Die Nachdenklichkeit eines Fernsehtestbildes im Tageslicht

Max-Pechstein-Förderpreis der Stadt Zwickau geht an Jacqueline Jurt


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„Fehler im System“ nennt Jaqueline ihre Schöpfung deshalb, weil eben das Tageslicht in verschiedenen Winkeln einfällt, nie die Bedingungen für ein Testbild eingehalten werden. Die junge Frau zeigt im Parallelraum: „Sehen Sie, das Licht wird durch vom Museum installierte Technik ständig verwandelt, den Effekt nutzt mein Bild.“ Auch das war eine Forderung des Zwickauer Kunstvereins: Die Künstler sollen sich auf die Stadt Zwickau und das Museum einlassen. Vier Wochen haben die jungen Künstler „geschuftet“, um die Wettbewerbsarbeit in die Räume des Museums einzupassen.

Die Nachdenklichkeit eines Fernsehtestbildes im Tageslicht

Max-Pechstein-Förderpreis der Stadt Zwickau geht an Jacqueline Jurt



ZWICKAU, September 2009 – Die Stadt Zwickau vergibt alle zwei Jahre den Max-Pechstein-Förderpreis an junge Künstler bis 35 Jahre. Den Max-Pechstein-Förderpreis in Höhe von 5000 Euro 2009 erhält Jacqueline Jurt für ihre Raumarbeit „Fehler im System“. Außerdem kann sich Sebastian Kuhn über ein Förderstipendium von 3000 Euro für seine Installation „Welcome home“ im Kuppelraum des Städtischen Museums freuen.
Der Direktor der Städtischen Kunstsammlungen Zwickau, Wilfried Stoye, zum Anliegen des Preises: „Die Förderung zeitgenössischer, noch nicht etablierter Kunst zählt zu den wichtigsten kulturellen Aufgaben, die ein Förderpreis ermöglicht.“ Das hat wohl auch Max Pechstein so gemeint, als er selber noch 1948 den Förderpreis mit aus der Taufe gehoben hat.
Die Zeitreise ist schon spannend: Zunächst überrascht die Leere, der Raum des Städtischen Museum in Zwickau, den Jacqueline Jurt mit ihrer Kunst bespielt, ist leer. Erst der zweite Blick zeigt die Veränderung, die der Ausstellungsraum des Museums unter ihren Händen erfahren hat: Durch das riesige Oberlicht des Mittelsaales fällt farbiges Licht, das Muster der Farbfolien, mit denen die Scheiben beklebt sind, macht stutzig: Die Linie, Karos und Raster erkennt der fernseherfahrene Zuschauer, der noch die Zeit vor der Schließung der Nachtlücke erlebt hat: Das ist das Testbild eines Fernsehsenders. Solche Muster sind, weil verschwunden, inzwischen Kult. Und früher sagte man, von einem Fernsehverrückten, der sitzt auch noch stundenlang vorm Testbild.
„Fehler im System“ nennt Jaqueline ihre Schöpfung deshalb, weil eben das Tageslicht in verschiedenen Winkeln einfällt, nie die Bedingungen für ein Testbild eingehalten werden. Die junge Frau zeigt im Parallelraum: „Sehen Sie, das Licht wird durch vom Museum installierte Technik ständig verwandelt, den Effekt nutzt mein Bild.“ Auch das war eine Forderung des Zwickauer Kunstvereins: Die Künstler sollen sich auf die Stadt Zwickau und das Museum einlassen. Vier Wochen haben die jungen Künstler „geschuftet“, um die Wettbewerbsarbeit in die Räume des Museums einzupassen.
Sebastian Kuhn hat den Kuppelsaal des Museums mit eigenwilligen Skulpturen gefüllt. Da steht scheinbar ein Schlagzeug, und die Töne sind in Wellen klarer Plastefiguretten erstarrt. „Jumming with Scofield“ erinnert den jungen Mann eine eigene Musiksaison mit dem amerikanischen Gittaristen John Scofield. Seine Impressionen sind in dem in Plexiglaswellen festgehalten.
Eine einstmals architektonisch zweckbestimmte Mahagonitreppe ist jedem praktischen Sinn entfremdet: Sie wurde zersägt, skurril wieder zusammengefügt und mit anderen Materialien ergänzt, Spiegel und Fußbodenbeläge bilden nun mit dem Mahagoni den Blickfang am Eingang zum Kuppelsaal. Für Kuhn ist in der neuen Form die eigene Bewegung beim Treppensteigen zu sehen. Irrationale Räume werden durch Spiegelbilder hinzugefügt, Zeit und Raum gehen im Empfinden auf. So die Intention des Künstlers.

Carine Linge füllt mit Bildern unter dem Titel „Einsamer Eros“ den Apsisaal


Petra Lewey, die Leiterin der Kunstsammlungen, betont: „Die Künstler wurden eingeladen, sich von den Räumen und der Stadt Zwickau inspirieren zu lassen, das haben sie getan und in aufwändigen Arbeiten sind eindrucksvolle Kunstwerke entstanden.“ Diese sind nun bis zum 25. Oktober für die Zwickauer und ihre Gäste zu besichtigen.
Außer den Preisträgern haben drei weitere Künstler ihre Spuren im Museum hinterlassen: Carine Linge füllt mit Bildern unter dem Titel „Einsamer Eros“ den Apsisaal und mit einer geheimnisvollen Kiste, die einstmals die Figur eines Adonis enthielt, überrascht sie den Neugierigen, der durch den Spalt des nur angelehnten Deckels lunzt.
Manuel Graf lässt im Nachbarraum mittels einer Videoinstallation 1000 Jahre zu einem Tag zusammenschmelzen und Seb Koberstädt gestaltet streng Geometrisches in einer aufwändigen Wand schwarz-weißer Karos und Dreiecken und stellt profan-chaotisches Alltagsleben daneben, eine Kiste Bier steht wie zufällig vergessen im Raum. Man hofft nur: „Es möge keine Reinemachfrau kommen, und die zufällig dastehende Bierkiste wegräumen.“ Kunst will anregen, dazu sind die Besucher in der Ausstellung zum Max-Pechstein-Förderpreis im Städtischen Museum Zwickau am Platz der Völkerfreundschaft eingeladen.
Theo Stiegler

Sebastian Kuhn hat den Kuppelsaal des Museums mit eigenwilligen Skulpturen gefüllt. Da steht scheinbar ein Schlagzeug, und die Töne sind in Wellen klarer Plastefiguretten erstarrt.

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