500 Jahre aufgeschriebene Stadtgeschichte überlastet die Museumsböden

- Horch-Industriebau bietet die Lösung für Stadtarchiv

Horchhochbau wird's nun doch nicht - Neubau soll Abhilfe schaffen - Zwickau bekommt den Zuspruch für die Landesausstellung 2018 - Termin für Horchbau in Gefahr

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Eine Luftbildaufnahme aus den 20iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zeigt das Gelände des Horchwerkes mit dem Hochbau hinten in der Mitte. Fotos Archiv Pönisch


500 Jahre aufgeschriebene Stadtgeschichte überlastet die Museumsböden

- Horch-Industriebau bietet die Lösung für Stadtarchiv


ZWICKAU, im März 2014 – Der Vorschlag hat seinen Reiz: Erst sollte der denkmalgeschützte Horch-Hochbau der Mittelpunkt für die 4. Sächsische Landesausstellung 2018 sein, und danach könnte man das Zwickauer Stadtarchiv, für das in der Stadt händeringend nach einer neuen Heimstatt gesucht wird, in den viergeschossigen Stahlbetonklotz unterbringen. Damit währen mehrere Probleme, mit denen sich die Muldestadt herumschlägt, aus der Welt geschafft.
Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß verblüffte im März mit dieser Idee die Öffentlichkeit. „Vielleicht bietet der Horch-Hochbau die Lösung für unser geschlossenes Stadtarchiv“, sagte die Stadtchefin auf einer Pressekonferenz zur Landesausstellung.
Dass Zwickau die Landesausstellung 2018 erhält, hat die Sächsische Wissenschafts- und Kunstministerin Sabine von Schorlemmer Anfang des Jahres mitgeteilt. Damit hat der erste Stahlbetonskelettbau Sachsens überhaupt erst wieder eine Zukunftsperspektive bekommen. 15 Millionen Euro soll die Sanierung des imposanten Bauwerkes in der Zwickauer Westvorstadt kosten. Die Landesausstellung, die alle 7 Jahre stattfindet, soll an die 300.000 Besucher nach Zwickau locken und dieses mal die Industriegeschichte Westsachsens reflektieren.
Der Horch-Hochbau wurde 1914/15 in der Rekordzeit von einem Jahr in der damals revolutionären Stahlbetonskelettbauweise errichtet und stellt damit ein einzigartiges Denkmal der sächsischen Industriegeschichte dar, nach der Wende wollte das monströse Bauwerk niemand mehr haben.
Gebaut wurde der Betonklotz für die mechanische Fertigung von Teilen für die Automobilproduktion. In den oberen Etagen saßen Konstrukteure und Arbeitsplaner. Jürgen Pönisch vom Automobilmuseum in Zwickau kennt Einzelheiten. „Auf zwei Etagen wurden Zahnräder gefräst, Gußteile abgedreht und gehobelt“. „Der Clou“, verrät der Automobilhistoriker, „waren Bohrwerke mit diamantbestückten Bohrstangen, die für den Reihenachtzylindermotor der Horchautomobile zehn Lagerstellen in einem Zug auf Tausendstelmillimetergenauigkeit bohrten. „Das konnten damals nur die Zwickauer“. Natürlich sei der Gedanke, dass dort, wo einst die Böden für das Aufstellen von Werkzeugmaschinen gegossen wurden, wo tonnenschwere Kisten mit Werkstücken transportiert und gestapelt worden, nun auch schwere Bücherregale Platz finden könnten, naheliegend. Zu Hoch-Zeiten der Horchautomobilproduktion wurden im Erdgeschoss, so Jürgen Pönisch, auch die Motoren einen auf Prüfständen Dauertest über 24 Stunden Höchstlast unterzogen. Nach 1945 wurden in Zwickau keine Motoren mehr gebaut.
Im Zwickauer Stadtarchiv, dass zur Zeit noch im gleichfalls hundert Jahre alten König Albert Museum untergebracht ist, biegen sich die Decken. Papier aus 500 Jahren Zwickauer Stadtgeschichte, das auf kilometerlangen Regalen gelagert ist, muss aus dem Museumsbau heraus. Die Baustatiker haben gemessen und errechnet: Die Böden im Museumsbau sind längst mit fast der doppelten Last von dem, was die Statik hergibt, belegt. Schon im Mai 2013 musste das Archiv deshalb aus Sicherheitsgründen für den öffentlichen Besucherverkehr gesperrt werden.
Der Horch-Hochbau könnte nach der Landesausstellung die Lösung für das Archiv sein. „Könnte“, sagt Pönisch, „aber in all den Jahren, wo dort Werkzeugmaschinen liefen, wurden dort auch mit Öl und Bohröl Werkzeuge gekühlt.“ All die Chemikalien haben dem Beton geschadet. Bevor dort schwere Regale mit tonnenschweren Bücherlasten einziehen können, müssen die Böden saniert werden. Das Problem scheint da aber eher klein zu sein, gegenüber der Tatsache, dass der Bau seit Jahren einem Privatunternehmen gehört, und vor der öffentlichen Nutzung überhaupt erst von der Stadt angekauft werden müsste.
Theo Stiegler


