Mörder der sechs Jahre alten Ayla vom Landgericht Zwickau zu lebenslanger Haft verurteilt


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Mario Lenk hat am ersten Prozesstag, 17. November 2005, den Mord an der kleinen Ayla vorm Zwickauer Landgericht gestanden. Foto: Stiegler .

Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 19. Januar 2006


Fall Ayla (20):

3 x Revision eingelegt




Sowohl die Staatsanwaltschaft Zwickau als auch beide Nebenkläger haben im Fall Ayla gegen das Urteil des Landgerichts Zwickau vom 11.01.2006 Revision eingelegt. Alle drei Schriftsätze gingen fristgerecht innerhalb der am gestrigen Mittwoch ablaufenden Rechtsmittelfrist bei Gericht ein. Hingegen akzeptierte der Angeklagte das Urteil, er legte keine Revision ein.

Die Revisionsführer müssen die Revision noch begründen. In der Revisionsbegründungsschrift muss jeweils dargelegt werden, aus welchen Gründen die Revisionsführer das Gesetz durch das Urteil als verletzt ansehen. Für diese Begründung haben sie einen Monat Zeit. Diese Frist beginnt, sobald ihnen das vollständige Urteil zugestellt wird. Hiermit ist etwa Anfang März zu rechnen.

Nur und erst wenn die Revisionen auch begründet werden, werden die Akten an den Bundesgerichtshof weitergeleitet. Eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs ist darum frühestens im Sommer 2006 möglich.

Das Schwurgericht des Landgerichts Zwickau unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann hatte in der letzten Woche den 37jährigen Mario L. wegen Mordes an der 6jährigen Ayla in Tateinheit mit Entziehung Minderjähriger, Freiheitsberaubung mit Todesfolge, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Vergewaltigung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt.




Pressestelle des Landgerichts Zwickau

Vorsitzende Richterin am Landgericht Birgit Borris

Tel.: 0375 / 5092 – 409 / 309 Fax.: 0375 / 29 16 85

borris@lgz.justiz.sachsen.de




Prozess gegen 37-jährigen Fliesenleger in Zwickau

Aylamörder muss lebenslang hinter Gitter

Zwickau, am 11. Januar 2006 – Lebenslang hinter Gitter muss der Mörder Mario Lenk, 37, der im Mai vorigen Jahres die sechsjährige Ayla aus Zwickau entführte, vergewaltigte und grausam umbrachte. Das Gericht erkannte gestern auf besondere Schwere der Schuld, was heißt, frühestens in 18 Jahren kann Mario Lenk einen Antrag auf vorzeitige Entlassung aus der Haft stellen.

Mit stoischen und unbeteiligten Blick hörte der Mörder der kleinen Ayla sein Urteil.
Für die Anordnung einer anschließenden Sicherungsverwahrung sah das Gericht dagegen keine juristische Grundlage. „Obwohl wir uns wünschten wir könnten ihn für immer hinter Gitter schicken, müssen wir uns an geltende Gesetze halten“, begründet der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann das Urteil. An dieser Stelle brach Tumult im Zuschauersaal aus. Die Großmutter von Ayla musste mit Weinkrämpfen aus dem Saal gebracht werden.
Schon Stunden vor der Urteilsverkündung hatten sich hunderte Besucher vor dem Gericht angestellt, um einen der 60 Plätze im Schwurgerichtssaal zu ergattern. Richter Hartmann begann: „Am 17. Mai vergangenen Jahres wurde der Albtraum aller Eltern wahr. Die Schülerin Ayla wurde auf dem Weg zur Schule entführt, vergewaltigt und anschließend grausam ermordet“. Für die drei Berufsrichter und die zwei Schöffen des Zwickauer Schwurgerichtes, vor dem der Mord seit dem 17. November vergangenen Jahres verhandelt wurde, ist klar: „Mario Lenk ist nicht nur ein Mörder, sondern er ist auch ein notorischer Lügner“. Zwar seien durch die Polizei und die Gerichtsmedizin weitgehend der Tatablauf aufgeklärt, zu Hintergründen und Motiven habe sich der Angeklagte hinter planvoll „gespieltem“ Vergessen versteckt. Nach der Tat verstreute er kaltblütig Kleidung und Schulsachen von Ayla über den Landkreis, besuchte seine alte Arbeitsstelle, ging schließlich seinen Nachbarn bei Gartenarbeiten zur Hand.
Der wegen Mord und sexuellem Missbruch vorbestrafte Lenk muss sich über die Konsequenzen seines Handelns voll bewusst gewesen sein. „Damit war die gesamte Tat mit Entführung, Vergewaltigung und Mord von Anfang an geplant. Das Kind kannte seinen Mörder, er konnte sie nicht laufen lassen. Ayla hatte nie eine wirkliche Chance“, sagt Hartmann. Aber auch ohne Sicherungsverwahrung sei gewiss, so Hartmann, „er kommt nie wieder frei, wenn er noch als gefährlich eingestuft werden muss“. Der Gutachter Günther Petermann hatte aufgezeigt: „Lenk stellt ein erhebliches Gefährdungspotenzial dar. So lange er seine Taten nicht ehrlich aufarbeitet, wird er das auch nicht überwinden“. Davon sei Lenk noch weit entfernt, weiß der Richter.
Oberstaatsanwalt Holger Illing sagt: „Ich brauche Zeit.“ Illing hatte Gründe für eine Sicherungsverwahrung gesehen. Theo Stiegler

