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Dann wird das Dschungelcamp der Höhepunkt der Kultur in Westsachsen sein

Zwickau, Dezember 2014 – Die Region von Plauen bis Zwickau ist aufgeschreckt: Den Stadträten in Plauen und in Zwickau liegen Beschlussvorlagen vor, die besagen, dass die Städte dem Theater bis 2018 die Zuschüsse von bisher 18 Millionen Euro auf 12 Millionen kürzen wollen. Zwar hat die Oberbürgermeisterin von Zwickau, Pia Findeiß, die Vorlage für die Dezembersitzung vom Tisch genommen, aber: Damit ist die Sache lange nicht vom Tisch. Wer den Plauener Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer gehört hat, der weiß, das Theater geht Oberdorfer so was von am Arsch vorbei, das kann man einfach nicht glauben, dass jemand wie der OOberbürgermeister von Plauen so wenig für die Kultur übrig hat.
Oberdorfers Version, dass andere Theater auch mit viel weniger Geld auskommen, zeigt doch nur, dass er sich noch nie eine Vorstellung in Freiberg oder Görlitz angesehen hat. Noch mal: Stirbt das Musiktheater in Plauen-Zwickau, dann stirbt nach und nach die gesamte Kultur in diesem Raum, als nächstes lassen die Zwickauer dann das Robert-Schumann-Konservatorium untergehen, das Schumannhaus wird dann wohl auch bald nur noch Museum sein und nicht mehr auf eine vielfältige Veranstaltungsreihe verweisen können, wer wird dann Konzerte im Dom und in der Neuen Welt bestreiten? Schumann-Wettbewerbe kosten den Banausen im Stadtrat schon lange viel zu viel Geld. Das ist natürlich kurzsichtig, denn die weichen Standortfaktoren, das angebotene Kulturleben, die Schulen ziehen auch Industriemanager und andere Führungskräfte hierher, diese Vorteile lassen sich halt nicht sofort in Heller und Pfennig ausweisen. Eine Kultur, auf die wir in Westsachen immer stolz waren, steht auf dem Spiel, wir marschieren Schritt für Schritt in Richtung amerikanischer Mittelwesten, es lebe das Dschungelcamp.
Euer Lichtl





Voran ein Zitat aus dem vergangenen Jahrtausend. Montesquieu in „De l'esprit des loix" (Vom Geist des Gesetzes, 1784) „Le bien particulier doit céder au bien public" (Das Wohl des Einzelnen muß dem öffentlichen Wohl weichen). Ja so war das früher. Heute gilt offenbar das Gegenteil.

Das 50 Jahre bestehende Eigentums- und Nutzungsrecht von 300000 Westsachsen auf Spaß und Unterhaltung auf der Zwickauer Freilichtbühne
gegen nagelneues Wohnrecht eines Einzelnen - das ist schon ein putziges Recht

Nun ist es ja kein Pappenstil: 50 Jahre Tradition, Unterhaltung mit Theater, Schlager, Artistik, Sport und viele andere beliebte Veranstaltungen im Rund der Freilichtbühne vor 3000 Zuschauern gehen den Bach runter, weil es einen einzelnen neuen Nachbarn mit seiner Familie nicht gefällt. Da kann einem schon die Wut hoch kochen. Wer sagt aber, dass die auf die Villa von Herrn Schmitt geworfenen Farbbeutel oder Flaschen, oder was auch immer, von den Zwickauer Wutbürgern aus der Familie der Kulturliebhaber kommen.


Gähnende Leere in der Freilichtbühne wird im April 2011 nur durch Wartungs- und Reinigungsarbeiten unterbrochen. Veranstaltungen gibt's zur Zeit keine.





Herr Schmitt hat sich in der Freien Presse selber geoutet, und siehe da: Der Herr Schmitt ist nicht unbekannt in der Muldestadt. Als ein anderes Traditionsunternehmen, der starke Sondermaschinen- und Rationalisierungsbau des ehemaligen VEB Sachsenring startete nach der Wende unter dem hoffnungsvollen Namen „Sasit“, also Sasit in die Insolvenz schlingerte, kam ein Herr Schmitt und wurde als Insolvenzverwalter tätig. Wie das oft so geht, am Ende gehörte das Unternehmen dem Insolvenzverwalter. Nun, mal unterstellt, Herr Schmitt an der Freilichtbühne und Herr Schmitt als Sanierer der „Sasit“ an der Kopernikusstraße haben etwas miteinander zu tun?

