„Kleiner Mann, was nun?“ – Schauspiel nach dem Roman von Hans Fallada - Premiere in Zwickau

Lämmchen: "Auch ohne Arbeit bleibst Du ein Mensch - und ich liebe Dich!"



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Nichts kann sie wirklich zerstören, die Liebe zwischen
Pinneberg , Martin Ennulat
und
Lämmchen, Sabine Melanie Rittel
Fotos: Peter Awtukowitsch


Viel Beifall für Schauspiel nach Hans Falladas Roman


Wieviel hat die Hoffnung auf ein würdiges Dasein als Mensch mit Arbeit und Geld zu tun?


ZWICKAU, 19.Oktober 2007 – Johannes Pinneberg, Martin Ennulat, hat seinen Stolz: Der Textilverkäufer geht mit Anzug und Fliege zur Arbeit. Pinneberg wird von seinen Schwiegervater in spe, Vater Mörschel, Jörg Simmat, verspottet: „So ein Dackel bist Du?“
Die Gewerkschaft der Angestellten gilt den Proleten Mörschel und seinen Sohn Karl, Egbert Soutschek, nicht viel. Exklusivgewerkschaften zerstören nach Mörschels Meinung nur die Solidarität unter den Besitzlosen: 1930!


Verkaufsdruck: Verkäufer wie Pinneberg, Martin Ennulat,
müssen jeden Monat eine erfüllte Verkaufsquote vorweisen. Spannfuß, Wolfgang Schulze, macht Druck auf Pinneberg.



Aber vorläufig scheint das Glück zwar klein aber real zu sein. Nach kurzer Bekanntschaft sind Pinneberg und Emma Mörschel, Sabine Melanie Rittel, genannt auch Lämmchen ein glückliches Paar.
Klein Murkel hat sich nach einer ersten Liebesnacht angekündigt. „Kleiner Mann, was nun?“ als Schauspiel nach dem Weltroman von Hanns Fallada hatte vergangenen Freitag am Zwickauer Gewandhaus Premiere“. Die Besetzung ist glücklich. Schnell spielt sich das Paar Pinneberg – Lämmchen auf der spärlich dekorierten Bühne, Ausstattung Sandra Linde, in die Herzen des Publikums. Anrührend wird aus der Anfangs heftigen Begegnung bald eine tiefe Liebe mit viel Realitätssinn: Auch Lämmchens genaue Buchführung über das wenige Einkommen schränkt die Romantik zwar ein, aber eine tiefe Zuneigung der Beiden bleibt über drei Stunden Spiel überzeugend gespielter Kern der Handlung.
Aber: Die Unsicherheit wächst. Unternehmer Kleinholz, Wolfgang Schulze, hat alle Machthebel gegen seine Angestellten in der Hand. Überzeugend gestaltet Schulze den perfiden Chef, der am Monatsende vorsorglich erst mal alle Angestellten feuert, um jeden maximal unter Druck zu setzen. Da Kleinfeld auch noch eine sitzen gebliebene Tochter, Marie, Nele Hamann, mit Pinneberg verkuppeln möchte, muss der Angestellte Pinneberg sein Lämmchen sorgsam verheimlichen. Das gelingt nicht, und Pinneberg ist seinen Job los. Pinnebergs Mutter Mia, einer Halbweltdame aus Berlin, Ute Menzel, besorgt ihrem Sohn einen Job im Konfektionshaus „Mantel“. Und wieder beginnt das Spielchen zwischen Maximalprofit und Existenzangst: Organisator Spannfuß, Wolfgang Schulze hat jetzt die Rolle des bösartigen Abteilungsleiters, er überzeugt dabei vollendet, der Antreiber verlangt eine zu nie erreichende Verkaufsquote. Jeder Verkäufer muss das Zehnfache seines Lohns an Umsatz erreichen.


Angestelltenmilieu: Jeden Monatsletzten feuert Emil Kleinholz, Wolfgang Schulze, seine Angestellten, von links, Pinneberg Martin Ennulat
Lauterbach Egbert Soutschek
Schulz Harry Walter
vorsorglich, damit er ja nicht den Termin verpasst. Dann nimmt er die Kündigungen schrittweise wieder zurück, diesmal ist Pinneberg draußen.



