„… Inn die Librareÿ zu Zwicka …“, die Zwickauer Ratsschulbibliothek zeigt zu ihrem 510jährigen Bestehen Schätze aus 1200 Jahren Buchkunst


Stephan Roth, Christian Daum und weitere Direktoren der Bibliothek stifteten ihre Sammlungen der Ratsschulbiliothek Zwickau

- siehe auch Das Zwickauer Stadtarchiv - Termine in den städtischen Museen - Ratsschulbibliothek im Internet Hier geht´s zurück zur Homepage

„Bücher auszustellen, ist das Schwierigste überhaupt“, sagt Restauratorin Karla Krzeminski, die diese Woche noch letzte Hand an die wertvollen Folianten und an die Ausstellungsvitrinen legte .

Direktor Mahnke: Auch zeigen, wie die Schätze in die Sammlung kamen


Ratsschulbibliothek war eine der ersten öffentlichen Bibliotheken Sachsens


ZWICKAU, 24. Februar 2008 – „… Inn die Librareÿ zu Zwicka …“, die Zwickauer Ratsschulbibliothek zeigt zu ihrem 510jährigen Bestehen Schätze aus 1200 Jahren Buchkunst

ZWICKAU – Die wohl größte Ausstellung in über 500 Jahren ihrer Geschichte rückt jetzt die Zwickauer Ratsschulbibliothek ins Licht der Öffentlichkeit. Ab Sonntag können die Besucher in den Ausstellungsräumen des Städtischen Museums in Zwickau einzigartige Schätze bewundern. Unter den Titel „… Inn die Librareÿ zu Zwicka …“ sind bis Mai die Großen Ausstellungsräume des Städtischen Museums mit wertvollen Büchern, Handschriften aus dem Mittelalter dekoriert. Die Ratsschulbibliothek selbst befindet sich seit über hundert Jahren im Ostflügel des Städtischen Museums.
Fragt man den Museumsdirektor Lutz Mahnke danach, was er seinen Besuchern als schönstes Ausstellungsstück empfehlen möchte, weist der Chef der Bibliothek ohne zu zögern auf eine prächtige, reich bebilderte Bibel aus den Beständen des Zwickauer Franziskanerklosters, das es bis 1525 in der Stadt gab. Kräftige Farben auf sorgfältig gezeichneten Bildern erzählen Geschichten aus dem Lukasevangelium, so, wie sie ein Mönch um 1250 aufzeichnete.
Dabei ist die repräsentative Bibel keinesfalls die größte Rarität, die das Museum aus den Beständen von über 180.000 Büchern für ein Vierteljahr den Besuchern zeigen will.

Lutz Mahnke zeigt die Inventarliste des Bibliothekdirektors Daum aus dem 17. Jahrhundert - Quelle zahlreicher Erkenntnisse zu den Beständen der Bibiliothek.


Die ältesten Ausstellungsstücke sind sicher zwei Handschriftenseiten aus der 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts, die gut gesichert in der Vitrine liegen. Was hat der Mönch Caelius Aurelius in der „Dicta des pulsibus“ in der Zeit Karls des Großen aufgeschrieben? Direktor Mahnke schmunzelt: „Da geht es um junge Männer, die morgens aufwachen und sich nächtlings besudelt haben. Das soll’s auch heute noch geben.“ Die ältesten Blätter sind so etwas, was man heute ein Doktorbuch nennen würde. Was genau der Medicus vor 1200 Jahren empfahl, hat der Bibliothekschef allerdings nicht parat. Aber, wer will, kann sich ja selber ans Werk machen, die Blätter sind gleich in der Einganghalle zu sehen.
Lutz Mahnke erzählt: „Wir wollen auch zeigen, wie die Schätze in die Bibliothek gekommen sind. Am 17. Februar 1498 schrieb Professor Bernhard Schauenpfennig aus Eger in den Einband einer Handschrift die Widmung, dass er das Buch der Bibliothek des Zwickauer Gymnasiums schenkt. Mit diesem Vermerk wird die Zwickauer Ratschulbibliothek erstmalig erwähnt. Das sichert der Einrichtung aber auch den Titel: Älteste wissenschaftliche und öffentliche Bibliothek in Sachsen.
Der Stadtrat von Zwickau und Direktor der Lateinschule in der Zeit Martin Luthers, Stephan Roth, vererbte dem Museum seine über 6000 Bücher und Handschriften. Roth war gleichzeitig Schul- und Bibliotheksdirektor. Der Bibliothekschef heute: „Man muss wissen, die Ratsschulbibliothek war gleichzeitig Schulbibliothek der Zwickauer Lateinschule und öffentlich zugängliche Bibliothek der Stadt.“
Das hat man damals nicht so eng gesehen. Neben Büchern barg und birgt der Museumsfundus auch viele andere Gegenstände. Mahnke verweist auf ein dickes Büchlein, in dem Direktor Christian Daum das Inventar akribisch aufgeschrieben hat: Ein Skelett einer Kindesmörderin aus Jena, leicht ramponiert oder ein Kalb mit zwei Köpfen finden sich in der hunderte Seiten langen Liste. Davon allerdings berichten nur noch die Eintragungen im Buch, viele aufgelistete Gegenstände sind über die Jahrhunderte verschwunden.
Aber trotzdem: Auch heute zählen Möbel, Büsten, Gemälde, Steinsammlungen und ausgestopfte Tiere noch zu den Sehenswürdigkeiten der Ausstellung. Vieles ist ausgeliehen, für die Zeit bis Mai haben die Museumsleute Gemälde, die sonst als Dauerleihgaben in den Verhandlungssälen des Zwickauer Landgerichtes hängen, in für Ausstellung zurückgeholt.
Auch die Werkstätten der Mönche und Buchdrucker wurden nachgestaltet. Besucher können sehen, wie Farben für die Buchillustration gemixt wurden, mit welchen Techniken vor Jahrhunderten Bücher hergestellt wurden.
„Bücher auszustellen, ist das Schwierigste überhaupt“, sagt Restauratorin Karla Krzeminski, die diese Woche noch letzte Hand an die wertvollen Folianten und an die Ausstellungsvitrinen legte. Die Restauratorin hat für jedes Buch eine extra Buchstütze konstruiert und gebaut. Schließlich soll der Besucher den besten Eindruck gewinnen, aber auch das Buch darf keinen Schaden nehmen. Da sei es beispielsweise schon wichtig, auf welcher Seite das Buch aufgeschlagen ausgestellt wird. „Alle zehn Jahre für ein Vierteljahr bei einer Beleuchtung von 50 Lux Helligkeit, ist gerade so das Maximum, was man den wertvollen Pergamenten zumuten kann“, sagt die Expertin für alte Schriften und Drucke, dabei führt sie vorsichtig den Radiergummi, ein wichtiges Restaurationswerkzeug, übers Papier.
Die hinteren Ausstellungshallen des Museums sind einem extra Thema gewidmet: Zwickau und die Musik. Nachlässe von Musikern und Musikwissenschaftlern aus Zwickau enthalten bemerkenswerte Briefe und Schriften, Noten und Sammelgegenstände. Im nachgestalteten Arbeitszimmer des Zwickauers Georg Göhler sind Büsten von Mozart und Beethoven, die aus der Werkstatt des Leipziger Bildhauers Carl Seffner stammen, schöne antike Möbel und Sammlungen mit Briefen berühmter Musiker eindrucksvoll präsentiert.
Bis zum 12. Mai ist die Ausstellung immer von Dienstag bis Sonntag in der Zeit zwischen 13 bis 18 Uhr zu sehen.
Theo Stiegler

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