Mordprozess gegen den Mörder der kleinen Ayla


Staatsanwalt fordert lebenslänglich mit anschließender Sicherheitsverwahrung

Zwickau, 6. Januar 2006 – „Die Tat ist so furchtbar und grauenvoll, dass man gar nicht dran glauben kann“, beginnt Holger Illing sein Plädoyer im Mordprozess gegen Mario Lenk, dem man vorwirft, die kleine Ayla Sen, 6, am 17. Mai vergangenen Jahres entführt, vergewaltigt und dann bestialisch ermordet zu haben. Natürlich sei man der Ansicht, das kann kein normaler Mensch getan haben, sagt der Staatsanwalt, aber das heißt nicht, dass der Angeklagte nicht für seine Taten büßen müsse. Kindesentführung, schwerer sexueller Missbrauch von Jugendlichen und Mord seien ja nicht umsonst verboten, fügt der Anklagevertreter beinahe sarkastisch hinzu. Sein Antrag: Lebenslänglich mit anschließender Sicherheitsverwahrung folgt aus dem Ablauf des Tattages: Planmäßig habe der Angeklagte zur Zeit, wo Ayla in die Schule gehen musste, in der Hofeinfahrt geparkt, hat das Mädchen geschnappt, in den Kofferraum gesteckt und ist in den Wald gefahren. Dort hat er das Mädchen erst aus dem Kofferraum befreit und auf den Vordersitz seines Fiat Tempra verfrachtet, hat sie dazu gebracht, sich auszuziehen, sie gestreichelt, und als sie nicht mehr wollte, versuchte wegzulaufen, da hat er sie vergewaltigt, erdrosselt und hat sie mit einem Kombiwerkzeug malträtiert. Wahrscheinlich hat er sie vor ihrem Tod vergewaltigt und mit dem Messer die Vagina verletzt. Das schließen vor allem die Gerichtsgutachter, die die Leiche obduzierten, nicht aus. Da sei nichts, sagt Illing, wo der Angeklagte „nicht die Kontrolle hatte“. Er konnte jederzeit sein Tun korrigieren. „Das Mädchen musste unsäglich leiden!“ Heimtückisch habe der Angeklagte die wehr- und arglose Ayla entführt, missbraucht und auf besonders grausame Weise umgebracht. „Wir haben hier im Gerichtssaal über jede Tafel Schokolade, die der Angeklagte heißhungrig in sich hineingestopft hat, diskutiert und manchmal hatte man den Eindruck, als wollten Mutter und Lebensgefährtin ein Heldenepos über den ach so vorbildlichen Angeklagten malen – wer hat in diesen Augenblicken an die kleine Ayla gedacht“, fragt der Oberstaatsanwalt Holger Illing.

Oberstaatsanwalt Holger Illing: "Ayla musste vor ihrem Tod unsäglich leiden."
Tragisch: Die Frist für das Heranziehen als Vorstrafe der letzten Straftat von Mario Lenk: Das war „Sexueller Missbrauch“ von Nichte und Neffe 1997 ist nach bundesrepublikanischer Rechtslage genau 32 Tage vor der neuen Tat am 17. Mai 2005 abgelaufen. Der Mord an einer 78 Jahre alten Frau von 1985 sowieso. Das will der Staatsanwalt und auch die Öffentlichkeit so nicht hinnehmen. Auf den Reihen der Zuschauerbänke im Schwurgerichtssaal des Zwickauer Landgerichts brachten zahlreiche Besucher durch Plakate zum Ausdruck: „Sperrt ihn für immer weg.“ Die Transparente wurden von den Justizwachtmeistern der Ordnung halber vor Beginn der Verhandlung eingesammelt. Auch der Gerichtsgutachter Günther Petermann, der über den psychischen Zustand des Angeklagten zu befinden hatte, war zu dem Schluss gekommen: „Volle Schuldfähigkeit“.
Zwei Tage der Beweisaufnahme widmete das Gericht der Anhörung der Psychaterin Monika Hagen, die von der Verteidigung mit einem Gegengutachten beauftragt war.
Das Fazit von Hagen: Lenk war nicht Herr seiner Sinne, er schlüpfte in eine zweite Identität, von der er nichts weiß, für die er nicht verantwortlich gemacht werden kann. Deshalb gehöre Lenk in die Klapse und nicht in den Knast. Da die Gutachterin die ganze Zeit als Beraterin der Verteidigung im Gerichtssaal saß, fand das Gericht, "dass sie nicht neutral urteilen kann", das Gutachten wurde verworfen.
Auch der Verteidiger Dirk Simon beantragte „Lebenslänglich“, spricht sich aber gegen ein anschließende Sicherungsverwahrung, für die er keine juristischen Gründe sieht, aus. Das Urteil soll kommenden Mittwoch verkündet werden. Theo Stiegler

Gutachterin: Zweifel an der Schuldfähigkeit

ZWICKAU, 12. Dezember 2005 – Auch am gestrigen Verhandlungstag vor dem Zwickauer Landgericht gegen den Mörder der kleinen Ayla, Mario Lenk, stand die Frage nach der Schuldfähigkeit des Angeklagten im Mittelpunkt der Verhandlung. Nachdem in der vergangenen Woche der Gutachter Dr. Günther Petermann zu dem Schluss kam, dass Mario Lenk voll verantwortlich für seine grauenhafte Tat ist, wurde am Montag Vormittag die Gutachterin Monika Hagen, Fachärztin für Psychologie und Psychiatrie auf Antrag der Verteidigung gehört.
Die Nervenärztin Monika Hagen hat den Angeklagten untersucht, in der bisherigen Verhandlung insbesondere die Zeugen gehört und will festgestellt haben: „Der Angeklagte weiß über bestimmte Zeiträume am Tattag und während der Tat nicht bescheid, also hat darüber auch keine Kontrolle gehabt.“ Daraus aber schließt sie: „Die Einsichtsfähigkeit in seine Handlungen war aufgehoben. Punkt!“ Damit könnte Mario Lenk im Sinne des Strafrechts nicht für den Mord und die Vergewaltigung verantwortlich gemacht werden und wäre fortan ein Fall für die Nervenheilanstalt. Der Gedanke an diese Möglichkeit ließ den Vater von Ayla, die Nerven verlieren und aus dem Saal stürzen. Für die Frage der multiplen Persönlichkeit oder der Schizophrenie und der Situation, wo die eine Person in die andere umschaltet, sieht die Gutachterin als möglichen Auslöser den Schrei des Opfers. Sie will weitere Situationen im Leben von Mario Lenk ausgemacht haben, wo er mit einem „Switch“, den englischen Wort für Schalter, ins zweite Ich gerutscht sein könnte. Gutachter Petermann sieht wohl im theoretischen Ansatz seiner Kollegin keinen Fehler, aber für den konkreten Fall des Aylamörders gibt es seiner Meinung nach genügend handfeste Fakten, so dass dieser sehr wohl die Kontrolle über seine Tat und deren grausame Details hatte und für diese auch voll verantwortlich gemacht werden muss. Der Prozess wird im Januar fortgesetzt. Oberstaatsanwalt Holger Illing schlägt vor, einen weiteren Gutachter hinzuzuziehen. Theo Stiegler

Gutachter: Mörder der kleinen Ayla ist voll schuldfähig

ZWICKAU, 9. Dezember2005 – Die Frage, ob der Mörder der sechsjährigen Ayla schuldfähig ist, wird vom Gutachter Dr. Günther Petermann, 64, eindeutig mit Ja beantwortet. Gestern, am vierten Verhandlungstag gegen Mario Lenk, der sich vorm Zwickauer Landgericht wegen Kindesentführung, sexuellen Missbrauch Minderjähriger und heimtückischen Mord verantworten muss, kam der Gutachter über den Geisteszustand des Angeklagten zu Wort.

