Kolumnenseite


Hier geht´s zurück zur Homepage oder weiter zu mehr Lichtl
Populär um jeden Preis

Zwei Überschriften - da fällt einem nur noch ein Kommentar ein "idiotisch"

Januar 2011. - Die Freie Presse veröffentlicht an einem Tag zwei Beiträge, siehe die Faksimilie unten. Einmal die große Politik auf Seite 1 mit der Überschrift "Rechtsextreme unterwandern Sportvereine" und die kleinen Nöte in der Fläche mit der Überschrift "Kreissportbund fürchtet Insolvenz" auf den Zwickauer Lokalseiten. Großmäulige und schwammige Reden wie die vom Innenminister Thomas de Maizière: "Hineinsickern von rechtsextremen Gedankengut in die Gesellschaft" nehme zu und man müsse was dagegen tun auf der einen Seite und das rigorose Kürzen der Gelder für die Jugendarbeit in den Sportvereinen. Zu dieser staatlich organisierten Misere im Zusammenspiel zwischen großer Politik und dem Aufreißen der Flanke am Rand der Jugendarbeit im Sport fällt einem doch nur noch ein Kommentar ein: "Idioten!".





Kapitalismus wie zu Marxens Zeiten

September 2007 - Deutschland im September 2007. Das Geld reicht nicht. Jedenfalls nicht für das Volk. Renten werden gekürzt, Sozialhilfe eingefroren, man kann schon von Verelendung der Massen reden.
Nicht etwa von Vorstädten wie denen in Kalkutta oder Nairobi, nein von Deutschland ist die Rede. Immer mehr Menschen vegetieren am Rande des Existenzminimums.
Aber die Freie Presse schreibt, siehe Faksimile, am 6. September 2007:
„Die Luxushersteller
—Porsche und Mercedes widerstehen als einzige deutsche Autobauer dem Abwärtstrend im Inlandsmarkt. Bei einem Markteinbruch von 7,6 Prozent bis Ende August muss Mercedes nur ein leichtes Minus von 0,7 Prozent verkraften und Porsche verzeichnet sogar ein Plus von 2,1 Prozent, wie das Kraftfahrtbundesamt gestern in Flensburg mitteilte.“
Elend auf der einen Seite, Luxus bis zum geht nicht mehr auf der anderen.

Das kann man natürlich lesen, wie man will.
Aber erinnern tut das an Karl Marx. „Verelendung der Massen, Ausbeutung und Gier der Kapitalisten, Maximalprofit und doppelt freie Lohnarbeiter, frei von materiellen Mitteln zum Leben, und andererseits frei, sich bei Lohndrückern zum Existenzminimum zu verdingen“, das hatten wir doch schon mal gehört. Damals unter den Begriff „Manchester-Kapitalismus“.
Na ja: Mit der Prognose einer sozialistischen Gesellschaft ohne Klassengegensätze und mit gerechten Verteilungssystem hatten die Klassiker Marx und Engels wohl unrecht. Noch jede Spielart von so genannten „Sozialismus“ ist an den Emporkömmlingen und ihren hemmungslosen Machtspielchen von Stalin bis Honecker, von Pol Pot bis Idi Amin gescheitert.
Aber mit der Analyse des kapitalistischen Systems, man spricht heute gern von freier Marktwirtschaft, hatten die Klassiker wohl uneingeschränkt recht, sowohl 1843 als auch heute: Ein später Triumph.
Im Februar 1990 konnte ich mit Willy Brandt in Zwickau darüber reden. „Ist dies das Ende des Traums vom Sozialismus?“, fragte ich Willy Brandt. Antworten: „Es muss schon erlaubt sein, darüber nachzudenken, wie eine bessere Gesellschaft aussehen könnte, aber ohne Demokratie ist kein Sozialismus denkbar.“ Und weiter zur Situation um 1990, sagte Willy Brandt damals: „Ich habe mit meinem Freund Jacques Delors darüber gesprochen, wir stimmten darin überein, dass wir befürchteten, hoffentlich geht’s jetzt nicht zu weit nach rechts.“ So weit Willy Brandt im Frühjahr 1990.
Nun die Befürchtungen sind offenbar eingetroffen, oder besser sie wurden weit übertroffen, während die Ausbeuterklasse, man sollte diesen Begriff durchaus verwenden dürfen, vor Gier und Luxusorgien nicht mehr weiß, was man noch alles veranstalten kann, verelenden, auch dieser Begriff ist sehr aktuell, die Massen. Fast möchte man Karl-Eduard von Schnitzler Abbitte tun, dass wir ihn bei seinen Tiraden über den „stinkenden, faulenden, parasitären Kapitalismus“ verhöhnten. Manche Dinge muss man eben erst selber erleben, dass man sie glauben kann.