Irgendein Schmutzfink hat die Garageneinfahrt der Villa Schmidt mit Farbbeuteln attackiert. Ergebnis: Die Zwickauer Polizei hat eilends eine Sonderkommission zum Schutz von Herrn Schmitt gebildet. Gegenüber der Freien Presse hat der Villenbesitzer schon mal angedeutet: "Die Wiederherstellung der Einfahrt kostet wahrscheinlich 13000 Euro".

Da muss man kein Prophet sein, um zu vermuten: Vielleicht hat Herr Schmitt noch mehr Feinde als nur die Zwickauer Wutbürger, die mit friedlichen Protesten um ihre Freilichtbühne kämpfen. Vielleicht sollte die eilends gebildete Sonderkommission der Polizei auch in Richtung Trittbrettfahrer ermitteln. Ziemlich blauäugig scheint es aber zu sein, anzunehmen, dass die Zwickauer Kulturfreunde auf dem Gerichtsweg ihr Recht bekommen.


Eigentlich wurde der Lärmschutz mit den baulischen Veränderungen im letzten Jahr wesentlich verbessert. Für viel Geld der Zwickauer Steuerzahler wurde eine aufwändige Lärmschutzwand errichtet. Das zählt aber für die Gesetzeslage nichts: Villenbesitzer Schmitt hat die Behörden davon überzeugt, dass ein neues Lärmschutzgutachten nöig wird. Dabei ist sich der Neubürger sehr bewusst: Das wird immer zu seinem Gunsten ausfallen. Schließlich hat er seine Villa nahe genug an die Freilichtbühne heran gebaut, da hört er nachts sicher auch die Mäuse unter den Bänken der Zuschauerränge rascheln. Nicht zu vergessen: Schmitt hat eine neue Situation mit dem nahen Bau seiner Villa an der Freilichtbühne geschaffen. Schmitt hat in eine bestehende städtebaulische und kulturelle Situation hinein gebaut, und er musste wissen, dass dort die Zwickauer ihre Freizeit auch gern mal bei einem Rockkonzert genießen wollen. Da kann man unterstellen, er hat nur auf eine Gelegenheit, dieses Freizeitvergnügen dort zu beenden, gewartet. Jürgen Croy hat recht, wenn er sagt: "Das ist genau so, als wenn ein Millionär seine neue Villa neben die Allianz-Arena in München baut, und dann verlangt, dass dort der Spielbetrieb eingestellt wird." Mit der Bösartigkeit heutigen Advokatendenkens ist der geradlinige Croy nun böse überrascht worden. Da wird wohl nun der Rest des Glaubens an das Gute im Menschen auch bei Jürgen Croy verloren gehen.



Als cleverer Rechtsanwalt kennt Herr Schmitt sein Recht. Die Verantwortlichen um Jürgen Croy hatten das Beste im Sinn, als sie die Bühne modernisieren ließen. Die eigentliche Bühne wurde um einen reichlichen Meter abgesenkt, in Richtung Wohnbebauung wurde eine mehrere Meter hohe Lärmschutzwand errichtet. Man denkt, das sind Lappalien und letztlich auch im Sinn der Anwohner. Mit dem Bau aber ging die Betriebserlaubnis futsch, warum auch immer. Nun kommt das putzige bundesrepublikanische Recht ins Spiel: Die neuerliche Betriebserlaubnis muss beantragt und erteilt werden, obwohl sich an der Geometrie der Anlage nichts Wesentliches geändert hat. Gegen die neuerliche Betriebserlaubnis kann Herr Schmitt klagen. Da spielt es keine Rolle, dass 100.000 Zwickauer ein Recht auf ihre überkommene Kultur haben, wichtig ist nur, was sich alles für Winkelzüge mit dem Recht machen lassen. Etwa eine einstweilige Verfügung gegen Veranstaltungen und überhaupt gegen eine neue Betriebserlaubnis. Nun wissen die Zwickauer: Für solche Genehmigungen ist das Landratsamt um Landrat Christoph Scheuerer und seinem Ordnungsdezernenten Bernd Gersdorf zuständig, und wann hätten die Kreischefs jemals schon etwas im Sinne der Stadt Zwickau entschieden? Man darf das mal fragen. Käme trotzdem eine Erlaubnis für den Betrieb der Freilichtbühne, lässt sich trefflich dagegen Einspruch erheben, dafür ist dann die Landesdirektion Chemnitz zuständig. Hat man in Chemnitz schon mal an das Wohl der Zwickauer und ihrer Gäste gedacht? Für die Chemnitzer Behörde sind die Westsachsen von Waldenburg bis Klingenthal, von Werdau bis Aue doch eigentlich nur Konkurrenten, die sollen gefälligst in die Bezirksstadt, was, „die gibt’s nicht mehr?“, kommen, wenn sie Silbereisen und Co. oder Helene Fischer pur sehen wollen. Was schert die Landesdirektion in Chemnitz schon die Attraktivität von Zwickau? Außer den Behörden in Kreis und Bezirk gibt’s natürlich dann die Gerichte. Amtsgericht, Landgericht, Oberlandesgericht, man kann das bis auf die europäische Gerichtsbarkeit ausdehnen. Clevere Anwälte können ein solches Verwaltungsverfahren auf viele Jahre ausdehnen.