Dr. Günther Petermann, Facharzt für Pschychiatrie und Pschychologie hat den Angeklagten schon am Entführungstag, am 17. Mai 2005, kennen gelernt. Der Oberstaatsanwalt Holger Illing hatte sich vom Nervendoktor Hilfe gegen den „verstockten“ Lenk erwartet, der schwieg eisern. Da hofften zu dieser Zeit alle, das Mädchen lebt noch: „Eher nicht“, war das einzige dazu, was Petermann an diesem Tag aus Lenk herausholen konnte. Später hat der Mediziner jegliche Methode zur Untersuchung des Mörders angewandt. Eine Computertomographie weist keine Auffälligkeiten nach, kein Tumor drückt aufs Gehirn, Persönlichkeitstests zeigen ein stinknormales Leben, mit 17 hatte er ersten Sex mit einer Mitschülerin, dann allerdings ermordete der Schüler eine 78 Jahre alte Frau auf freier Flur. Niemals konnte jemand erfahren, warum. Noch heute antwortet Lenk auf alle Fragen dazu: „Ich weiß nicht.“ Sonst ist er fleißig und anstellig beim Arbeiten. Selbst ein Intelligenztest nach amerikanischer Methode zeigte einen Intelligenzquotient, IQ, von 104, was für einen guten Schnitt gehalten werden kann. Der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann fragt gründlich nach, „ob denn nicht doch im Affekt das Bewusstsein des Angeklagten hätte so weit ausgeschaltet sein können, dass er nach Gesetzeslage für seine Handlungen nicht mehr verantwortlich gemacht werden kann?“ „Nein!“, sagt der Gutachter. „Er hat die Tat geplant, er kann sich an vieles erinnern, das Wimmern des Kindes im Kofferraum, die Handlungen im Dänkeritzer Forst, dort ist ihm schlecht geworden, das weiß er noch, er hat sich geduscht, die Sachen von Ayla im Landkreis versteckt. Da ist nichts von einer Bewusstseinsstörung, die ihm helfen könnte, seiner Schuld zu entgehen. Nur, Mario Lenk hat eine Fähigkeit, Unangenehmes zu verdrängen, Konflikten aus dem Weg zu gehen. „Er macht einfach zu“. Das stamme wohl noch aus der Kindheit, wo die Kinder zu kuschen hatten, wenn der Vater seine Ruhe haben wollte.

Am Vormittag sagte der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Zwickau aus. Er schilderte, wie es ihm durch sensible Gesprächsführung gelang, dass der Angeklagte die Ermittler zum Versteck der Leiche führte. Des weiteren vernahm das Gericht drei Polizeibeamte mit dem Ziel zu klären, welche Vorhaltungen dem Angeklagten anlässlich der ersten Vernehmungen gemacht wurden.

Mutter des Täters: Mario war lieber kleiner Junge

Zwickau – Der dritte Verhandlungstag gegen den Mörder der kleinen Ayla vorm Landgericht in Zwickau begann mit dem Verlesen der DNA-Gutachten. Die Spuren an der Leiche des Mädchens, an den Genitalien von Mario Lenk, die am Abend des Mordtages gesichert wurden und am Slip, den er in der Umkleidekabine bei seinem ehemaligen Arbeitgeber in Gößnitz versteckt hatte, ergaben eindeutig, dass seine Spermaflüssigkeit und Blut von dem Mädchen an allen untersuchten Spurenträgern vorhanden waren. Damit dürfte der sexuelle Missbrauch des Mädchens nachgewiesen sein. Trotz dass sich der Täter beim Arbeitgeber geduscht hatte, konnte auch am Täter noch genügend Spurenmaterial gesichert werden.
Am Nachmittag wurde die Mutter des Täters, Ilona L., 60, in den Zeugenstand gerufen. Die Mutter von drei Jungen verteidigt ihren Jüngsten trotz der verheerenden Vortaten und der Beweislage im Mordprozess als unauffälligen und „lieben Jungen“, der eine normale Kindheit durchlebte. Während sie allerdings im Polizeiprotokoll vom Mai noch erklärte: „Mario war kein Einzelgänger, er ging immer mit Freunden aus“, sagte sie gestern vorm Gericht: „Er war fast immer zu Hause, Freunde hatte er keine.“ Am liebsten bastelte er. Richter Hartmann wollte wissen, was für Vorlieben Mario L. so habe: „Er hat seine Arbeit geliebt, war immer pünktlich und fleißig.“ Das Glück schien vollendet, als Mario L. 2003 seine Lebensgefährtin Kathrin B. kennen lernte. „Er hat sie mir als seine Verlobte vorgestellt“, sagt die Mutter über die erste Begegnung mit der Schwiegertochter. Allerdings: „Mario übernachtete häufig zu Hause.“ Manchmal habe er eine Auszeit gebraucht, der erste Sohn seiner Lebensgefährtin wäre hyperaktiv und Mario L. deshalb oft gestresst gewesen. Manchmal schauten Mutter und Sohn gemeinsam Videos, am liebsten Märchenfilme wie „Schneewittchen“. Richter Hartmann ist skeptisch: „Nun es gibt viele Verfilmungen?“ „Nicht was Sie denken“, sagt die Mutter, irgendwelche Nackedeifilme habe es nie bei ihnen gegeben, versichert die frühere Textilarbeiterin. Der dritte Verhandlungstag endet mit einer Überraschung: Richter Hartmann teilt Prozessformalien mit: Durch die zeitlichen Abstände der Taten, Mord an einer Rentnerin 1985, sexueller Missbrauch seiner Nichten und Neffen 1997 und dem Mord an Ayla im Mai 2005 sei nach geltendem Recht eine Verurteilung als Serientäter, und damit verbunden eine anschließende Sicherheitsverwahrung, ausgeschlossen. Das führte zu einem seelischen Zusammenbruch der Mutter von Ayla, die bis zu diesem Zeitpunkt standhaft, fast trotzig der Verhandlung folgte. Sandy S. musste weinend vorm Saal betreut werden. Theo Stiegler

Fortsetzung des Prozesses gegen den Mörder und Kinderschänder Mario L. am Landgericht Zwickau


