Mordprozess: Vater gesteht Mord an seinen beiden sechsjährigen Mädchen


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Heiko M. vorm Landgericht Zwickau angeklagt wegen Mordes an seinen eigenen Kindern, den Zwillingen Nadine und Melanie. Foto: Stiegler .

Absurde Begründung: „Ich hatte Angst sie zu verlieren“

Vater gesteht Mord an seinen sechsjährigen Zwillingen

Zwickau/Aue, am 26. Oktober 2005. Maurer Heiko M. hat seine eignen Kinder erdolcht, die Zwillinge Nadine und Melanie starben, als sie gerade mal sechs Jahre alt waren. Der Auer Heiko M., 38, muss sich seit gestern für den Tod der Zwillinge vor dem Zwickauer Landgericht wegen Mordes an seinen beiden Töchtern verantworten. Der Zwickauer Schwurgerichtssaal glich einer Festung: Medienvertreter und Zuschauer wurden gründlich gefilzt, und mussten durch die Sicherheitsschleuse, bevor sie in den Saal durften. Heiko M. gleicht auf einem Häufchen Unglück, wie er auf der Anklagebank hockt. Unter Tränen schilderte der Vater gestern, wie er seine beiden Mädchen umbrachte. An 28. April 2005 abends war der wütende und eifersüchtige Maurer erst auf die Möbel in seinem Wohnzimmer losgegangen, schlitzte das Sofa auf und zerschlug die Anbauwand. Jahrelang hatte ein Armeedolch auf der Schrankzimmerwand als Dekoration gelegen. Mit dieser Mordwaffe in der Hand ging der Vater dann ins Schlafzimmer, sah seine beiden Mädchen schlafend im Bett liegen und erdolchte sie. Schrecklich: Melanie soll vor ihrem Tod noch die Augen geöffnet haben. Der Vorsitzende Richter fragt „Warum haben Sie die Kinder getötet?" „Weil meine Frau mich verlassen wollte und weil sie die Zwillinge mit in die Schweiz nehmen wollte", sagt der untersetzte Mann. Bärbel M. hatte sich im April dieses Jahres neu verliebt, und sie hatte Hoffnung, im Alpenland einen Job zu finden. Zehn Jahre waren die beiden verheiratet. Anfangs ging's gut. Fünf Jahre nach der Wende war Heiko bei einer Firma in Bayern als Betonfacharbeiter angestellt gewesen, da hatte er gutes Geld verdient. 1995 heiratete er seine Jugendliebe und beide lebten vom noch guten Arbeitslosengeld. 1999 wurden die Zwillinge als Wunschkinder geboren. Geldnot ließ dann Streit aufkommen. Anfang April '05 zog Bärbel M. aus der gemeinsamen Wohnung in Aue aus. Die Mitteilung, sie habe nun eine neue Liebe, ließ Heiko das Blut in den Adern sieden. Zeugen wollen gehört haben, wie Heiko M. eine Woche vor der Tat seiner Frau in der Auer Stadiongaststätte zugerufen hat: "bevor Du die Zwillinge bekommst, sind sie weg." Wenn da jemand hätte ahnen können, wie ernst das gemeint war. Voll Selbstmitleid trieft auch der Abschiedsbrief, den Heiko M. Auf dem Nachttisch im Schlafzimmer an seine Frau hinterlassen hat. "Du hast uns nicht verdient, jetzt hast Du uns so weit" und dann fügt er noch ein, "Du sollst auf ewig ein schlechtes Gewissen haben", liest der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann aus der Akte vor. Nach dem Mord an den Zwillingen ging Heiko M. ins Badezimmer und holte eine Rasierklinge und ritzte sich selbst die Pulsadern auf, legte sich ins Bett und schlief ein. Er habe selbst auch aus dem Leben scheiden wollen, sagt Heiko M. Der Richter bemerkt: "Die Wunden waren nicht tief und wer’s ernst meint, der schneidet tief und längs." Auch der spätere Versuch, sich mittels eines eingeschalteten Föhns im Badewasser doch noch aus dem Leben zu verabschieden, war eher dilettantisch. Der Schutzschalter war schneller, als der tötende Strom. Irgendwie dämmerte Heiko M. einen Tag dran hin. Inzwischen war die Schwiegermutter in Sorge, weil sie nichts von den Enkeln hörte. Endlich am 29. April rief sie seinen Schwager und seine Schwester zu Hilfe und gemeinsam öffneten sie die Wohnung: Dort fanden sie die schreckliche Szene, die beiden Mädchen waren zu diesem Zeitpunkt schon 20 Stunden tot, der Mörder lag apathisch auf dem Sofa, überall war Blut verspritzt. So fand ihn auch die Besatzung des Notarztwagens, der gegen 18 Uhr alarmiert worden war. Notarzt Dieter Bachmann konnte nur noch feststellen: Die Leichenstarre war bei den Mädchen schon eingetreten, er versorgte noch die Schnittwunden an den Handgelenken des Angeklagten, die waren nicht tödlich. Zwar war der Mörder nicht ansprechbar, aber „er hatte einen kräftigen Puls“. Heute, 27.Oktober '05 wird die Mutter der Zwillinge als Zeugin vor Gericht sprechen. Bärbel M. tritt als Nebenklägerin in dem Prozess gegenüber ihren ehemaligen Mann auf. Dem erwartet als Mörder lebenslängliche Haft, das heißt er kann frühestens nach 15 Jahren einen Antrag auf frühzeitige Entlassung stellen. Rechtsanwalt Gunther Held wird vermutlich versuchen darzustellen, dass sein Mandant im Affekt gehandelt hat. Das wird schwer zu vermitteln sein, schließlich hat es sein Mandant in den Tagen vor der Tat nicht an Morddrohungen fehlen lassen.

