Irma la Duce – Musical von Marguerite Monnot und Alexandre Breffort am Zwickauer Gewandhaus



Käufliche und echte Liebe am Place Pigalle


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Nestor am Tag in der Rolle des frisch gebackenen Besitzers von Irma und gleichzeitig des Chefs der Zuhälter am Place Pigalle bewältigt, und des Nachts in die Rolle des reichen Gönners, Bild, von Irma
Fotos: Awtukowitsch.

Theater Plauen-Zwickau spielt Irma la Duce – Musical von Marguerite Monnot und Alexandre Breffort



Komödiantische Aktion und lockeres Happyend wird mit stürmischem Applaus belohnt



ZWICKAU, 4.Dezember 2009 - Das Mädchen Irma la Douce ist der Liebling aller Freier am Place Pigalle in Paris. Natürlich sind die Gesichter der Hauptdarsteller im Musical „Irma la Douce“ für alle Zeiten durch den Billy Wilder-Film „Das Mädchen Irma la Douce“ durch die quirlige Shirley MacLaine und dem liebeswürdig tollpatschigen Jack Lemmon geprägt. Das vergisst man schnell in der Zwickauer Fassung des Musicals von Marguerite Monnot und Alexandre Breffort, das am Freitag im Zwickauer Gewandhaus Premiere hatte.
Eine höchst liebenswürdige Sandrine Guiraud erscheint da als Irma la Douce auf der Bühne und bringt das Leben des Advokatenlehrlings Nestor le Fripé, Maximilian Nowka, gründlich durcheinander. Die beiden altbekannten Publikumslieblinge treffen die Zwickauer mitten ins Herz und erhalten viel verdienten Applaus.
Ein wenig verlassen erscheint der schüchterne Student auf dem Sündenpflaster von Paris. Ihm missfällt der Ton und der Umgang, den Zuhälter Hypolite, Holger Rieck, mit seinem Mädchen Irma an den Tag legt, und er schreitet ein. Hypolite, ein Kerl wie ein Baum, Nestor ein verschüchterter aber mutiger Junge – die Kampfhähne können kaum unterschiedlicher nicht sein. Aber: Wie einst im biblischen Geschehen um David und Goliath wird natürlich auch im Musicalgeschehen der scheinbar Benachteiligte am Ende einen grandiosen Sieg davon tragen. Er wir der neue Besitzer der Bordsteinschwalbe Irma la Douce.
Irma ist bei aller Professionalität ihres Berufes doch sehr empfänglich für die Liebe. Überzeugend bringt Sandrine Guiraud die Naivität der Frau, die zwischen Liebe und geschäftlichen Sex unterscheidet, auf die Bühne. Nowka als Nestor glüht vor Eifersucht. Die Geschichte ist bekannt und beweist auf erfreulich-liebenswürdige Weise, auch die Franzosen schaffen Musicals mit Welterfolg.



Wie also Nestor am Tag die Rolle des frisch gebackenen Besitzers von Irma und gleichzeitig des Chefs der Zuhälter am Place Pigalle bewältigt, und des Nachts in die Rolle des reichen Gönners von Irma schlüpft, das kann auf Dauer nicht gut gehen. Mit komödiantischem Geschick meistert Nowka zum Gaudi des Publikums die Doppelrolle bis zur Erschöpfung, die beendet er schließlich mit dem „Mord“ an seinem Nachtdoppel. Schließlich kann er es auch nicht ertragen, wie sich Irma ihrem vermeintlich reichen Gönner immer mehr nähert. Da nützt es Nestor auch wenig, dass er sich selber klarmacht – „ich bin ja selbst der andere.“
Man kann nicht über die „Irma la Douce“ im Zwickauer Gewandhaus schreiben, ohne auf die Rolle des Barkeepers Bob, Martin Schweepers, einzugehen. Barkeeper, Freund und Conférencier auf der Bühne ist der agile Mime allgegenwärtig, beweist Wandlungsfähigkeit vom Mienenspiel des Winkeladvokaten bis zum verbindlichen Vertrauten für die Mädchen am Place Pigalle. Äußerst redegewandt und bis zur akrobatischen Schnelligkeit im Wechsel der Rollen animiert Schweepers das Publikum von einer Lachsalve zur anderen.
Geradezu unerschöpflich an Witz ist die von Andrea Eisensee entworfene Ausstattung, obwohl die Kulisse von der äußerst einfachen Idee des eisernen Käfigs lebt, erleben die Zuschauer köstliche Momente beispielsweise wie den, als die von der Teufelsinsel geflohenen Zuhälter im Schwimmgewand den Weg nach Paris finden.
Der Stoff hätte auch für ein Drama oder für eine Oper getaugt, zum Glück wurde es ein Musical mit vielen komödiantischen Elementen, die Regisseur Renat Safiullin mit feinsinnigen aber effektvollen Gags umsetzen lässt. Minutenlanger Applaus, der in rhythmisches Klatschen und Trampeln übergeht, belohnt die Sänger und Schauspieler für ihre Leistung in fast dreistündiger Tempoaktion. Da gab es am Ende, was sehr selten am Theater geschieht, ein furioses Dakapo mit einer fernsehreifen Tanzeinlage von Guiraud und Nowka. Also: Viel Beifall, dann gibt’s noch einen darauf.
Nächste Vorstellung Mittwoch, 9. Dezember, 19.30 Uhr. Karten 0375 274114647.
Theo Stiegler

Ticket-Service im Gewandhaus 0375 27411 46 47 oder 0375 27411 46 48 und zur Theater-Website


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