Mutter beschreibt den letzten Weg ihrer Tochter Ayla

Zwickau, am 5. Dezember 2005. Im Mordprozess gegen Mario Lenk, der sich wegen der Tötung der 6jährigen Ayla verantworten muss, setzte das Zwickauer Schwurgericht unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann heute die Beweisaufnahme fort. Als erste Zeugin wurde die Mutter der Lebensgefährtin des Angeklagten gehört. Sie beschrieb die Beziehung des Angeklagten zu ihrer Tochter und den Enkelkindern als „ganz normal“. Sie seien liebevoll miteinander umgegangen. Es habe auch mal Ärger, beispielsweise um Geld und die Kindererziehung gegeben. Mario Lenk habe in solchen Situationen aber nicht laut gestritten, sondern habe „dicht gemacht“ und einfach nicht mehr reagiert. "Die beiden saßen dann in getrennten Zimmern und es herrschte Funkstille". Aber irgendwie sei dann von einen der beiden Lebenspartner immer wieder der Bann gebrochen worden, und "dann konnten sie wieder miteinander". Irgendwie sei schon mal die Rede von Trennung gewesen, aber sie habe dies nicht ernst genommen, sagte die Mutter der Lebensgefährtin des Mörders.
Mehrfach kam die Rede auf die Eigenschaft des Täters, sich völlig in sich zurückzuziehen. Entweder als Reaktion in Stressitiuationen, sei er völlig abgetaucht. Völlig still in sich gekehrt sei er so nicht ansprechbar gewesen. Besonders der kleine Sohn seiner Lebensgefährtin habe dies nicht verstehen können, war doch Lenk sonst ein liebevoller und aufmerksamer Vater.
Im Anschluss berichtete die Mutter des getöteten Kindes, wie sie Ayla am Morgen ihres Verschwindens für die Schule fertig gemacht und den ersten Teil des Schulwegs noch vom Fenster aus beobachtet hatte. Ihrer Darstellung nach ging Ayla 7.54 Uhr aus dem Haus. Sie sah sie noch um die Ecke biegen. Dann kümmerte sie sich um ihre sieben Monate alte kleinere Tochter. Seit deren Geburt im Oktober 2004 ging die Erstklässlerin Ayla allein den Weg zur fünf Minuten entfernten Schule. Darüber sei auch mit den bekannten Paar gesprochen worden, oder besser sie habe sich mit ihrer Freundin darüber unterhalten und deren Lebensgefährte habe dabei zugehört. Etwa 40 Minuten später habe sie festgestellt, dass das Kind die Turnschuhe für den Sportunterricht liegen gelassen hatte. Als sie diese in die Schule bringen wollte, fand sie einen Schuh ihrer Tochter im Hof und schöpfte erstmalig Verdacht, dass an der Situation etwas nicht stimmen konnte. Außerdem schilderte Frau S. die Begegnungen mit dem Angeklagten, der als Lebensgefährte ihrer Schulfreundin diese bei diversen Besuchen begleitet hatte. "Es war kein richtiger Draht zu ihm herzustellen", es konnte vorkommen, dass wir uns minutenlang schweigend gegenübersaßen. Ayla selbst bezeichnete ihn als „komisch“ und stellte fest, dass es nur gemeinsam mit den dessen Stiefsohn gelegentlich zum Spiel mit Marion Lenk kam, berichtet die Mutter von den Eindrücken der Tochter. Außerdem berichtete sie von Gesprächen mit ihrer Jugendfreundin über intime Details aus dem Geschlechtsleben der Lebenspartner. Am Nachmittag stellte der Gerichtsmediziner Dr. Ralf Placke vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Leipzig das Sektionsgutachten vor. Der Sachverständige, der das getötete Kind obduziert hat, erläuterte, welche Verletzungen er dabei feststellen musste, heißt es in der Pressemitteilung des Gerichtes. Danach hat der Täter das Kind gedrosselt und ihm anschließend zwei tiefe Schnitte im Halsbereich zugefügt, die den Tod durch Verbluten verursachten. Das Kind wurde zudem zu Lebzeiten durch Schnitte und Stichverletzungen im Bereich der Scheide und der Genitalien erheblich verletzt. Außerdem wies die Leiche weitere Schnitt- und Stichverletzungen auf, die postmortal erfolgt sein müssen, unter anderem habe Dr. Placke einen Schnitt von der Bauchhöhle über den Genitalbereich bis über den After hinweg festgestellt. Der Prozess wird Dienstag, 6. Dezember, 9 Uhr. planmäßig fortgesetzt. Am Vormittag werden mit Dr. Thiele und Dr. Peter Dobrowolski zwei weitere Sachverständige des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Leipzig gehört. Sie sollen die Ergebnisse der DNA-Untersuchungen vorstellen. Außerdem werden sie Angaben zu den sichergestellten Spuren an den Kör-pern des Angeklagten und des Kindes machen. Für 13.30 Uhr ist die Mutter des Angeklagten geladen, zu deren Vernehmung es am vorletzten Verhandlungstag aus Zeitgründen nicht mehr kam. Im sogenannten Selbstleseverfahren werden Urkunden und sonstige Schriftstücke in den Prozess eingeführt.