Mutter der getöteten Zwillinge ertrug die Gegenwart des Mörders nicht

„Ich wollte nur das Recht, meine Kinder immer besuchen zu dürfen“

Zwickau/Aue, 27. Oktober 2005 – Im Prozess gegen Heiko M. vorm Zwickauer Landgericht, der Maurer ist angeklagt wegen Doppelmord an seinen sechsjährigen Zwillingen Nadine und Melanie (Morgenpost berichtete), wurde gestern die inzwischen vom ihm geschiedene Ehefrau Bärbel H., 37, vom Gericht befragt. Verständlich: Sie wollte nicht in Gegenwart ihres Ex-Ehemanns aussagen. Der Angeklagte wurde deshalb für die Dauer der Zeugenaussage der unglücklichen Mutter vom Vorsitzenden Richter Klaus Hartmann von der Teilnahme am Prozess ausgeschlossen. Über zwei Stunden schilderte Bärbel H. das Zusammenleben und die ihr bekannten Umstände der schrecklichen Tat. Gleich zu Anfang zerstörte die Mutter die Begründung des Angeklagten für die Bluttat an den Zwillingen: „Ich wollte die Mädchen dem Vater nicht wegnehmen. Mir ging es nur darum, die beiden immer an den Wochenenden besuchen zu dürfen“. Der Angeklagte hatte gestern betont: „Ich habe die Mädchen getötet, weil ich befürchtete, dass die Mutter die beiden mit in die Schweiz nimmt und ich sie nie wieder sehe.“ Noch am Mittwoch, dem 27. April, dem Tag vor der Schreckensnacht, hatte die Elektronikfacharbeiterin im Arbeitsamt eine Erklärung unterzeichnet, dass das Kindergeld sollte künftig auf das neu eingerichtete Konto des Angeklagten eingezahlt werden. Nur: Sie war auch bereit für die Zwillinge zu kämpfen. Der Drohung des Angeklagten, sie werde die Kinder überhaupt nicht mehr zu sehen bekommen, wörtlich: „Geht weg von der Alten, mit der habt ihr nichts mehr zu tun“, entgegnete sie: „Dann geh ich zum Jugendamt und beantrage das Sorgerecht für mich!“ In der Ehe hatte Frau Bärbel die Hosen an: „Ich kann nicht zu Hause sitzen und Däumchen drehen“, sagt sie. Genau das war der Streitpunkt über dem die Ehe zerbrach. Heiko M. hatte sich in seinem Leben eingerichtet: Er spielte gern mit den Zwillingen, sie dagegen sah: „Mit den Kindern muss auch mal geschimpft werden, er ließ ihnen alles durchgehen.“ Jemand musste Geld ranschaffen. „Die Kinder wuchsen schnell heran, da waren Anziehsachen zu kaufen.“ Alle finanziellen Dinge lagen auf dem Tisch der Frau, „er wollte nicht mal mehr eine Geldkarte“, sagt sie. Nahrungsmittel oder Bargeld ließ er sich bringen. „Ihm war alles Praktische egal“, sagt sie. Jobangebote schlug der Bauarbeiter aus: „Ich habe keine Lust“, sagte er und setzte sich morgens vor den Fernseher. Da fasste sie den Entschluss: „Ich muss hier raus!“ Einen Liebhaber habe sie niemals gehabt, entsprechende Bemerkungen seien nur gefallen, um ihn endlich wachzurütteln. Nach einem Urlaub Anfang April eskalierte die Situation: Heiko M. schmiss seine Frau aus der Wohnung und zog sich mit den Zwillingen immer mehr zurück, an dem verhängnisvollen Donnerstag brachte er sie nicht mehr in den Kindergarten, und irgendwann sei der Entschluss gereift, gemeinsam mit den beiden Mädchen aus dem Leben zu scheiden. „Dass war, als wenn ein Schalter umgelegt wird“, sagt der Angeklagte über den Moment, als er zustach. Die Mädchen sind tot, die Suizidversuche des Angeklagten, mit Pulsadern aufschneiden und mit eingeschalteten Föhn in die Badewanne zu steigen, scheiterten. Die Anklage um Oberstaatsanwalt Holger Illing und der Mutter als Nebenklägerin glaubt Heiko M. die Absicht, sich selbst zu töten zu wollen, nicht und geht weiter davon aus, „die Bluttat war ein Racheakt gegen seine Frau“. Die Schlussfolgerung: „Heimtückischer, geplanter Mord.“ Um die Wahrheit herauszufinden, hat das Gericht drei weitere Verhandlungstage in der nächsten und übernächsten Woche angesetzt. Theo Stiegler

Rätselhafte Lügen des mutmaßlichen Zwillingsmörders

Mordwaffe lag abgewaschen inm Besteckkasten in der Küche

Zwickau/Aue – Gestern wurde der Prozess um den Mord an den Auer Zwillingen im April vorm Zwickauer Landgericht fortgesetzt. Das vorgetragene Gutachten des Gerichtssachverständigen Dr. Harald Uerlings wirft Fragen auf: Warum hat Heiko M., der sich wegen Doppelmord an seinen eigenen Kindern Nadine und Melanie vorm Zwickauer Landgericht verantworten muss, gelogen? Der arbeitslose Maurer hat zwar gestanden, dass er die sechs Jahre alten Zwillinge am Donnerstag, dem 28. April diesen Jahres nach 22 Uhr erstochen hat, Morgenpost berichtete. Aber den Ermittlungsbeamten von der Polizei und auch bei seiner Vernehmung vor Gericht erzählte er, dass er die Kinder an diesem schrecklichen Abend nach zehn Uhr mit einem alten Militärdolch erstochen hat. Dazu der Sachverständige: „Knallharter Fakt ist, der Dolch kommt als Tatwaffe für die Wunden bei Melanie nicht in Frage.
Dazu auch die Pressemitteilung des Gerichtes:
Anhand der Angaben der Rechtsmediziner zu den vorgefundenen Verletzungen ver-suchte das Gericht, die Geschehnisse im Detail aufzuklären. Die Besonderheiten der Stichverletzungen lassen den Schluss zu, dass die Kinder liegend getroffen wurden. Der Wehrmachtsdolch, welchen der Angeklagte noch als Tatwaffe benannt hatte, scheidet jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit als solche aus. Vielmehr dürfte nach den Fest-stellungen der Rechtsmedizin Küchenmesser benutzt worden sein, welche –gesäubert- in der Besteckschublade der Familie sichergestellt werden konnten. Für Aufsehen sorg-te die Feststellung, dass im Blut und Urin eines der Kinder 0,27 Promille Alkohol fest-gestellt wurde.
Der Dolch ist zweischneidig, die Wunde weist aber einen Dreieckquerschnitt auf, was auf ein Messer mit Schneide und breitem Rücken hindeutet.“ Der blutige Dolch wurde am folgenden Tag theatralisch trapiert auf dem Nachttisch zusammen mit dem Abschiedsbrief des Angeklagten gefunden. In diesem deutet Heiko M. an, dass er zusammen mit den Zwillingen aus dem Leben scheiden wollte, nur die Schnitte, die er sich selber an den Handgelenken beibrachte, durchtrennten zwar die Haut, aber der Gutachter meint: „wir nennen so was Probierschnitte.“ Der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann: „Wie bring ich mich denn perfekt um?“ Nun denn: „Richtig tief schneiden, Sehnen, Muskeln und vor allem die Unterarmschlagader durch schneiden“. Auch weitere Selbstmordversuche gingen fehl. Unbeteiligt und starr blickend hörte Heiko M. zu, wie um ihn herum die Einzelheiten der schrecklichen Tat erörtert wurden. Rechtsanwalt Gunter Held musste Opfer spielen, lag in verschiedenen Posen auf dem Tisch im Gerichtssaal, während Gutachter Uerling mit dem Lineal als „Tatwaffe“ die Stichrichtungen andeutete. 16 Zentimeter tief war eine der tödlichen Wunden in der Brust der kleinen Melanie. Sicher sei das Mädchen sofort bewusstlos gewesen, sagt Uerling auf die Frage des Richters. Dann musste unterbrochen werden, dem Angeklagten war schlecht geworden. Am Vormittag waren weitere Zeugen angehört worden. Ein enger Freund der Familie und Fernfahrer von Beruf, Uwe T., 38, war an den Unglückstagen gemeinsam mit der damaligen Ehefrau von Heiko M. und Mutter der Zwillinge auf Fernfahrt nach Berlin, wo sich Bärbel H. inzwischen ist sie vom Angeklagten geschieden, um Arbeit bemühen wollte. Der „nur enge Freund“ war oft bei M. Gast und hatte gelegentlich auch Eifersucht beim Angeklagten erzeugt: „Ohne Grund“, sagen er und Bärbel H. Der Prozess geht heute mit der Anhörung weiterer Zeugen weiter. Theo Stiegler


