Aus dem Theater Zwickau

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Guido Hackhausen und Inga-Britt Andersson als Lyonell und Martha: Die neue Magd ist auch zu dämlich. Foto: theater

Opernpremiere am Theater Plauen-Zwickau

Martha mit ein wenig Selbstironie vorgetragen

Lady Harriet Durham ist gelangweilt. Allein mit Freundin Nancy verbringt sie den Nachmittag im Schlossgarten. Wenn da nicht ein Scherz willkommen ist? Das Lied entfernt vorbei ziehender Mägde verspricht Kurzweil auf dem Markt zu Richmond. Als Mägde verkleidet beschließen die beiden Freundinnen sich auf dem Markt zu Richmond aus Spaß zu verdingen. Aus Lady Harriet wird Martha. Die Spieloper „Martha oder der Markt zu Richmod“ von Friedrich von Flotow hatte am vergangenen Freitag Premiere am Zwickauer Gewandhaus. Martha, Inga-Britt Andersson, singt einen hellen Koloratursopran. Den braucht sie in „Martha“ ausgiebig, denn viele der Lieder sind reine Koloraturen und müssen artig durchgestanden werden. Die Leistung wird auch artig mit Szenenapplaus belohnt. Die Freundin Nancy, Silke Richter, steht dem nicht nach. Ihr Mezzsopran ist wohltemperiert. So gewappnet gelangt das Paar auf dem Markt, der vorher turbulent eröffnet wurde. „Ich kann nähen, ich kann mähen, ich kann säen, Fäden drehen, ich kann bügeln, ich kann striegeln“ im schnellen Stakkato gesungen gehört wohl neben der „letzten Rose“ zu den ins Ohr gehenden Melodien aus Martha. Um die handelnde Gesellschaft komplett zu machen, werden zwei Herren gebraucht. Guido Hackhausen macht den Lyonel der mit den reichen Pächter Plumkett, Hagen Erkrath, zusammen ein respektables Tenor-Bass-Gespann abgibt. Die beiden werfen ein Auge auf die vermeintlichen Mägde und diese verdingen sich „zum Spaß“ den Herren. Nun sind die beiden Frauen alles andere, als für die Hausarbeit tauglich. Aber diesen Aspekt haben die Herren beim Vertragsabschluss auch weniger im Auge gehabt. Schließlich wird die Geschichte auf dem Gut von Plumkett eher frustrierend, die Mägde stellen sich auch zu dämlich an und andere Anträge werden brüsk zurückgewiesen. In der Nacht gelingt die Flucht, und Lyonell bleibt nur die Klage: „Martha, Martha, du entschwandest“. Der Prüfstein für den Tenor. Erfreulich, mit Hackhausen hat das Theater Plauen Zwickau wieder einen ordentlichen Tenor, der Arien sauber singen kann. Beifall belohnt Lyonell. Auch Erkrath bringt beachtliche Gesangesleistungen mit, so dass am Ende der Beifall anschwillt, als er vor den Vorhang tritt. Aus irgend einen nicht richtig klar werdenden Grund haben Regisseur Dominik Wilgenbus und Ausstatter Christian Rinke die Handlung aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts um hundert Jahre in dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts verschoben. Mit dem abgeschnittenen Zopf und der weggeworfenen Perücke kann nicht endgültig zusammenhängen. Autos und Traktoren von Aussein und Rolfs Roms bringen zwar einen Hauch „100 Jahre Autos aus Sachsen“ ins Geschäft, aber mit Zwickau haben die englischen Edelmarken nur entfernt gemeinsame Berührungspunkte. Schließlich schadet die Zeitverschiebung dem Stoff nicht. Aber wie ist das mit dem Salz im Pudding: Eine Brise ist das Geheimnis eines guten Kochs. Schmeckt man aber das Salz durch, dann ist es schon zu spät. Anfangs belohnt schallendes Gelächter den Gag, dass der Gärtner in Lady Durhams Garten beim Heckeschneiden zur Statue erstarrt und erst beim erscheinen eines Schildes über dem Zaun „Schnipp“ wieder erwacht. Auch „Fuchs und Hase“ im Hintergrund der Bühne beim Zubettgehen der beiden Damen, wird noch amüsiert registriert, es bringt das Augenzwinkern ein, dass die ein wenig rührseligen Szenen entschärft. Als aber Scharen von „witzigen“ Figuren um die Handlung herumturnen, schmeckt man das Salz denn doch ein wenig durch. Das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau spielt unter der Stabführung von Generalmusikdirektor Georg Christoph Sandmann. Premiere in Plauen am 27. März 2004. Theo Stiegler
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