Lebensgefährtin des Mörders hält in Liebe zu ihm

Zwickau, 24. November 2005 – Dicht vermummt wurde Kathrin B., 27, die Lebensgefährtin von Mario Lenk in den Zeugenstand des Zwickauer Landgerichtes geschleust. Sie berichtete über ihr Leben mit dem Mörder der kleinen Ayla, 6. Kathrin B. hat ihren Lebensgefährten seit seiner Inhaftierung regelmäßig besucht und hält offenbar zu ihm.
Mario Lenk, 37, wird vorgeworfen, er habe am 17. Mai 2005 Ayla auf dem Weg zur Schule gekidnappt um mit dem Mädchen in den Dänkeritzer Forst bei Zwickau zu fahren. Dort hat er das Mädchen vergewaltigt und ihm kaltblütig die Kehle durchgeschnitten. Mario Lenk hat den Mord eingestanden, die Vergewaltigung nicht. Er gibt vor, sich daran nicht erinnern zu können.
Kathrin B. liebt den Mörder offenbar immer noch. Fassungslos und unter vielen Tränen berichtet sie von einem Mann, den im Gericht niemand so kennt. Im Frühjahr 2003 hat sie Mario Lenk bei einer Geburtstagsfete bei gemeinsamen Bekannten kennen gelernt und schnell wurden sie ein Paar. Die zierliche Rothaarige malt ein Bild von einem liebevollen, aufmerksamen Mann, der Blumen schenkt, fleißig im Haus arbeitet, keinen Alkohol trinkt und nur lässlich kleine Fehler hat. So konnte er stundenlang mit Kathrins Sohn, 3, aus einer vergangenen Beziehung auf dem Fußboden herumtoben und sich dabei „selbst wie ein Dreijähriger gebärden“. Das Glück scheint vollständig, als im Februar 2004 eine gemeinsame Tochter geboren wird.
Nun liegt dem Gericht ein Brief vor, in dem Kathrin ihren Lebensgefährten vorwirft, die familiären Pflichten, die Kinder und ihre Liebe zu vernachlässigen. Der Richter fragt, dies sei doch im Widerspruch zu ihren Aussagen im Zeugenstuhl. „Ich war zu dieser Zeit unleidlich gegen alle und litt unter Depressionen im Kindbett, da war ich manchmal auch sehr ungerecht“, nimmt sie heute den Angeklagten in Schutz. In schneller Folge wiederholt die junge Frau immer wieder: „Ich kann wirklich nichts Böses über ihn sagen“. Schluchzend berichtet sie, dass sie sich eigentlich für nächstes Jahr aufs Heiraten gefreut haben. Der Angeklagte zeigt bei den Berichten Wirkung und macht den Eindruck, als ob er selbst bald in Tränen ausbrechen möchte. Das Gericht unter dem Vorsitz von Klaus Hartmann sieht dies eher mit Skepsis. „Haben Sie vor der Verhandlung mit der Verteidigung des Angeklagten abgesprochen, was sie sagen sollen?“, fragt Hartmann denn auch ziemlich direkt. „Nein“ und abermals „nein“ kommt es von der Zeugin und auch vom Verteidiger Dirk Simon, der habe wohl mit der Zeugin Kontakt gehabt, aber nur um ihr zu sagen, wie sie an den vielen lauernden Kameraaugen vorbei ungesehen ins Gericht und wieder heraus kommen kann. Richter Hartmanns Skepsis hat dies offenbar nicht beseitigt. Die Aussagen von Kathrin B. enthielten neben Details zum liebevollen Familienleben mit Blumen und Gartenidylle auch Hinweise auf Störungen, unter denen der Angeklagte während der Beziehung gelitten haben soll, schwere Migräneanfälle, Heißhunger auf Schokolade, „stehen bleiben, obwohl die Ampel lange grün zeigt“ und Ähnliches, was der Sachverständige für den Geisteszustand des Angeklagten, Dr. Petermann, denn auch aufmerksam notiert und nachfragt. Zur Befragung der Zeugin über intime Details des Zusammenlebens wurde am Donnerstag die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der Prozess wird in der zweiten Dezemberwoche fortgesetzt.
Am Morgen des zweiten Verhandlungstages waren als Zeugen eine Schülerin, ehemalige Arbeitskollegen und ein Gartennachbar gehört worden.
Das 16 Jahre alte Mädchen hatte an der Straßenbahnhaltestelle am Nordplatz gestanden. "Ich gehe 7.40 Uhr aus dem Haus, die Bahn fährt 7.50 Uhr. In dieser Zeit ist es geschehen". An der Haltestelle hörte sie Kinderschreie. Sie sah, wie ein Mann versuchte, ein kleines Mädchen in den Kofferraum seines Autos zu bugsieren, und sie habe erst geglaubt, Vater und Tochter vor sich zu haben. Es schien als sollte das Mädchen durch den Kofferrraum nach vorn durch zu krabbeln, wie sie se selbst schon erlebt hatte, als der Autoschlüssel im verschlossen Wagen liegen geblieben war. Erst als der Mann versuchte, die Kofferraumklappe zu schließen, die aber nicht zuging, weil die Beine herausragten, ging ihr ein Licht auf: Da konnte was nicht stimmen. "Er hat sie wieder herausgehoben und anders hineingelegt, die Kofferklappe geschlossen und ist weggefahren. Da fuhr auch meine Straßenbahn", erzählt die Schülerin weiter. Das Auto hatte wohl schon in Fahrtrichtung und mit geöffneter Kofferklappe in einer Hofdurchfahrt gestanden, als der Mann nach dem Mädchen griff.
In der Schule wandte sie sich deshalb an die Vertrauenslehrerin. Die rief die Polizei.
Ein arbeitsloser Mann, der in Sichtweite des Entführungsortes wohnt, war vor acht auf den Balkon getreten, um sich eine Zigarette anzustecken. Er hörte die Kinderschreie und sah wohl das Auto, habe aber von dem Vorgang der Entführung nichts gesehen und auch nicht gleich den Vorgang mit dem Auto und die Kinderschreie miteinander verbunden. Interessiert beobachtete er, wie das Auto nicht sofort in die Leipziger Straße einbog, sondern ums Häuserkarre fuhr, und erst dann auf die Hauptstraße einzubiegen. Er merkte sich Typ und Teile der Autonummer.

Mario Lenk konnte noch am Abend des Entfürhungstages festgenommen werden. Leider war es da schon zu spät. Mit diesen Angaben konnten die Polizisten schnell den Halter ermitteln, schon 12 Stunden nach der Entführung klickten die Handschellen bei den Vorbestraften Marion Lenk. Zu spät für Ayla.
Der Chef einer Crimmitschauer Firma und sein Geselle berichten übereinstimmend, dass am 17. Mai gegen 10 Uhr der Angeklagte in der Firma, die ihn wegen Auftragsmangel im März entlassen hatte, wegen Wiedereinstellung vorsprach. Hätte er Arbeitskleidung dabei gehabt, "wäre eine sofortige Arbeitsaufnahme als Schweißer möglich gewesen", sagt der Chef. Das Auto des Angeklagten war zuerst auf dem Hof gesehen worden, Lenk allerdings war nicht gleich zu sehen. "Dann kam er aus den Umkleideräumen", sagt der Geselle und schließt nicht aus, dass Mario Lenk dort geduscht hat.
Als Arbeiter war Lenk geschätzt. "Er arbeitet schnell und ordentlich". Die Entlassung im März sei lediglich dem Auftragsmangel geschuldet gewesen und war mit der Option versehen: Bei besserer Auftragslage kann er sofort wieder anfangen.

