Robert-Schumann-Konservatorium: Berühmte Musikschule kämpft mit Pfusch am Bau


2013 - Ein Jahr nach der Sanierung muss umfangreich nachgearbeitet werden

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Paukenschlag im Jahr 2014 - es wird immer schlimmer


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Noch kein Jahr nach der Übergabe des frisch sanierten Robert Schumann-Konservatoriums an Schüler, Lehrer und Musiker tritt der Baupfusch zu Tage: Das gesamte Dachgeschoss des Hauses 4 ist samt Isolation abgesoffen und muss aufwändig saniert werden. Foto: Theo Stiegler

Robert-Schumann-Konservatorium: Berühmte Musikschule kämpft mit Pfusch am Bau


Ein Jahr nach der Sanierung muss umfangreich nachgearbeitet werden


ZWICKAU, November 2013 – Das Robert Schumann Konservatorium in Zwickau ist als Musikschule weithin berühmt. Hollywood-Filmmusiker wie Günther Fischer und Sängerinnen wir Regina Thoss wurden hier ausgebildet. 2009 nahm die Stadt ordentlich Geld in die Hand und ließ den damals maroden Komplex von Grund auf sanieren. 2012 war die Freude groß, als Schüler und Lehrer in allen Sparten vom Gesang bis zum Klavier, von der Gitarre bis zur Trommel in elf Fachbereichen die neuen Räume beziehen konnten. 9,6 Millionen Euro hatte die Sanierung gekostet und etwa 1600 Musikschüler freuten sich über beste Lernbedingungen.

Gitarrenlehrerin Barbara Löffler musste im Frühjahr 2013 feststellen: "Da kommt Wasser aus der frisch renovierten Decke." Gepfuscht haben offenbar mehrere Beteiligte, vermutet Mirko Richtsteiger vom Zwickauer Hochbauamt. Fraglich ist die Lösung der Architekten, die das Dach gestalteten, die Dachdecker haben offenbar auch nicht dicht gearbeitet und schließlich war auch ein professioneller Bauüberwacher mit der Kontrolle der Bauarbeiten beauftragt. Wie kann es dann passieren, dass sich kurze Zeit nach der Übergabe des Bauwerkes über 200 Liter Wasser zwischen Zimmerdecke und Dach ansammeln konnten?"
















Kein halbes Jahr später stellte die Gitarrenlehrerin Barbara Löffler mit Schrecken in ihrem Unterrichtsraum unterm Dach fest: „Da bildete sich plötzlich eine Pfütze auf dem Fußboden unseres schönen Kabinettes!“ Die Lehrerin alarmierte den Hausmeister, der die Stadt und als die Bauleute der Sache auf dem Grund gingen, platschten ihnen 200 Liter Wasser aus der frisch sanierten Decke entgegen. Mirko Richtsteiger vom Hochbauamt der Stadt Zwickau weiß nun: „Da wurden in mehrfacher Hinsicht Fehler gemacht!“ Erstens haben die Architekten an ein Steildach ein Flachdach angeschlossen, auf dem konnte sich das Wasser sammeln, die Dachdecker haben die Dachpappe nicht dicht verlegt, da konnte das Wasser bequem durchlaufen, und schließlich haben die professionell bestellten Baukontrolleure nicht richtig aufgepasst.
Natürlich hat die Stadt nun einen Gutachter mit der Bauwerksprüfung beauftragt. Wolfgang Hertrampf hält den Ball flach: „Kleine Ursachen, große Schäden“, sagt der Baufachmann. „Es wird nicht nötig sein, die gesamte Dachkonstruktion wieder abzureißen, aber um eine Änderung der Dachkonstruktion wird man nicht herumkommen.
Das Wasser in der Decke hat natürlich auch sofort Schimmelpilze auf den Plan gerufen. Damit ist der Unterricht auf der betroffenen Etage des Hauses 4 ab sofort nicht mehr möglich. Die Zupfer, Sänger und Harfonisten, etwa 200 Musikschüler müssen mit ihren Lehrern für ein halbes Jahr in Ausweichquartiere umziehen. Thomas Richter als Direktor des Robert Schumann Konservatoriums gibt sich zuversichtlich: „Bis zum nächsten Sommer sollte alles erledigt sein!“
Natürlich wurde inzwischen gründlich nach weiteren Schäden gesucht. Weitere Mängel gibt es auch am neuen Verbindungsbau zwischen Haus 3 und 4. Auch dort wurden umfangreiche Wasserschäden im Dach festgestellt.
Als die ersten Mängel zutage traten, hat die Stadt erst mal die Restzahlungen an Betriebe und Planungsbüros eingestellt, um die 200.000 Euro zurückbehalten. Ob das reicht, die festgestellten Mängel zu beseitigen, konnte gestern zur kurzfristig anberaumten Pressekonferenz von niemandem bestätigt werden.

Baubürgermeister Rainer Dietrich kann es kaum glauben: Das frisch sanierte Robert-Schumann-Konservatorium ist kein Jahr nach der Übergabe wieder ein umfangreicher Sanierungsfall.
















