Aus dem Theater Zwickau: Musicalpremiere Hair

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Blumenkinder in der Zwickauer Hair-Inszenierung. Foto: Theater Plauen-Zwickau

Foto: theater.

Das Musical „Hair“ auf der Zwickauer Gewandhausbühne

Sanfter Bogen zwischen Unterhaltung und Protest

Hippies-Generation und ein ewig junges Wunschbild vom „Frei sein“ ZWICKAU – Ein Hauch Hippie-Bewegung der sechziger Jahre weht über die Gewandhausbühne in Zwickau. Am vergangenen Freitag, 25. Februar 2005, hatte das Musical „Hair“ in der Muldestadt Premiere. Eine eindringlich sirenenhafte Jutta Kögler tönt als „Ronny“ gleich im Auftrittsbild mit „Aquarius“ mitten aus der bunten Schar der jungen Leute hervor. Die spartanisch gestaltete Bühne unterstreicht die bunte Szene der Hippies wirkungsvoll. „Wenn der Mond im 7. Hause steht … lenkt Liebe ihre Bahn“ ergreift das Publikum. Was wäre „Hair“ ohne die eindringliche Musik von Galt McDermont, sie sichert seit 1967 die Gratwanderung zwischen Anspruch und Unterhaltung. Sie erst macht den Erfolg, der das Stück mit den Texten, „ohne eigentliches Libretto“ von Gerome Ragni und James Rado seit seiner Premiere in New York begleitet. Ein wenig komödiantisch modifiziert Jörg Simmat in seiner Vorstellung als „Berger“ den Bogen von „Hair“ ins Heute: „Ich bin Georg Berger“ und „Brrr keinesfalls Georg W. da nennt mich denn lieber Hamburger“. Geschickt balancieren die Zwickauer zwischen Unterhaltung und Antikriegsbewegung, damals Vietnam, und der Abkehr der Blumenkinder im New Yorker East End von den Werten der bürgerlichen Welt. Jung gibt sich das Ensemble der Zwickauer, zunehmend mitgerissen taut das Publikum auf und geht am Ende mit einem „Lasst die Sonne, lasst den Sonnenschein in euch hinein!“ auf den Lippen aus dem Haus. Provozieren will die Zwickauer Inszenierung von „Hair“ nicht, und außer einem nackten Popo gibt’s nichts Voyeuristisches auf der Bühne. Nachdenkliches für „Genauhingucker“ ist ausreichend eingebaut. „Ich möchte Perlen, Blumen, frei sein, glücklich sein! Liebe! Liebe! Liebe! Liebe! Perlen, Blumen, frei sein, glücklich sein! Hare Krishna“. Ergreifende Melodien, deutsch gesungene Texte reißen das Publikum zunehmend mit. Ein junges, mit Laien aufgefülltes Ensemble, bietet sein Bestes, und das ist erfreulich viel in der Inszenierung von Igolf Huhn und Tamara Kober. Claude, Maximilian Nowka, muss zur Musterung. Der Vietnamkrieg fordert seinen Tribut. Da kommt der Neue in der Szene gerade recht, Hohn schlägt seiner „Vaterlandsliebe“ aus der Gruppe der Aussteiger entgegen, und schnell hat Claude die Haltung angepasst. Wie entgeht man der Musterungskommission? Dann muss er doch, und düster wird die Szene im Gräberfeld der Vietnamgefallenen auf der Bühne in Zwickau. „Warum sind Leute nur so herzlos? Warum sind sie nur so hart?“, fragt Sheila, Marie-Luise von Gottberg in „Easy To Be Hard“ und versteht nicht, warum Claude am Ende doch „einrückt“. Die Generation der 68iger stand vor den gleichen Fragen, wie sie sich heute nicht anders stellen. Was gibt es mehr als Karriere und Geld, Anpassung und Oberflächlichkeit in dieser Gesellschaft. Drogen? Liebe? Blumen? Die Musik bietet Hoffnung, sie ergreift heute das Publikum in Zwickau. „Wir nur, wir aber wissen wenn wir singen, wenn unsere Spinnwebsisters klingen, das Leben kann von innen neu beginnen. Lasst die Sonne lasst den Sonnenschein in euch hinein!“ Das Zwickauer Publikum feierte am Ende begeistert das Ensemble. Nächste Vorstellung am 8.März, 2005 19.30 Uhr. Karten 0375 834647. sti
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