert, die wertvollen Erdgeschossräume mit ihren Gewölben gegen Witterungseinflüsse durch eine Notabdeckung mit kontrollierter Wasserableitung geschützt; der Renaissancedachstuhl des Südflügels wird mittels einer Stahlhilfskonstruktion stabilisiert
Mit Abschluss der Notsicherungsmaßnahme im Juli 2001 ist die Einsturzgefahr gebannt!

Am 9. Sept. 2001 widmet die Stadt Zwickau den „Tag des offenen Denkmals“ dem erstmals wieder öffentlich zugänglichen Schloss.
Das Interesse ist überwältigend und Hunderte kommen trotz Dauerregens! Am 24. Oktober 2001 erteilt die Stadt Zwickau die Baugenehmigung zur Sanierung und Umnutzung von Schloss Osterstein zu einem Seniorenpflegeheim.

Bis alle Bedingungen erfüllt sind und die Finanzierung gesichert ist, vergehen allerdings noch 5 Jahre! - bis endlich am 4. Sept. 2006 der offizielle Baustart stattfindet und der Bau mit dem weitgehenden Abbruch am Westflügel beginnt. Bauherr ist die Projektgesellschaft Schloss Osterstein GmbH & Co. KG.

Und dann geht eigentlich alles ganz schnell:

Am 3. November 2006 ist feierliche Grundsteinlegung zum Wiederaufbau von Schloss Osterstein.

Zum „Turmhaubenfest am 31. März 2007 erhalten die Wendelsteine ihre historisch belegten, zimmermannsmäßig hergestellten Dachkonstruktionen.

Zum „Tag des offenen Denkmals am 9. Sept. 2007 wird Richtfest gefeiert, der letzte Nagel in den reparierten Renaissancedachstuhl eingeschlagen und die Sandsteinbekrönung auf den rekonstruierten Volutengiebel des Nordflügels aufgesetzt.

Am 7. November. 2008 — nach nur reichlich 2 Jahren Bauzeit! - wird die Projektgesellschaft das sanierte Schloss Osterstein an die Senioren- und Seniorenpflegeheim gGmbH feierlich zur Nutzung übergeben.

Bleibt festzuhalten, dass:
- die Einhaltung der geplanten Bauzeit,
- des äußerst engen Finanzrahmens und
- die erreichte hohe Qualität der Ausführung
eine außerordentliche Leistung sowohl seitens des Projektmanagements als auch des Handwerks darstellen.
Ich denke aber auch, dass wir Denkmalpfleger gezeigt haben, dass Denkmalschutz und denkmalpflegerische Entscheidungen nicht länger dauern, teurer sein und behindernd sein müssen.

Was bleibt, ist ein wunderbar saniertes Schloss, auf das nicht nur alle Beteiligten stolz sein können. Was bleibt, ist eine tiefe Zufriedenheit mit dem Ergebnis, ein gewisser Stolz, dass man dabei war, viele nicht nur fachliche Erfahrungen und zugegeben ein wenig Wehmut, dass jetzt schon alles vorbei und die Arbeit getan ist.

Ich möchte abschließend noch einmal zitieren:

„... Wer Visionen hat, besitzt die Fähigkeit und Ausdauer, ein noch irreales, das heißt nur in der Vorstellung existierendes Ziel so lange und gegen alle eventuell auftauchenden Widerstände zu verfolgen, bis es zu einem realen Resultat geführt hat...“
(Universallexikon von Berthelsmann)
In diesem Zusammenhang möchte ich mich ganz persönlich und ganz herzlich bei Herrn Heinze bedanken. Er war mit seiner - ich meine sehr konkreten Vision von einem auferstandenen Schloss Osterstein - für mich der Garant, dass das Vorhaben eines Tages gelingen wird.
Ich muss gestehen, ich selbst hatte in meinen kühnsten Träumen keine Vorstellung davon, wie schön Schloss Osterstein wirklich ist!

