Rezensionen aus der Zwickauer Kulturszene

Zwickauer Kunstsammlungen Max Pechstein zeigen "Der Traum vom Paradies"

Die Enkel des Brückekünstlers erinnern sich an ihren berühmten Vorfahren

Termine zur Ausstellung - Vorträge der Enkel von Max Pechstin

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Julia und Alexander Pechstein begleiten die Ausstellung mit Erinnerungen an ihren Großvater Max Pechstein Foto: Theo Stiegler


Pechsteins Reise ins „Paradies“ – Sonderausstellung zur Reise und Aufenthalt auf Palau 1914



ZWICKAU – Als Max Pechstein, 1881 bis 1955, 1914 mit seiner jungen Frau Lotte, damals 21, in Richtung Südsee aufbrach, ging seine große Sehnsucht nach naturverbundene Menschen und paradiesischen Stränden mit Palmen und Mangroven in Erfüllung. Der 32 Jahre alte Pechstein hatte sich einen guten Namen als Expressionist geschaffen und der Berliner Galerist Gurlitt schoss den bekannten Maler 10.000 Mark für die Reise vor. Diese sollte eigentlich zwei Jahre Aufenthalt und Arbeitsatmosphäre auf Palau bringen. Leider kam der Beginn des 1. Weltkrieges und die Besetzung von Palau durch die Japaner dazwischen und die ungestörte Arbeitswelt des Künstlers war nach nur zwei Monaten schon beendet.
Das Zwickauer Max-Pechstein Museum stellt den „Traum vom Paradies“ des Ehepaars Pechstein in einer aufwendigen Sonderausstellung vom 9. Juli bis 3. Oktober 2016 vor. Max Pechsteins Enkel Alexander Pechstein, 77, zeigte sich zur Vernissage hocherfreut über die gelungene Ausstellung. Anschaulich berichtet er von den Erlebnissen seiner Kindheit im Atelier des Künstlers in Berlin. Bis an sein Lebensende arbeitete der Maler und Kunstprofessor an Bildern, die seine Erlebnisse in der Südsee zum Motiv haben.
Dabei war die Reise realistisch betrachtet alles andere als erfreulich. Mit dem Zug nach Genua, mit dem Schiff durch den Suezkanal vorbei an Arabien und Indien ging es bis zu den heutigen Philippinen in die ehemalige deutsche Kolonie nach Palau.
Max Pechstein und seine Frau Lotte schrieben Tagebücher über ihre Reiserlebnisse, und an diesen Aufzeichnungen als Gerüst haben die Museumsmitarbeiter die Reise erlebbar nachgestaltet.
Gar nicht erfreut war Lotte, die ihren einjährigen Sohn Frank in Zwickau zurückgelassen hatte, dass ihr Max den ganzen Tag unterwegs war und sie in ihrem Haus mit den Dienstboten allein zubringen musste. Lotte beklagt in ihrem Tagebuch, das die Pechsteinenkel dem Zwickauer Museum voriges Jahr geschenkt haben, wie sie allein und krank viele Tage verbrachte.
So beschwerlich das für die vernachlässigte Ehefrau klingt, Max Pechstein führte wohl das Leben eines Künstlers im Schaffensrausch, er zeichnete und malte offenbar ohne Unterlass, schuf so einen Grundstock für sein gesamtes Künstlerleben.

Max Pechstein in den 50iger Jahre in seinem Atelier in Berlin. Ein Film aus dieser Zeit zeigt den Künstler bei Malen von Südseeimpressionen. Die damals entstandenen Bilder zeigt die Austellung im Museum neben dem Film im Original.













Ein Film aus den 50iger Jahren zeigt als Endlosschleife den ergrauten Maler, wie er in seinem Atelier an einem Strandfoto aus Palau arbeitet. Interessant für die Besucher der Ausstellung: Neben dem Bildschirm hängt das im Film im Entstehen begriffene Gemälde, sorgfältig fügt der Maler Strich für Strich hinzu.
Die Reise, die zwei Jahre Aufenthalt auf Palau hätte dauern sollen, war mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges abrupt beendet. Nach nur vier Monaten arbeitsintensiver Zeit im Südseeparadies besetzten die Japaner die ehemalige deutsche Kolonie und für die Pechsteins begann eine beschwerliche Odyssee, die über Japan, die USA zurück nach Zwickau führte. In den USA musste sich das Paar trennen und mühsam gelang es Max Pechstein, eine Fahrt als Kohlentrimmer über den Atlantik zu organisieren.









