Vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Pest, vom Lehrplan der Lateinschule bis zum täglichen Wetterbericht


Penibel als Chronist und Lehrer – Ausstellung Christian Daum zum 400. Geburtstag in den Zwickauer Priesterhäusern


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Bibliotheksdirektor Lutz Mahnke ist stolz, mit dem berühmten Zwickauer in einer Reihe zu stehen. Der Gelehrte und Philologe Daum war schließlich als Direktor der Zwickauer Lateinschule, ab 1662 bis 1687, auch der Hüter der Bücher- und Schriftenschätze der Zwickauer Bibliothek und damit ein Vorgänger von Mahnke, der heute die Schätze der historischen Bücherbestände der Stadt Zwickau in der Ratsschulbibliothek unter seinen Fittichen hat.

Vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Pest, vom Lehrplan der Lateinschule bis zum täglichen Wetterbericht


Penibel als Chronist und Lehrer – Ausstellung Christian Daum zum 400. Geburtstag in den Zwickauer Priesterhäusern


ZWICKAU – Transsylvanien und Graf Dracula ist heute allen Gruselfreunden eine gut bekannte Adresse, aber dass die Zwickauer Ratschulbibliothek ein Buch über Vlad III. Dracula aus dem Jahr 1480 besitzt, mag doch in Erstaunen zu versetzen. Erst 1897 wurde aus dem Siebenbürgener Fürsten Dracula mit Hilfe des Romanciers Bram Stoker auch ein Vampir.
Wer möchte, kann diesen Bücher-Schatz selber sehen, die Gelegenheit ist günstig: Die Zwickauer Priesterhäuser und die Ratsschulbibliothek stellen jetzt ihre besten Stücke zum 400. Geburtstag des bedeutenden Zwickauers Christian Daum (1612 bis 1687) in den Museumsräumen der Priesterhäuser aus.
Kostbare Bücher und Holzschnitte, historische Stadtpläne aus dem Dreißigjährigen Krieg, Exerziervorschriften als Illustrationen oder Wohnaccessoires und selbst ein überdimensionaler Stundenplan aus der Zeit der Lateinschule um 1670 geben Auskunft über das Leben in der Muldestadt im 17. Jahrhundert.
Der Zwickauer Gelehrte Daum führte einen regen Schriftwechsel. Von Hamburg bis Florenz, von Breslau bis Antwerpen saßen 500 seiner Briefpartner, und da Daum auch jeden Brief, den er selber versandte, vorher in sein Konzeptbuch schrieb, ist die gesamte Korrespondenz heute in der Zwickauer Ratsschulbibliothek erhalten. Über 5000 Briefe berichten über das Leben und die Studien des Gelehrten.




Kostbare Bücher und Holzschnitte, historische Stadtpläne aus dem Dreißigjährigen Krieg, Exerziervorschriften als Illustrationen oder Wohnaccessoires und selbst ein überdimensionaler Stundenplan aus der Zeit der Lateinschule um 1670 geben Auskunft über das Leben in der Muldestadt im 17. Jahrhundert.










Bibliotheksdirektor Lutz Mahnke ist stolz, mit dem berühmten Zwickauer in einer Reihe zu stehen. Der Gelehrte und Philologe Daum war schließlich als Direktor der Zwickauer Lateinschule, ab 1662 bis 1687, auch der Hüter der Bücher- und Schriftenschätze der Zwickauer Bibliothek und damit ein Vorgänger von Mahnke, der heute die Schätze der historischen Bücherbestände der Stadt Zwickau in der Ratsschulbibliothek unter seinen Fittichen hat.
Christian Daum hat sein Leben lang alles gesammelt und aufnotiert, und sein Nachlass stellt für die Zwickauer einen unermesslichen Schatz an Wissen über die Muldestadt im 17. Jahrhundert dar. Fast 8000 Bücher und Schriften, 5300 Briefe, penibel geführte Kataloge und Jahrbücher aus dem Besitz von Christian Daum hat die Stadt Zwickau nach seinem Tod Ende des 17. Jahrhunderts für 1700 Taler erworben, ein unermesslicher Schatz auch schon 1697 weiß Mahnke.
Akribisch hat der Gelehrte Daum jede auch noch so kleine Begebenheit aus der Stadt in seine Kalender notiert. Das reicht von dem Erwerb und den Kosten für eine neue Haube für sein Weib als Haushaltsausgabe bis hin zu der Zahl der an der Pest verstorbenen Bürger in der Stadt, die er nach Stand, Name, Geschlecht und Alter sorgfältig notierte.
Natürlich führte Daum auch über den Kauf neuer Bücher genau Buch. Lutz Mahnke: „So wissen wir heute genau, wo und von wem Daum die Bücher für welchen Preis für seine Bibliothek erworben hat.“
Schon 1662 war ausgemacht: an seiner Bibliothek hat die Stadt das Vorkaufsrecht, das galt auch als Bedingung dafür, dass Daum die Stelle des Direktors der Lateinschule bekommen konnte. Der Rat der Stadt Zwickau notierte: Ein Mann hoher Gelehrsamkeit aber von mickriger Gesundheit sei der Daum gewesen. Nun der „mickrige“ Mann hat 12 Jahre nach dieser Notiz, in den Siebzigern des 17. Jahrhunderts, seiner zweiten Ehefrau noch zwei Kinder gemacht.
Daum hat viel erlebt, er wohnte selber im Priesterhaus Nummer 8 und so musste er 1750 mit ansehen, wie in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirchturm der Marienkirche in Flammen aufging.
In seiner Jugendzeit tobte der Dreißigjährige Krieg, und Zwickau wurde sieben Mal von feindlichen Truppen belagert. Ein Brief des Feldherren Wallenstein, der nun auch in einer Glasvitrine bewundert werden kann, kündigt den Zwickauern an, dass der General Piccolomini mit einem Heer von 31000 Söldnern auf die Stadt zuzieht und versorgt werden soll, das war 1630 für eine Stadt mit 6000 Einwohnern eine schwere Belastung.
Weiter gehören zu Ausstellungsstücken sieben Bände mit handschriftlichen Randbemerkungen von Martin Luther, Autographen und Widmungen von Philipp Melanchthon, das älteste sächsische Gesangbuch von 1525, die älteste sächsische Schulordnung von 1523 und viele Holzschnitte von Lucas Cranach und Albrecht Dürer.