Wie man sehen kann, die Kommentatoren der "Freien Presse" haben ein Einsehen mit dem armen Herrn Schmitt. Schuld sind nur die anderen!

Der Tageszeitung „Freien Presse“ hat Herr Schmitt erklärt, er sei ja gar nicht Schuld, die Kultour-Z könne eben das nötige Lärmschutzgutachten nicht beibringen. Na so was, 50 Jahre hat die Nachbarschaft der Freilichtbühne die Veranstaltungen gern ertragen. Die Villa des Herrn Schmitt ist noch nicht mal richtig fertig und schon stört sie. Es ist die Villa und nicht die Freilichtbühne, die in bestehende Verhältnisse hinein gebaut wurde. Und das mit voller Absicht und offenbar mit dem Gedanken – „die Lage ist gut, und mit der Freilichtbühne werden wir schon fertig“. Wir wollen das an dieser Stelle nicht unterstellen, aber liegt es nicht nahe, dass es die Zwickauer Bürger sind, die da einfach so im Schwanenteich herumspazieren, die Herrn Schmitt in seiner Idylle vor der Hollywoodvilla stören. Den Schwanenteich gibt es zwar schon seit über 500 Jahren. Aber, wer weiß, vielleicht hat damals Martin Römer bei der Anlage des Teiches schon daran gedacht, dass das Gewässer am besten den Zweck als Angelteich vor der Behausung zur exklusiven Nutzung der Familie Schmitt erfüllen könnte.


Herr Schmitt wird es schon verstehen, den Verwaltungsgerichten die Plausibilität eines solchen Gedankens darzulegen. Genau so, wie er jetzt den Schwarzen Peter den Chef der Freilichtbühne, Jürgen Croy, in die Schuhe schieben will. Der hat nur den Zwickauern verraten, was sie zu verlieren haben. Schmitt hat ganz offenbar schon die Kommentatoren der „Freien Presse“ von der Rechtmäßigkeit seiner Gedanken, so verquer sie auch sind, überzeugt. Ich glaube, die Zwickauer dagegen wissen viel besser, was sie der Kultour-Z um Jürgen Croy an Veranstaltungen zu verdanken haben. Stadthalle, Neue Welt und die Freilichtbühne haben in den letzten Jahren zunehmend tolle Events für die Zwickauer herangeholt. Für die Freilichtbühne sollte es gerade wieder richtig losgehen. Der Schwarze Peter liegt ganz sicher nicht auf den Tischen von Kultour-Z und der Stadt Zwickau. Dort wird zum Wohl und nicht gegen die Bevölkerung gearbeitet, manchmal auch mit kleinen Fehlern. Nutzen und Druck für die Zwickauer kann nur mit legalen Mitteln gemacht werden. Angemeldete Veranstaltungen von der Demo bis zu tollen Parkfesten im Schwanenteichpark könnten deutlich machen, wie die 300000 Bürger der Region ihren Schwanenteich, den Schwanteich-Park und die Freilichtbühne haben wollen. Euer Lichtl







Der Zwickauer Schwanenteich wurde vor über 500 Jahren von dem Zwickauer Bürger und Silberbergherren Martin Römer als Fischgewässer und als Schutz der Stadt gegen Angreifer gegen Süden angelegt.

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