Über den vierten Verhandlungstag teilt das Gericht unter anderem mit: Am Nachmittag, Donnerstag 3. November, erstattete der Sachverständige Dr. Günther Petermann sein Gutachten. Nach seinen Untersuchungsergebnissen hat sich der Angeklagte durch die Trennung seiner Ehefrau enttäuscht, gekränkt und abgeschoben gefühlt und hieraus eine sog. An-passungsstörung entwickelt. Die Tötung der Zwillinge sei die Reaktion hierauf gewesen und damit als egoistische Tat einzuordnen. Die Einschätzung der Verteidigung, dass der Angeklagte aus altruistischer Motivation, also in Sorge um die Zukunft der Kinder ge-handelt haben könne, teilte der Sachverständige nicht. Die Verhaltensweisen des Ange-klagten seien für einen sog. Mitnahmesuizid gerade nicht typisch gewesen. Der Ange-klagte leide weder an einer Persönlichkeitsstörung, noch sei er aus anderen Gründen nicht in der Lage gewesen, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln. Aufgrund dessen sei von voller Schuldfähigkeit des Angeklagten auszugehen. Verteidiger Rechtsanwalt Held kündigte einen Beweisantrag des Inhalts an, ein zweites Sachverständigengutachten zur Frage der Schuldfähigkeit einzuholen.

Staatsanwalt will lebenslänglich für heimtückischen Mord an Zwillingen

Zwickau/Aue. 9. November 2005 – Mit fester klarer Stimme spricht der Angeklagte sein Schlusswort ins Mikrofon: „Ich schließe mich den Worten meines Verteidigers an.“ Heiko M., dem vorgeworfen wird, im April in Aue seine Zwillinge, Nadine und Melanie, 6, ermordet zu haben, Morgenpost berichtete, findet kein Wort des Bedauerns oder Reue über die grausame Tat an diesem Aprilabend, als er die schlafenden Mädchen im Bett der Eheleute mit je zwei Messerstichen in die Brust tötete. Gestern hatten Staatsanwalt und Verteidigung das Wort. Oberstaatsanwalt Holger Illing wirft den Angeklagten in seinem Plädoyer vor, heimtückisch und hinterlistig die Tat geplant und ausgeführt zu haben. Motiv: Rache an seiner Frau. Diese war im April aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen, sie hatte die Lebensweise ihres arbeitslosen Ehemanns satt. Früh aus dem Bett auf die Couch und den ganzen Tag fernsehen, das wollte sie nicht mehr unterstützen. Illing sieht darin das Hauptmotiv, Wut und Rache an der Ehefrau, der Angeklagte sah sein Leben zerstört. Angeblich wollte er auch selbst aus dem Leben scheiden. Aber die Schnitte, mit denen er sich selbst an den Handgelenken verletzte, bluteten zwar, sie waren aber nicht lebensgefährlich. Auch drei weitere Versuche zum Selbstmord waren eher dilettantisch angelegt und scheiterten im Verlauf des nächsten Tages, bis endlich Verwandte in die Wohnung eindrangen und die grausige Szene vorfanden. Narzistisch nennen die Fachleute Menschen, die in sich selbst verliebt immer die Fehler bei anderen suchen, narzistisch sagt Illing, sei der Angeklagte. Lebenslänglich für heimtückischen Mord beantragt der Staatsanwalt. Verteidiger Gunther Held dagegen spricht von einer Tat im Affekt, sein Mandant sagt immer wieder, er habe an diesem Abend beim Anblick der beiden schlafenden Mädchen gefühlt „wie ein Schalter in seinem Kopf umgelegt wurde“, dann hat er zugestochen. Aus Angst, dass es den Mädchen schlechter gehen könnte, sollten sie bei einer Trennung seiner Frau zugesprochen werden, wollte er sie lieber tot sehen. Acht bis zehn Jahre Freiheitsstrafe für Totschlag hält der Verteidiger für die Tat seines Mandanten angemessen. Das Urteil wird am kommenden Montag erwartet. Theo Stiegler