Ayla Mörder gesteht die Tat vorm Gericht

Zwickau, am 17. November 2005. Heute begann der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der kleinen Ayla, 6. Am 17. Mai 2005 hatte Mario Lenk, 37, das Mädchen in den Morgenstunden am Zwickauer Nordplatz gegriffen, in den Kofferraum seines Fiat Tempra gesperrt und war mit ihr in den so genannten Hardwald zwischen Mosel und Dänkritz bei Zwickau gefahren. Dort hatte er, so seine Darstellung das Mädchen aus dem Kofferraum befreit und ihr versprochen, sie nach Zwickau zurückzufahren. Das Mädchen habe gefragt, ob sie vorn sitzen dürfte. Das wurde bejaht. Dann forderte der Mörder sein Opfer auf, sich zu entkleiden. Er streichelte das nackte Mädchen und ihm sei heiß geworden, berichtete der Angeklagte ungerührt und stockend auf die Fragen des Vorsitzenden Richters Klaus Hartmann, links im Bild. Das Mädchen wollte die Berührungen nicht mehr und bemühte sich anzuziehen und fliehen. Der Täter hielt sie fest, würkte sie. "Ich holte das Kombiwerkzeug aus dem Auto und schnitt ihr die Kehle durch." Ungerührt berichtet er weiter: "Das Messer hatte ich immer dabei." Den Zuschauern im Zwickauer Schwurgerichtssaal stockt der Atem, die Großmutter von Ayla schreit auf und muss aus dem Saal getragen werden. Kein Mensch kann glauben, dass der junge, adrette Mann mit weißem Rolly und schwarzen Blazer auf der Anklagebank ein solches Monster sein soll. Nett anzuschauen schildert der Mann eiskalt die Ungeheuerlichkeiten. Und dabei bleibt das Schlimmste ungesagt. Richter Hartmann muss nach den Details fragen. "Da kann ich mich nicht erinnern", oder "ich weiß nicht", sind die häufigsten Antworten.




Der Zwickauer Oberstaatsanwalt Holger Illing, Bild rechts, dem der Angeklagte nach stundenlangem Verhör das Versteck der Toten verraten hatte: "Ich habe noch selten einen so brutalen Mord gesehen. Keine zwölf Stunden nach der Entführung hatten die Beamten den Mörder zu Hause bei seiner Mutter gestellt. Zeugen hatten Teile der Autonummer erkannt, die Ermittlungen waren schnell bei den einschlägig vorbestraften Täter angelangt. Einen Tag lang wurde der Entführer verhört. Eine Räuberpistole von tschechischen Menschenhändlern, die ihm für ein Mädchen viel Geld geboten haben sollten, glaubten ihm die Ermittler von Anfang an nicht so recht. Schließlich am späten Abend des 18. Mai gestand Lenk, dass er Ayla in den Wald gebracht hatte und führte die Ermittler zu der Bodenmulde, wo er die nackte Leiche mit Reisig bedeckt versteckt hatte.

Lenk hatte schon im Alter von 17 Jahren 1985 eine 78 Jhre alte Frau ermordet und war vom Bezirksgericht Karl-Marx-Stadt zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. 1992 wurde Lenk nach sieben und einem halben Jahr gemäß der bundesrepublikanischen Gesetzeslage auf freien Fuß gesetzt. Er war zur Tatzeit Jugendlicher gewesen und demnach nach Jugendstrafrecht zu verurteilen gewesen. 1997 vergriff sich der Fliesenleger an den Kindern seines größeren Bruders,die sich in seiner Obhut befunden hatten. Wieder musste der inzwischen zum Mann herangereifte Täter ins Gefängnis aus dem 2002 wieder entlassen wurde. 2003 lernte er seine Lebensgfährtin kennen.

Schnell kam man zum Kinderwunsch. 2004 wurde ein Kind geboren. Bei einer Bekannten seiner Lebensgefährtin lernte er die Mutter der kleinen Ayla, Sandy Sen, im Bild mit dem Lieblingsspielzeug von Ayla, einem kleinen Plüschlöwen, kennen. Die Paare unternahmen gemeinsame Besuche beispielsweise des Rummelplatzes oder besuchten sich gegenseitig. Im Mai schließlich lauerte der Täter seinem Opfer auf und der verhängnisvolle Tag nahm seinen Lauf.

Trotz des Eingeständnisses des Täters zeigt sich Richter Hartmann unzufrieden: "Nichts passt richtig zusammen." Aus dem Vorfeld des Prozesses wurde bekannt: Die Obduktion hat ergeben, das Mädchen wurde brutal vergewaltigt. Daran will sich der Angeklagte nicht erinnern. Überhaupt zeichnt sich ab, die Verteidigung unter Rechtsanwalt Dirk Simon, rechts, baut auf Unzurechnungsfähigkeit des Angeklagten. Ein erstes Gutachten bescheinigt Lenk volle Schuldfähigkeit. Simon: "Da wurden entscheitende Fakten übersehen."
Der Prozess wird am kommenden Donnerstag ab 9.00 Uhr fortgesetzt. Für diesen Tag sind 7 Zeugen geladen.

Chronologie der Informationen des Landgerichtes Zwickau

Medieninformationen aus dem Landgericht

Wie schon im Fall des Auer Zwillingsmordes wird der Schwurgerichtssaal des Zwickauer Amtsgerichtes einer Festung gleichen: Strenge Kontrollen für Zuschauer und Berichterstatter. Foto: Stiegler .

Landgericht Zwickau




Medieninformation vom 21. September 2005



Fall Ayla

Anklage eingegangen


Im Fall Ayla hat die Staatsanwaltschaft Zwickau am 8. September 2005 Anklage zum
Schwurgericht des Landgerichts Zwickau gegen den 37jährigen Mario Lenk erhoben, welcher am 17.05.2005 das 6jährige Mädchen sexuell missbraucht und getötet haben soll.

Die Strafsache befindet sich derzeit im sog. Zwischenverfahren.
Dem Angeschuldigten und seinem Verteidiger ist die Anklageschrift zugestellt und zugleich eine Frist zur Stellungnahme eingeräumt worden. Im Zwischenverfahren kann die Verteidigung z. B. Einwendungen gegen die Eröffnung des Hauptverfahrens vorbringen oder zusätzliche Beweiserhebungen beantragen.

Nach Eingang der Stellungnahmen wird das Schwurgericht unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann prüfen, ob die nun vorliegende Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen werden kann. Erst wenn diese Entscheidung getroffen ist, würden mit den Verfahrensbeteiligten etwaige Verhandlungstermine abgestimmt werden, die voraussichtlich nicht vor Mitte November liegen dürften.


Sehr geehrte Pressevertreter,
wir sind uns Ihres Interesses an diesem Verfahren bewusst und werden Sie deshalb auf dem üblichen Wege per Presseverteiler und über das Internet (www.justiz.sachsen.de/gerichte/homepages/lgz/) zeitnah über alles Wichtige informieren. Weitere Auskünfte können derzeit nicht erteilt werden. Bitte sehen Sie vorläufig von Anfragen in dieser Sache ab.




