Kunstsammlungen zeigen 500 Jahre Grafik zwischen Rebellion und Religion

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Die Kuratorin Susanne Altmeier weiß: „Die Geschichte wiederholt sich.“ Bauernkrieg und arabischer Frühling, wie er in Tunesien begonnen hat, haben immer auch ihren Bezug und ihren Stachel in religiösen Ursachen

Kunstsammlungen zeigen 500 Jahre Grafik zwischen Rebellion und Religion

ZWICKAU, 30. Oktober 2015 - Krisenzeiten reizen auch immer zu schöpferischen Arbeiten. Die Zwickauer Kunstsammlungen wollen diese Tradition von der Reformation vor 500 Jahren bis in die Gegenwart mit vielen Arbeiten illustrieren. Die Ausstellung „Rebellion – Religion – Reformation“ vom 31. Oktober bis 24. Januar 1916 zeigt Holzschnitte von Dürer und Lucas Cranach genauso wie Lea Grundig mit ihren Zyklus zum Deutschen Bauernkrieg. Die Reformation war Ausdruck der Spannungen in der Gesellschaft und fand ihre Darstellung in religiösen Bildern, da war der Teufel an allem Elend Schuld. Petra Lewey ist froh über die Arbeiten aus allen Herren Ländern, die die Kunstsammlungen präsentieren können.
Lewey: „Insbesondere die Lutherdekade hat uns zu dieser Ausstellung animiert.“


Lewey: „Wir sind sehr froh, dass wir diese einzigartigen Grafiken in unserer Ausstellung zeigen können“.









Die Kuratorin Susanne Altmeier weiß: „Die Geschichte wiederholt sich.“ Bauernkrieg und arabischer Frühling, wie er in Tunesien begonnen hat, haben immer auch ihren Bezug und ihren Stachel in religiösen Ursachen. Und so zeigt die neue Ausstellung, Vernissage, 30. Oktober 2015, 18 Uhr in den Zwickauer Kunstsammlungen, Teppiche aus Afghanistan mit dem Motiv „Gott will richten unsere Feinde, gut wir arrangieren ein Meeting“, wo in bösester Form, kunstvoll gewebt, Menschen am Galgen hängend sich „versammelt“ haben. Böse wollen auch die Holzschnitte von Max Pechstein in seinen Zyklus „Das Vater unser“ sein.
Russische Künstler haben nach der Oktoberrevolution Zyklen mit Ikonen einfachster Machart aber um so eindrucksvollerer Symbolik geschaffen. Lewey: „Wir sind sehr froh, dass wir diese einzigartigen Grafiken in unserer Ausstellung zeigen können“. Die Ausstellung bewegt sich im Spannungsfeld zwischen politischen Machtkalkül, schließlich war es die berühmte Lea Grundig, die zu DDR-Zeiten ihre Grafiken auch in den Dienst der politischen Propaganda stellte, bei ihr ist der Große Reformator Luther auch mal schnell ein fettwänstiger Einpeitscher, bis hin zu laufenden Comics, die die Geschichte des Israelitischen Volkes von Alexander dem Großen bis heute zusammenfasst.
Theo Stiegler
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Pressematerial der Stadt Zwickau dazu

KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum


31. Oktober 2015 bis 24. Januar 2016 RE:BELLION // RE:LIGION // RE:FORM. Künstler agieren im Umbruch
RE:BELLION // RE:LIGION // RE:FORM, 2015 Jan Brokof, Entwurf

