5. Zwickauer Grafiksymposium „Zebra 5“ inspiriert Künstler unter dem Thema „Brüche“


Vom Knochenbruch bis zum Gedankensprung, von Melancholie bis zur entleerten Stadt


Hier geht´s zurück zur HOMEPAGE

Annette Fritsch vom Zwickauer Kunstverein schneidet mit dem Hohleisen Kontouren ins Holz, das später zur Druckvorlage wird. Foto: Stiegler

5. Zwickauer Grafiksymposium „Zebra 5“ inspiriert Künstler unter dem Thema „Brüche“


Vom Knochenbruch bis zum Gedankensprung, von Melancholie bis zur entleerten Stadt



ZWICKAU, 24. August 2012 – Es herrscht angespannte Arbeitsatmosphäre in den Atelierräumen der Galerie am Domhof in Zwickau. Vom 20. August bis zum 2. September veranstaltet der Zwickauer Kunstverein sein 5. Grafiksymposium „Zebra 5“ unter dem Thema „Brüche“.
Zehn Künstler der Sparte „Bildende Künste“ wurden aus über 40 Bewerbern für die Teilnahme an diesen zwei Werkstattwochen ausgewählt, und seit Dienstag wird geschnitten, geätzt, gestichelt und gedruckt. Das Thema „Brüche“, unter dem dieses Symposium steht, lässt breitesten Raum zur Interpretation. Im Wechsel mit dem Bildhauersymposium veranstaltet die Stadt diese kreativen Künstlertreffen mit gemeinsamen Schaffensperioden seit 1992. Bernd Meyer, Kulturbürgermeister und Kassenwart von Zwickau weiß um den Nutzen für die Stadt: „Die Begegnungen schaffen dauerhafte Freundschaften und tragen den Ruf einer kunstinteressierten Stadt Zwickau in die Welt hinaus.“ Das Symposium lässt sich die Stadt 8000 Euro kosten, der Kulturraum Westsachsen legt noch mal 10000 Euro drauf.
„Ein wunderbares Thema“, sagt die Ukrainerin Anastasiya Nesterova zu dem diesjährigen Motto. Nesterova nimmt die Brüche wörtlich und schafft Holzschnitte nach Röntgenaufnahmen von gebrochen Schienbeinen. Sie wuchtet das schwere Rad der Druckerpresse in den Werkstätten und sagt zum Ergebnis auf dem A1-Blatt, das sie eben aus der Presse zieht: „Da muss ich noch daran arbeiten.“ Man muss auch erst mit der Technik, die die Grafiker in den Zwickauer Werkstätten vorfinden, vertraut werden, meint sie. Aber sonst findet sie die Atmosphäre in der Zwickauer Galerie „klasse“.
Christine Ebersbach aus dem sächsischen Wurzen hat sich von der schon herbstlichen Ostsee inspirieren lassen. Melancholie liegt über der Grafik vom verlassenen Strand, über den sich ein Volleyballnetz spannt. Um die Pfosten der verlassenen Sportstätte kräuseln sich Wellen und den Betrachter erfasst die Atmosphäre von vergangenen Bade- und Spielfreuden am Strand. Das Meer holt sich den Strand zurück. Christine Ebersbach lächelt: „Melancholie muss ja nichts Schlechtes bedeuten“, sagt sie und betrachtet das Blatt, dass einmal als Vorlage für einen Kalender dienen soll.
Leichte Wellen plätschern dagegen in der Entwicklungsschale, wie sie Fotografen auch zum Entwickeln ihrer großformatigen Bilder nehmen. Hier im Atelier benutzt Homayon Aatifi aus Afghanistan die Schale zum herausätzen seiner Bildmotive aus der Kupferplatte. „Alles entwickelt sich, und trotzdem ist auch jede Stufe schon ein Werk für sich“, sagt von seinen Radierungen. Schemenhafte Figuren verschwimmen leicht vor den Augen des Betrachters. Mit dem Pinsel trägt Homayon, der seit 16 Jahren in Deutschland lebt, die Abdeckfarbe auf den Stellen auf, die die Säure nicht erreichen soll. Inspirationen braucht er nicht zu suchen. Regelmäßig besucht der Afghane seine Heimat und bringt von dort Ideen für seine Arbeiten mit.
Die Dänin Charlotte Boesen hat sich dem Wortspiel verpflichtet: Sie zerschneidet fertige Texte und gestaltet völlig neue Kreationen, und Wortschöpfungen aus der spielerischen Installation mit dem geduldigen Material. Für die Skandinavierin ist Zwickau nicht neu, sie hat schon 2006 am Bildhauersymposium auf dem Windberg teilgenommen. Damals allerdings reichte ihr nicht mit die Schere und das Cuttermesser, sie holte kräftig mit der Kettensäge aus.
Meike Georgi hat in Zwickau ein Heimspiel, und vielen Zwickauern sind ihre eigenartigen Stimmungsbilder mit leeren Stadtlandschaften eine Inspiration. Für sie ist das Thema „Brüche“ in den Stimmungswechseln in ihren Bildern, die sie durch krasse Licht- und Schattenspiele hervorzuheben weiß, zu suchen. Mit scharfen Werkzeugen ritzt sie die Bilder in polierte Stahlplatten, und nicht immer bringt der erste Druck den gewünschten Erfolg, wie sie den zufälligen Besucher Siegfried Wagner, den Vorsitzenden des Kunstvereins, entschuldigend erzählt. Der Druck stimmt die Grafikerin noch nicht zufrieden. Es ist noch Zeit: Das Symposium endet am 2. September mit eine kleinen Ausstellung und Feier. Die eigentliche Ausstellung der Werke zu „Zebra 5“ wird erst von September bis Dezember 2013 vom Kunstverein veranstaltet. Den Künstlern bleibt ein Jahr, weiter an ihren Werken zu arbeiten.
Eine Trennung allerdings gibt es zwischen den Künstlern, während die Holzschnitter in den vorderen Räumen der Galeriewerkstätten arbeiten, sind die Künstler mit scharfen Gerüchen, die von Säuren und sonstigen Ätzmitteln herrühren, in die hinteren Räume verbannt. Die Dänin Charlotte Boesen rümpft die Nase, und schließt demonstrativ die Tür zum Hinterraum.
Übrigens gibt es bei den Symposien des Zwickauer Kunstvereines keine Sieger. Das würde, so Siegfried Wagner, dem Charakter der Begegnung und des gemeinsamen Schaffens nicht gerecht werden. Die geschaffenen Grafiken gehen in den Schatz der Zwickauer Museen ein.
Theo Stiegler