Das Bild "Am Bachufer" entstand 36 Jahre nach der Reise im Berliner Atelier des Künstlers in Berlin.











Die Ausstellung zeigt viele Bilder zur Südseereise, aber auch Fotos aus der Kolonie, die um 1910 dort entstanden und die Insulaner in gestellten Szenarien zeigen.
Max Pechsteins Sehnsucht wurde unter anderem durch einen Hausbalken aus einem völkerkundlichen Museum in Dresden ausgelöst. Auch diesen Balken, der reich verziert das Leben der Palauer zeigt, reichert die Ausstellung „Der Traum vom Paradies“ an. Auch ein Nachbau eines Inselhauses soll die Anschauung illustrieren.
Auf diese Weise ist den Zwickauer Museumsleuten eine Schau um die Reise der Pechsteins in die Südsee gelungen, die weit mehr als eine bloße Werkschau der Arbeiten des Künstlers ist.


Alexander Pechstein schildert die Begegnungen mit dem Künstler in seiner Kindheit.

Theo Stiegler

DER TRAUM VOM PARADIES

Max und Lotte Pechsteins Reise in die Südsee 9.Juli bis 3.Oktober 2016 in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum

Pressegespräch zur Ausstellung:

Donnerstag, 7. Juli 2016, 10 Uhr

Der Südseereise von Max und Lotte Pechstein ist die neue Sonderausstellung in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum gewidmet, die vom 9. Juli bis 3. Oktober zu sehen ist. Präsentiert werden neben Gemälden und Arbeiten auf Papier selten oder bisher noch nie gezeigte Exponate, wie etwa die Reisetagebücher oder ein Tagebuch-Fragment von Max Pechstein. Außergewöhnlich ist, dass den Südseeinterpretationen des Künstlers völkerkundliche Objekte und historische Aufnahmen gegenübergestellt werden. Zu den "Highlights" der Ausstellung gehören der Hausbalken aus dem Dorf Ngarbuked (Palau) vom Museum für Völkerkunde in Dresden und die Nachbildung eines Palau-Hauses.
Im Rahmen des umfangreichen Begleitprogrammes finden verschiedene Vorträge und Führungen sowie Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche statt. Im Kerber Verlag erscheint eine mit zahlreichen Abbildungen versehene Begleitpublikation von Aya Soika, in der erstmals vollständige Transkriptionen der Reisetagebücher von Max und Lotte Pechstein enthalten sind.
Max Pechstein wurde am 31. Dezember 1881 in Zwickau geboren. Im April 2014 wurde in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU das Max-Pechstein-Museum eröffnet, das Arbeiten aus allen Schaffensphasen des Künstlers zeigt.
Die Reise in die Südsee
Die Reise von Max Pechstein und seiner jungen Frau Lotte zu den Palau-Inseln im Südpazifik ab 1914 war vom Wunsch motiviert, "allem Gezwungenen und Kultivierten" zu entfliehen. Rückblickend vom Künstler als großes Abenteuer beschrieben, war die Fahrt jedoch voller Strapazen und nahm mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs einen unvorhergesehenen Verlauf. Es ist den wenigsten bewusst, dass die Reise in die Südsee und vor allem der beschwerliche Rückweg zusammen genommen wesentlich länger dauerten als der Aufenthalt am eigentlichen Ziel. Die in der deutschen Kolonie verbrachte Zeit wurde jedoch für Max Pechstein ab 1917 zu einem bedeutenden Thema seiner Kunst und bildet den Höhepunkt seiner Memoiren.
Nach Pechsteins Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg wurde Palau zum Schlüsselmotiv seiner Kunst. In Hunderten von Gemälden und in einer Lithographie-Mappe übermittelte er in den Jahren ab 1917 dem Berliner Kunstpublikum sein romantisiertes Bild der Südsee. Pechsteins Gemälde wurden mit einer Mischung aus Exotismus-Faszination und - aufgrund des durch den Weltkrieg verursachten Verlustes der deutschen Südseekolonien - Nostalgie aufgenommen. Die Klischees vom unberührten Wilden waren in Rezensionen allgegenwärtig.