Allerdings: Während sich die Handwerksbetriebe, so Richtsteiger, bereit erklärt haben, die Schäden selber und ohne weitere Koste zu beseitigen, haben die Bauplaner und Architekten ihre Hände in Unschuld gewaschen.
Rainer Dietrich, der verantwortliche Baubürgermeister der Stadt Zwickau ahnt: „Da kommen Auseinandersetzungen vor Gericht auf uns zu.“

Theo Stiegler


ZWICKAU, am 27. November 2014
STADTVERWALTUNG ZWICKAU
Medieninfo Nr. 459 vom 27. November 2014

Das Liegenschafts- und Hochbauamt informiert:

BAULICHE MÄNGEL AM KONSERVATORIUM GRAVIERENDER ALS ERWARTET

Beseitigung soll in den kommenden beiden Jahren erfolgen
STADTVERWALTUNG ZWICKAU
Medieninfo Nr. 459 vom 27. November 2014

Das Liegenschafts- und Hochbauamt informiert:

BAULICHE MÄNGEL AM KONSERVATORIUM GRAVIERENDER ALS ERWARTET

Beseitigung soll in den kommenden beiden Jahren erfolgen
ZWICKAU, am 27. November 2014 - Fast zweieinhalb Jahre nach der Übergabe des Gebäudekomplexes liegt nun eine umfangreiche Liste an Mängeln vor, die im Zuge der Sanierung und des Umbaus des Robert Schumann Konservatoriums entstanden sind. Zu diesen zählen erhebliche Probleme an der Glasfassade des Verbinders zwischen Haus 1 und 2, Abdichtungs-, Putz- und Schallschutzmängel in den Kellergeschossen der Altbauten sowie Mängel an der Glasfassade des Ergänzungsbaus und im Dachbereich des Hauses 3. Die Stadtverwaltung schlägt vor, die festgestellten Mängel bis Ende 2016 zu beseitigen. Die Gesamtkosten könnten bis zu 950.000 Euro betragen.





Wohl für längere Zeit wird die noch nie richtig fertiggestellte Glasfassade mit provisorischen Abdeckungen entstellt bleiben. Es ist, als ob die Stadt Zwickau weltweit die erste Stadt ist, wo eine Glasfassade ein schönes Gebäude zieren sollte. Die, durch Ausschreibung gefunde Firma für die Erstellung der Fassade, ist längst pleite. Nicht immer ist die billigste Lösung auch die beste. Aber auch die "Bauexperten" der Stadt müssen sich fragen lassen, was sie während der Bauphase gemacht haben. Foto:Stiegler




Mit fast 300.000 Euro ist dabei die Glasfassade an dem Verbindungsbau zwischen Haus 1 und Haus 2 (Crimmitschauer Straße/Carolastraße) veranschlagt. Nach einem Ortstermin mit dem Gerichtsgutachter im Oktober 2013 wurde in Abstimmung mit dem Rechtsamt ein Gutachten zur exakten Auflistung der an der Fassade vorhandenen Mängel erstellt. Die erforderliche Öffnung erfolgte in den Sommerferien 2014, der Gerichtsgutachter muss nun eine Bewertung vornehmen. Gegenwärtig geht die Verwaltung davon aus, dass die Fassade, die letztlich nie fertig gestellt wurde, komplett erneuert werden muss.

In den Kellergeschossen der Altbauten waren und sind Feuchte- und Schallschutzmängel festzustellen, die unter anderem den nachträglichen Einbau einer Lüftungsanlage erfordern. Bisher unbekannt waren Probleme an der Glasfassade des Hauses 3 (Stiftstraße). Zur genauen Beurteilung sind hier weitergehende Untersuchungen erforderlich. Ebenfalls bei diesem Gebäude ist das Dach undicht. Die bereits früher bekannten Probleme im Dachbereich des Hauses 4 wurden zwischenzeitlich behoben.

Nach den bisher vorliegenden Gutachten sind die Mängel auf unzureichende Planungs-, Bauüberwachungs- und Ausführungsleistungen zurückzuführen, so dass aus Sicht der Stadtverwaltung umfangreiche Schadensersatzansprüche vorliegen. Detaillierte Aussagen können aufgrund der bereits anhängigen oder noch bevorstehenden Verfahren derzeit nicht getroffen werden.

Die Stadtverwaltung bringt nun die erforderliche Änderung des Vorhabensbeschlusses in den Stadtrat ein. Mit dieser sollen insbesondere die finanziellen Mittel bestätigt werden, die für die Mängelbeseitigung erforderlich sind und die in 2015 und 2016 bereitzustellen wären. Die Verwaltung hat das Ziel, alle festgestellten Baumängel bis Ende 2016 zu beseitigen und die Arbeiten auch bereits vor einer abschließenden rechtlichen Klärung und Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen durchzuführen.

Das Robert Schumann Konservatorium war zwischen 2009 und 2012 komplett modernisiert und umgebaut worden. Die Baukosten beliefen sich auf 9,8 Mio. Euro.
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