Auer Zwillingsmörder muss lebenslänglich hinter Gitter

ZWICKAU – Wegen Doppelmordes an seinen eigenen Kindern, den Zwillingen Nadine und Melanie, 6, wurde der Auer Heiko Meisel am Montag vom Zwickauer Landgericht zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Der geständige arbeitslose Maurer nahm den Urteilsspruch mit stoischem Gesichtsausdruck auf. Das Zwickauer Schwurgericht, besetzt mit drei Berufsrichtern und zwei Schöffen, folgte mit dem Urteil den Antrag des Zwickauer Oberstaatsanwaltes Holger Illing. Der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann ging in der Urteilsbegründung von einem geplanten und heimtückischen Verbrechen aus. Am 28. April saß der Familienvater abends noch mit den Zwillingen zum Abendbrotessen in seiner Auer Wohnung. Seine Frau war 14 Tage vorher ausgezogen. Außer, dass der Arbeitslose seine Zwillinge gut oder auch nachgiebig behandelte, hatte er nur noch für Fußball und Fernsehen eine Antenne. Eine Zeugin, sagt der Richter, habe es in der Beweisaufnahme auf den Punkt gebracht: „Vom Bett auf die Couch.“ Richter Hartmann ließ die Zeit vor dem Mord noch kurz Revue passieren. Alle Dinge des praktischen Dinge des Lebens hatte der Familienvater im Laufe der Jahre seiner Frau überlassen, Geldsorgen, Einkäufe, Saubermachen, Wohnungsprobleme wurden von Bärbel H. gelöst: Aus diesem Faulenzerleben riss den Pascha der Auszug der aktiven Ehehälfte. Das brachte den „ geistig einfach strukturierten Menschen“, so der Richter, wohl in Schwierigkeiten und Verzweiflung, aber nicht so weit, dass man hätte von einer Affekthandlung ausgehen können. Als Meisel an dem verhängnisvollen Abend seine Zwillinge ins Bett gebracht hatte, tat er doch alles mit Überlegung. Zwei Stunden ließ er sie schlafen, dann ging er mit dem Mordwerkzeug in die Kammer und tötete die beiden arglos und vertrauensvoll schlafenden Mädchen mit kräftigen und gezielten Stichen: Heimtückisch und mit der Absicht, „seiner Frau einen Denkzettel zu verpassen“, schließt das Gericht. Seinen folgenden Selbstmordversuch verneint das Gericht zwar nicht gänzlich, aber da hat wohl doch die eigene Feigheit vor der Entschlossenheit kapituliert. Pulsadern aufschneiden, mit dem Föhn baden gehen, alles war ziemlich dilettantisch. Hartmann: „Wir gehen davon aus, dass der Angeklagte nun doch seine Tat bereut und bis zum Tode mit dem furchtbaren Bewusstsein, seine eigenen Kinder getötet zu haben, leben muss.“ Eine besondere Schwere der Schuld, wie von der Nebenklage gefordert, wollte das Gericht aus diesem Grund nicht sehen. Nach 15 Jahren kann der Mörder seiner Kinder Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen. Innerhalb einer Woche ist gegen das Urteil Revision möglich. Theo Stiegler
Rechtsanwalt Gunter Held hat für seinen Mandanten Revision gegen das Urteil eingelegt.
Kursive Schrift originale Pressemitteilungen des Gerichtes im Zitat.

Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 22. September 2005



Mordprozess beginnt:
Prozessauftakt im Auer Zwillingsfall am 26. Oktober 2005


Am Mittwoch, den 26.10.2005 um 9.00 Uhr im Schwurgerichtssaal 243 beginnt vor dem Schwurgericht des Landgerichts Zwickau das Strafverfahren gegen Heiko Meisel., den Vater der am 28. April 2005 in Aue getöteten Zwillinge.

Die Staatsanwaltschaft Zwickau legt dem 38jährigen gelernten Maurer Mord in zwei tateinheitlichen Fällen zur Last. Heiko M. soll die Zwillinge Nadine und Melanie heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet haben. Laut Anklageschrift hat er den 6jährigen Kindern in der Nacht zum 29.04.2005 im Schlaf jeweils zwei Messerstiche in die Brust versetzt, an denen die Zwillinge verbluteten.
Nachdem sich seine Frau ca. zwei Wochen vor der Tat von ihm getrennt habe, habe er sich aus Verzweifelung zu dieser Tat entschlossen, um sie für ihr Verhalten zu strafen und zu verhindern, dass die Kinder seiner Frau zugesprochen werden könnten.

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann hat zunächst folgende 5 Verhandlungstermine, jeweils 9.00 Uhr im Sitzungssaal 243, anberaumt:
Mittwoch, 26.10.2005
Donnerstag, 27.10.2005
Mittwoch, 02.11.2005
Donnerstag, 3.11.2005
Mittwoch, 09.11.2005

Der Angeklagte, welcher sich von Rechtsanwalt Gunter Held, Zwickau, verteidigen lässt, befindet sich seit dem 30.04.2005 in Untersuchungshaft. Ihm droht im Falle der Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Mutter der Kinder tritt - vertreten durch Rechtsanwältin Anja Ullmann, Lößnitz - als Nebenklägerin im Prozess auf.

Weitere Informationen werden derzeit nicht erteilt; es wird um Verständnis gebeten, dass auch keine Presseanklageschriften verteilt werden können.

Wie bereits in den vorangegangenen medienwirksamen Strafverfahren ist beabsichtigt, im Sitzungssaal 243 für die Pressevertreter ca. 30 Sitzplätze zu reservieren. Reichen diese Plätze nicht aus, müssten Akkreditierungen oder andere kanalisierende Maßnahmen erfolgen.





Um die Presseresonanz in diesem Verfahren richtig einschätzen zu können, bitten wir Sie bis zum 4. Oktober 2005 um Mitteilung per e-mail an presseverteiler@lgz.justiz.sachsen.de unter dem Stichwort „Zwillinge“,
- wer als Zuhörer einen Presseplatz im Sitzungssaal wünscht,
- wer als Fotograph im Sitzungssaal Aufnahmen machen möchte,
- welches Kamerateam zu filmen beabsichtigt.

Nach Fristablauf werden wie Sie unaufgefordert auf gleichem Wege informieren.






