Rezensionen aus der Zwickauer Kulturszene

Max-Pechstein-Ehrenpreis für den Plakatkünstler Klaus Staeck

Immer den Finger in der Wunde – Plakate lassen die Wahrheit ins Auge springen


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Oberbürgermeisterin Pia Findeiß überreicht den Max-Pechstein-Ehrenpreis an den Plakatkünstler und Verleger Klaus Staeck Fotos: Theo Stiegler


Max-Pechstein-Ehrenpreis für den Plakatkünstler Klaus Staeck

Immer den Finger in der Wunde – Plakate lassen die Wahrheit ins Auge springen




ZWICKAU, am 19.5.2012 – Klaus Staeck, 74, heißt der diesjährige Max-Pechstein-Ehrenpreisträger. Die Stadt Zwickau verleiht alle vier Jahre den Max-Pechstein-Ehrenpreis an herausragende Künstler.
Den 1947 gegründeten Preis erhielten nach 1990 als Ehrenpreis Alfred Hrdlicka, Lothar-Günther Buchheim, Arno Rink und nun der Plakatkünstler Klaus Staeck, der den Preis am Sonnabend von der Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß überreicht bekam.
Staeck gilt als kompromissloser Kämpfer für das Gute im Menschen. Dafür steckt er auch schon mal den Finger ganz tief in die Wunde der Unzulänglichkeiten der Gesellschaft. Eines seiner bekanntesten Plakate hat wohl jeder schon mal gesehen. 1971 schuf Staeck das Plakat „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?“, das die Mutter von Albrecht Dürer als alte abgehärmte Frau zeigt. Da war das Ziel eindeutig die Gesellschaft der Immobilienhaie, und das Plakat könnte auch heute entstanden sein.



Eines seiner bekanntesten Plakate hat wohl jeder schon mal gesehen. 1971 schuf Staeck das Plakat „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?“, das die Mutter von Albrecht Dürer als alte abgehärmte Frau zeigt. Da war das Ziel eindeutig die Gesellschaft der Immobilienhaie, und das Plakat könnte auch heute entstanden sein.








Mit kaum zu überbietender Treffsicherheit werden Banker, Politiker, Personalmanager und Finanzwucherer bloßgestellt. Meist genügt ein Bild und ein Satz und die ganze Misere springt den Betrachter geradezu ins Gesicht. „Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen!“ und ein Bild einer Protzvilla dazu. Da braucht es keine weitere Erklärung, und richtig, ein Betroffener bellt über das 1976 entstandenen Plakat: „Das Ganze hat mit Kultur nichts zu tun!“
Nun Staeck sieht nichts verbissen. Nachdem ihn die Zwickauer Museumschefin Petra Lewey leise als Autofeind in der Autostadt Zwickau begrüßt hatte, erwies sich Staeck als humorvoller Kritiker: „Autos ja, aber immer nachdenken, ob denn die nächste Fahrt unbedingt notwendig ist“, um sich dann sofort zu outen: „Ich kenne keine produktivere Umweltzerstörung als die Formel 1!, weiß aber auch, dass das die meiste gesehene Fernsehsendung ist.“
Schließlich traf der Preisträger im Publikum auch auf den Chefentwickler des ehemaligen Sachsenringwerkes, Werner Lang, 90, und schnell waren der Autoentwickler und der Autokritiker in ein langes Gespräch versunken. Werner Lang: „Der Mann hat ja recht, welch in Wahnsinn, immer größere Autos mit über 500 PS zu entwickeln“, sagt der Mann, der einst für die Entwicklung des Trabant die Federführung hatte.
Herzlichen Beifall im überfüllten Museumssaal erhielt der Preisträger, als er anerkennende Worte für die Demokratiebewegung in der von Nazizelle NSU gebeutelten Stadt Zwickau, fand.
Die Oberbürgermeisterin Pia Findeiß: „Wir sind froh, Sie hier in Zwickau zu haben!“. Findeiß hofft, dass nun viele Zwickauer den Weg in die Ausstellung im Museum finden. Die Besucher erwartet dort eine tief berührende Lehrstunde über die Probleme unserer Zeit.

Theo Stiegler

Max-Pechstein-Preisträger Klaus Staeck, Designprofessor Claus Dietel und Sachsenringchefentwickler Werner Lang fanden in einem längerem Gedankenaustausch viele Gemeinsamkeiten.

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