Die Sonderausstellunq

Doch inwieweit erfüllten sich Pechsteins Vorstellungen vom unberührten Paradies? Was erlebten er und seine Frau tatsächlich?
Zahlreiche Ausstellungen beschäftigten sich bereits mit dem Thema, sowohl mit dem Einfluss des Exotischen für die Kunst der Moderne, insbesondere der Brücke-Künstler als auch ganz konkret mit den direkten Inspirationen der außereuropäischen Kunst auf das Werk Max Pechsteins. Vor 20 Jahren zeigte das Museum in Zwickau schon einmal eine Ausstellung unter dem Titel "Max Pechstein. Das ferne Paradies", in der das idealisierte Sehnsuchtsbild "Südsee" des Künstlers thematisiert wurde.
Die Schenkung des Lotte-Tagebuchs durch die Max Pechstein-Urheberrechtsgemeinschaft an das Museum in Zwickau war der Anlass, sich dem Thema der Südseereise erneut und intensiver zu widmen und die Beobachtungen sowie die Perspektive der mitreisenden Ehefrau mit Pechsteins Schilderungen aus seinen Erinnerungen, aber auch mit neu ausgewerteten Dokumenten (Briefe, Postkarten und Zeitungsberichte) zusammenzuführen. So ist das in einer Durchschrift erhalten gebliebene Tagebuch-Fragment von Max Pechstein, der Forschung bisher nur auf einen alten Diafilm bekannt, erstmals vollständig zu sehen und in die Untersuchungen einbezogen worden. Lottes Tagebuch-Einträge sind bis heute größtenteils unbekannt, wie auch einige bislang unveröffentlichte Zeichnungen, die während der Reise entstanden, und ein im Werkverzeichnis als verschollen gelistetes Gemälde aus Privatbesitz. Überhaupt sind viele Werke in der Ausstellung aus Privatsammlungen und deshalb bisher kaum gezeigt worden.
Neben dem Tagebuch von Lotte Pechstein und dem aus 40 Einzelblättern bestehenden Tagebuchfragment von Max Pechstein sind 15 Gemälde und 38 Arbeiten auf Papier des Künstlers zu sehen, aber auch zahlreiche Briefe, Postkarten, Zeitschriften, angewandte Arbeiten (Paravent, Schmuck) und eine historische Filmaufnahme von Pechstein bei der Arbeit an einem Südsee-Gemälde.
Eine Besonderheit der Ausstellung ist, dass der künstlerischen Sicht Pechsteins reale völkerkundliche Palau-Objekte und historische Fotografien gegenübergestellt werden, die ein realistischeres Bild der Südsee während der deutschen Kolonialzeit geben. Die Schau wird bereichert durch Zitate, Großfotos und - als besondere Attraktion - die Nachbildung eines Palau-Hauses, in dem museumspädagogische Veranstaltungen stattfinden. Zu sehen ist auch der sogenannte »Palau-Balken« aus Dresden, der einst die Kunst der jungen "Brücke"-Künstler stilistisch prägte. Die Ausstellung möchte somit auch beantworten, welche Rückschlüsse Pechsteins Werke auf das Leben und die Kultur der Palauer tatsächlich zulassen und inwiefern diese gleichzeitig auch als Zeugnisse der gesellschaftlichen und künstlerischen Vorstellungen der spät-wilhelminischen Gesellschaft zu verstehen sind.



Begleitprogramm

Veranstaltungen und Vorträge

Donnerstag, 11.8., 18 Uhr Palau einst und jetzt
Vortrag und Film mit Ulrich Drumm, München
Teilnahmegebühr: Vollzahler 5 Euro / Ermäßigungsberechtigte* 3 Euro

Donnerstag, 15.9., 18 Uhr
Hildebrand Gurlitt in Zwickau - Strategien seiner Museumsreform Vortrag und Vorstellung der Gurlitt-Biografie von Dr. Meike Hoffmann, FU Berlin Teilnahmegebühr: Vollzahler 5 Euro / Ermäßigungsberechtigte* 3 Euro

Donnerstag, 29.9., 18 Uhr
Was haben Männerhäuser, Holzenten, Glasperlen und Löffel aus Schildpatt mit Pechstein zu tun? Eine Reise durch die Vergangenheit und die Gegenwart materieller Kultur der Palau-Inseln.
Vortrag von Dr. Marion Melk-Koch, GRASSI Museum für Völkerkunde, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Teilnahmegebühr: Vollzahler 5 Euro / Ermäßigungsberechtigte* 3 Euro