Pressestelle des Landgerichts Zwickau

Vorsitzende Richterin am Landgericht Birgit Borris

Tel.: 0375 / 5092 – 409 / 309 Fax.: 0375 / 29 16 85

borris@lgz.justiz.sachsen.de



Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 19. Oktober 2005


Auer Zwillingsfall (2):
Organisatorische Hinweise für Medienvertreter

Wie berichtet, beginnt am kommenden Mittwoch, den 26.10.2005 ab 9.00 Uhr im Landgericht Zwickau, Platz der Deutschen Einheit 1, 08058 Zwickau, die Hauptverhandlung im Mordprozess gegen Heiko M., welcher am 28. April 2005 in Aue seine beiden Kinder, die 6jährigen Zwillinge Melanie und Nadine getötet haben soll.

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann hat zunächst folgende Verhandlungstermine, jeweils 9.00 Uhr im Schwurgerichtssaal (Saal 243), anberaumt:
Mittwoch, 26.10.2005
Donnerstag, 27.10.2005
Mittwoch, 02.11.2005
Donnerstag, 03.11.2005
Mittwoch, 09.11.2005

I.

Für Ihre Rückmeldungen auf unsere Anfrage vom 22. September 2005 danken wir herzlich.
Für alle Pressevertreter, die sich hierauf als Zuhörer angemeldet haben, haben wir im Saal 243 auf der vom Eingang gesehen rechten Tribünenseite einen Sitzplatz reserviert.
Nach Passieren der Eingangskontrolle melden Sie sich bitte unter Vorlage Ihres Presseausweises beim diensthabenden Wachtmeister. Dieser weist Ihnen einen Sitzplatz zu, welcher Ihnen für die gesamte Prozessdauer zur Verfügung steht.
Es sind noch einige Restplätze vorhanden. Diese werden nun in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben werden.

Nur angemeldeten Fotographen und Kamerateams wird der Zugang in den Sitzungssaal 243 gewährt. Unter Beachtung der Absperrungen dürfen bis zum Aufruf der Sache durch den Vorsitzenden Aufnahmen im Saal gemacht werden. Danach müssen Fotographen und Kamerateams den Sitzungssaal mit der gesamten Ausrüstung durch den Haupteingang verlassen. Die Leiterin der Gerichtswachtmeisterei hat darum gebeten, dass die Gesichter der Gerichtswachtmeister auf allen Film- und Fotoaufnahmen anonymisiert werden.
Im Übrigen ist das Fotografieren und Filmen im Gerichtsgebäude an allen Sitzungstagen ausschließlich im Bereich des Haupteingangs, des Treppenaufgangs zum 1. Obergeschoss sowie im Foyer im 1. Obergeschoss gestattet. Über Ausnahmegenehmigungen entscheidet die Pressesprecherin. Bei Bedarf kann für Anmoderationen und Interviews ein Büro zur Verfügung gestellt werden.

Nachmeldungen sind noch per e-mail an presseverteiler@lgz.justiz.sachsen.de unter dem Stichwort „Zwillinge“ möglich. Bitte geben Sie dabei an, ob Sie als Zuhörer, Fotograph oder Kamerateam den Prozess begleiten möchten.


II.


Der Vorsitzende, Vizepräsident Klaus Hartmann, hat im Rahmen der ihm obliegenden sitzungspolizeilichen Befugnisse - im Interesse eines geordneten und sicheren Ablauf des Verfahrens - in einer sitzungspolizeilichen Verfügung u. a. folgende Sicherheitsanordnungen und Auflagen für alle Sitzungstage getroffen:
1.
Der Zugang zum Sitzungssaal für Zuhörer und Journalisten findet ausschließlich über den Haupteingang im Foyer des 1. Obergeschosses statt (....) 2.
Jeder Zuhörer und Pressevertreter kann den Sitzungssaal nur betreten, wenn er zuvor innerhalb der Durchgangsstelle / Sonde kontrolliert worden ist (...). 3.
In den Gängen (...) sind Durchgangssperren zu errichten. 4.
Es ist untersagt, Waffen, gefährliche Werkzeuge, Wurfgegenstände und andere Gegenstände in den Sitzungssaal einzubringen, die zur Störung der Hauptverhandlung geeignet sind, z. B. Fotohandys (....). 5.
Zuhörer und Pressevertreter sind an der Einlasskontrollstelle auf solche Gegenstände zu durchsuchen, (...) die Taschen müssen ausgeleert und die Inhalte vorgezeigt werden. 6.
Werden solche Gegenstände vorgefunden, so sind diese (...) bei den Gerichtswachtmeistern zu hinterlegen. 7.
Wer die Durchsuchung und /oder die Hinterlegung ablehnt, wird nicht eingelassen. 8.
Die Kontrollstelle ist bis zum Ende der Hauptverhandlung aufrechtzuerhalten. Die Personen, die den Sitzungssaal während der Hauptverhandlung oder in den Sitzungspausen verlassen, sind erneut zu durchsuchen und zu kontrollieren. 9.
Die für die Pressevertreter reservierten Sitzplätze sind bis 10 Minuten vor dem jeweiligen Sitzungsbeginn freizuhalten. Danach können sie an Pressevertreter ohne reservierten Sitzplatz und / oder Zuhörer vergeben werden.

Um die hiermit verbundenen Unannehmlichkeiten so gering wie möglich zu halten, bitten wir Sie in Ihrem eigenen Interesse bei Ihrer Anreise die Einlasskontrolle und die damit verbundene Wartezeit einzuplanen und Ihren Presseausweis sowie einen Personalausweis oder Reisepass griffbereit zu haben. Bitte führen Sie nach Möglichkeit kein Gepäck, keine metallischen Gegenstände und nur die wichtigsten Arbeitsutensilien mit.

Für Pressevertreter stehen Schließfächer im Erdgeschoss bereit. Unter Vorlage Ihres Presseausweises erhalten Sie an der Pforte (im Eingangsbereich des Landgerichts, links) einen Schlüssel für ein solches Schließfach, welches Sie für die Dauer des Prozesses nutzen können. Bitte schließen Sie dort Ihr Fotohandy sowie technisches Gerät, Feuerzeuge, Werkzeuge, Lebensmittel etc. ein, bevor Sie sich zur Einlasskontrolle begeben.






III.

Im Dachgeschoss wird das Zimmer 407 (Lesesaal der Bibliothek), in dem sich einige Steckdosen, jedoch kein Internetzugang befindet, als Pressearbeitsplatz zur Verfügung gestellt. Hier dürfen Laptops und Handys eingebracht und genutzt werden. Für Kabel und Verteilerdosen sorgen Sie bitte selbst.

