"Pension Schöller" im Zwickauer Gewandhaus



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Der Neffe Alfred Klapproth, Maximilian Nowka, kann am Ende nicht anders, er muss sich in die schrille und hässliche aber liebenswürdige Friederike, verlieben. Da hatte die Maske im Zwickauer Theater schon Mühe aus der hübschen Sandrine Guiraud das hässliche, aber urkomische Entlein Friederike zu zaubern. Fotos: theater


Im Zwickauer Gewandhaus hatte „Pension Schöller“ von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby Premiere

Zwei Stunden Zwerchfellmassage mit verrückt spielenden „Verrückten“


ZWICKAU, 20. April 2004 – Antreten zur Zwerchfellmassage: In Zwickau tobt der Wahnsinn, das Theater spielt „Pension Schöller“. Die Posse von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby hatte vergangenen Freitag im Gewandhaus Premiere und erfüllt alle Erwartungen und Klischees, die mit dem Erfolgsstück verbunden werden. Entsprechend kichert und gackert der Zuschauerraum über zwei Stunden und der Schlussapplaus fällt herzlich und heftig aus.

„Die ich rief die Geister, werd’ ich nun nicht wieder los“: Philipp Klapproth, Dieter Maas, muss den verhinderten Schauspieler Eugen Rümpel, Roland Schroll, helfen, ob er nun will oder nicht.


Der Provinzler Philipp Klapproth, Dieter Maas, möchte auch mal etwas Ungewöhnliches erleben. Sein Neffe, Alfred, Maximilian Nowka, soll ihm im verrückten Berlin der Gründerzeit (Uraufführung Pension Schöller 1890) zu einem Abend in einem Irrenhaus verhelfen.
Die „Pension Schöller“, die der Neffe in seiner Not findet, ist zwar keine Irrenanstalt, aber die Typen, auf die Klapproth dort trifft, erfüllen die kühnsten Hoffnungen des Junggesellen. Dieter Maas brilliert in der Darstellung des vermeintlich Wissenden, und der bringt den Neffen mit seinen Andeutungen vor den Verrückten und dem Personal, zum Vergnügen der Zuschauer, von einer peinlichen Verlegenheit in die andere. Zusätzlich verliebt sich der Neffe in die Nichte des Pensionsinhabers. In die Rolle der Friederike schlüpft Sandrine Guiraud, eigentlich der hübsche Star des Zwickauer Schauspielensembles. Da wird aus ihr eine laute sommersprossige Naive mit Zahnspange und dicken Brillenrändern, so ist die Guiraud zwar nicht mehr hübsch aber köstlich komisch, was die Zuschauer zu Lachkrämpfen bewegt. Zwei in dicken Baumwollschlüpfern endende, fuchtelnde Beine kopfüber hinter der Sofalehne sind ein Höhepunkt, der von Situationskomik kaum zu überbieten wäre, wäre da nicht Eugen Rümpel, Roland Schroll, mit dem weltbekannten Sprachfehler: „Mir ist eine Fniege in den Hans gefnogen“. Der verhinderte Schauspielschüler Schroll mit dem Handicap kein „L“ sprechen zu können, hat alle Hände und natürlich seinen Hals oder „Hans“ voll zu tun, um seinen Onkel, den Pensionsdirektor Schöller, Michael Schramm, seinen Hang zur Schauspielerei zu verheimlichen. Das gelingt Schroll mit einer Köstlichkeit, die nicht nur der Rolle geschuldet ist.
Man würde dem Zwickauer Ensemble Unrecht tun, wollte man die „Schriftstellerin“ Josephine Krüger, Marie-Luise von Gottberg, mit ihrem Eifer alles zu notieren, den Major a.D., Holger Schmidt, mit seiner leicht verletzlichen Ehre und immer für versteckte Anspielungen auf seine vermasselte Karriere geöffneten Ohren oder den Weltreisenden Fritz Bernhardy, Jörg Metzner, als vereinnahmenden Freund, vergessen. Ein bisschen Sorge bekommt man schon um Marie-Luise von Gottberg, wenn die „Schriftstellerin Krüger“, unter lautem, verzückten Geschrei, stückeweise Cremetorte in sich hineinstopft. Und mancher Zuschauer mag vermutet haben, das etwas weit geschnittene Kleid hat die Ausstatterin Kristina Böcher der Gottberg für das Ende der Spielzeit auf den Leib gemessen. Als dann schließlich im dritten Akt die vermeintlichen Verrückten im trauten Heim von Klapproth anrücken, um alle die durch den Junggesellen leichtfertig in der „Verrücktenanstalt“ gegebenen Versprechen einzulösen, eskaliert das Geschehen, das das Zwickauer Schauspielensemble unter der Regie von Stefan Wolfram turbulent und kreativ, mit vielen hübschen Details versehen, veranstaltet. Theo Stiegler

Nächste Vorstellungen: 25. April, 27. April, 19.30 Uhr im Gewandhaus Zwickau.
Ticket-Service theater zwickau, Gewandhaus, Telefon 0375 834647.







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