„Glaube Liebe Hoffnung“ ein kleiner Totentanz von Ödön von Horvath am Zwickauer Gewandhaus

Eine hübsche, hoffnungsvolle junge Frau zwischen den Rädern einer unbarmherzigen Maschinerie aus Staatsräson, Gleichgültigkeit und Egoismus


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Elisabeth, Julia Bardosch, Präparator, Ole Micha Spörkel, lässt sich von Elisabeth beeindrucken
Fotos: Theater


„Glaube Liebe Hoffnung“ ein kleiner Totentanz von Ödön von Horvath am Zwickauer Gewandhaus


Eine hübsche, hoffnungsvolle junge Frau zwischen den Rädern einer unbarmherzigen Maschinerie aus Staatsräson, Gleichgültigkeit und Egoismus



ZWICKAU, 18. Februar 2011 – Elisabeth ist voller Hoffnung: Sie ist jung, sie ist schön, sie hat die Kraft, etwas zu unternehmen. Aber die junge Frau hat ein Problem, der Richter hat ihr 150 Mark Strafe aufgebrummt. Die Staatsräson verlangt das so. Elisabeth hat sich beim Verkauf von Büstenhaltern und Miederwaren erwischen lassen, sie durfte nicht verkaufen, weil sie keine gültige Handelsgenehmigung vorweisen konnte.
Das Schicksal nimmt seinen Lauf: Am Freitag hatte das Schauspiel „Glaube Liebe Hoffnung“ von Ödön von Horvadt am Zwickauer Gewandhaus Premiere.
Elisabeth, Julia Bardosch, hat gehört, dass man am Pathologischen Institut seinen Körper für 150 Mark verkaufen kann. Das Geld könnte helfen, einen Gewerbeschein zu erwerben, und was nach der Zeit des Ablebens mit dem Körper passiert, kann ihr egal sein.
Dass mit der Prämie für den toten Körper war zwar eine Ente, aber der Herr Präparator, Ole Micha Spörkel, lässt sich von Elisabeth beeindrucken. Schließlich kann die schöne und adrett gekleidete junge Frau mit einem Pfund wuchern, ihr Vater sei Inspektor, hat sie dem Naturfreund erzählt. Bei den Sicherheiten kann man schon mal etwas Geld investieren, er leiht ihr die 150 Mark.
Elisabeth, die dreihundert Besucher der Theaterpremiere im Zwickauer Gewandhaus hoffen mit der jungen Frau, die von Julia Bardosch überzeugend gespielt wird, Elisabeth trifft auf ihren weiteren Weg auf keine wirklich böse Menschen. Ein junger Präparator, der sich mit seiner Hilfsbereitschaft vielleicht ein Abenteuer erhofft und sich enttäuscht abwendet, ja sie des Betruges anzeigt, schließlich ist ein Versicherungsinspektor auch nur eine Null und keine Sicherheit, wie es ein richtiger Staatsdiener im Range eines Zollinspektors mit gesicherter Pension darstellt.
Da trifft Elisabeth auf einen Amtsrichter, der sie wegen Betrug 14 Tage in den Knast steckt. Dieter Maas verkörpert vollkommen den Richter, dem die Menschen, die er gedankenlos und gefühllos ins Gefängnis stecken lässt, völlig egal sind. Seine Aufmerksamkeit gilt vor allem dem Dekolletes der Kellnerinnen und dem gebratenen Hühnchen vor sich auf dem Teller.
Der Kriminalinspektor, Hans-Joachim Burchardt, tut seine staatsbürgerliche Pflicht. Er ist der jungen Frau auf den Fersen, schließlich kann sie nicht nachweisen, dass sie über ein gesichertes Einkommen verfügt – man könnte ja mal gucken, ob sie nicht ihren Körper an Freier verkauft?
Da trifft die Liebe der jungen Frau auf die Sehnsucht des Polizisten Alfons Klostermeyer, Tom Keune. Der lässt sich gern von Elisabeth verwöhnen. Aus Angst davor, den Geliebten zu verlieren, verrät sie ihm nichts von ihrem Unglück und den vierzehn Tagen Gefängnis.
Es kommt, wie es kommen muss, es kommt der Kriminalinspektor, und man beginnt den Schauspieler für die Rolle zu hassen, so vollendet gibt Hans-Joachim Burchardt den fiesen Beamten, er zerstört erwartungsgemäß das junge Glück. Allerdings hat es der Kriminalinspektor auch nicht schwer, seinen jungen Kollegen Schutzpolizisten zu überzeugen, denn schließlich will sich Klostermeyer die Karriere nicht durch die kriminelle Vergangenheit seiner Geliebten verderben lassen. Eiskalt lässt er die Frau, die an seine Liebe glaubte, fallen. Dumm und egoistisch macht er ihr noch zum Vorwurf, wie sie ihn und sein Fortkommen doch beinahe beschädigt hätte. Ihre Frage: „Und was ist mit mir?“ verhallt ungehört.
Mit der enttäuschten Liebe zerrinnt auch das letzte bisschen Hoffnung in Elisabeth.
Horvath hat 1931 das Bild einer herzlosen und bürokratischen Staats- und Gesellschaftsmaschinerie gezeichnet. Tim Heilmann hat die Geschichte für das Theater Plauen-Zwickau in Szene gesetzt.
Ein bisschen Egoismus, ein bisschen Gleichgültigkeit, ein bisschen Häme genügen, den Rest besorgen die Gesetze, die sich die Gesellschaft selber gegeben hat. Das Publikum ist dem Spiel auf der Gewandhausbühne mit zunehmender Ergriffenheit und Atemlosigkeit gefolgt, am Ende konnte man eine Stecknadel fallen hören.
Herzlicher Applaus nach knapp zwei Stunden belohnt das Ensemble, das sich etwas mehr Publikum, als einen nur zu drei Vierteln gefüllten Zuschauerraum, verdient hätte.
Theo Stiegler



Elisabeth, Julia Bardosch, und Schupo Alfons Klostermeyer, Tom Keune, der lässt sich gern von Elisabeth verwöhnen. Aus Angst davor, den Geliebten zu verlieren, verrät sie ihm nichts von ihrem Unglück und den vierzehn Tagen Gefängnis.
Fotos: Awtukowitsch .


Karten 0375 274114647.


Nächste Vorstellungen und Informationen zum Theater Plauen-Zwickau zur Theater-Website Karten 0375 274114647


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