Rezensionen aus der Zwickauer Kulturszene



Richard O‘Brien ‘s “The Rocky Horror Show” feiert Premiere im Zwickauer Gewandhaus


Skurrile und vergnügliche Reise durch Zeit und Raum mit überraschenden Metamorphosen


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Brad Majors (Daniel Koch) und Janet Weiss (Marsha Zimmermann) auf dem Weg zu ihren alten Collegeprofessor, da geht der Reifen platt und es gießt fürchterlich. Fotos: Awtukowitsch


Richard O‘Brien ‘s “The Rocky Horror Show” feiert Premiere im Zwickauer Gewandhaus


Skurrile und vergnügliche Reise durch Zeit und Raum mit überraschenden Metamorphosen



ZWICKAU, am 5. April 2012 – Ein Traum für jeden Regisseur: Das Theater ist bis auf den letzten Platz ausverkauft und damit nicht genug, überwiegend junges Volk und noch dazu in putziger Kleidung, ganz wie es in den Einladungen gestanden hat: Im Zwickauer Gewandhaus zeigte sich das Ensemble am Donnerstag schrill und grotesk. Richard O‘Brien ‘s “The Rocky Horror Show” feierte eine rauschende Premiere in Zwickau.
Die frisch verlobten Janet, Marsha Zimmermann, und Brad, Daniel Koch, sind in stürmischer Nacht unterwegs, sie wollen ihren ehemaligen Professor in einsamer Landschaft einen Besuch abstatten. Das geht natürlich schief, der Reifen am maroden Auto platzt und das Ersatzrad heißt auch nur so.
Zum Glück leuchtet ein einsames Licht durchs Geäst. Die Show kann beginnen. Die durchnässten Verlobten geraden in eine freundliche aber völlig außerhalb jeder bürgerlicher Konvention lebende Gesellschaft. Huij, da geht die Post ab. Unter der Regie von Volker Metzler tobt die Gesellschaft außer Rand und Band, und das Publikum macht mit. Soll es ja auch. Am Eingang gab’s ein Fanpaket mit den nötigen Utensilien vom Leuchtstab bis zur Klopapierrolle zu erwerben.



Magenta (Henriette Fee Grützner) bei Frank'n'Furter (Wolfgang Boos) der seine skurrilen Gesellschafterinnen, Magente und Columbia (Julia Rani) um sich schart.




Frank’n’Furter, Wolfgang Boss, darf man getrost mit Dr. Frankenstein assoziieren, der Outsider schafft sich seine Figuren, die er selber gern hätte. Und schon steigt Rocky; Davis Moorbach aus der Retorte, nicht ohne das es dampf, blitzt und zischt. Rocky hat nur einen Zweck: Er soll die Sinne vom Hausherr befriedigen. Natürlich läuft der künstliche Adonis aus dem Ruder.
Ein glänzendes und gut aufgelegtes Ensemble steckt in skurrilen Kostümen aus der Hand Claudia Charlotte Burchard, und die sich damit selber übertroffen hat. Ein Maskenball ist nichts gegen die bunte Gesellschaft im Rock’and’Roll-Sound der Fünfziger. Musikalische Leitung Ludger Nowak.
Nun ist die Show ja Sache des Schauspielensembles, aber was Henriette Fee Grützner als Magenta, Julia Rani als Columbia, Michael Schramm als Dr. Scott und Wolfgang Boss an Gesang bieten, passt in jede hochklassige Filmkulisse, und das Publikum dankt es mit rhythmischen Applaus zur Szene.
Brad und Janet werden verwandelt, die leicht spießigen Verlobten geraden in den Taumel einer sexuell enthemmten Gesellschaft. Da gibt es auch ein wenig Anschauungsunterricht und Aufklärung für die ganz jungen Zuschauer. Hinterm Gazevorhang geht’s zur Sache, was offenbar auch den Publikumsgeschmack nicht entgegensteht. Ein paar ältere Besucher sind zwar verwundert und auch ein wenig irritiert, aber man arrangiert sich mit den Geschehen auf der Bühne und im Zuschauerraum.
Zwar mit schlechten Gewissen, aber erfreut von den neuen Reizen, beginnen sich Janet und Brad zu verwandeln. Aber nichts ist perfekt. RiffRaff, Benjamin Petschke, gibt den Bösen. Es gelingt ihm allerdings glänzend, seine konterrevolutionären Ambitionen hinter einer heuchlerischen und freundlichen Maske zu verbergen.
So tobt den die Gesellschaft von Trieben gesteuert durch Zeit und Raum, von Transylvanien bis ins biedere England der Fünfziger. Zweieinhalb Stunden im transzendenten Raum und das Theater sieht aus wie ein Schlachtfeld. Das macht sogar dem sonst theaterfernen Jugendlichen richtig Spaß. Minutenlanger Schlussapplaus und echt rockige Zugaben runden den Abend ab.
Theo Stiegler



Janet Weiss erfährt bei Frank'n'FurterRocky eine Verwandlung. Frank'n'Furter hat sich zu seinem Vergnügen eine Kunstfigur, Rocky (David Moorbach) geschaffen.



Richard O‘Brien ‘s - The Rocky Horror Show -Besetzung

Buch, Musik und Texte von Richard O‘Brien
Musikalische Einrichtung von Richard Hartley
Deutsche Fassung von Frank Thannhäuser und Iris Schumacher

Janet Weiss - Marsha Zimmermann
Magenta/Usherette - Henriette Fee Grützner
Columbia - Julia Rani
Brad Majors - Daniel Koch
RiffRaff - Benjamin Petschke
Rocky - David Moorbach
Frank‘n’Furter - Wolfgang Boos
Eddie/Dr. Scott - Michael Schramm
Erzähler - Jan Baake

Regie - Volker Metzler
Musikalische Leitung - Ludger Nowak
Choreografie - Katja Erfurth
Bühne Fabian Gold & Jule Dohrn-van Rossum
Kostüme - Claudia Charlotte Burchard
Dramaturgie - Brigitte Ostermann
Regieassistenz - Ulrike Sorge
Dramaturgieassistenz Elisabeth Guzy
Inspizienz - Gabriele Triems
Soufflage/Statistenbetreuung - Julia Böhme
Korrepetition - Florian Meyer
Stimmbildung - Judith Schubert

Songs
Erster Teil Touch-A-Touch Me
Science Fiction Once in a While
Damn it, Janet! Eddie‘s Teddy
Over at the Frankenstein Place Planet Schmanet
TimeWarp

Zweiter Teil
Sweet Transvestite - Floor Show
The Sword of Damocles I‘m Going Home
Charles Atlas Song Super Heroes
Hot Patootie Science Fiction — Reprise
Charles Atlas Song — Reprise

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