Theo Stiegler

Ausstellung vom 12. Februar bis 6. Mai 2012
Pressetext der Stadtverwaltung Zwickau zur Ausstellung


“In ganz Europa berühmt … - Christian Daum zum 400. Geburtstag



ZWICKAU – 9. Februar 2012. Anlässlich des 400. Geburtstages von Christian Daum zeigt die Ratsschulbibliothek Zwickau in Zusammenarbeit mit den Priesterhäusern eine Sonderausstellung mit einmaligen Exponaten und Zeitzeugnissen.
Daum wurde 1612 in Zwickau geboren, in eine Zeit, die nur 6 Jahre nach seiner Geburt für 30 Jahre in einen europäischen Krieg versinken sollte, den man später den „Dreißigjährigen“ nennen wird. Er entstammte einer angesehen und über Jahrhunderte in Zwickau ansässigen Familie von Badern und Wundärzten, die durchaus über einiges Vermögen verfügte.

Die Ausstellung zeigt fast ausschließlich Exponate aus dem Nachlass Christian Daums und gliedert sich in drei Abteilungen: dem Leben des Zwickauers, seine Zeit und Drucke und Handschriften zur Reformation.
Das Leben Daums beginnt am 30. März 1612 in Zwickau im elterlichen Haus am Klosterplatz, nach häuslichem Unterricht beim Vater Martin besuchte er zwischen 1620 und 1632 die Lateinschule Zwickau. Dort beeinflusste ihn vor allem der Rektor Johannes Zechendorf, ein anerkannter Pädagoge und Orientalist. Christian Daum konnte schon mit 8 Jahren nicht nur Lateinisch und Griechisch legen, sondern auch die hebräischen Buchstaben.
Zwischen 1632 und 1634 studierte er in Leipzig. Durch die Kriegsereignisse und die Pest wurden seine Studien allerdings immer wieder unterbrochen und Christian musste oft aus der Stadt fliehen. In der Messestadt lernte Daum den Privatgelehrten Kaspar von Barth kennen, mit dem ihn später eine lebenslange Freundschaft verband.
Nach Weihnachten 1634 kam Christian Daum wieder nach Zwickau, war zunächst Privatlehrer bei Dr. jur. Götze und sollte die Stadt nie wieder verlassen, außer zu kurzen Reisen. 1642 wurde er Tertius an der hiesigen Lateinschule, heiratete und bezog das Priesterhaus Nr. 8. Nach dem Tod Johannes Zechendorfs wurde Christian Daum 1662 Rektor der Lateinschule, eine Stelle, die er bis zu seinem Tod 1687 innehatte.
Bis 1694 zogen sich die Verhandlungen um den Wert des Nachlasses Daums zwischen den Erben und der Stadt hin, bis er schließlich für 1700 Taler von der Stadt erworben wurde.