Kilometerlange Regalreihen mit Schriftstücken und Büchern aus 500 Jahren Stadtgeschichte lassen die Böden im bisherigen Stadtarchiv in den Räumen des Städtischen Museums, das 1914 als König Albert Museum eingeweiht wurde, ächzen. 2013 musste das Archiv deswegen für den Besucherverkehr gesperrt werden. Foto: Theo Stiegler/Archiv ---------------------------------------------------
STADTVERWALTUNG ZWICKAU
Medieninfo Nr. 448 vom 21. November 2014
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Das Presse- und Oberbürgermeisterbüro informiert:

STADT ZWICKAU SCHLÄGT ARCHIVNEUBAU ALS AUSSTELLUNGSGEBÄUDE FÜR LANDESAUSSTELLUNG VOR

Projekt böte moderne Voraussetzungen in historischem Umfeld – Nachhaltigkeit ist gewährleistet
Zwickau, 21. November 2014 - Die Stadtverwaltung Zwickau schlägt vor, den dringend erforderlichen Archivneubau schon ab 2015 zu beginnen und das Gebäude 2019 für die 4. Sächsische Landesausstellung zu nutzen. Der Neubau, der im Stadtteil Pölbitz und direkt beim August Horch Museum entstehen würde, kostet rund 15,5 Mio. Euro und könnte bis zum 3. Quartal 2018 errichtet sein. Der Innenausbau zum Archiv und für die Depots würde nach dem Ende der Landesausstellung im Jahr 2020 erfolgen. Der Vorschlag soll nun in der Sitzung des Stadtrates am 18. Dezember behandelt werden und danach offiziell an die Staatsregierung übermittelt werden. Diese Überlegungen erläuterte Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß heute im Rahmen eines Pressegespräches.

Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß betont zusammenfassend: „Wir schlagen vor, die Landesausstellung in einem modernen Gebäude durchzuführen, das ideale Voraussetzungen bietet, sich aber zugleich in einem industriegeschichtlich bedeutsamen Umfeld befindet. Einen besonderen Vorteil sehe ich darin, dass sowohl der Neubau als auch das Gesamtareal dauerhaft genutzt werden und die Nachhaltigkeit des Projektes in jedem Fall gegeben ist.“


Neues Zentralarchiv ist dringend erforderlich

Das vorgeschlagene Gelände mit einer Größe von 16.400 qm wurde aus insgesamt neun in Frage stehenden Arealen ausgewählt. Auf dem Areal, das sich derzeit im Eigentum der Zwickauer Energieversorgung GmbH befindet, befinden sich zwei denkmalgeschützte Gebäude. Ansonsten ist es nach erfolgtem Rückbau ehemaliger Anlagen unbebaut, weitestgehend altlastensaniert und kurzfristig verfügbar.

Die Stadt beabsichtigt, den Neubau für das Stadtarchiv sowie für verschiedene Depots an diesem Standort mit einer Grundfläche von 5.500 qm zu realisieren. Beim Stadtarchiv selbst besteht im Hinblick auf die Deckentragfähigkeit, die Klimatisierung, den Brandschutz oder die Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit dringender Handlungsbedarf. Bisher war diese Investition in der mittelfristigen Finanzplanung ab 2017 vorgesehen. Zugleich könnten im Stadtgebiet verteilte Archive und Depots aufgegeben werden und Ausstellungsgüter, die außerhalb Zwickaus gelagert sind, rückgeführt werden. Vorgesehen ist weiterhin, auch das Kulturamt räumlich zu integrieren. Synergieeffekte, die Einsparung von Mietzahlungen sowie die Vermeidung Kosten für unumgängliche Sanierungen und Modernisierungen, die etwa beim derzeit vom Kulturamt genutzten Gebäude erforderlich sind, wären die positiven Effekte.