Pressestelle des Landgerichts Zwickau

Vorsitzende Richterin am Landgericht Birgit Borris

Tel.: 0375 / 5092 – 409 / 309 Fax.: 0375 / 29 16 85

borris@lgz.justiz.sachsen.de


Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 14. Oktober 2005



Fall Ayla
(2)

Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen


Im Fall des getöteten Mädchens Ayla hat die 1. Strafkammer des Landgerichts Zwickau unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann durch Eröffnungsbeschluss vom 6.10.2005 die Anklage ohne Änderungen zur Hauptverhandlung zugelassen und das Hauptverfahren gegen den 37jährigen Mario L. eröffnet.

Der Angeklagte, dem zur Last gelegt wird, am 17.05.2005 das 6jährige Mädchen vor der Schule in sein Auto gezerrt, in einem Waldstück sexuell missbraucht und getötet zu haben, wird sich wegen der in der Anklageschrift genannten Vorwürfe der Entziehung Minderjähriger, Freiheitsberaubung mit Todesfolge, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Vergewaltigung und Mord verantworten müssen.

Der Prozess wird aller Voraussicht nach am Donnerstag, den 17.11.2005 beginnen.

Sobald der Vorsitzende die sitzungspolizeiliche Verfügung erlassen hat, in der die Rahmenbedingungen zum Prozessablauf festgelegt werden, werden wir Sie informieren, auf welchem Wege Ihnen die Teilnahme als Prozessbeobachter ermöglicht werden kann.
Weitere Auskünfte werden derzeit nicht erteilt.





Pressestelle des Landgerichts Zwickau

Vorsitzende Richterin am Landgericht Birgit Borris

Tel.: 0375 / 5092 – 409 / 309 Fax.: 0375 / 29 16 85

borris@lgz.justiz.sachsen.de




Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 28. Oktober 2005



Fall Ayla (3)

Hinweise für Pressevertreter

I.


Wie berichtet, hat im Fall des getöteten Mädchens Ayla die 1. Strafkammer des Landgerichts Zwickau unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann die Anklage ohne Änderungen zur Hauptverhandlung zugelassen und das Hauptverfahren gegen den 37jährigen Mario L. eröffnet.

Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, am 17.05.2005 das 6jährige Mädchen vor der Schule in sein Auto gezerrt, in einem Waldstück sexuell missbraucht und getötet zu haben. Die Anklage lautet auf Entziehung Minderjähriger, Freiheitsberaubung mit Todesfolge, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Vergewaltigung und Mord.
Im Falle einer Verurteilung droht dem Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe.


II.

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann hat zunächst folgende 7 Verhandlungstermine, jeweils 9.00 Uhr im Sitzungssaal 243 des Landgerichts Zwickau, Platz der Deutschen Einheit 1, 08056 Zwickau anberaumt:

Donnerstag, 17.11.2005
Donnerstag, 24.11.2005
Montag, 05.12.2005
Dienstag, 06.12.2005
Donnerstag, 08.12.2005
Montag, 12.12.2005
Dienstag, 13.12.2005

Als Verteidiger des Angeklagten wird Rechtsanwalt Dirk Simon, Solingen, auftreten.
Die Eltern des getöteten Kindes nehmen als Nebenkläger an dem Prozess teil. Die Mutter lässt sich hierbei durch Frau Rechtsanwältin Gundula Böhme, Zwickau, vertreten. Nebenklägervertreter des Vaters wird Rechtsanwalt Michael Windisch, Zwickau, sein.




III.

Wie bereits in den vorangegangenen medienwirksamen Strafverfahren ist beabsichtigt, im Sitzungssaal 243 für die Pressevertreter ca. 35 Sitzplätze zu reservieren. Reichen diese Plätze nicht aus, müssten Akkreditierungen oder andere kanalisierende Maßnahmen erfolgen.

Pressevertreter werden darum gebeten, bis zum 4. November 2005 per e-mail an presseverteiler@lgz.justiz.sachsen.de unter dem Stichwort „Ayla“ ihr Interesse an der Prozessteilnahme zu bekunden. Hierbei möge differenziert werden,
- wer als Zuhörer einen Presseplatz im Sitzungssaal wünscht,
- wer als Fotograph im Sitzungssaal Aufnahmen machen möchte,
- welches Kamerateam zu filmen beabsichtigt.

Hierbei möge vorsorglich ebenfalls mit angegeben werden,
- wer als Kamerateam oder Fotograph bei etwaiger Anordnung der sog. Pool-Lösung als Poolführer fungieren kann,
- wer als Zuhörer nur an einzelnen Prozesstagen, wenn ja welchen, teilzunehmen beabsichtigt.

Nach Fristablauf werden wie Sie unaufgefordert auf gleichem Wege informieren.




Pressestelle des Landgerichts Zwickau

Vorsitzende Richterin am Landgericht Birgit Borris

Tel.: 0375 / 5092 – 409 / 309 Fax.: 0375 / 29 16 85

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Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 10. November 2005


Fall Ayla (4)

Hinweise für Pressevertreter

I.


Am kommenden Donnerstag, den 17.11.2005 ab 9.00 Uhr beginnt im Landgericht Zwickau, Schwurgerichtssaal 243, die Hauptverhandlung im Mordprozess gegen Mario L..
Das Schwurgericht unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann hat bereits 6 Fortsetzungstermine, jeweils 9.00 Uhr im Sitzungssaal 243 des Landgerichts Zwickau, Platz der Deutschen Einheit 1, 08056 Zwickau anberaumt:

Donnerstag, 24.11.2005
Montag, 05.12.2005
Dienstag, 06.12.2005
Donnerstag, 08.12.2005
Montag, 12.12.2005
Dienstag, 13.12.2005


Wie schon berichtet (s. Pressemitteilungen des Landgerichts Zwickau unter www.justiz.sachsen.de/gerichte/homepages/lgz/) wird dem Angeklagten, dem 37jährigen Reinsdorfer Mario L. zur Last gelegt, am 17.05.2005 die damals 6jährige Ayla vor der Schule in sein Auto gezerrt, in einem Waldstück sexuell missbraucht und getötet zu haben. Die Anklage lautet auf Entziehung Minderjähriger, Freiheitsberaubung mit Todesfolge, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Vergewaltigung und Mord.
Im Falle einer Verurteilung droht dem Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe.


II.


Für Ihre Rückmeldungen auf unsere Anfrage vom 28. Oktober 2005 danken wir herzlich.
Für alle Pressevertreter, die sich hierauf als Zuhörer angemeldet haben, haben wir im Saal 243 in den vordersten, dem Gericht zugewandten Sitzreihen einen bzw. zwei Sitzplätze reserviert; darüber hinaus gehende Reservierungsanfragen auf drei oder gar mehr Sitzplätze konnten nicht berücksichtigt werden.
Nach Passieren der Eingangskontrolle melden Sie sich bitte unter Vorlage Ihres Presseausweises beim diensthabenden Wachtmeister. Dieser weist Ihnen einen Sitzplatz zu, welcher Ihnen für die gesamte Prozessdauer zur Verfügung steht.