Der Nachlass Christian Daum ist der zweitgrößte eines Barockgelehrten Deutschlands und in seiner Geschlossenheit einmalig.
In zwei gesonderten Vitrinen werden einige besonders wertvolle Handschriften und Drucke aus dem Nachlass Daum gezeigt. So z. B.: ein Druck über den historischen Graf Dracula von 1494, reich kolorierte Handschriften aus dem 14. und 15. Jahrhundert, seltene Ausgaben mit Illustrationen von Albrecht Dürer, einer Handschrift von Paul Fleming und Kupferstichen von Jakob de Gheyn zum Gebrauch von Piken und Luntenschlossgewehren. Die Zeit Christian Daums wird in der Ausstellung in drei Bereichen präsentiert, die maßgeblichen Einfluss auf sein Leben hatten: den Dreißigjährigen Krieg, die Pest und den Kirchturmbrand von 1650, wobei immer der direkte Bezug zur Zwickauer Stadtgeschichte im Mittelpunkt steht.
Zahlreiche Dokumente verdeutlichen diesen Komplex: Originalbriefe von Albrecht von Wallenstein, Gustav II. Adolf von Schweden, zeitgenössische Abbildungen der Schlachten von Lützen und Breitenfeld, Teile einer erstmals gezeigten kolorierten Exerziervorschrift
vom Gebrauch von Piken und Luntenschlossgewehren aus dem 17. Jahrhundert, Drucke über die Kriegswirrnisse in Zwickau, eine Leichenpredigt auf Gustav II. Adolf und original Kupferstiche zur Ermordung Wallensteins 1634. Ein besonderes Exponat ist sicher der farbige Stadtplan vom Jeremias Vollrath, der alle sieben Belagerungen der Stadt auf einmal zeigt. Eine Leihgabe des Stadtarchivs Zwickau.
Die Pestepidemien, die zwischen 1450 und 1683 Zwickau und Europa heimsuchten, werden mit Originaldokumenten aus dem Nachlass Daums für das 17. Jahrhundert eindringlich verdeutlicht: Briefe, Kalender, Pestordnungen, Gedichte.

Den Kirchturmbrand der Marienkirche Zwickau 1650 erlebte Christan Daum sehr direkt als Bewohner des Priesterhauses 8 also unmittelbar neben dem Brand. Er wird durch einen Brief Daums über den Brand, einer Installation von Daum als Figur, die diesen Brief vorliest und zahlreichen Darstellungen der Marienkirche vor und nach dem Brand verdeutlicht.
Ein bisher kaum beachteter Bereich sind die Drucke und Handschriften aus dem Nachlass Christian Daums zur Reformation. Aufgrund neuester Forschungen konnte herausgefunden werden, dass fast alle wichtigen Quellen zur Reformationsgeschichte in der Ratsschulbibliothek aus dem Nachlass Daums stammen. Dazu gehören u.a. die 7 Bände mit handschriftlichen Randbemerkungen Martin Luthers, Autographen und Widmungen von Philipp Melanchthon, das älteste sächsische Gesangbuch von 1525, die älteste sächsische Schulordnung von 1523, unzählige Erstausgaben von Luther, Melanchthon und anderen
Holzschnitte von Lucas Cranach und Albrecht Dürer.

Christian Daum

1612 29. März in Zwickau geboren,
Vater: David Daum (gest. 1633 an der Pest), Bader und Wundarzt
Mutter: Catharina geb. Streit (gest. vor 1625), aus Nürnberg
30. März Taufe
1620-1632 Besuch der Zwickauer Lateinschule unter dem Rektor Zechendorf
1632 Studium an der Universität Leipzig, u.a. bei Caspar von Barth
1634 wieder in Zwickau, zunächst Privatlehrer bei Dr. jur. Nikolaus Götze
1642 Tertius an der Zwickauer Lateinschule, Einzug ins Priesterhaus Nr. 8, am 3. Oktober Heirat mit Martha Fickenwirth (1598-1673) in der Katharinenkirche Zwickau
1662 Rektor der Lateinschule
1674 am 25. Januar Heirat mit Anna Margaretha Auerbach (gest. 1686) in der Lateinschule Zwickau
1674 Geburt des Sohnes Johann Christian
1676 Geburt der Tochter Anna Rosina
1687 15. Dezember in Zwickau gestorben

Daum wirkte als Philologe, Poet, Lehrer und Korrektor. Seit seiner Jugend sammelte er Bücher. Seine Briefinhalte waren vielseitig und betrafen Theologie, Philosophie, Philologie, Geschichte, Poetik und Genealogie, daher wurde er auch als „Polyhistor“ bezeichnet. Sein Nachlass wurde 1694 von der Stadt Zwickau für die Ratsschulbibliothek gekauft, nachdem Daum 1642 der Stadt das Vorkaufsrecht an seiner Bibliothek eingeräumt hatte.

Er umfasst:
7.680 Bücher und Handschriften
5.300 erhaltene Briefe von 500 verschiedenen Schreibern
Konzeptbücher der geschriebenen Briefe von 1633-1687
Schreibkalender von 1663-1687
Handschriftliches Schulgeldregister
6 handschriftliche Bibliothekskataloge
zahlreiche weitere Manuskripte




Aus dem Hausrat der Familie Daum
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