Zwickau, Oktober 2015 - Bildende Kunst von der Reformation bis heute Unmut und Auflehnung bringen stets eine eigene visuelle Kultur hervor. Künstler reagieren auf gesellschaftliche Umbrüche seit je her mit neuen Ausdrucksformen und Medien. So nutzten Meister wie Albrecht Dürer und Lucas Cranach den leicht zu vervielfältigenden Holzschnitt für ihre Botschaften. Ausgehend von der Reformationszeit will die international angelegte Ausstellung bildende Kunst in Umbruchsituationen bis in die Gegenwart hinein vorstellen. Insofern spannt sich der Bogen der Objekte von spätmittelalterlichen Druckgrafiken religiösen Inhalts, z.B. Cranachs „Passional Christi vnd Antichristi“ von 1521, politischen Avantgardeplakaten aus der frühen Sowjetunion, expressiven Holzschnitten von Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein bis zur Street-Art der ägyptischen Revolution seit 2011 sowie Installationen und Videoarbeiten. In Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern der Ausstellung wird eine Buchedition in Kooperation mit dem LUBOK-Verlag Leipzig entstehen.
Religion und Krisen Spannungen in Glaubensfragen und soziales Unbehagen lösen Umbrüche aus. Insofern stehen Reformation und Deutscher Bauernkrieg modellhaft für komplexe Krisensituationen. Blicken wir heute auf den Arabischen Frühling, nach Israel und Palästina, auf die Islamische Republik Iran, auf den langjährigen Bürgerkrieg in Sri Lanka oder auf Russlands wieder erstarkte Orthodoxie, so wird klar: Allzu oft begleiten religiöse Dispute die Kontroversen oder lösen sie gar aus. Konträre religiöse Ansichten liefern Rechtfertigungen für Aufstand und Gewalt. Das hat sich seit fünfhundert Jahren nicht geändert. Dabei funktioniert bildende Kunst nicht nur als Kommentar, sondern auch als Katalysator. Häufig nimmt sie dabei neue Formen an. Nicht von ungefähr widmet sich die Lutherdekade 2015 dem Thema von Bild und Wort. Denn im Umfeld des Bauernkrieges entstand mit den Einblattdrucken ein innovatives Medium. Flugschriften der Protestanten verbreiteten die Ideen der Reformation. Die polemisch zugespitzten Holzschnitte trafen den Nerv der Zeitgenossen. Sie waren leicht reproduzierbar, erschwinglich und erreichten ein großes Publikum.
Flugschriften im Update Unmut und Auflehnung erzeugen also ihre eigene visuelle Kultur. Mit globalem Radius verfolgt Re:bellion // Re:ligion // Re:form diese Phänomene. Ein Spezialprojekt in Kooperation mit dem LUBOK-Verlag Leipzig dockt genau zwischen Historie und Aktualität an. Die exzellenten Linolschnittbücher von LUBOK fußen auf der Tradition alter russischer Bilderbögen und damit auf einem demokratischen Zugang zu Kunst.
Für unsere einzigartige Edition produzierten Künstler aus allen Weltgegenden neue Linolschnitte mit aktuellem politischen Inhalt: Ägypten, Südsudan, Sri Lanka, Indien, Israel, USA, Russland und Deutschland. Pointierte, auch satirische Blätter fangen den Zeitgeist und die Zustände in Krisenregionen ein. Sie transportieren aktuelle Geschichte in ein zeitloses Medium. Nicht zu vergessen, dass Flugblätter, Cartoons oder Schablonengraffitis heute im Klima von Auf- und Umbrüchen mindestens genauso relevant sind, wie einst die Holzschnitte.
Von Lucas Cranach bis Nina Paley Weitere präsentierte Werke halten den brisanten Spannungsbogen: Cranachs Holzschnitte etwa oder vorreformatorische Kultbilder in sogenannten „Götzenkammern“ überdauerten, außerdem die selten gezeigten „ROSTAFenster“ der sowjetischen Avantgarde sowie expressionistische Reaktionen auf religiöse Themen nach 1918.
Hochaktuelle Installationen und Videoarbeiten setzen sich direkt mit der Gegenwart auseinander: Lichtarbeiten von Daniel Rode, seit 2011 in Kairo entstanden; der Film „This Land is Mine“, eine tragikomische Geschichte Israels von Nina Paley; religionskritische Fahnenobjekte von Nadia Plungian und Till Ansgar Baumhauers Referenzen zu afghanischen Kriegsteppichen.
Beteiligte Künstler Geschichte: Hans Brosamer, Jacques Callot, Lucas Cranach d. Ä., Albrecht Dürer, HAP Grieshaber, Lea Grundig, Max Pechstein, Erhard Schön, Dziga Vertov
Gegenwart: Khalid Wad Albaih (Südsudan/Katar), Till Ansgar Baumhauer (D), Jan Brokof (D), Markus Draper (D), Ganzeer (Ägypten), Maripelly Praveen Goud (Indien), Viktoria Lomasko (RU), Nina Paley (USA), Nadja Plungian (RU), Pala Pothupitiye (Sri Lanka), Daniel Rode (D), Daniel Sasson mit Eran Segal (Israel), Henrik Schrat (D), Gabriele Stötzer / Künstlergruppe Erfurt (D)
Kuratorinnen Susanne Altmann, Dr. Petra Lewey
Die Ausstellung „RE:BELLION // RE:LIGION // RE:FORM. Künstler agieren im Umbruch“ in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum findet im Rahmen der Lutherdekade statt und wird vom 19. März bis 5. Juni 2016 im Städtischen Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen zu sehen sein. hier geht´s nach oben