Ihnen allen aber einen besonders herzlichen Dank, denn ohne Sie hätte die Bauaufgabe so nicht realisiert werden können.

Norbert Oelsner
Schloss Osterstein und seine große Hofstube
Vortrag gehalten zur Einweihung der Großen Hofstube im Schloss Osterstein
Anfang Dezember des Jahres 1586 schickte Kurfürst Christian 1., kurze Zeit nachdem er die Herrschaft in Sachsen übernommen hatte, seinen Landbaumeister Hans lrmisch nach Zwickau. Irmischs Auftrag lautete:
Begutachtung des Zwickauer Schlosses und — wie wir heute sagen würden —Erarbeitung einer Sanierungsplanung.
Bereits am 14. Dezember legte der erfahrene Baumeister einen Bauanschlag, das heißt eine kurze Bauzustandsanalyse und einen Entwurf zum Schlossum und -neubau vor. In diesem Anschlag teilte er Kurfürst Christian mit: (Zitat, vereinfacht) »Durchlauchtigster gnädiger Herr auf euren Befehl bin ... ich nach Zwickau gereißet Euer kurfürstliches Schloss angesehen, welches in Wahrheit als gar in Grund eingegangen und verdorben, dass man nicht mehr als die Hauptmauern zum Besten helt. Weil es aber die höchste Not, dass solcher Platz und Schloss wiederum verbauet ... welches Euer kurfürstlichen Gnaden und derselben Stadt, Festung und Landschaft zu sonder Ehre gereichen würde, möchte folgender Meinung gebauet werden.“
Für das nun dem Kurfürsten unterbreitete Konzept konnte lrmisch eine ältere Planung nutzen, die er im Auftrag des Kurfürsten August, des Vaters von Christian 1., angefertigt hatte. Doch war sich der Baumeister der höheren architektonischen Ansprüche seines neuen Auftraggebers bewusst. Der junge Kurfürst war baukünstlerisch äußerst ambitioniert und wollte mit seiner Bautätigkeit an die glanzvollsten Zeiten sächsischer Renaissanceschlossarchitektur um die Mitte des 16. Jahrhunderts anknüpfen.
Von 1533— 1544 hatte der letzte Kurfürst der ernestinischen Linie der Wettiner, Johann Friedrich der Großmütige, seine Residenz in Torgau zu einer der frühesten und zugleich imposantesten Renaissanceanlagen im deutschen Sprachraum umbauen lassen. Unter der Leitung der Baumeister Konrad Krebs und Nickel Gromann entstand ein Hauptbau sächsischer und deutscher Renaissancearchitektur. Charakteristisch für das Neuartige in Torgau ist die Errichtung eines in Grund- und Aufriss streng symmetrischen, äußerst repräsentativen Elbflügels mit weithin sichtbarem Turm als Herrschaftszeichen und dem hofseitigen Wendelstein als einer der kühnsten Treppenanlagen deutscher Architekturgeschichte. Allerdings blieben die unregelmäßigen Strukturen und die partielle Bauweise mittelalterlicher Burgenarchitektur auch nach dem Hinzufügen des nordöstlichen Wohnflügels mit der Kapelle noch erkennbar.
Überwunden wurde dies erstmals im Dresdner Renaissanceschloss, das Kurfürst Moritz — der Onkel Christians 1 — von 1547 bis 1553 erbauen ließ. Dieser Schlossbau ist als Symbol gesteigerter politischer Macht zu verstehen, indem Moritz im Ergebnis des Schmalkaldischen Krieges die Kurwürde und einen großen Teil des Gebietes seiner emestinischen Verwandten mit der Stadt Zwickau erwarb.
Obgleich der Dresdner Schlossbau Teile der mittelalterlichen Anlage einbezog, erfolgte dies in einer kaum mehr erkennbaren Weise bzw. es wurden — z. B. mit dem großen Schlossturm und dem Torbau — bewusst altehrwürdige Bauteile als Zeichen langer dynastischer Tradition erhalten dabei aber in einen modernen baulichen Kontext gesetzt. In Dresden entstand die erste nahezu regelmäßige Vierflügelanlage der deutschen Renaissance. Dieser Bautyp erlangte für künftige Schlossbauten weit über Sachsen hinaus enorme Vorbildwirkung. Die Frage nach dem entwerfenden Architekten für das Dresdner Schloss lässt sich bis heute nicht beantworten. Die eigentliche Bauleitung lag in den Händen des Landbaumeisters Caspar Vogt von Wierandt. Mitglied der nachweisbaren Kommission von Bauverantwortlichen war auch der kurfürstliche Rat Georg von Komerstadt, vordem Stadtsyndicus in Zwickau.
Verwirklicht wurde das Dresdner Bauvorhaben erstmals in Sachsen als Gemeinschaftswerk deutscher und italienischer Künstler und Handwerker.