Die Stasi und die Lust der "ordentlichen" Leute am Verzinken ihrer Nachbarn

Mai 2007. Der Ausriss aus der Chemnitzer Tageszeitung "Freie Presse", das war übrigens eine der größten Tageszeitungen der DDR, zeigt ein hochaktuelles Thema: Die Lust der Deutschen, ihren Nachbarn bei der Obrigkeit anzuzeigen, ohne diese Lust hätte es auch keine funktionierende Staatssicherheit, Stasi, gegeben. Wer sich das verquere Machtinstrument der DDR vornimmt, sollte gleichzeitig die Geheime Staatspolizei des Dritten Reiches, Gestapo, den Bundesnachrichtendienst, BND, den Central Intelligence Agency, CIA, behandeln. Natürlich gehört das Kapitel "Diktatur" an den Anfang. Aber zum Kapitel Diktatur gehört ein Kapitel Sicherheitsstaat und die Frage, warum die Geheimdienste heute wieder so gut funktionieren, trotz "Pressefreiheit" und "Demokratie". Übrigens wurden große Teile der Stasi nach 1990 ohne weiteres in den BND eingegliedert. Expertenwissen ist halt überall gefragt. Und schließlich muss das Unterrichtskapitel die Frage behandeln, weshalb in der Bundesrepublik die Verbrechen der SED einen anderen Stellenwert besitzen sollen, als es die Verbrechen der Nationalsozialisten tun. Man nenne da die Stichworte "Filbinger" und beispielsweise "Ehrungen von Diplomaten des Dritten Reiches", an denen sich vor fünf Jahren der damalige Außenminister Fischer beinahe noch verhoben hätte.











Was steckt hinter „Schnauze voll“?

Februar/März 2005. Da hat sich der Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber zu Wort gemeldet. Am Rechtsradikalismus sei der Bundeskanzler schuld, sagt der Bayer, der selber gern Kanzler wäre. Die Situation sei wie 1932. Und in der Tat, wie 1932 steckt Deutschland in einer Krise, einer Krise des Parlamentarismus, der Demokratie.

Endlose und teure Streitereien anstelle Sachlösungen

Nichts wird effektiv entschieden. Die Menschen haben die Schnauze voll von den endlosen Gestreite, währenddessen sich die Politiker aller Färbungen üppig selbst versorgt haben, wird bei Arbeitern, kleinen Angestellten gekürzt, gefeuert und verweigert. Das sind die Menschen, die mit ihrer Hände und Kopf Arbeit den Reichtum erwirtschaftet haben. Da muss man kein Marxist sein, um zu begreifen, dass etwas faul ist. Die Stichworte Ausbeuter, Schmarotzer greifen in solchen Zeiten, wo es ans Existenzminimum geht, sie waren unpopulär, als unter Ludwig Erhardt die soziale Marktwirtschaft aufblühte, als die Devise „Leben und leben lassen“, galt.
Die Stichworte des Kapitalismus werden dankbar gehört von den Ausgestoßenen und den Betrogenen, die fassungslos zusehen, wie Banker elf Millionen Euro Jahresgehalt dafür einstreichen, dass sie Märkte und Fabrikationen kaputt machen, dass ein Vorstandschef für die stolze Leistung einen Konzern quasi liquidiert und verraten zu haben, 60 Millionen Mark kassiert. Gerichte erklären das für rechtens. Auf Grund welcher Gesetze werden Bankräuber bestraft, und was sind eigentlich Bankräuber? Da taucht die Frage wieder auf: Wieso besitzen 5 Prozent der Gesellschaft über 90 Prozent aller Werte. Und wieso reicht der Wohlstand nicht für die, die ihn mit ihrer Arbeit geschaffen haben? Bezieher von Arbeitslosengeld II leben am Rand des Existenzminimums. Die NPD wirbt populistisch mit der Parole „Schnauze voll“ und braucht eigentlich nichts weiter zu tun, den Rest besorgen sich die „Demokraten“ selber.

