„Joseph Süß“, Oper von Detlev Glanert am Zwickauer Gewandhaus

Intrigantengewimmel am Hof eines Barockfürsten sorgt für den Tod des Helden


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„Joseph Süß“, Oper von Detlev Glanert am Zwickauer Gewandhaus

Intrigantengewimmel am Hof eines Barockfürsten sorgt für den Tod des Helden


ZWICKAU – Da kommt sie daher als moderne Oper und doch gibt sie sich ganz klassisch: Am Zwickauer Gewandhaus hatte die Oper Joseph Süß von Detlev Klanert Premiere. Und, wo gibt es das noch, dass der Komponist zum Schlussapplaus mit auf der Bühne steht. Detlev Klanert genoss den stürmischen Beifall und die Bravorufe des Zwickauer Publikums sichtlich. Da hatten die Premierenbesucher im voll besetzten Haus anderthalb Stunden Klanerts Musik kennen und schätzen gelernt. Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Lutz de Veehr brillierte das Orchester und das Ensemble mit schrillen und leisen Tönen im Wechsel, modern aber doch eingängig und die Stimmung stark vermittelnd.
Joseph Süß, Shin Taniguchi, ist der Star am Hofe des Herzogs Karl Alexander von Württemberg, Tobias Pfülb. Stars werden geschätzt von denen, die sie brauchen, Stars werden gehasst von denen, denen sie im Wege stehen oder denen sie gar das Geld aus der Tasche ziehen. Und der Herzog singt ständig: „Ich brauche mehr Geld!“ Pfülb ruft es, und man glaubt es ihm auf der Stelle.
























Joseph Süß Oppenheimer hat es als Jude weit gebracht im Württemberg des 18. Jahrhunderts. Er versorgt seinen Landesherren mit Geld für Kriege, Kriegsmaterial und auch mit den Mitteln für den Bau einer Oper, die der Herzog seiner Geliebten Opernsängerin Graziella, Chrissa Maliamani, widmet. Der Lohn für Süß ist die Ehre eines Finanzministers, die auch ihm ein angenehmes Leben gestattet. Die bittere Pille: Süß muss mit ansehen, wie der herzögliche Lüstling seine heißgeliebte Magdalena, Sarah Tuleweit, ins Lotterbett reißt, und die Vergewaltige in Verzweiflung dann verstößt. Magdalena, die Tochter des Parvenüs Weißensee, Markus Ahme, wird von Süß geliebt. Weißensee hat die Tochter für seinen eigenen Aufstieg am Hof geopfert. Als der Herzog stirbt und seine schützende Hand für Süß verschwindet, schlägt der Intrigant Weißensee erbarmungslos zu. Süß muss an den Galgen. Süß glaubt zwar, er habe gute Argumente für seine Unschuld, aber Recht haben und Recht bekommen waren auch um 1737, als die historische Geschichte real von Statten ging, zwei verschiedene Dinge: Auf den Außenseiter, der noch dazu zwischen Judentum und Christenglauben pendelt, lässt sich prima Wut und Schuld abladen.
Durchweg gut getroffenen Charaktere und Figuren lassen die Intrigantengeschichte auf der Bühne glaubhaft werden. Dazwischen flattert und tiriliert Chrissa Maliamani als Opernsängerin und Geliebte des Herzogs wie ein Paradiesvogel mit buntem Gefieder.
Regisseur Thilo Reinhardt lässt die Geschichte des Juden Joseph Süß Oppenheimer in ihrer grausamen Dramatik ungeschönt Revue passieren.
Ausstatter Andreas Auerbach hat dazu die Zwickauer Sänger in üppige Barockgewänder gesteckt und die Szenerie wechselt zwischen der kargen und tristen Kerkerzelle und dem üppigen Hofleben des Lebemanns Karl Alexander, der Frauen und Luxus verschleißt. Die Gefühle wechseln zwischen gegenwärtiger Verzweiflung und Hoffnung, in der sich der eingekerkerte Süß wiederfindet, und in hoffärtiger Erinnerung an Macht und Luxusleben, das ihm seine Verdienste um den Hof einst sicherten. Shin Taniguchi als Tenor wird dieses Mal ein wenig von den Bässen von Markus Ahme und Tobias verdeckt und überspielt, so aber ist die Rolle offenbar angelegt.
Theo Stiegler


Ticket-Service theater zwickau, Gewandhaus, Telefon 0375 274114647, 08056 Zwickau oder Tourist-Information, Hauptstraße 6, 08056 Zwickau, Telefon 0375 19433. zur Stadthalle oder zum Theaterservice
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