Montag, 3.10., 15 Uhr
Museumssalon zur Finissage: Max und Lotte live!
Szenische Lesung aus den Reisetagebüchern und anschließende Führung mit Max und Lotte Pechstein (alias Schauspieler Jörg Simmat und Kunsthistorikerin Tina Pallas). Teilnahmegebühr: Vollzahler 10 Euro / Ermäßigungsberechtigte* 6 Euro

Führungen

Sonntag, 17.7., 31.7.,28.8.,4.9.,25.9., jeweils 15 Uhr
Mittwoch, 20.7.,17.8.,21.9., jeweils 18 Uhr
Öffentliche Führungen
Teilnahmegebühr: Vollzahler 7 Euro / Ermäßigungsberechtigte* 3,50 Euro
Donnerstag, 14.7.,21.7.,28.7.,4.8., jeweils 14 Uhr Führungen für Kinder
Ab auf die Insel! Mit Max und Lotte Pechstein in der Südsee
Das Angebot richtet sich an Familien mit Kindern zwischen 7 und 12 Jahren. Dauer: ca. 1,5 h
Teilnahmegebühr: Vollzahler 7 Euro / Ermäßigungsberechtigte* 3,50 Euro

Samstag, 9.7., 21 und 22 Uhr (Museumsnacht)
Kuratorenführungen
Kurzführungen mit Prof. Dr. Aya Soika, Julia Pechstein und Alexander Pechstein
Sonntag, 14.8., 14 Uhr Kuratorenführung
Führung mit Prof. Dr. Aya Soika
Teilnahmegebühr: Vollzahler 7 Euro / Ermäßigungsberechtigte* 3,50 Euro
Öffentliche Stadtführungen Treffpunkt: Eingang Rathaus
Endpunkt: KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum
Samstag, 9.7.,18 Uhr (Museumsnacht)
Samstag, 13.8., 17.9, jeweils 14 Uhr
Kostümführung "Auf den Spuren Max Pechsteins - Mit Lotte Pechstein (alias Tina Pa lias) durch Zwickau"
Teilnahmegebühr: Erwachsene 8 Euro
Schüler ab 10 Jahren & Studenten (gg. Vorlage des Ausweises) 5 Euro
Weitere Termine für Stadtführungen auf Anfrage unter Telefon 0157 55839707.
Führungsanfragen
Führungen für Schüler und Gruppen nach Vereinbarung an fuehrungen-kunstsammlungen@zwickau.de und telefonisch (während der Öffnungszeiten) unter 0375 834510.
Workshops
Sonntag, 17.7., 14 Uhr
Nackt in der Südsee - Aktzeichnen mit Florentine Thost
Das Angebot richtet sich an Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene. Dauer: ca. 3 h
Teilnahmegebühr: Vollzahler 8 Euro / Ermäßigungsberechtigte* 4 Euro
Sonntag, 24.7., 14 Uhr
Fischers Fritze schnitzt frische Fische - Holzbildhauerworkshop mit Silvio Ukat Das Angebot richtet sich an Familien mit Kindern und Jugendliche zwischen 9 und 15 Jahren.
Dauer: ca. 3 h
Teilnahmegebühr: Vollzahler 8 Euro / Ermäßigungsberechtigte* 4 Euro
Sonntag, 31.7., 14 Uhr
Mit Zettel und Stift auf Reisen - Schreibworkshop mit Andrea Riedel
Das Angebot richtet sich an Familien mit Kindern und Jugendliche zwischen 8 und 14 Jahren.
Dauer: ca. 3 h
Teilnahmegebühr: Vollzahler 8 Euro / Ermäßigungsberechtigte* 4 Euro
Weitere Informationen zum Begleitprogramm unter www.kunstsammlungen-zwickau.de.
* Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr; Zwickau-Pass-Inhaber, Schüler, VoIlzeit-Studenten über dem vollendeten 18. Lebensjahr (jedoch nicht Gasthörer, berufsbegleitende Studiengänge, Fernstudium, Beurlaubung) und Schwerbehinderte (mind. 50 GdB) gegen Vorlage eines gültigen Nachweises

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