Lohengrin mit guter Musik und weniger guter Ausstattung

Hier geht´s zurück zur Homepage

Elsa, Judith Schubert, Lohengrin, Taras Ivaniv und Telramund, Michael Junge, in der Hochzeitszene. Foto: Theater Plauen-Zwickau

Wagneroper „Lohengrin“ auf der Zwickauer Gewandhausbühne

Lohengrin mit guter Musik und weniger guter Ausstattung

Lohengrin ist ein Gralsritter. Was auch immer die Menschen des Mittelalters mit dem Mysterium Gral verbanden, es war Geheimnisvoll, es wirkt nur, wenn das Idealbild des edlen, guten, mutigen Schutzengels durch den Schleier des Unbekannten geschützt wird. Richard Wagners Oper Lohengrin fußt auf dem Bild des selbstlosen Ritters, dessen Mission automatisch mit der Enthüllung endet. „Nie sollst du mich befragen“, ist denn auch die Schlüsselformel in der Dramaturgie des Werkes. „Nie sollst du mich befragen“, singt Lohengrin, Tars Ivaniv, ein wenig dünn im Stimmchen, auf der Zwickauer Gewandhausbühne. Man hätte sich gewünscht, dass der Zwickauer Heldentenor vom Dienst, Bernhard Brunko, als zweite Besetzung auf der Rolle, die Premiere hätte singen dürfen. „Lohengrin“ hatte am Freitag, 22. November, Premiere am Zwickauer Gewandhaus. Am Hof des Königs Heinrich des Ersten wird Elsa von Braband, Judith Schubert, beschuldigt, sie habe ihren Bruder getötet, um selbst Thronerbin zu werden. Ein Vorwurf, der nach mittelalterlichen Recht auch dadurch beseitigt werden konnte, wenn sich denn ein Ritter fand, der für die Ehre der Dame kämpfte, kämpfte gegen den Beschuldiger und natürlich siegen musste. Flehentlich wendet sich Elsa in die Runde nach einem Retter, und nach gebührender Zeit, taucht Lohengrin auf. Eine stimmlich sehr gut eingestellte Judith Schubert hat das Opernpublikum auf diesen Augenblick vorbereitet. Der Auftritt: Das heißt, Lohengrin kommt nach der Sage und Richard Wagners Willen auf einem Boot daher. Das Boot wird bei normaler Inszenierung von einem Schwan gezogen. Eingestimmt von einer brillanten Orchesterleistung und Wagners Vorspiel mit der Schwanenszene auf dem Vorhang, ist der Zuschauer bestürzt: Irgendein unförmiges, unfertiges Gebilde hängt über der Bühne, nicht Schwan, nicht Engel, eher ein nasser Sack soll die Phantasie beflügeln, leider die Stimmung ist futsch. Überhaupt, man vermisst die bekannt gute Ausstattung des Theaters Zwickau. Alles sieht ein wenig improvisiert aus. Am mittelalterlichen Hof von Heinrich dem Ersten tummeln sich preußische Pickelhauben und andere Soldaten- und Polizistenuniformen. Wenn das Theater schon kein Geld für neue Kostüme hat, dann wären doch wohl wenigstens die Kostüme aus dem Fundus der Aida-Inszenierung passender gewesen. Leider werden durch diese dilettantischen Details die guten Leistungen der Sängerinnen und Sänger ziemlich gestört. Langanhaltender Applaus belohnte Arien und Chöre nach jedem Akt. Judith Schubert, Michael Junge als Friedrich von Telramund und Hale Al Orfali als Ortrud wurden ob ihres Gesangs stürmisch gefeiert. Hale Al Orfari gibt die intrigante Ortrud so überzeugend, dass man fast befürchten muss, das Rollenfach der Bösen bleibt an ihr hängen. Seltsam steril und fast mechanisch sägend klingt dagegen die Stimme von Taras Ivaniv, der vor allem in den Szenen mit Judith Schubert im dritten Akt blutleer wirkt, artig seine Rolle singt, täppische Annäherungsversuche an sein soeben angetrautes Eheweib macht. Nun könnte man dies als besondere Leistung der Interpretation des überirdischen, geschlechtslosen Gralsritters halten. Gegenüber der fraulichen Darstellung des liebenden Weibes durch Judith Schubert hätte man sich am Ende ein wenig mehr männliches Auftreten von Lohengrin als frisch vermählten Ritter gewünscht.

Zur Website des Theaters geht´s hier by, by bei DerZwickauer
Mail to Stiegler




Besuche "Lohengrin" counter
Besuche "Der Zwickauer" counter
hier geht´s nach oben und
hier geht´s zurück zur Homepage