Aus dem Rathaus in Zwickau


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Letzter Tag als Oberbürgermeister von Zwickau: Rainer Eichhorn geht nach elf Jahren Stadtoberhaupt in die Wirtschaft. Foto: Theo Stiegler

Oberbürgermeister Rainer Eichhorn räumt nach elf Jahren seinen Schreibtisch

Zwickau. Bei Rainer Eichhorn kommt der Aha-Effekt mit Zeitverzögerung: "Beispiel Urlaub, da fiel die Spannung immer erst im Flugzeug von mir ab", sagte am Dienstag, 31. August ´01, der Zwickauer Oberbürgermeister Rainer Eichhorn. Der letzte Arbeitstag an seinem Schreibtisch im Zwickauer Rathaus hatte für den scheidenden Oberbürgermeister einen vollen Terminplan und für Abschiedsschmerz blieb keine Zeit; Schlüssel und Amtskette an den neuen Oberbürgermeister Dietmar Vettermann waren noch zu übergeben, Abschied von den Mitarbeitern zu nehmen, letzte Briefe zu unterschreiben, Post zu sichten.

Auf dem Höhepunkt aufhören können

Freiwillig und rechtzeitig habe er den Entschluss gefasst, nicht wieder für das Amt zu kandidieren. Auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, als Zwickau mit dem Tag der Sachsen glänzte, habe er quasi im richtigen Zeitpunkt das Amt losgelassen, sagt Eichhorn. Elf Jahre Arbeit für die Stadt Zwickau seien auch elf Jahre Glück in seinem Leben gewesen. Die Stadt im Aufbruch zu erleben, mitzugestalten hat ihm Freude bereitet. Da will sich Eichhorn auch heute nicht festlegen, was für ihn herausragt aus den Erlebnissen. Immer sei ihm die Stadt als Ganzes am wichtigsten gewesen. Große Glücksmomente hat er erlebt, als er am 3. Oktober 1990 auf den Stufen des Berliner Reichstags mit den Großen der Republik die Wiedervereinigung feiern durfte.

Alles ist wichtig

Für Zwickau muss man das Wichtigste mit einem kleinen Trick aus ihm herausholen: Was zeigte Eichhorn seinen offiziellen Gästen in Zwickau? Die kleine Stadtführung durch den Oberbürgermeister dauerte meist drei Stunden. Die Zwickauer Innenstadt ist ein Schmuckstück, das er gern vorzeigt, die Häuser aus dem Mittelalter, die prächtigen Bürgerhäuser und den Regiosprinter, der den Eisenbahnanschluss des Vogtlandes in die Stadtmitte bringt.

VW-Werk von der ersten Stunde an begleitet

Robert Schumann, das Museum und die Pflege des Erbes sind Pfunde zum Wuchern. Aber auch die Wismut mit ihren Altlasten, dem Schlammteich und die Crossener Halde hat Eichhorn nicht ausgespart auf dem Weg ins Volkswagenwerk nach Mosel. Das hat Eichhorn von seiner ersten Stunde an begleitet. Die Fotos, die ihn mit den Volkswagenmanagern Carl H. Hahn , Ferdinand Piëch und Gerd G. Heuss zeigen, bewahrt er griffbereit auf. Die Stadthalle ist ihm wichtig, aber auch die Schule für Gebärdensprache in Planitz. Oftmals hat Eichhorn nach seinem Arbeitstag nicht den direkten Weg nach Hause gewählt. Am Fernblick auf dem Windberg hat er das Stadtpanorama genossen und Bilanz gezogen. Auch aus seinem Bürofenster und bei seinen Gängen durch die Stadt schaute Rainer Eichhorn aufmerksam ins Leben. "Mit Freude sehe ich am Nachmittag die gut besetzten Biergärten auf dem Hauptmarkt." Das war vor fünf Jahren noch völlig anders. Damals klagten die Wirte über ausbleibende Gäste. Viel und nachhaltig hat der Tag der Sachsen gewirkt.