Die Baukosten werden derzeit auf rund 15,5 Mio. Euro geschätzt. Darin enthalten sind ein städtischer Eigenanteil von 9,3 Mio. Euro sowie Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau Ost in Höhe von 6,2 Mio. Euro. Das Sächsische Staatsministerium des Innern hat das Projekt in Vorgesprächen als grundsätzlich förderfähig eingeschätzt, es gibt aber noch keine Zusagen. Mittel für die Gestaltung und Durchführung der Landesausstellung sind darin nicht enthalten. Diese Mittel werden, wie bereits bisher geplant, durch den Freistaat zur Verfügung gestellt.


Neubau bietet ideale Voraussetzungen für Landesausstellung in historischem Umfeld

Für die Landesausstellung hätte der Neubau den Vorteil, dass die Ausstellung im neuen Gebäude sicherer und museumsgerechter gezeigt werden kann. Forderungen, insbesondere der Exponate bereitstellenden Museen und Einrichtungen, hinsichtlich Sicherheit, Klimatisierung, Beleuchtung oder Versicherung können im geplanten Neubau deutlich günstiger und besser als im ursprünglich geplanten Horch-Hochbau garantiert werden.

Zudem ergeben sich an dem Standort enge Bezüge zur lokalen und sächsischen Industriegeschichte. Konzentriert im Stadtteil Pölbitz befindet sich ein historischer Industriestandort mit den ehemaligen Kernbereichen Automobilindustrie, Textilindustrie, Verkehrstechnik und Mobilität, Energieversorgung und ehemaliger Schlachthof. Zu großen Teilen sind die Strukturen der historisch wertvollen Industrieflächen und -gebäude noch vorhanden, überwiegend denkmalgeschützt und genutzt. Hervorzuheben ist beispielsweise der 1926 bis 1928 errichtete und noch heute genutzte Straßenbahnbetriebshof, die historischen Bobinetwebstühle, die im benachbarten Gebäude stehen, oder die unmittelbare Nähe zum August Horch Museum, wo Automobilgeschichte geschrieben wurde. Hier wurde 1909/10 Audi gegründet. Später befand sich hier das Sachsenring Werk II.

Der ehedem favorisierte Horch-Hochbau spielt aus Sicht der Stadtverwaltung damit keine Rolle mehr. Weitergehende Untersuchungen ergaben hier aufgrund der Altlastenproblematik mittlerweile höhere Kosten. Um den Bau nach der Landesausstellung als Archiv nutzen zu können wären weitere Aufwendungen erforderlich gewesen. Die Investitionskosten wären somit von etwa 14,875 Mio. Euro auf geschätzt 21 Mio. Euro angewachsen.

Einer dauerhaften kommunalen Nutzung stehen außerdem die Sicherheitsansprüche des Eigentümers gegenüber, der für eine langfristige Nutzung des Gebäudes nur die untersten beiden Etagen zur Verfügung gestellt hätte. Die Nutzung des 3. und 4. Geschosses behält sich die FES GmbH vor. Damit sind eine effektive Nutzung und ein Umbau des Gebäudes unmöglich. Eine nachhaltige Nutzung des Objekts zur prüfen, war jedoch ausdrücklicher Wunsch des Zwickauer Stadtrates gewesen.


Entscheidung des Stadtrates soll im Dezember fallen

Das Sächsische Kabinett hatte am 28. Januar 2014 entschieden, die 4. Sächsische Landesaustellung im Jahr 2018 in Zwickau durchführen zu wollen. Am 27. März fasste der Stadtrat den Grundsatzbeschluss zur Landesausstellung und zur Sanierung des Horch-Hochbaus. Im Mai musste die Stadt Zwickau schließlich darüber informieren, dass die rechtzeitige Sanierung des denkmalgeschützten Baus aufgrund von Abschreibungserfordernissen nicht garantiert werden könne. In der Folgezeit wurden das weitere Vorgehen sowie denkbare Varianten für die Landesausstellung umfangreich geprüft. Dabei wurde auch das Anliegen des Stadtrates berücksichtigt, eine dauerhafte Nutzung des für die Landesausstellung vorgesehenen Areals bzw. Gebäudes in Erwägung zu ziehen. Das Ergebnis der Prüfung ist nun der Vorschlag, am Standort Audi-/Schlachthofstraße ein neues Zentralarchiv zu bauen, das im Jahr 2019 zunächst für die Landesausstellung genutzt werden könnte.

