„Der gute Mensch von Sezuan“ von Bertolt Brecht auf der Zwickauer Gewandhausbühne


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Der Tischler Lin To, Hans-Joachim Burchardt,
Shen Te/Shui Ta, Marie-Louise von Gottberg
ein Spießerehepaar Frau, Birge Arnold, Mann, Helmar Stöß,
Vermieterin Mi Tzü, Sabine Rittel
Fotos: theater

„Der gute Mensch von Sezuan“ von Bertolt Brecht auf der Zwickauer Gewandhausbühne

Ratlose Götter vor der zeitlosen Frage:
Gut sein, gibt’s das überhaupt?



ZWICKAU, im Mai 2008 – Die Götter sind rechte Pfuscher, sie suchen wenigstens einen guten Menschen auf der Erde, und wenn sie denn einen fänden, könnten sie sagen: Die Welt kann so bleiben, wie sie ist. Das ist natürlich zu hinterfragen.
Bei ihrer Suche treffen die Götterboten den Wasserverkäufer Wang, Egbert Soutschek, der ist zwar ein guter Mensch, aber er schummelt auch ein wenig mit seinem Messbecher mit doppeltem Boden. Aber Wang ist bemüht, den drei Göttern ein Dach für die Nacht über dem Kopf zu besorgen. Da in der Vorstadt von Sezuan niemand Platz für die Götter hat, oder Willens ist, die Abgesandten des Himmels zu beherbergen, bleibt die Prostituierte Shen Te, die sich der Überirdischen erbarmt.
Bertolt Brecht hat das Parabelstück aufgeschrieben und das Theater Plauen-Zwickau hat die Geschichte vom Gutseinwollen und den Kampf mit den Schlechtigkeiten dieser Welt aktuell auf die Bühne gebracht. Am Freitag war Premiere von „Der gute Mensch von Sezuan“.



Shen Te, Marie-Louise von Gottberg




Kaum haben die Götter für die Übernachtung 1000 Silberdollar in die Tasche von Shen Te gezaubert, finden sich auch jede Menge Halsabschneider, die der gutmütigen, gutgläubigen Shen Te, die Dollars wieder abnehmen wollen, oder die Hilfsbereitschaft der jungen Frau ausnutzen. Der kleine Tabakladen, den sich die Frau von dem Geldsegen gekauft hat, wird zum Treffpunkt für Vermieterin Mi Tzü, Sabine Rittel, den Schreiner Lin To, Hans-Joachim Burchardt, und allerlei anderen Bittstellern und Schmarotzern.
Schon mit dem ersten Auftritt des Wasserverkäufers Wang gelingt es Egbert Soutschek das Publikum im Zwickauer Gewandhaus zu fesseln. Eindrucksvoll in der Erscheinung bringt Soutschek mit der Sprache Brechts die gewünschte Spannung. Marie-Louise von Gottberg spielt zwei Rollen, sie ist die gute Shen Te, und sie erwehrt sich der Halsabschneider in der Gestalt ihres fiktiven Vetters Shui Ta. Sanft und gutmütig spielt sie die Prostituierte und Ladenbesitzerin, die niemand etwas abschlagen kann, hart und geschäftstüchtig gelingt ihr der Wechsel in die Figur ihres Cousins. Der spricht mit dem Schreiner über den Preis für die Ladeneinrichtung in der Art und Ausdrucksweise, dass einem nun der habgierige Mann schon wieder Leid tut, auch die Hausbesitzerin kriegt ihr Fett weg. Recht geschieht ihr der verschusselten Dame im Negligee. Passende Kostüme für die verschiedenen Charaktere hat Annabel von Berlichingen entworfen.
Der eigentliche Konflikt tut sich auf, als Shen Te den arbeitslosen Flieger Yang Sun, Martin Ennulat, davon abhält, sich den Strick um den Hals zu binden. Sie, die ehemalige Prostituierte, die mindestens ein Jahr keinen Mann mehr an sich heran lassen wollte, verliebt sich unsterblich. Sie opfert alles, nur um den geliebten Mann wieder in seinen Job zu bringen. Fast alles. Als sie merkt, dass sie von Yang Sun und seiner Mutter, Andrea Reichel, nur ausgenutzt werden soll, sie selber aber ihre gegebenen Versprechen gegenüber befreundeten Menschen brechen soll, zieht sie Grenzen. Martin Ennulat überzeugt als anfänglich verzweifelter aber dann auch ziemlich skrupelloser Egoist, dem die entgegengebrachte Liebe nichts, aber sein Ziel, wieder als Flieger in die Lüfte zu steigen, alles bedeutet.
Wenn Brecht gewollt hätte, dass man die vom Wind der eigenen Interessen und Egoismen der Benachteiligten dieser Welt verwehte Solidarität erkennt soll, die Zwickauer lassen dies erahnen.
Tamara Kober hat die Geschichte, die zeitlos aktuell ist, in Zwickau inszeniert. Minutenlanger Beifall schon hinter dem Pausenvorhang und am Schluss war die gerechte Belohnung für ein erschöpftes aber glückliches Ensemble im Zwickauer Gewandhaus.
Theo Stiegler

Fotos Premiere Plauen:Der gute Mensch von Sezuan
Foto:Peter Awtukowitsch
Theo Stiegler

Fotos Peter Awtukowitsch

Ticket-Service theater zwickau, Gewandhaus, Telefon 0375 834647.

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