Für Übertragungswagen stehen vor dem Gerichtsgebäude einige wenige Parkplätze zur Verfügung. Sollten Sie einen Stellplatz benötigen, melden Sie sich bitte bis Dienstag per e-mail an presseverteiler@lgz.justiz.sachsen.de unter dem Stichwort „Zwillinge“ an.
Alle übrigen Medienvertreter müssen auf die (kostenpflichtigen) Parkplätze in der direkten Umgebung des Gerichts (Tiefgarage Kornmarkt, Parkstreifen an der Amtsgerichtsstraße und dem Dr. Friedrichs-Ring sowie die übrigen Parkhäuser in der Innenstadt) verwiesen werden.




Pressestelle des Landgerichts Zwickau

Vorsitzende Richterin am Landgericht Birgit Borris

Tel.: 0375 / 5092 – 409 / 309 Fax.: 0375 / 29 16 85

borris@lgz.justiz.sachsen.de




Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 25. Oktober 2005


Auer Zwillingsfall (3):
Weitere Hinweise für Medienvertreter

Morgen, also am Mittwoch, den 26.10.2005, ab 9.00 Uhr beginnt im Landgericht Zwickau, Schwurgerichtssaal 243, die Hauptverhandlung im Mordprozess gegen Heiko M..


I.

Alle Pressevertreter, die sich in der Zwischenzeit hier haben registrieren lassen, werden Gelegenheit erhalten, zum Prozessauftakt im Saal 243 Foto- oder Filmaufnahmen zu machen oder aber die Strafverhandlung als Zuhörer zu verfolgen.
Bitte beachten Sie die organisatorischen Hinweise für Pressevertreter in der Medieninformation vom 19.10.2005 (www.justiz.sachsen.de/gerichte/homepages/lgz/).
Wegen der durchzuführenden Sicherheitskontrollen bitten wir nochmals um rechtzeitige Anreise.

Weitere Fotographen und Kamerateams können aus Kapazitätsgründen nicht mehr für Aufnahmen im Saal zugelassen werden. Auch alle für Journalisten als Zuhörer reservierte Plätze im Saal sind inzwischen vergeben. Pressevertreter, welche sich bislang nicht angemeldet haben, müssen deshalb ggf. auf die allgemein für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehenden Plätze verwiesen werden.


II.

Das Schwurgericht wird mit dem Vizepräsidenten des Landgerichts Zwickau Klaus Hartmann (48) als Vorsitzenden, den beisitzenden Richtern, Richterin am Amtsgericht Ingrid Hoffmann (44) und Richter am Landgericht Peter Liesenfeld (37), sowie zwei Schöffen besetzt sein.
Für die Staatsanwaltschaft Zwickau wird Oberstaatsanwalt Holger Illing die Anklage vertreten.
Der Angeklagte, welcher sich seit dem 30.04.2005 in Untersuchungshaft befindet, lässt sich von Rechtsanwalt Gunter Held, Zwickau, verteidigen.
Die Mutter der getöteten Kinder, die geschiedene Ehefrau des Angeklagten, tritt - vertreten durch Rechtsanwältin Anja Ullmann, Lößnitz - als Nebenklägerin im Prozess auf.








III.

Zum Prozessauftakt wird - wie üblich- zunächst der Angeklagte zu seinen persönlichen Verhältnissen befragt werden. Nach Verlesung der Anklageschrift wird der Angeklagte Gelegenheit erhalten, zum Anklagevorwurf Stellung zu nehmen.
Das Gericht beabsichtigt, bereits am morgigen Nachmittag mit der Beweisaufnahme zu beginnen. Für den Nachmittag zwischen 14.00 Uhr und 16.00 Uhr sind vier Zeugen geladen.


IV.


Die Staatsanwaltschaft Zwickau legt dem 38jährigen gelernten Maurer Mord in zwei tateinheitlichen Fällen zur Last. Heiko M. soll die Zwillinge Nadine und Melanie heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet haben.
Er soll seinen schlafenden Kindern in der Nacht vom 28.04. auf den 29.04.2005 in seiner Wohnung in Aue jeweils zwei Messerstiche in die Brust versetzt haben, an denen die 6jährige Zwillinge verbluteten. Motiv für die Tat dürften familiäre Streitigkeiten gewesen sein. Die Mutter der Kinder war ca. zwei Wochen vor der Tat aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Laut Anklage hat sich der Angeklagte zu der Tat entschlossen, um seine Frau hierfür zu strafen und zu verhindern, dass die Kinder ihr zugesprochen werden.
Sollten sich die Tatvorwürfe bestätigen, droht dem Angeklagten ein lebenslange Haftstrafe.




Pressestelle des Landgerichts Zwickau

Vorsitzende Richterin am Landgericht Birgit Borris

Tel.: 0375 / 5092 – 409 / 309 Fax.: 0375 / 29 16 85

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Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 26. Oktober 2005


Auer Zwillingsfall (4):
Prozessauftakt


Heute, Mittwoch, begann unter großem Medieninteresse der Mordprozess gegen Heiko M., den Vater der getöteten Auer Zwillinge.
Nach der Verlesung der Anklage räumte der Angeklagte unter Tränen ein, seine beiden Töchter erstochen zu haben. Er habe dies aus Wut und Hass gegenüber seiner damaligen Ehefrau getan, welche sich kurz zuvor von ihm getrennt hatte. Auch habe er Angst gehabt, dass er die Kinder trennungsbedingt nicht mehr sehen könne.

Am Nachmittag vernahm das Gericht drei Zeugen. Als erstes schilderte einer der Polizeibeamten, der zum Tatort gerufen wurde, welches Bild sich ihm bei Betreten der Wohnung bot. Des weiteren sagten Notarzt und Rettungssanitäter aus, welche die Wunden versorgten, die sich der Angeklagte selbst zugefügt hatte. Beide gaben übereinstimmend an, dass der Zustand des Angeklagten nicht lebensbedrohlich gewesen sei, er habe jedoch einen apathischen Eindruck gemacht.

Am morgigen zweiten Prozesstag ist als erste Zeugin die Mutter der getöteten Kinder geladen. Sie tritt - vertreten durch Rechtsanwältin Anja Ullmann - als Nebenklägerin im Prozess auf, verzichtete heute jedoch auf eine Teilnahme an der Hauptverhandlung. Danach soll ihr Sohn aus erster Ehe aussagen. Am Nachmittag werden Onkel und Tante sowie die Großmutter der Zwillinge vernommen. Diese sollen gemeinsam in die Wohnung gegangen und dort die toten Kinder und den verletzten Angeklagten entdeckt haben.