Das Streben nach wohnlich-repräsentativer Schlossarchitektur lässt sich auch für die lange Regierungszeit des bereits erwähnten Kurfürsten August erkennen. Im Sinne seiner bodenständigen Politik, die weniger der Machterweiterung — wie bei seinem Bruder Moritz — sondern der Festigung des Erworbenen diente, war ihm die Präsenz der Landesherrschaft in allen Landesteilen wesentliches Anliegen. Darum ließ er mehr als ein Duzend Burganlagen vor allem unter zweckmäßigen Gesichtspunkten zu Amtsschlössern also Verwaltungszentren umbauen: Genannt seien: Dippoldiswalde Nossen oder Schwarzenberg. Baukünstlerisch hochrangiger waren diejenigen Schlossbauten, z. B. auch Amtsschlösser, die Kurfürst August zu Wohnzwecken dienen sollten. Eine architekturgeschichtlich noch nicht ausreichend geklärte Ausnahmeerscheinung blieb dabei das Schloss Augustusburg, das in Weiterführung des Dresdner Vorbildes und in Kenntnis französischer Schlossplanungen, den konsequentesten Vierflügelbau im damaligen deutschen Reich darstellte. Auch für diese Anlage, deren Bauleitung Hieronymus Lotter und später Graf Rochus von Lynar übernommen hatten, ist der planende Architekt unbekannt.
Alle weiteren hier zu benennenden repräsentativen Wohnschlösser Kurfürst Augusts, wie Colditz, Prettin, Annaberg und Freiberg sind dagegen planerisch mit dem Namen Hans lrmisch bzw. seines engsten Mitarbeiters Christoph Tendler verbunden. Schloss Freudenstein in Freiberg ist gestern (am 20.10. 2008) nach dreijährigem tief greifenden Umbau der Öffentlichkeit übergeben worden. Es beherbergt nun die Mineralienausstellung »terra mineralia“ und das Sächsische Bergarchiv. Zum Vergleich mit den in Schloss Osterstein erzielten Ergebnissen ist ein Besuch in Freiberg unbedingt zu empfehlen.
Mit Ausnahme von Schloss Annaburg wirken die genannten Anlagen Colditz,
Prettin und Freiberg vor allem durch ihre Monumentalität und lassen durch
Asymmetrie und unregelmäßige Aufgliederung der Baukörper z. T. noch
Vorgängerbauten transparent werden.

