Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand – Schauspiel von Johann Wolfgang von Goethe in Zwickau

Mittelalterliche Rebellen und aalglatte Diplomaten fast wie heute



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Götz von Berlichingen: Da hat er ihn nun, den Bannbrief, und dabei wollte er doch nur Gerechtigkeit. Szene mit, Maria die Schwester von Götz, Jenny Rehs; Elisabeth, Ehefrau von Götz, Tamara Korber; Götz von Berlichingen, Jörg Metzner ; Hans von Selbitz, Harry Walter; Georg der Bube von Götz, Maximilian Nowka; Bänkelsänger, Egbert Soutschek. Fotos: theater


Im Zwickauer Gewandhaus hatte Goethes "Götz von Berlichingen" Premiere

Freiheit, Obrigkeit und ein berühmtes Zitat


ZWICKAU, 8. Juni 2004 – „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“ ist ein selten gespieltes Schauspiel vom Altmeister Johann Wolfgang von Goethe, die Zwickauer haben den Klassiker nach über 60 Jahren wieder aus der Mottenkiste geholt, mit Recht: Sei es, um zu zeigen, die politischen und die menschlichen Parallelen sind aktuell wie je zu vor: Obwohl das bekannteste Zitat der deutschen Literaturgeschichte, das heute auch gern zum Ausdruck von Politikverdrossenheit benutzt wird, ist im „Götz“ persönlich und beleidigend gemeint: „Bin ich ein Räuber? Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro kaiserlichen Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsch lecken“, schreit Jörg Metzner als Götz an der Leiter über der Bühne hangelnd ins Publikum, und „arschlecken“, „arschlecken“, „arschlecken“, echot sein Bube Georg und gibt nicht eher Ruhe, bis sich eine Zuschauerin in der ersten Reihe zaghaft seinen Rufen anschließt. Das gefällt dem Publikum und die Reihen spenden Beifall. Der offenbar gewollte Effekt - alle schreien mit – blieb in der Premiere am vergangenen Freitag aus.

Adelheid hat mehr als nur einen Mann an der Leine: Franz der Knappe von Weislings, Stefan Wolfram Adelheid von Walldorf, Marie-Louise von Gottberg.






Der Rebell Götz, heute würde man seine Taten gelegentlich auch als Terrorismus bezeichnen, gilt der Obrigkeit, in diesem Fall den Bischof von Bamberg, Wolfgang Schulze, als Feind an der höfischen Ordnung. Wolfgang Schulze ist über Nacht für den erkrankten Dieter Maas eingesprungen und rettete die Premiere mit dem Textbuch in der Hand. Götz, der grob gestrickte aber ehrliche und rechtschaffene Haudegen, trifft auf seinen Jugendfreund Weislingen, Jörg Simmat. Der wieder bringt alle Charaktereigenschaften eines guten Diplomaten mit: Wankelmütig, anpassungsfähig und gierig auf „Weiber“ und Wohlleben aller Art, haut er die wieder gewonnene Freundschaft mit Götz in die Pfanne, wird vom Freund zu Widersacher, zum Feind. Da hilft natürlich die Freifrau Adelheid von Walldorf, Marie-Louise von Gottberg, am Hof des Bambergers kräftig nach. Sexy, schön und eloquent erledigt die Gottberg in engen und figurbetonten Kleidern ihre Aufgabe überzeugend. Schnell hat sie Weislingen in ihren Fängen. Allerdings ist Adelheids Männerverschleiß erheblich höher, als dies Freund Weislingen lieb sein kann. Zwei Stunden Spiel um Freundschaft und Verrat, um Macht und Rebellion mit dem Einsatz des ganzen Zwickau-Plauener Schauspielensembles belohnt das Publikum am Ende mit über zehn Minuten heftigen – beinahe wäre noch rhythmisches Klatschen daraus geworden - Beifall, das ist ein schöner Erfolg für das Zwickauer Schauspiel. Unter der Regie von Karl Georg Kayser wird das Drama flott gespielt. Der große Einsatz des Ensembles in den Szenen wird durch kurze Unterbrechungen mit völlig dunkler Bühne und Popmusikeinlagen akzentuiert. Ein lohnender Versuch 240 Jahre alten Text lockerer zu gestalten. Theo Stiegler

Nächste Vorstellungen: Mittwoch, 13. Juni 2007, 19.30 Uhr im Gewandhaus Zwickau.
Ticket-Service theater zwickau, Gewandhaus, Telefon 0375 834647.

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