Der Vorschlag der Stadtverwaltung wird nun in den Fachausschüssen vorberaten und soll in der Stadtratssitzung am 18. Dezember behandelt werden. Danach muss der Freistaat Sachsen entscheiden. Sollte dem Vorschlag zugestimmt werden, würden 2015 die notwendigen Planungen erfolgen, 2016 würde mit dem Bau begonnen, der 2018 fertig gestellt wäre. Nach der Landesausstellung, die 2019 stattfinden könnte, würden die spezifischen Ausbauarbeiten für das neue Zentralarchiv erfolgen. Voraussichtlich Ende 2020 begännen dann die Umzüge des Stadtarchivs und der weiteren Bereiche in ihr neues Domizil.



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STADTVERWALTUNG ZWICKAU
Medieninfo Nr. 031 vom 28. Januar 2014
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Das Presse- und Oberbürgermeisterbüro informiert:

„Danke für die Entscheidung zur Landesausstellung!“

Zwickauer Oberbürgermeisterin befürwortet regionale Verankerung

„Ich freue mich sehr über und bin ausgesprochen dankbar für diese Entscheidung!“ – so kommentiert Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß den heute, 28.1.2014, im sächsischen Kabinett gefassten Beschluss zur 4. Sächsischen Landesausstellung. Die der Industriekultur gewidmete Schau bietet ihrer Meinung nach sowohl Zwickau als auch der Region die große Chance, auf sich aufmerksam zu machen und zahlreiche Besucher für Südwestsachsen zu interessieren. Insofern befürwortet das Stadtoberhaupt Ideen, die Region einzubeziehen: „Ich bin zuversichtlich, dass es im Rahmen der Vorbereitungen gelingt, die Landesausstellung regional zu verankern und entsprechende Institutionen einzubeziehen.“

Findeiß ist außerdem davon überzeugt, dass die viertgrößte Stadt des Freistaates gute Voraussetzungen mitbringt. „Neben der guten Erreichbarkeit und der Nähe zu Thüringen, Bayern und Tschechien sprechen vor allem die industriellen Traditionen für Zwickau.“ Diese reichen beispielsweise vom Bergbau oder der Porzellanmanufaktur über den Maschinen- und Anlagenbau bis hin zum Automobilbau, dem heute wichtigsten Wirtschaftszweig der Stadt und des Freistaates. Daneben spielen in der Gegenwart aber auch die chemische und die pharmazeutische Industrie, Logistikunternehmen, industrienahe Dienstleister und der Maschinen- und Anlagenbau eine Rolle.

Besonders hervorzuheben ist der Standort, der auf Vorschlag des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst ebenfalls vom Kabinett bestätigt wurde: der HORCH-Hochbau. Dieser stellt nicht nur ein frühes Zeugnis des sächsischen Fahrzeugbaus dar, sondern ist ein eindrucksvolles Beispiel für Industriearchitektur. Das denkmalgeschützte Bauwerk ist der Erweiterungsbau für die seit 1904 in Zwickau ansässige Firma A. Horch & Cie und wurde 1914 als Eisenbeton-Skelettbau durch die Zwickauer Firma Walter Rüde - Beton- und Eisenbetonbau Zwickau i. Sa. errichtet. Er verfügt über eine für diese Zeit bemerkenswerte Anzahl von vier Etagen und eine sachliche und zweckmäßige Grundriss- sowie Baukörpergestaltung. Das Bauwerk stellt eine klare kubische Stahlbetonkonstruktion dar, innen und außen kompromisslos modern, frei von traditionellen Formen und Inhalten. Er ist damit ein sehr frühes Zeugnis einer fortschrittlichen architektonisch-ästhetischen Entwicklung in dieser Zeit, die zuerst insbesondere der Industriebau nahm und die schließlich zum Neuen Bauen und zur Klassischen Moderne führte.

Für die Landesausstellung wird die Stadt Zwickau einen Erbbaupachtvertrag mit dem derzeitigen Eigentümer abschließen, um den Bau entsprechend sanieren zu können. Vorgesehen ist, dass der Zwickauer Stadtrat im März den erforderlichen Vorhabensbeschluss fasst. Derzeit rechnet die Stadtverwaltung damit, dass die Sanierungskosten bei ungefähr 15 Millionen Euro liegen, wobei von einer Förderung ausgegangen wird. Bereits jetzt steht außerdem fest, dass der HORCH-Hochbau nach der Landesschau industriell nachgenutzt wird. Damit kann mittel- und langfristig ein bedeutendes Denkmal erhalten und mit neuem Leben erfüllt werden.