Es scheint, dass diese konservativen Elemente in Bauweise und Stil den Geschmack des Kurfürsten August trafen. Auch die erwähnte, ursprüngliche Planung lrmischs zum Zwickauer Schloss weist diese charakteristischen Unregelmäßigkeiten auf. So zeigen die erhaltenen Fassadenabwicklungen einen nur zweigeschossigen stadtseitigen Südflügel gegenüber dem dreigeschossigen Nordflügel, dazu den Torturm mit nur vier und den Stallflügel mit nur einem Geschoss.
Die tatsächliche Ausführung erfolgte jedoch in deutlich klarerer und anspruchsvollerer Weise.
Der junge Kurfürst Christian 1. wollte mit seinen ehrgeizigen Bauvorhaben wieder Anschluss an europäische Architekturentwicklungen gewinnen. Dazu setzte er großes Vertrauen in die Fähigkeiten von Hans lrmisch. Eine maßgebende Rolle spielte weiterhin auch der Oberzeugmeister Paul Buchner, der wohl die Oberleitung bei der Verwirklichung der neuen Bauaufgaben hatte. Zudem zog der Kurfürst den italienischen Architekten Giovanni Maria Nosseni aus Florenz stärker als Berater heran. In Dresden entstanden somit in enger Gemeinschaftsarbeit nach 1586 als prachtvolle höfischen Bauten der Kleine Schlosshof (Bild 15) des Residenzschlosses mit der schönen Bogengalerie sowie als architektonisches Glanzstück, der — wie es damals hieß_— „weltberufene“ Stallhof mit dem Langen Gang und der kurfürstlichen Turnierbahn.
Um den hohen Ansprüchen seines Dienstherrn auch außerhalb der Hauptresidenz zu genügen, entwickelte lrmisch in Abstimmung mit Buchner seine Zwickauer Planungen weiter. In wohlüberlegter Weise wurde mit recht wenigen, aber wirkungsvollen Änderungen eine bemerkenswerte neue architektonische Klarheit und Qualität erreichte. Der tatsächlich ausgeführte Bau lässt sich damit den genannten höfischen Bauten in Dresden zur Seite stellen.
Es ist hier vielleicht anzumerken, dass das Zwickauer Schloss vor diesem von 1587— 1590 vorgenommenen Umbau zur Renaissanceanlage in allen offiziellen Dokumenten lrmischs nie Schloss Osterstein, sondern stets Schloss Weißenstein genannt wird. Die Bezeichnung Schloss Osterstein — wohl im Sinne von an der Ostseite der Stadt gelegen — erscheint erst nach der Fertigstellung. Aufgrund der noblen Graufassung der Fassade war der ältere, auf den weißen Putzanstrich des Vorgängerbaues zurückgehende Name Weißenstein nicht mehr zutreffend und geriet in Vergessenheit.
Das neue Renaissanceschloss Osterstein zeigte sich im Zwickauer Stadtbild als dominierender Baukomplex. In typologischer Hinsicht stellte es eine Dreiflügelanlage dar. Mit dem lang gestreckten, annähernd gleiche Baumasse besitzenden Flügeln im Norden und Süden, dem Stallgebäude im Westen und der hohen Schildmauer im Osten gelang es lrmisch jedoch die Wirkung einer geschlossenen regelmäßigen Anlage von ausgezeichneter Proportionalität zu erzielen. Der bis zum Torbau dreigeschossige Südflügel bildete das eigentliche Amts- und Funktionsgebäude. Hier hatte man die Schlossküche, die Amtstuben und die Wohnung des Amthauptmanns untergebracht.
Der mächtige Torturm war als der Stadt zugewandter Ort des Empfangs zugleich weithin sichtbares Zeichen der kurfürstlichen Landesherrschaft. Mit dem gotischen Torbogen blieb gerade hier ein Symbol alter wettinischer Herrschaftstradition bewahrt.
