Schillers Trauerspiel „Kabale und Liebe“ am Zwickauer Gewandhaus



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Foto: Awtukowitsch

Schillers Trauerspiel „Kabale und Liebe“ am Zwickauer Gewandhaus


Mit fiesen Tricks gestreute Zweifel sprengen innige Liebe





ZWICKAU – Ferdinand von Walter liebt Luise, die Tochter des Stadtmusikanten. Das kann nicht gut gehen. Zumal die Geschichte in einem absolutistischen Herzogtum des 18. Jahrhunderts spielt.
Am Freitag hatte am Zwickauer Gewandhaus Friedrich Schillers Trauerspiel „Kabale und Liebe“ Premiere. Luise, Susan Ihlenfeld, erteilt Flötenunterricht, dabei hat sie den Major Ferdinand, Klaas Malorny, kennen und lieben gelernt und beide sind nun wild entschlossen, die Schranken ihrer Herkunft zu überwinden. Und zunächst scheint auch alles gut zu laufen. Nur Luise zeigt ängstliche Ahnung kommenden Unheils, Ferdinand spielt den unerschütterlichen Optimisten.
Die Zwickauer Gewandhausbühne hat eine schlichte Dekoration, Ausstattung Annabel von Berlichingen. Die Bretter, die die Welt bedeuten, überspannt eine schiefe zum Publikum geneigte Ebene, die dick mit rotem Sand bestreut ist, die Wände bildet ein endloser Horizont aus Wolken und blauem Himmel. Nichts lenkt von der Handlung ab. Anderthalb Stunden angespannte Stille im Publikum; die Spannung wird höchstens durch ein unterdrücktes Räuspern unterbrochen.
Der Stadtmusikant Miller, Michael Schramm, spielt überzeugend den Realisten, an eine gute Zukunft für eine ernsthafte Verbindung zwischen seiner Tochter und den Präsidentensohn glaubt er nicht, als Buhlin für das Herrensöhnchen ist ihn sein Mädchen zu schade.
Auch die Gegenseite macht wenig Hoffnung auf ein Happyend.
Der Präsident von Walter, Jörg Simmat, hat alle Qualitäten, die man auch heute noch einen Politiker zutraut. Sein Aufstieg ins höchste Staatsamt ist mit dunklen Geheimnissen gepflastert. Seine Macht über den Landesfürsten gilt es zu festigen, da ist auch die Zukunft des Sohnes mit verplant, der soll die Buhle des Herzogs, Lady Milford, Sabine Melanie Ritter, heiraten, da käme der Vater noch näher an die Fäden der Macht.
Erst als der Sohn in seiner Liebesnot dem Alten droht, dessen Geheimnisse zu veröffentlichen, gibt der nach. Aber sein Haussekretär Wurm, Martin Ennulat, weiß schleimigen Rat: Man muss zwischen die Liebenden Zweifel säen. Das fiese Intrigenspiel kann beginnen.
Macht und Heimtücke sind die erpobten Werkzeuge, die Liebe zu sprengen.
Luise wird gezwungen einen von Wurm diktierten „Liebesbrief“ an die Hofschranze, Hofmarschall von Kalb, zu schreiben. Der Brief wird Ferdinand in die Hände gespielt, und da zeigt sich, der Mann hat nicht genügend Vertrauen in seine Geliebte, er fällt auf den inszenierten Schwindel herein.
Ohne Pause und in gestraffter Form kommt Schillers Jugenddrama unter der Regie von Stefan Wolfram in Zwickau daher.
Susan Ihlenfeld als sensible Luise und Klaas Malorny als naiv-optimistischer und dann verzweifelter Ferdinand halten das Publikum in gespannter Aufmerksamkeit, Martin Ennulat als Sekretär Wurm breitet die für den Job notwendigen Eigenschaften, Eigensucht, Unterwürfigkeit, Verschlagenheit und eine gute Portion Schleimigkeit vor den Augen des Publikums aus.
Am Ende haben alle verloren, die Liebenden, der Politiker, der Musiker und die Vasallen, die Hoffnung auf glücklichere Liebesverhältnisse bleibt erhalten, aktuell auch 220 Jahre nach der Uraufführung des Dramas.
Theo Stiegler

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