Die Ukrainerin Anastasiya Nesterova zieht die ersten Drucke ihrer Holzschnitte zum Thema Brüche von der Matrize ab. "Da muss ich noch nacharbeiten", sagt sie.

Die Dänin Charlotte Boesen hat sich dem Wortspiel verpflichtet: Sie zerschneidet fertige Texte und gestaltet völlig neue Kreationen, und Wortschöpfungen aus der spielerischen Installation mit dem geduldigen Material.

Meike Georgi hat in Zwickau ein Heimspiel, und vielen Zwickauern sind ihre eigenartigen Stimmungsbilder mit leeren Stadtlandschaften eine Inspiration.

„Alles entwickelt sich, und trotzdem ist auch jede Stufe schon ein Werk für sich“, sagt Homayan Aatifi von seinen Radierungen.

Teilnehmerliste Grafik-Symposium 2012


Barbara Mäder-Ruff, D
Stefan Knechtel, D
Anastasiya Nesterova, D/Ukraine
Christine Ebersbach, D
Homayon Aatifi, D/Afghanistan
Welf Schiefer, D
Charlotte Boesen, D/Dänemark
Meike Georgi, D
Annette Fritzsch, D
Regina Franke, D
Dr. Theo Stiegler, freier Journalist für Text und Foto
Telefon 01704827871, E-mail:
stiegler.textundfoto@t-online.de
- Aufträge für Fotoserien, Redaktions-, Prospekt und Werbetexte werden gern entgegengenommen:
- Telefon 037601 2729, 0170 4827871 oder Mail to Stiegler
- Preise richten sich in der Regel nach den Empfehlungen der Mittelstandgemeinschaft Journalismus


Mail to Stiegler




Besuche Grafiksymposium 2012 counter
Besuche DerZwickauer counter
hier geht´s nach oben und
hier geht´s zurück zur Homepage