Der im Westen angeordnete kurfürstliche Stall stellte ein nunmehr zweigeschossiges, baukünstlerisch anspruchsvolles Gebäude dar. Es bot in seinem stattlichen, von drei Säulen getragenen Erdgeschossgewölben Platz für mindestens zwanzig Pferde. Hofseitig verband es mit einer sicherlich etwas weniger aufwendigen Galerie als im Kleinen Dresdner Schlosshof den Süd- mit dem Nordflügel.
Der Nordflügel zeichnete sich in seiner äußeren Gestalt — allerdings nicht zu vordergründig — als Hauptflügel des Schlosses aus. Die Dachzone war nicht nur wie am Südflügel mit einem großen Volutengiebel an der Ostseite geschmückt, sondern besaß eine bewegte Dachlandschaft mit weiteren großen Zwerchgiebeln. Diese Giebel sind bereits im 18. Jahrhundert verschwunden. Im Inneren enthielt der Nordflügel als herrschaftlicher Wohntrakt die hochrangigsten Räume des Schlosses. Im ersten Obergeschoss befanden sich die Wohngemächer des Kurfürsten und seiner Gemahlin.
Allein schon durch ihre zentrale Erdgeschossanordnung in Gebäudemitte erweist sich die »Große Hofstube“ im Raumgefüge des Schlosses als besonders hervorgehoben. Auch hierin spiegelt sich die Stellung des Nordflügels als herrschaftlicher Trakt wieder. Der Südflügel besaß nämlich ebenfalls eine Hofstube, bei der es sich aber um die »Kleine Hofstube“ handelte. Hofstuben gehörten zu den wichtigsten und unverzichtbaren Räumen der großen Schlossbauten im 15. und 16. Jahrhundert. Bedeutendere Schlösser wie Schloss Osterstein konnten mehrere Hofstuben unterschiedlichen Rangs besitzen.
Im Dresdner Schloss ist die spätgotische Hofstube aus der Zeit um 1470 erhalten, während die Hofstube des 16. und 17. Jahrhunderts nicht mehr existiert.
Hofstuben spielten im Leben der Hofgesellschaft eine herausragende Rolle. Sie dienten lange Zeit als gemeinsamer täglicher Speise- und Versammlungsraum des Fürsten und seines Gefolges. Seit dem Aufkommen der Tafelstuben waren es dann besondere Anlässe, bei denen die herrschaftliche Tafel in der Hofstube abgehalten wurde.
Architektonisch handelte es sich bei den Hofstuben um aufwändig gestaltete Räume von saalartigen Dimensionen. Im Unterschied zu den bestenfalls durch Kamine beheizbaren Festsälen der Schlösser waren sie als eines ihrer Hauptmerkmale stets mit einem oft prunkvoll verzierten Ofen ausgestattet. Die
Öfen sind meist verloren, doch ließ sich in unserer „Großen Hofstube“ der einstige Ofenstandort bei der östlichen Säule nachweisen.
Auch zeigten sich die Hofstuben gegenüber den eher von Holzbalkendecken überspannten Sälen oft in repräsentativer Weise gewölbt. Entsprechend waren sie überwiegend auch mit einem Steinfußboden versehen.
Die „Große Hofstube“ des Schlosses Osterstein gehört zu den besterhaltensten und eindrucksvollsten Hofstuben der Renaissance in Sachsen. Lange Zeit als Wirtschaftsraum genutzt und durch Einbauten gestört, ist sie auf prächtige Weise wiederhergestellt.
Bei einer Grundfläche von ca. 175 m2 stellt sie den größten, der noch original erhaltenen Räume des 16. Jahrhunderts in Schlosses Osterstein dar. Hier konnte nach Aussage der Schriftquellen an 20 Tischen gespeist werden. In ihrer Baugestalt zeigt sich die »Große Hofstube als stattliche zweischiffig-dreijochige Gewölbehalle, deren Erscheinungsbild die beiden kräftigen toskanischen Säulen aus Cainsdorfer Sandstein besonders prägen. Derartige Säulen bestimmen auch die unter Kurfürst Christian 1. errichteten Bauten des Stallhofes oder des Kleinen Schlosshofes in Dresden. Hier am Kleinen Schlosshof befindet sich eine zur Hofküche gehörende Gewölbehalle, die gewissermaßen als Schwester der Großen Zwickauer Hofstube gelten kann.


