Nabucco: Opernpremiere in der Zwickauer Stadthalle

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Die gefangenen Hebräer drücken ihre Sehnsucht nach der Heimat aus: "Zieh, Gedanke auf goldnen Schwingen".

Abigail, Judith Schubert, nutzt die Schwäche Nabuccos, Michael Junge, um diesen zu entmachten und verhöhnen. Fotos Theater

Nabucco als Monumentalaufführung in der Stadthalle in Zwickau

Es gibt viel Ungewöhnliches an der Oper Nabucco, eines davon ist das Happyend: Die Königskinder Ismael und Fenena kriegen sich, die gefangenen Juden im Reiche Babylons des Königs Nebukadnezar dürfen nach Jerusalem zurückkehren und werden nicht hingerichtet. Das ungewöhnlichste an der Oper ist die Wirkung des Gefangenenchores, der wirkt bis in die heutige Zeit: Am vergangenen Sonnabend waren über hundert Sängerinnen und Sänger in Chor der Gefangenen vereint. „Zieh, Gedanke, auf goldenen Schwingen...“ schwillt an wie immer in , „Ach, die Heimat, nach der wir uns sehnen“. Das Stadthallenrund des Zwickauer Unterhaltungstempels füllten über 2000 Besucher der Premiere der Oper von Giuseppe Verdi und wohl kaum einer, dem sich nicht der Atem abschnürte ob der Wirkung dieses Liedes. Der Ton schwillt an, wird durch den Innenkegel des Hallendaches quasi verstärkt und kommt um so stärker wieder auf die Reihen zurück. Das beginnt mit dem ersten Ton der Ouvertüre, vielleicht nicht so warm wie die Gewandhausakustik, darum aber um so eindringlicher ergreift jedes Instrument des verstärkten Orchesters Besitz von Ohren der Zuhörer. Unter der Stabführung von Victor Puhl brilliert das Orchester in den ergreifenden Musik von Verdi. Jerusalem fällt vor den Heerscharen Nebukadnezars, Nabucco, Michael Junge, und die Menschen sind am Verzweifeln. Da tröstet der Hohepriester der Hebräer, Zacharias, gesungen von Hagen Erkrath, die gefangenen Juden, macht ihnen Mut. Erfreulich klar und deutlich hebt sich der Bass aus der Orchestermusik hervor. Sicher, ohne Technik geht’s nicht in der Stadthalle. Aber auch diese funktioniert bestens. Mit Fenena, gesungen von Silke Richter, der Tochter Nabuccos, glaubt Zacharias, haben die Juden ein Faustpfand gegen die Willkür des Babyloniers. Fenena rettete einst Ismael den Neffen des Königs von Jerusalem und ist diesem nach der Hauptstadt der Juden gefolgt. Natürlich geht das nicht so glatt, dafür sorgt schon Abigail, gesungen von Judith Schubert, einer weiteren Tochter des Königs Nabucco, die gemeinsam mit dem Priester des Baal, Hasso Wardeck, am Hof von Babylon den Tod der Hebräer mit Fenena als Rivalin, mit dem Königssohn Ismael, der sie verschämte, wünscht und betreibt. Nabucco hat sich durch Selbstüberhebung und göttliches Strafgericht außer Gefecht gesetzt, und so den Weg für Abigail geebnet. Diese lässt prompt ihren Vater und ihre Rivalin in den Kerker zu den Gefangenen werfen. In diese Situation trifft der Chor der Gefangenen die Stimmung, die Regisseur Rainer Wenke spannungsreich aufgebaut hat. Die Bühne in der Zwickauer Aufführung überspannt fast die gesamte Hallenbreite der Arena der Stadthalle. Ein nicht endend wollende Schar von Komparsen füllt das Podium in dessen Hintergrund imponierend die Kulissen des Ichtartores von Babylon mit ihren blauen Klinkersteinen und den Löwenreliefs zeigt, dass Architektur vor 2587 Jahren in Babylon selbst im Bühnenbild noch mehr Charisma ausstrahlt als heutige Regierungspaläste. Kostüme von hocherotischen Jungfrauen mit Kerzenleuchtern und durchscheinenden Tunikas bis schlicht asketischen Gefangenen in Büßergewändern lassen selbst gestandene Schuldirektoren ruckartig das Opernglas vor die Augen reißen und selbstvergessen die Details studieren. Neben den musikalischen Leckerbissen der gut intonierten Verdioper Nabucco hat die Monumentalaufführung in der Zwickauer Stadthalle so auch einen großen Showeffekt, der aber die Dramatik der Opernhandlung diesmal nicht stört. Dank an den Regisseur Rainer Wenke, der mit Nabucco sicher einen Höhepunkt der Zwickauer Musikszene inszeniert hat. Für die Stadthalle ist der Opern-Event sicher einen Säule, die nach mehr verlangt. Für nächstes Jahr ist „Carmen“ angekündigt.
Weitere Informationen, Karten und Spielpläne unter Theater Plauen-Zwickau bye, bye beim DerZwickauer.
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