Othello - Gewandhaus Zwickau 2003


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Edelgard Hofmann als Emilia entsetzt sich über die sterbende Desdemona, Bärbel Kubicek. Rechts Kai Konrad als Othello. Foto: Theater

Othello im Zwickauer Gewandhaus

Othello ist ein großer Charakter: Feldherr und Geliebter, der Mann hat großes Können und Gefühle. Nicht gefeit ist der dunkelhäutige Held gegen Intrigen und Lügen und so nimmt das Verhängnis seit über hundert Jahren auf der Bühne seinen dramatischen Verlauf. Am vergangenen Freitag hatte die Verdi-Oper „Othello“ im Zwickauer Gewandhaus Premiere. Die nach Cypern zurückkehrende Flotte erreicht durch stürmische See den Hafen. Geschickt mischt das Bühnenbild auf transparentem Vorhang Filmwogen mit Volksgetümmel auf der Bühne. Der Intrigant Jago, Rudolf Kostas, verwünscht Othello, Kai Konrad. Othello hat Cassio statt Jago zum Hauptmann befördert hat. Othello ist endlich mit seiner geliebten Desdemona, Bärbel Kubicek, allein. „Es ist ein Glück, dass wir in Zwickau noch ein Theater haben, wo so große Opern zur Aufführung gelangen“, sagt in der Pause ein Premierenabonnent, wohl wissend, dass Zwickau nicht die Metropolitan-Opera ist. Und so entschuldigt er auch in seinem Gesamturteil „Klasse“ die Abstriche, die die Besucher machen, wenn sie im Geiste die Tenorarien aus den CD-Aufnahmen von Placido Domingo mitklingen lassen. Bärbel Kubicek singt und spielt eine bewundernswerte Desdemona und eine richtig gute Stimme hören die Zwickauer mit Rudol Kostas. Der aus Wien importierte Bariton ist ein großer Gewinn für die Zwickauer Musikwelt.Allerdings dreht Kostas nun das Spiel ein wenig um, er erhält den meisten Beifall für seine Interpretation des Bösewichts in der Premiere. Eine zweite Besetzung des Othello durch Bernhard Brunko wird den Opernfreunden in Zwickau und Plauen, dort war schon vor zwei Wochen Premiere, eine weitere Sicht auf die attraktive Opernaufführung bescheren. Das Intrigenspiel auf der Bühne nimmt seinen Lauf. Jago stiehlt ein Taschentuch von Desdemona und versteht es Othello vorzutäuschen, diese habe ein Liebesverhältnis zu Cassio. Intrigen und Lügen machen das Spiel zum hochaktuellen Drama: Selbst kluge und souveräne Charaktere wie Othello scheitern am Gespinnst vorgespiegelter Tatsachen, und so kommt es, wie es kommen muss: Überwältigt von der scheinbaren Untreue seiner Desdemona tötet Othello die Geliebte, in einer den Opernfreunden „überwältigendsten“ Opernszenen der Musikwelt. Ohne Aktie des Theaters daran kam es zur Premiere zu einer weniger schönen Beeinträchtigung des Operngenusses: Mitten im letzten Akt, Desdemona liegt im Sterben, dröhnte vergangenem Freitag lauter Rummelrhythmus über die Orchestergeigen: Ein Bierzelt auf dem Hauptmarkt drehte ordentlich den Sound auf.
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