Sehr geehrte Damen und Herren.

Im Namen des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen möchte auch ich Ihnen für ihre uneigennützige Unterstützung des Wiederaufbaus von Schloss Osterstein herzlich danken.
Ihre Hilfe, durch die die wunderbare Rettung des Schlosses finanziell erst möglich wurde, gereicht Ihnen allen zu „Sonder Ehre“, um den Landbaumeister Hans Irmisch abschließend noch einmal zu zitieren.

Vielen Dank


Günter Papenburg mit Familie und Angelika Michaelis,links, vom Förderverein



Uwe Köhler, Chef der Senioren-Heim-Gmbh, zeigt ein Pflegezimmer mit zahlreichen Hilfen für die Patienten.

Historischer Überblick


Ende 12./Anfang 13. Jahrhundert Vermutliche Errichtung einer leicht befestigten Burganlage
1292 Erstmals wird ein Castrum Czwickaw urkundlich erwähnt.
13./14. Jahrhundert – Ausbau zur markgräflichen Burg
1403 Starke Beschädigungen beim Stadtbrand
1404 bis 1407 – unter Markgraf Wilhelm I. wird die Burg als besser befestigte Anlage errichtet
16. Jahrhundert – Für die Zwickauer Burg wird der Name Schloss Osterstein gebräuchlich.
1522 Martin Luther predigt auf dem Schloss
1530 bis 1534 – Sitz der kurfürstlichen Münze
1587 bis 1590 – Abriss des zweiten Baus und Errichtung eines Renaissanceschlosses unter Kurfürst August I. und Christian I.
1632 – Während der schwedischen Belagerung im Dreißigjährigen Krieg wird das Schloss stark beschädigt, so dass es 30 Jahre unbewohnt blieb.
Nach 1770 – Um- und Einbauten für den Zweck der Nutzung als Gefangenenanstalt.
1775 bis 1962 – Straf- bzw. Gefangenenanstalt mit unterschiedlichem Charakter
1860 bis 1864 – Bau des Zellenhauses in Kreuzform
1933 – Kurze Zeit Nutzung als Schutzhaftlager (KZ), danach Zuchthaus
1962 – Schließung der Strafvollzugsanstalt
Ab 1963 – Pläne zur multifunktionalen Nutzung als Kulturzentrum, Gaststättenkomplex und für wirtschaftliche Einrichtungen wurden nicht realisiert
Sicherungsmaßnahmen an verschiedenen Gebäudeteilen
Nutzung des Schlosskomplexes für verschiedenartige Einrichtungen: Sprachheilschule, Lager des DRK und des HBK, Sitz der PGH Elektrizitätsanlagenbau, GHG Nahrung und Genuss, SGB Schuhe und Lederwaren u. a.
Nach 1989 – Bemühungen um die Schloss-Sanierung mit verschiedenen Eigentümerwechseln und Plänen, die vom Hotel über einen Kinokomplex bis zum Seniorenheim reichten
Mitte der 1990er Jahre – Abriss des Zellenhauses
Archäologische Untersuchungen, die weiteren Aufschluss zur Schlossgeschichte und zur Entstehung Zwickaus gaben.


Hofansicht des Nordflügels von Schloss Osterstein









Hofansicht mit Südflügel

Hofansicht vom Verbindungsflügel

Hofansicht vom Verbindungsflügel

Die Kellergewölbe unter dem Nordflügel stammen aus einer Zeit, weit vor dem 15. Jahrhundert

Die Treppe aus dem Kellergewölbe in den Schlosshof sollte man künftig berücksichtigen, wenn man tief im Keller tief ins Weinglas schaut. Heimbewohnern allerdings steht auch ein barrierefreier Aufzug zur Verfügung.

Noch bietet das Umfeld einen tristen Anblick. Aber die Bauarbeiten sind im Gange, die unter die Erde verlegte Bundesstraßeund ihre Decke mit Stadtgrün als Stadtpark neu zu gestalten. Künftig wird der Bereich zwischen Innenstadt mit Schloss durch diese Grünzone mit dem Muldenufer eine Naherholungszone für die Zwickauer bieten.

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