IBUg 2014 in der Crimmitschauer Ruinenlandschaft um den Schützenplatz

100 junge Künstler aus neun Nationen sprayen, malen und gestalten alte Tuchfabrik

Hier geht´s zurück zur Homepage

Rico Gruner (34) hat gemeinsam mit seiner Freundin Philine Stang (24) eine Hauswand von vier mal vier Metern in ein Gemälde und in eine Collage verwandelt. „Manchmal heißt die Teilnahme an einen solchen Event auch wochenlange Vorbereitung mit Entwürfen und Proben, hier haben wir spontan angefangen die Wand zu gestalten“ sagt Gruner. An einem Ballon, den Philine Stang (24) aus Stoffstreifen in die linke obere Ecke der Wand geklebt hat, schwebt ein Vogelhäuschen in die Luft. „Der Vogel ist gerade weggeflogen“, lacht der Sprayer Rico und zeigt auf die Sitzstange vor dem Einflugloch. Das Motiv ist eher aus dem Bauch heraus entstanden und strahlt Humor aus. Rico Gruner übt den Beruf eines Sprayers seit vier Jahren beruflich in Zwickau aus. Fotos: Theo Stiegler

IBUg 2014 in der Crimmitschauer Ruinenlandschaft um den Schützenplatz

100 junge Künstler aus neun Nationen sprayen, malen und gestalten alte Tuchfabrik

CRIMMITSCHAU, im August 2014 – Familie Lorenz staunt: „Das ist richtige Kunst“, sagt Gisela Lorenz. Das Ehepaar Lorenz wohnt in der Nähe des Crimmitschauer Schützenplatzes und beobachtet seit 14 einer Woche ein eigenartiges Treiben in der alten Tuchfabrik der Gebrüder Pfau, die seit Jahren verlassen vor sich hin dämmert. Jetzt waren 100 junge Leute dabei, die Wände und Aufgänge, Türen und Fenster, so weit noch vorhanden, mit Farben zu verzieren. Gesichter und Fantasiefiguren, Ornamente und Schlangenlinien entstehen unter zischenden Spraydosen. IBUg, Industriebrachenumgestaltung, ist eine Erfindung des Meeraner Sprayers Tasso, der es inzwischen schon zu internationaler Berühmtheit gebracht hat. Schon das neunte Mal treffen sich internationale Künstler der Szene, um eine alte Industriebrache mit viel Farbe in ein Gesamtkunstwerk zu verwandeln.
Lorenzens haben sich als Nachbarn der Ruinenlandschaft eingefunden, um das Ergebnis von acht Tagen intensiven Sprayens und Malens, Klebens und Gestaltens zu begutachten. „Toll sagt Gisela Lorenz, was aus den alten Mauern geworden ist. Schade dass das nicht von Dauer ist, vielleicht sollte man die Kunstwerke auch erhalten?“, überlegt die Crimmitschauerin.


Elisabeth Wolf (28) aus Leipzig malt detailgetreu ist das Bildnis einer Heiligen. Das christliche Motiv der lebensgroßen Darstellung der Agata mit dem Brotkorb hat am Ende doch einen Hintergrund mit dem übertragenen Sinn, Brot für die Welt anstelle von abstrakter Symbolik.







