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"Pisa"-Misere ist schlimmer als geglaubt
Nun stellt die Tatsache, dass ein internationaler Vergleich der Lernergebnisse von Schülern der Industriestaaten verheerend für deutsche Kinder ausfällt, an sich schon ein schlimmes Zeugnis dar. Schlimmer ist noch: Bildungsgerechtigkeit findet nicht statt. Gymnasiasten sind in aller Regel Kinder besser gestellter Eltern, weniger begüterte Familien müssen hinnehmen, dass ihre Kinder vor der fünften Klasse aussortiert werden. Die Verschwendung von Talenten durch dieses Verfahren, das materiell schlechter Gestellte in einen Weg schickt, der maximal noch in die Berufsbildung führt, beruhigt die Begüterten. Ihre Sprösslinge sind ja nicht betroffen. Dass durch frühzeitige Selektion die Masse der Gesellschaft im Schnitt verdummt, das Volk weniger leistungsfähig wird, ist eine sich abzeichnende Folge, die nun schon messbar ist. Die Elite besteht am Ende nur noch aus Einäugigen, denen häufig noch dazu der Ansporn und der Ehrgeiz fehlt.
Nun erschreckt ein Beispiel: In einem Artikel der Freien Presse aus Chemnitz vom 23. November 2004 kommt eine Gymnasiastin aus Einsiedel zu Wort. Siehe Faksimili.


Das Interview zeigt nun mehrere bedenkliche Fakten:
Dass die Schülerin Christin Höppner aus Einsiedel glaubt, die Ergebnisse der Pisa-Studie durch ihre oder die guten Leistungen in ihrem Dorfgymnasium widerlegen zu können, zeigt doch nur, dass sie selbst nicht begreift, was die Ergebnisse einer Untersuchung an tausenden Einrichtungen und tausenden Schülern bedeuten. Sie bestätigt nachhaltig: Deutsche Schüler begreifen deutsche Texte nicht. Studien lassen sich halt nicht durch Einzelergebnisse widerlegen. Gratulation für die schöne Demonstration von Arroganz und Dummheit.
Wenn am Gymnasium in Einsiedel noch Klassenstärken mit 23 Schülern gebildet werden, dann ist dies ja auch schon eine Ausnahme, der das sächsische Kultusminsterium bald durch Schließung der Schule den Garaus machen dürfte. Dann ist es in Einsiedel wie überall. Die Kinder müssen weit fahren, damit sie in Klassen mit über 30 Schülern sitzen dürfen. Aber Gymnasien sind eh nicht der Hort der deutschen Bildungsmisere. Die besteht darin, dass in Sachsen jeder zehnte Schüler den Bildungsweg ohne jeglichen Abschluss verlässt. Eine Karriere in die Sozialhilfe ist damit programmiert. Dabei klagen beispielsweise die Handwerker, dass sie keine Bewerber mit ausreichender Qualifikation für ihre Lehrstellen finden.
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