Pia Findeiß dankt insbesondere dem Kabinett des Freistaates Sachsen für die Entscheidung als auch dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst für die Vorbereitung und den Vorschlag. Zugleich ist für sie der Zeitpunkt, zu dem die Landesausstellung stattfindet, ein ganz besonderer Glücksfall. Die Stadt Zwickau feiert 2018 das 900-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung.


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STADTVERWALTUNG ZWICKAU
Medieninfo Nr. 189 vom 21. Mai 2014
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Das Presse- und Oberbürgermeisterbüro informiert:
ZEITPLAN FÜR LANDESAUSSTELLUNG 2018 GERÄT INS WANKEN
Stadt Zwickau kann aufgrund von Ausschreibungsbedingungen rechtzeitige Sanierung des Horch-Hochbaus nicht garantieren

Die Stadt Zwickau kann die rechtzeitige Sanierung des Horch-Hochbaus für die Landesausstellung 2018 nicht mehr garantieren. Über diesen Umstand informierte Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß am heutigen Mittwoch Staatsministerin Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer. Vor wenigen Minuten wurden in einer Sondersitzung des Ältestenrates die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen in Kenntnis gesetzt.

„Ich sehe mich verpflichtet, sowohl den Freistaat als auch die Fraktionen und die Öffentlichkeit offen über die aktuellen Probleme zu informieren!“, erläutert Pia Findeiß. „Es wäre fatal, wenn wir wegen der absehbaren Verzögerungen den Horch-Hochbau nicht termingerecht im Oktober 2017 übergeben könnten und die Landesausstellung nicht im Frühjahr 2018 eröffnet würde!“ In weiteren Gesprächen mit dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sollen nun das Vorgehen bzw. etwaige Alternativen diskutiert werden.

Die Ursache für die Probleme liegen im Vergaberecht: Die Stadtverwaltung war ursprünglich von einem geteilten Vergabeverfahren ausgegangen. Der erste Teil der Planungen (Leistungsphase 1 -3 HOAI) sollte im Verhandlungsverfahren ohne Teilnehmerwettbewerb durchgeführt werden. Ein VOF-Verfahren für die Leistungsphasen 4 – 8 sollte sich anschließen. Eine Ausnahmeregelung der VOF eröffnet diese Möglichkeit, wenn dringliche zwingende Gründe vorliegen. Andere Vorhaben wurden in der Vergangenheit dank dieser Vorgehensweise erfolgreich abgeschlossen. Paradebeispiel ist das Renaissanceschloss Osterstein, das bis 2008 komplett saniert wurde.

Aufgrund von fachlichen Stellungnahmen, die durch die Stadtverwaltung vorsorglich eingeholt wurden, ist diese Auffassung nun kritisch zu sehen. Es wird dringend empfohlen, von Anfang an eine Ausschreibung durchzuführen, die jedoch mit einer zeitlichen Verzögerung von vier bis sechs Monaten einhergeht. Der ohnehin ehrgeizige Zeitplan für die Sanierung des 100 Jahre alten Horch-Hochbaus, kann daher nicht garantiert werden.

Das Sächsische Kabinett hatte am 28. Januar 2014 entschieden, die 4. Sächsische Landesaustellung im Jahr 2018 in Zwickau durchführen zu wollen. Ende März 2014, unmittelbar nach Erhalt der schriftlichen Information, und damit zum frühestmöglichen Zeitpunkt hat der Stadtrat mit nur einer Gegenstimme den Beschluss zur Durchführung der Landesausstellung im Jahr 2018 und zur Bereitstellung von maximal 7,5 Mio. € zur Sanierung des Horch-Hochbaus gefasst. Parallel wurden erste Verträge zur Vermessung oder zur Schadstoff- und Baugrunduntersuchung ausgelöst. Seit Januar fanden zudem Abstimmungen mit dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) statt, in denen unter anderem Fragen der Durchführung und der Organisation besprochen wurden.

Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß betont: „Ich bedauere die Probleme außerordentlich. Andererseits wäre es verantwortungslos, jetzt einfach weiterzuarbeiten, um dann ggf. erst 2016 oder 2017 eingestehen zu müssen, dass der Zeitplan nicht eingehalten werden kann. Ebenso wenig wollen wir Angriffspunkte bieten, die bei einem rechtlich angreifbaren Planungsablauf entstehen könnten. Ich hoffe, dass wir gemeinsam mit der Staatsregierung und insbesondere dem SMWK eine Lösung finden.“
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