Pressestelle des Landgerichts Zwickau

Vorsitzende Richterin am Landgericht Birgit Borris

Tel.: 0375 / 5092 – 409 / 309 Fax.: 0375 / 29 16 85

borris@lgz.justiz.sachsen.de




Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 28. Oktober 2005

Auer Zwillingsfall (5)

Am gestrigen zweiten Prozesstag im Fall der getöteten Zwillinge aus Aue setzte das Schwurgericht des Landgerichts Zwickau die Beweisaufnahme fort.

Als erste Zeugin trat die Mutter der Kinder in den Zeugenstand. Auf Antrag ihrer Rechtsanwältin musste der Angeklagte während ihrer Vernehmung draußen warten, um eine direkte Konfrontation der vormaligen Eheleute zu vermeiden. Zu Blickkontakt kam es so erst, als die Zeugin ihre Aussage beeidete.
In der über zwei Stunden dauernden Vernehmung gab die Zeugin an, es sei anlässlich der Trennung mit ihrem Mann besprochen worden, dass die Zwillinge bei ihm bleiben sollten. Aus diesem Grunde habe sie eine Wohnung besorgt, welche für ihren Mann und die beiden Mädchen groß genug gewesen sei. Man habe noch einige Tage vor der Tat gemeinsam einen Antrag gestellt, wonach das Kindergeld zukünftig auf das Konto des Mannes gezahlt werden sollte. Sie habe jedoch immer darauf bestanden, die Kinder am Wochenende sehen zu dürfen. Dies habe ihr geschiedener Mann ihr aber streitig gemacht.
Anschließend vernahm das Gericht den Stiefsohn des Angeklagten. Er gab an, kein gutes Verhältnis zum Stiefvater gehabt zu haben. Er habe sich gegenüber seinen Schwestern zurückgesetzt gefühlt. Wegen seiner Belange habe es oft familiäre Spannungen gegeben.
Für den Nachmittag waren die drei Familienangehörigen als Zeugen geladen, welche die toten Kinder aufgefunden hatten. Die Halbschwester des Angeklagten berichtete, noch am Tattag zweimal vergeblich an der Wohnung geklingelt zu haben, als sie ihrem Bruder Hilfe anbieten wollte. Beim dritten Besuch habe sie im Treppenhaus die Großmutter angetroffen, welche ebenfalls vergeblich um Einlass gebeten hatte. Mit deren Schlüssel habe dann ihr Mann die Wohnungstür geöffnet. Unter Tränen berichtete die Zeugin, wie sie den an den Armen blutenden Angeklagten im Wohnzimmer und dann ihre Nichten im Schlafzimmer vorfand und deren Tod feststellen musste.
Hingegen machte die Großmutter von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Der nächste Verhandlungstag ist Mittwoch, der 2.11.2005. Hier sind ab 9.00 Uhr vier Zeugen geladen, die aus dem Umfeld des Fanclubs stammen und dem Freundeskreis zugeordnet werden können. Am 13.00 Uhr sollen die beiden Rechtsmediziner ihr Gutachten zu den Obduktionsergebnissen erstatten.


Pressestelle des Landgerichts Zwickau

Vorsitzende Richterin am Landgericht Birgit Borris

Tel.: 0375 / 5092 – 409 / 309 Fax.: 0375 / 29 16 85

borris@lgz.justiz.sachsen.de


Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 2. November 2005


Auer Zwillingsfall (6):

Wehrmachtsdolch war nicht die Tatwaffe


Im Fall der getöteten Zwillinge aus Aue vernahm das Gericht unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann am heutigen dritten Prozesstag vier Zeugen und zwei Rechtsmediziner, welche die Obduktionen der Mädchen und sonstige Untersuchungen durchgeführt hatten.

Anhand der Angaben der Rechtsmediziner zu den vorgefundenen Verletzungen versuchte das Gericht, die Geschehnisse im Detail aufzuklären. Die Besonderheiten der Stichverletzungen lassen den Schluss zu, dass die Kinder liegend getroffen wurden. Der Wehrmachtsdolch, welchen der Angeklagte noch als Tatwaffe benannt hatte, scheidet jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit als solche aus. Vielmehr dürfte nach den Feststellungen der Rechtsmedizin Küchenmesser benutzt worden sein, welche –gesäubert- in der Besteckschublade der Familie sichergestellt werden konnten. Für Aufsehen sorgte die Feststellung, dass im Blut und Urin eines der Kinder 0,27 Promille Alkohol festgestellt wurde.


Morgen, also am Donnerstag, den 3.11.2005 wird ab 9.00 Uhr die Beweisaufnahme fortgesetzt. Hier sind vier Zeugen geladen. Es wird der Nachbar aussagen, welcher Erste Hilfe leistete; die Nachbarin, die wenige Stunde vor der Tat beim Angeklagten einen Wasserschaden gemeldet hatte; die Kindergärtnerin, bei der der Angeklagte seine Zwillinge für den Folgetag abgemeldet hatte; sowie die Vernehmungsbeamtin der Polizei, welche die Großmutter der Kinder vernommen hat. Am Nachmittag soll der Sachverständige Dr. Petermann sein Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten erstatten.




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Medieninformation vom 3. November 2005


Auer Zwillingsfall (7):

Sachverständiger geht von Schuldfähigkeit aus


Am vierten Prozesstag des Auer Zwillingsfalls setzte das Schwurgericht des Landgerichts Zwickau unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann die Beweisaufnahme fort.