Begleitprogramm


Freitag, 30. Oktober 2015, 18 Uhr Ausstellungseröffnung* mit dem Chemnitzer Ensemble Agenda St. Jacob Zu hören sind Kirchenlieder und Motetten aus Quellen der Ratsschulbibliothek Zwickau, u.a. von David Köler, Philipp Dulichius und Heinrich Schütz. Eintritt: frei
Dienstag, 10.November 2015, 18 Uhr BACH – LUTHER – IMPROVISATION BACH & BLUES DRESDEN: Ulrich Thiem (Cello/Gesang u.a.) und Andreas Böttcher (Vibraphon) spielen Werke von J. S. Bach, KammerJAZZmusik, Lutherlieder sowie Improvisationen über Lutherchoräle. Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro
Samstag, 14. November 2015, 15 Uhr Veranstaltungen zum Wochenende der Grafik Führung mit der Kuratorin Susanne Altmann Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro
Samstag, 14. November 2015, 17 Uhr Präsentation der Begleitpublikation mit Filmabend Nina Paley (Animationskünstlerin und Zeichnerin, Urbana/USA): Sita sings the Blues (2008), Animationsfilm zum indischen Ramayan-Epos (81 min), Einführung von Susanne Altmann Eintritt: frei
Sonntag, 15. November 2015, 15 bis 17 Uhr Drucktechniken gestern und heute. Eine praktische Einführung zum Hochdruck Eintritt: frei hier geht´s nach oben

Vorträge*


Sonntag, 24. Januar 2016, 15 Uhr Till Ansgar Baumhauer (Dresden): Gewalt und ihr Abbild in Langzeitkriegen. Was hat Afghanistan mit dem Dreißigjährigen Krieg und mit Bildproduktion zu tun? Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro
Termin wird noch bekannt gegeben unter www.kunstsammlungen-zwickau.de Alexander Roob (Stuttgart): Die ROSTA-Fenster der bolschewistischen Kunstarmee Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro
Öffentliche Führungen
Mittwoch (Buß- und Bettag), 18. November 2015, 15 Uhr Sonntag, 13.12.2015, 15 Uhr Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro
Donnerstag, 3. Dezember 2015, 18 Uhr Donnerstag, 7. Januar 2016, 18 Uhr Donnerstag, 14. Januar 2016, 18 Uhr Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro
Führungen für Schüler und Gruppen nach Vereinbarung. hier geht´s nach oben
Publikationen
Zur Ausstellungseröffnung erscheint eine Künstleredition im LUBOK-Verlag Leipzig (25 Euro) und am 14. November 2015 eine Begleitpublikation (15 Euro).
Barrierefreiheit
Ein barrierefreier Zugang ist über den Innenhof möglich. Die Dauerausstellung ist eingeschränkt zugänglich und die Sonderausstellung ist rollstuhlgeeignet.
*Zur Eröffnung und allen Vorträgen ist für maximal 15 Personen eine induktive Höranlage verfügbar.
Kontakt
KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU, Max-Pechstein-Museum, Lessingstraße 1, 08058 Zwickau, Telefon: 0375 834510, E-Mail: kunstsammlungen@zwickau.de
Website: Museumswebsite
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