Die Zahl der Besucher nimmt zu

Mehr und mehr, beobachtet Eichhorn, kommen Touristenbusse nach Zwickau, staunen die Besucher über die schöne Stadt, die sie entdecken. Auch die Zwickauer selber lernen dabei, oftmals sehen die Einheimischen mit den Augen ihrer Gäste Neues, an dem sie tags zuvor noch schnell vorbei gehastet sind. "Da ist noch viel Potenzial drin³, sagt Eichhorn und meint die Belebung der Stadt genau so wie die Verbesserung des Wir-Gefühls der Zwickauer.

Auch weniger Schönes hat¹s gegeben

Das müsse eben wachsen, ist sich der Alt-Oberbürgermeister gewiss. Meinungsbildung ist ein langwieriger Prozess, hat er erfahren müssen. Was war nicht so gut in den elf Jahren? Viel ist in seiner Zeit als Oberbürgermeister in Zwickau zum Guten geschehen. Da schiebt er die Misserfolge in die kleinere Klasse. Natürlich sei die Finanzierung des Planitzer Bades mit überzogenen Millionenbeträgen kein Glanzpunkt, aber zu Beginn, als alle glaubten mit der Überbetonierung des alten Beckenbodens sei die Sache zu erledigen, habe niemand ahnen können, was wirklich unter dem Bad versteckt schlummerte.

Sachliche Berichte wären besser gewesen

Manche Pleite aber erweise sich nach Jahren als gar keine. Inzwischen habe die Bilanz erwiesen, der Konkurs der Stadtbautreuhandgesellschaft, STG, die gleich nach der Wende die Nordvorstadt sanieren sollte, ist an der Stadt ohne finanziellen Schaden vorbeigegangen. Ideeller Schaden ist wohl entstanden. Durch unseriöse und sensationsgierige Berichte wurde der Ruf von Zwickau deutschlandweit beschädigt. Das wurmt Eichhorn schon, obwohl er das alles lieber gleich morgen vergessen würde und obwohl er immer wieder betont: "Ich trage diese Dinge niemandem nach³.

Viel Tamtam und nur heiße Luft

Etwa 15 Mal wurde gegen den Oberbürgermeister Rainer Eichhorn in den elf Jahren Strafanzeige erstattet, immer haben sich die Vorwürfe in Luft aufgelöst. Oft wurde mit viel Tamtam die Aufnahme der Verfahren gierig ausgeschlachtet, nicht ein Mal habe die Auflösung des Falls in der öffentlichen Berichterstattung eine entsprechende Rolle gespielt, zeigt sich Eichhorn enttäuscht. Geradezu schizophren sei es, die Stadt schlecht zu schreiben und dann über ein schlechtes Image Krokodilstränen zu weinen. Ein Exemplar eines gerade eingegangenen Berichtes einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nimmt Eichhorn mit nach Hause: Das Institut hat die letzten Jahre der Standortentwicklungsgesellschaft, SEZ, unter die Lupe genommen. Ohne den Inhalt preiszugeben, weiß sich Eichhorn durch diesen Bericht gegen alle Vorwürfe, die gegen ihn als Aufsichtsratsvorsitzenden erhoben wurden, rehabilitiert. Als Oberbürgermeister habe er sich an die Beschlüsse des Stadtrates zu halten. Aber seine Argumente, die in der Diskussion für den Erhalt der SEZ sprachen, die hat er noch im Gedächtnis und persönlich macht ihm die beschlossene Liquidation der SEZ nicht glücklich, das kann man Rainer Eichhorn ansehen. Im September übernimmt Rainer Eichhorn den Job eines Geschäftsführers in einem Wirtschaftsunternehmen. Jetzt freut er sich auf eine Zeit, wo Hobbys wieder wichtig werden: Der Modelleisenbahnfan hat schon Pläne für zu Hause, und auch für die Mitgliedschaft als Tenor im Sachsenringchor wird sicher wieder mehr Zeit bleiben. Theo Stiegler 2001
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