In ihren Zeugenaussagen erinnerten zwei Hausbewohner, welchen den Angeklagten am Tattag im Hausflur gesprochen hatten, dass Ihnen hierbei nichts Besonderes aufgefallen sei. Der Angeklagte sei „wie immer“ aufgetreten.
Die Erzieherin der Zwillinge wusste zu berichten, dass die Zwillinge nach Rückkehr aus dem Dänemarkurlaub von der Trennung der Eltern erzählt hatten. Hierauf angesprochen, habe die Mutter dies bestätigt und gesagt, dass die Zwillinge beim Vater bleiben werden. Sie, die Mutter, habe schon zwei Wohnungen, eine für ihren Mann und die Zwillinge, und eine für sich und den großen Sohn besorgt. Der Vater habe die Kinder am Mittwoch vor der Tat für den Folgetag wegen eines Arztbesuches abgemeldet.
Eine weitere Zeugin, die Schwägerin des Angeklagten, machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Ebenso wie die Großmutter der Kinder gestattete sie jedoch, dass ihre vor der Polizei gemachten Angaben im Prozess genutzt werden. Das Gericht machte von der Möglichkeit Gebrauch, diese Vernehmungsprotokolle, ebenso wie diverse weitere Urkunden, im sog. Selbstleseverfahren in den Prozess einzuführen. Schließlich machte auch noch jener Kriminalpolizeibeamte Angaben zu seinen Wahrnehmungen, welcher den Angeklagten selbst vernommen und bei dessen richterlichen Vernehmung anwesend gewesen war. Er führte aus, dass der Angeklagte zur Motivation seines Handelns in erster Linie Wut und Hass auf seine Ehefrau und das Ziel benannt habe, dass seine Ehefrau die Kinder nicht bekommen sollte.

Am Nachmittag erstattete der Sachverständige Dr. Günther Petermann sein Gutachten. Nach seinen Untersuchungsergebnissen hat sich der Angeklagte durch die Trennung seiner Ehefrau enttäuscht, gekränkt und abgeschoben gefühlt und hieraus eine sog. Anpassungsstörung entwickelt. Die Tötung der Zwillinge sei die Reaktion hierauf gewesen und damit als egoistische Tat einzuordnen. Die Einschätzung der Verteidigung, dass der Angeklagte aus altruistischer Motivation, also in Sorge um die Zukunft der Kinder gehandelt haben könne, teilte der Sachverständige nicht. Die Verhaltensweisen des Angeklagten seien für einen sog. Mitnahmesuizid gerade nicht typisch gewesen. Der Angeklagte leide weder an einer Persönlichkeitsstörung, noch sei er aus anderen Gründen nicht in der Lage gewesen, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln. Aufgrund dessen sei von voller Schuldfähigkeit des Angeklagten auszugehen.

Verteidiger Rechtsanwalt Held kündigte einen Beweisantrag des Inhalts an, ein zweites Sachverständigengutachten zur Frage der Schuldfähigkeit einzuholen.


Nächster Verhandlungstag ist Mittwoch, der 9.11.2005 ab 9.00 Uhr im Saal 243. Sollten keine Beweisanträge mehr eingehen bzw. diese abschlägig beschieden werden, könnte am Mittwoch die Beweisaufnahme geschlossen und anschließend plädiert werden.
Ein Urteil würde in diesem Falle entweder noch in den Nachmittagsstunden des Mittwochs oder aber dann am Montag, den 14.11.2005 um 14.00 Uhr gesprochen werden.





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Medieninformation vom 9. November 2005


Auer Zwillingsfall (8):

Plädoyers im Zwillingsmordfall


Am fünften Prozesstag im Auer Zwillingsfall hatte sich das Schwurgericht des Landgerichts Zwickau unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann zunächst mit einem Beweisantrag des Verteidigers zu befassen. Verteidiger Rechtsanwalt Held beantragte die Einholung eines weiteren nervenärztlichen Sachverständigengutachtens. Das Gericht lehnte den Antrag jedoch ab, weil die Frage der Schuldfähigkeit durch den Sachverständigen Dr. Petermann umfassend geprüft und gewürdigt worden sei.

Am Nachmittag hielten die Prozessbeteiligten ihre Schlussvorträge.
Oberstaatsanwalt Holger Illing beantragte, den Angeklagten wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen. Der Angeklagte habe die Kinder gezielt im Schlaf und - aus egoistischen Motiven - zur Bestrafung seiner damaligen Ehefrau getötet.
Rechtsanwältin Anja Ullmann, welche die Mutter der getöteten Kinder als Nebenklägerin vertritt, schloss sich diesem Antrag an und beantragte zusätzlich, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Sie verwies darauf, dass der Angeklagte zwei Mordmerkmale, nämlich „Heimtücke“ und „niedrige Beweggründe“ verwirklicht habe. Die Motivlage sei besonders verachtenswert, da der Angeklagte zwei Kindern das Leben genommen habe, um seine Hass-, Wut- und Rachegefühle auszuleben.
Hingegen plädierte die Verteidigung auf Totschlag und hielt hierfür eine Freiheitsstrafe von 8 bis 10 Jahren für tat- und schuldangemessen. Der Angeklagte habe sich in einer ausweglosen Situation gesehen und spontan und im Affekt die Kinder getötet, um sie vor einer ungewissen Zukunft zu schützen. Aufgrund des Selbstmordversuchs sei von einem sog. Mitnahmesuizid auszugehen. Der Angeklagte schloss sich in seinem Schlusswort den Ausführungen seines Verteidigers an.


Das Urteil soll am Montag, den 14.11.2005 um 14.00 Uhr im Saal 243 gesprochen werden.



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Medieninformation vom 14. November 2005


Auer Zwillingsfall (9):

Lebenslange Haftstrafe für Mörder der Zwillinge


Das Schwurgericht des Landgerichts Zwickau verurteilte heute den 38jährigen Heiko M. wegen Mordes an seinen beiden Töchtern Nadine und Melanie zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens sowie die notwendigen Auslagen der Nebenklage tragen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte die Zwillinge heimtückisch, d. h. unter Ausnutzen der Arg- und Wehrlosigkeit der schlafenden Mädchen erstochen hat.
In seiner Urteilsbegründung führte der Vorsitzende Richter Vizepräsident Klaus Hartmann aus, dass der Angeklagte die Kinder zielgerichtet und planvoll getötet habe. Aufgrund des Tatablaufs sei davon auszugehen, dass der Angeklagte schuldfähig war.

Hingegen entsprach das Gericht nicht dem Antrag der Nebenklägerin auf Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Aber auch ohne diese Feststellung könnte der Angeklagte frühestens nach Verbüßung von 15 Jahren Haft auf Bewährung entlassen werden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


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Der Schwurgerichtssaal des Zwickauer Amtsgerichtes glich einer Festung: Strenge Kontrollen für Zuschauer und Berichterstatter.

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