Rico Gruner (34) hat gemeinsam mit seiner Freundin Philine Stang (24) eine Hauswand von vier mal vier Metern in ein Gemälde und in eine Collage verwandelt. „Manchmal heißt die Teilnahme an einen solchen Event auch wochenlange Vorbereitung mit Entwürfen und Proben, hier haben wir spontan angefangen die Wand zu gestalten“ sagt Gruner. An einem Ballon, den Philine Stang (24) aus Stoffstreifen in die linke obere Ecke der Wand geklebt hat, schwebt ein Vogelhäuschen in die Luft. „Der Vogel ist gerade weggeflogen“, lacht der Sprayer Rico und zeigt auf die Sitzstange vor dem Einflugloch. Das Motiv ist eher aus dem Bauch heraus entstanden und strahlt Humor aus. Rico Gruner übt den Beruf eines Sprayers seit vier Jahren beruflich in Zwickau aus. Angefangen hat Rico mit dem Sprayen vor 20 Jahren. Da hat es auch weniger gute Zeiten gegeben. Von denen spricht er weniger gern, jetzt aber boomt der Job und die Aufträge, an denen Grafiken und Malereien entstehen, können schon mal die Größe von 40 mal vier Meter Größe annehmen. Auftraggeber sein oft private Eigentümer, die einen Innenhof oder eine Fassade verschönert haben wollen. Aber auch Wohnungsgesellschaften und Energieversorger zählt der Sprayer zu seinen Kunden. Trotzdem, für eine solches Event, wie die IBUg, muss Zeit sein, schließlich ist es nicht nur ein Arbeitstreffen, sondern auch ein Kennenlernen und Befreunden mit vielen Gleichgesinnten.
Gleich neben Gruner und seiner Freundin arbeitet Victor Perez (37), der sich mit Künstlernamen Benuz nennt. Benuz ist Mexikaner und wohnt jetzt in Dresden. Victor Perez arbeitet mit Farbtopf und Pinsel. Unter seinen Händen entstehen Muster, die sich an mexikanische Folklore und Traditionen anlehnen. Eher düster kommen seine Motive daher. Elisabeth Wolf (28) aus Leipzig malt detailgetreu ist das Bildnis einer Heiligen. Das christliche Motiv der lebensgroßen Darstellung der Agata mit dem Brotkorb hat am Ende doch einen Hintergrund mit dem übertragenen Sinn, Brot für die Welt anstelle von abstrakter Symbolik.


Schon von der Straße aus grüßen die IBUg-Künstler mit dem Motiv "Hinter Gittern".
























































Jede Ecke, jede Wand der alten Industrieimmobilie erhält Farbe. Mal ist es reine Ornamentik, mal nahezu naturalistische Darstellungen, die an fotografische Genauigkeit heranreichen. Auf der Straße vor dem Schützenplatz arbeitet Bianca (27), die sich Zid Visions nennt, aus Berlin. Geschickt steuert die junge Frau mit dem Joystick die Hebebühne an die beste Malposition. Die gesamte Wand der alten Fabrik wird zum Gemälde.


Auf der Straße vor dem Schützenplatz arbeitet Bianca (27), die sich Zid Visions nennt, aus Berlin. Geschickt steuert die junge Frau mit dem Joystick die Hebebühne an die beste Malposition. Die gesamte Wand der alten Fabrik wird zum Gemälde.








Ein öffentlicher Arbeitsplatz, der immer wieder Schaulustige anzieht. Arbeitsgerät und Farben werden gestellt, der Rest ist reine Freude an der Sache, Lohn und Spesen gibt’s nicht. Als Wohnung dienen den Teilnehmern aus neun Nationen von Argentinien bis Thailand Fabrikräume der alten Tuchfabrik, auch eine gemeinsame Küche gibt es und zwei Mal am Tag ist Zeit zum Essen.
Maxi Kretschmar (31) als Mitveranstalter des IBUg zeigte sich am Sonntag optimistisch: „Das Interesse ist riesig. Wir erwarten über die drei Tage, in denen das Publikum die Fabrik und das Gelände besichtigen konnten, über 7000 Besucher.“ Auch Lorenzens haben das beobachtet. Bernd Lorenz (73) weiß: „Autonummern bis Leipzig und weiter waren dabei.“ Rings um das Gelände der IBUg war kein Parkplatz mehr zu finden.

Auch sozialkritische Motive sind zu sehen. Gerade in der alten Immobilie der Textilindustrie machen Bilder von asiatischen Arbeiterinnen, die für die westlichen Wohlstandsgesellschaften billige Konfektion am besten völlig "kostenlos" nähen, nachdenklich.








Einen Preis oder eine Bewertung der Kunstwerke gibt es nicht, der Weg ist das Ziel, die Begegnung das Herz der Veranstaltung.
Theo Stiegler
Mail to Stiegler




Besuche "Ibug" counter
Besuche DerZwickauer counter
hier geht´s nach oben und
hier geht´s zurück zur Homepage