Das Ballett der Zwickauer Inszenierung für drei Gardarobenständer und drei Verkäufer dient der Motivation vor dem Dienst. „Eins, zwei und stopp“. Pinneberg überzeugt durch Hemmung und krampfhaftem Bemühen um synchron zu bleiben, Starverkäufer Joachim Heilbutt, Harry Walter, gibt elegant und perfekt den Takt an, Verkäufer Keßler, Egbert Soutschek, ist der talentierte Verkäufer, der als kalter Schleimbeutel ohne Solidarität brilliert. Kollegen bei den Chefs verzinken, das ist seine Welt. Das Publikum im gut besetzten Gewandhaus geht mit der Handlung mit. Szenenapplaus belohnt die Leistung des Ensembles, aber auch das überzeugende Spiel, des ewig bemühten und doch zum Ende erfolglosen Angestellten Pinneberg und seines Lämmchens finden viel Mitgefühl.
Wieder naht das Ende des Jobs. „Auch ohne Arbeit bleibst Du ein Mensch, ich liebe Dich“, Lämmchen holt ihren gedemütigten Pinneberg ohne Fliege und im bekleckerten Anzug aus dem Versteck, in das er sich verkrochen hat, nachdem ihm die Polizei vom Bürgersteig verjagte. Lang anhaltender Applaus belohnt die einfühlsame und engagierte Darstellung der Figuren von Hans Fallada, der sicher seine Freude am Spiel auf der Zwickauer Bühne gefunden hätte.
Regie: Tamara Korber.
Der Kontrast zwischen Armut und Menschsein, zwischen Existenzangst und Menschenwürde wird von der Zwickauer Dramaturgie auf die Spitze getrieben: Im Programmheft findet der Theaterbesucher statt einer Inhaltsangabe zum Stück Zeitungszitate zum aktuellen Arbeitskampf zwischen Post und privaten Zustelldiensten: Berliner Postausträger eines privaten Zustelldienstes demonstrieren für einen geringen Lohn: sie glauben daran, dass sie so ihren Job sichern können. „Sechs Euro pro Stunde sind genug!“, steht auf ihren Plakaten. Die Dienstleistungsgewerkschaft verdi verlangt für ihre Klientel 9,8 Euro Mindeststundenlohn. Auf zur nächsten Runde.
Theo Stiegler




Inszenierung Tamara Korber
Ausstattung Sandra Linde
Musikalische Leitung Carl Philipp Fromherz
Choreographie Sonja Elstermann
Dramaturgie Karoline Felsmann
Regieassistenz Fabian Guillery
Inspizienz Gabriele Triems
Souffleuse Karin Burchardt
Regiehospitanz Mandy Zuschke

Hans Fallada Roland Schroll
Johannes Pinneberg Martin Ennulat
Emma Mörschel genannt Lämmchen Sabine Melanie Rittel

PLATZ
Mutter Mörschel Birge Arnold
Vater Mörschel Jörg Simmat
Karl Mörschel Egbert Soutschek

DUCHEROW
Emil Kleinholz Wolfgang Schulze
Emilie Kleinholz Birge Arnold
Marie Kleinholz Nele Hamann
Lauterbach Egbert Soutschek
Schulz Harry Walter
Frau Friedrichs Birge Arnold

BERLIN
Mia Pinneberg Ute Menzel
Taxifahrerin Nele Hamann
Jachmann Jörg Simmat
Heilbutt Harry Walter
Keßler Egbert Soutschek
Spannfuß Wolfgang Schulze
Student Roland Schroll
Franz Roland Schroll
seine Ehefrau Ute Menzel
seine Schwester Nele Hamann
seine Mutter Birge Arnold
Schauspieler Schlüter Roland Schroll
Polizist Egbert Soutschek
Klavierspieler Carl Philipp Fromherz

Stempelsong: Carl Philipp Fromherz (Musik), Fabian Guillery (Text)


Weitere Vorstellungen:

Zwickau am 26. Oktober 2007
Zwickau am 31. Oktober 2007
Zwickau am 10. November 2007

Ticket-Service theater zwickau, Gewandhaus, Telefon 0375 834647.

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