„Die Tragödie des Macbeth“ Schauspiel von William Shakespeare am Zwickauer Gewandhaus

Aus Meuchelmord folgen weitere Bluttaten – Einsam wird’s um den Tyrannen

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Marsha Zimmermann macht als Lady Macbeth ihren Gatten, Johannes Lang, klar, man muss dem Schicksal ein wenig auf die Sprünge helfen. Fotos: Awtukowitsch

„Die Tragödie des Macbeth“ Schauspiel von William Shakespeare am Zwickauer Gewandhaus

Aus Meuchelmord folgen weitere Bluttaten – Einsam wird’s um den Tyrannen


ZWICKAU, 21. September 2012 – William Shakespeare konnte vor 400 Jahren noch nicht wissen, dass es weit Schlimmeres geben wird in den folgenden Jahrhunderten, als er seinen Figuren im Drama um den Schottenkönnig Macbeth mit auf den Weg gegeben hat. Von Machtgier getrieben meucheln seine Dramenfiguren Könige und deren treue Diener. Seine Gattin, Lady Macbeth, bringt sich am Ende aus Verzweiflung über ihr schlimmes, mörderisches Tun selber um. Das ist ja fast schon edel angesichts von Tyrannengattinnen jüngster Geschichte, die lieber in Edelboutiquen der Londoner und Pariser City shoppen gehen. Auch der Königsmeuchler Macbeth hat bei Shakespeare nicht viel Freude an seiner Königskrone, am Ende erliegt der zum Tyrann gewordene Held und Mörder im Kampf gegen die Guten und sein abgeschlagener Kopf wird zur Requisite.
Am Zwickauer Gewandhaus hatte jetzt Shakespeares „Die Tragödie von MacBeth“ Premiere.
Regisseur Roland May hat wohl auch angesichts von so viel Macht- und Mordgier in der Rolle der Lady Macbeth gefunden, so viel Schlechtigkeit und Machtgier hat in einer Frau nicht genug Platz und lässt Lady Macbeth gleich von drei Schauspielerinnen darstellen, so teilen sich Marsha Zimmermann, Else Henning und Christin Wehner eindrucksvoll in die Figur der Lady Macbeth. Die drei besetzen dann sinnigerweise auch den Part der drei Hexen, das sind allerdings auch bei Shakespeare tatsächlich drei Furien besonderer Art.
Anfangs ist Macbeth, Johannes Lang, ein treuer und loyaler Feldherr des Schottenkönigs Duncan. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als der Kriegsheld auf den Weg vom Schlachtfeld in die Heimat die drei Hexen trifft, die weissagen ihm: Erst wird er zur Belohnung für seine Verdienste Fürst am Hofe des Königs und dann, prophezeien sie ihn auch noch, werde er selbst der König sein. Das stachelt seinen und auch den Ehrgeiz seiner Gattin an.
Nun ist es für den Zuschauer schon besser, er kennt die Geschichte vorher, denn aus dem Geschrei und Gekreische der unter schrecklichen Verrenkungen agierenden Hexen ist weder die Prophezeiung noch irgendetwas zu verstehen. Dazu knallt und blitzt es ohrenbetäubend auf der Bühne und Schwaden von Nebel aus Trockeneis ziehen durch die Kulissen. Optisch ist das Spektakel von der gebotenen Aktion her schon eindrucksvoll, Ausstattung Oliver Kostecka. Ansonsten ist die Bühne sehr dürftig ausgestattet und auch die Kostüme, Gretl Kautsch, haben nur einen winzigen Anklang von Historie, die Akteure sind eingehüllt in Businessanzüge und –kleider, und nur eine Beinschiene hier oder eine eiserne Schulterklappe dort sollen die Phantasie ins Mittelalter beamen.
Macbeth jedenfalls glaubt nach dem Spektakel mit den drei Hexen genug von seiner Zukunft zu kennen. Die Aussichten scheinen günstig, man müsste nur ein wenig warten, bis der König und seine legitimen Erben das Zeitlich segnen, dann wäre er an der Reihe, König zu werden. Auch die Lady, oder drei in einer, sind von der Zukunft angetan. Also, warum dem Lauf der Geschichte nicht ein wenig nachhelfen? Als der König Duncan auf der Burg von Macbeth übernachtet, wird er kurzerhand ermordet. Das Publikum im zweidrittel besetzten Zuschauerraum verfolgt gespannt der grauseligen Szene, bekommt aber zum Glück nur bluttriefende Dolche zu sehen.
Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Mitwisser müssen beseitigt werden. Schottland ist klein, wer nicht rechtzeitig nach England oder Dänemark fliehen kann, der wird ermordet. Tyrannei erzeugt Widerstand und bald wird es einsam um Macbeth. Eindrucksvoll agieren nun die gegnerischen Königsvasallen Lennox, Saro Emirze, Macduff, Frank Siebers, Siward, Theo Plakoudakis, sie ziehen im Dienste Englands gegen ihren ehemaligen Freund ins Feld.
Nun erweist sich, die Hexen haben Macbeth abermals falsch geweissagt, er sei sicher, hatten sie orakelt, bevor nicht der Wald von Birnam nach Dunsinan komme und ihm könne keiner schaden, der nicht von einem Weibe geboren wurde. Nun, Wälder können doch laufen, und Männer kommen als Säuglinge nicht nur durch den Geburtskanal der Mutter auf die Welt, alles, was scheinbar unmöglich war, geht plötzlich. Da fällt, nach eindrucksvollem Schwertkampf zwischen Macduff und Macbeth, Frank Siebers und Johannes Lang haben ordentlich geübt, der Kopf von Macbeth und der echtmäßige Thronerbe wird König.
Das Publikum dankt dem Ensemble mit lang anhaltenden Beifall und Bravorufen für zweieinhalb Stunden Königsdrama.
Theo Stiegler


Gleich dreifach ist die Lady Macbeth in der Inszenierung von Roland May verkörpert. Else Henning, Marsha Zimmermann und Christin Wehner sind Lady Macbeth.


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