Politiker als Schauspieler

Wenn man aus der Geschichte lernen will, muss man nicht bei der Machtergreifung anfangen: Das Dilemma beginnt viel früher, nämlich dort wo macht- und geldgeile Politiker um Pfründe und Einflüsse streiten und denken, das Volk versteht nicht Klartext, was gespielt wird. Man denke nur an die Farce, wie der Hesse Roland Koch den Überraschten spielte, als die Länderkammer das Ausländergesetz verabschiedet werden sollte: Wie einst Filmkasper Luis de Funès sprang Koch auf, um zu protestieren, wie Brandenburg seine Abstimmung zum Gesetz bekannt gab. Eine Farce: Alle wussten, das Gesetz wird gebraucht, nur die CDU will nicht, dass die SPD als Regierung überhaupt etwas erledigt. Das Ergebnis: Endlose teure millionenteure Verfahren vor Gerichten, Streitereien in Ausschüssen und Parlamenten, am Ende ein armseliges Gesetz. Ursache: Zu viele Politiker mit nichts anderem im Kopf, wie sie die nächste Wahl gewinnen. Schnauze voll!

Dieser Föderalismus dient nur dazu, tausende faule Beamte zu beschäftigen

Edmund Stoiber versaut seinerseits die dringend notwendige Föderalismusreform. Alle wissen: Kein Bereich des bundesrepublikanischen Föderalismus hat so jämmerlich versagt, wie es die Bildung in Form der Kultusministerkonferenz tut. Brutal ausgedrückt: Richtig wäre, die Schulbildung schnellstens zentral anzulegen, das gesamte Personal der Kultusministerien sollte froh sein, wenn sie nicht materiell für den Mist, den sie verzapft haben, zur Verantwortung gezogen werden. Bürokratie im Kultusbereich, Bürokratie wohin man auch schaut. Bürokratie im Sicherheitsbereich, ganze Polizeiposten machen nichts anderes mehr, als Papier für ihre Vorgesetzten auszufüllen, und das in 16 Ländern: Reicht nicht etwa ein Innenminister für eine Bundesrepublik, nein 16 Länder machen jedes etwas anderes, am Ende passen noch nicht mal die Rechnerprogramme und die Rechnerdateien benachbarter Bundesländer zueinander. Schnauze voll!

Keiner will die Nazis

Kein vernünftiger Mensch will die Nazis, aber schon der Slogan „Schnauze voll“ trifft die Menschen ins Herz, und wenn tausende Politiker nichts anderes zustande bringen, wie sich selber in die Taschen zu wirtschaften, keine vernünftige Arbeit mehr geleistet wird, braucht sich niemand zu wundern, dass eine braune Diktatur auf uns zu kriecht. Politiker wie Koch sind keine Demokraten, sondern Betrüger ihrer Wähler. Diese sehen lange keine Alternative mehr als Interessenvertreter ihres Wohls, sondern nur noch Taktierer um die Macht, oder Selbstbediener ihres eigenen Portemonnaies, wie Laurenz Meyer und andere.

Was denn nun – dumm oder kriminell

Der hochintelligente Hesse Koch leidet auf der Stelle unter akutem Gedächtnisschwund, wenn es um die kriminellen Finanzmachenschaften der Hessen-CDU geht. Was ihm nicht bewiesen werden kann, kann nicht bewiesen werden. Dass der Spitzenpolitiker in diesem Fall ziemlich dumm erscheint, wenn er nicht gesehen haben will, was um im herum geschah, dass muss er in diesem Fall mal in Kauf nehmen. Lieber dumm als kriminell rät in diesem Fall der Verstand. Der Begriff der "Politischen Sünde" macht die Runde: Sollte es ein Verdienst von Johannes Paul II. werden, die Politiker wenigstens mit einem neuen Sündenfall an den Pranger zu stellen, die Überlegungen stellt ein Kolumnist der "Freien Presse" im März 2005 in den Raum. Nur zu: Zwar ist nicht zu vermuten, dass einer der Berufslügner Gewissensbisse wegen neuerlicher Sündenregister bekommt, aber die Schar der ehrlichen Gläubigen hätte doch einen Anhalt mehr, die Wahrheitsverdreher zum Teufel zu jagen.

Bahn frei für Rattenfänger

Es ist wie 1932, die Politiker sind ausschließlich mit ihren eigenen Interessen beschäftigt, die Bahn ist frei für Rattenfänger. Das Volk ist durch ein exklusives Bildungssystem darauf vorbereitet, Biertischparolen aufzusaugen, wie Texaner auf einen kraftvoll laufenden Präsidenten abfahren. Mehr brauchen sie nicht. Da erweist es sich als sehr praktisch, dass 15-Jährige nicht in der Lage sind, Zeitungstexte zu begreifen. Euer Lichtl
Mail to Stiegler




Besuche Lichtl zum Thema Schnauze voll counter
Besuche DerZwickauer counter
hier geht´s nach oben und
hier geht´s zurück zur Homepage