Nur angemeldeten Fotographen und Kamerateams wird der Zugang in den Sitzungssaal 243 gewährt. Unter Beachtung der Absperrungen dürfen bis zum Aufruf der Sache durch den Vorsitzenden Aufnahmen im Saal gemacht werden. Danach müssen Fotographen und Kamerateams den Sitzungssaal mit der gesamten Ausrüstung durch den Haupteingang verlassen. Die als Zuhörer gemeldeten Kollegen, welche einen Platz in der vordersten Reihe zugewiesen bekommen, mögen bis zum Aufruf der Sache durch das Gericht die erste Sitzreihe den fotographierenden bzw. filmenden Kollegen überlassen.
Die Leiterin der Gerichtswachtmeisterei bittet nochmals darum, dass die Gesichter der Gerichtswachtmeister auf allen Film- und Fotoaufnahmen anonymisiert werden.

Im Übrigen ist das Fotografieren und Filmen im Gerichtsgebäude an allen Sitzungstagen ausschließlich im Bereich des Haupteingangs, des Treppenaufgangs zum 1. Obergeschoss sowie im Foyer im 1. Obergeschoss gestattet. Über Ausnahmegenehmigungen entscheidet die Pressesprecherin. Bei Bedarf kann für Anmoderationen und Interviews ein Büro zur Verfügung gestellt werden.


Weitere Fotographen und Kamerateams können aus Kapazitätsgründen nicht mehr für Aufnahmen im Saal zugelassen werden. Mit Ausnahme von fünf Plätzen, welche derzeit noch für überregionale und ausländische Medien freigehalten werden, sind alle für Journalisten reservierte Plätze im Saal vergeben. Pressevertreter, welche sich bislang nicht angemeldet haben, müssen deshalb ggf. auf die allgemein für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehenden Plätze verwiesen werden.



III.


Der Vorsitzende, Vizepräsident Klaus Hartmann, hat im Rahmen der ihm obliegenden sitzungspolizeilichen Befugnisse im Interesse eines geordneten und sicheren Ablauf des Verfahrens in einer sitzungspolizeilichen Verfügung u. a. folgende Sicherheitsanordnungen und Auflagen für alle Sitzungstage getroffen:

1. Der Zugang zum Sitzungssaal für Zuhörer und Journalisten findet ausschließlich über den Haupteingang im Foyer des 1. Obergeschosses statt (....)
2. Jeder Zuhörer und Pressevertreter kann den Sitzungssaal nur betreten, wenn er zuvor innerhalb der Durchgangsstelle / Sonde kontrolliert worden ist (...).
3. In den Gängen (...) sind Durchgangssperren zu errichten.
4. Es ist untersagt, Waffen, gefährliche Werkzeuge, Wurfgegenstände und andere Gegenstände in den Sitzungssaal einzubringen, die zur Störung der Hauptverhandlung geeignet sind, z. B. Fotohandys (....).
5. Zuhörer und Pressevertreter sind an der Einlasskontrollstelle auf solche Gegen-stände zu durchsuchen, (...) die Taschen müssen ausgeleert und die Inhalte vorgezeigt werden.
6. Werden solche Gegenstände vorgefunden, so sind diese (...) bei den Gerichtswachtmeistern zu hinterlegen.
7. Wer die Durchsuchung und /oder die Hinterlegung ablehnt, wird nicht eingelassen.
8. Die Kontrollstelle ist bis zum Ende der Hauptverhandlung aufrechtzuerhalten. Die Personen, die den Sitzungssaal während der Hauptverhandlung oder in den Sitzungspausen verlassen, sind erneut zu durchsuchen und zu kontrollieren.
9. Die für die Pressevertreter reservierten Sitzplätze sind bis 10 Minuten vor dem jeweiligen Sitzungsbeginn freizuhalten. Danach können sie an Pressevertreter ohne reservierten Sitzplatz und / oder Zuhörer vergeben werden.


IV.


Um die mit den Sicherheitsvorkehrungen verbundenen Unannehmlichkeiten so gering wie möglich zu halten, bitten wir Sie in Ihrem eigenen Interesse bei Ihrer Anreise die Einlasskontrolle und die damit verbundene Wartezeit einzuplanen. Halten Sie Ihren Presseausweis sowie einen Personalausweis oder Reisepass griffbereit. Bitte führen Sie nach Möglichkeit kein Gepäck, keine metallischen Gegenstände und nur die wichtigsten Arbeitsutensilien mit.

Für Pressevertreter stehen Schließfächer im Erdgeschoss bereit. Unter Vorlage Ihres Presseausweises erhalten Sie an der Pforte (im Eingangsbereich des Landgerichts, links) einen Schlüssel für ein solches Schließfach, welches Sie für die Dauer des Prozesses nutzen können. Bitte schließen Sie dort Ihr Fotohandy sowie technisches Gerät, Feuerzeuge, Werkzeuge, Lebensmittel etc. ein, bevor Sie sich zur Einlasskontrolle begeben.

Im Dachgeschoss wird das Zimmer 407 (Lesesaal der Bibliothek), in dem sich einige Steckdosen, jedoch kein Internetzugang befindet, als Pressearbeitsplatz zur Verfügung gestellt. Hier dürfen Laptops und Handys eingebracht und genutzt werden. Für Kabel und Verteilerdosen sorgen Sie bitte selbst.

Für Übertragungswagen und als Pressefahrzeuge gekennzeichnete PKW stehen vor dem Gerichtsgebäude bzw. am Dr. Friedrichs-Ring einige wenige Parkplätze zur Verfügung. Sie werden dort eingewiesen.
Alle übrigen Medienvertreter müssen auf die (kostenpflichtigen) Parkplätze in der direkten Umgebung des Gerichts (Tiefgarage Kornmarkt, Parkstreifen an der Amtsgerichtsstraße und dem Dr. Friedrichs-Ring sowie die übrigen Parkhäuser in der Innenstadt) verwiesen werden.


V.


Das Schwurgericht wird mit dem Vizepräsidenten des Landgerichts Zwickau Klaus Hartmann (48) als Vorsitzenden, den beisitzenden Richtern, Richterin am Amtsgericht Ingrid Hoffmann (44) und Richter am Landgericht Peter Liesenfeld (37), sowie zwei Schöffen besetzt sein.
Für die Staatsanwaltschaft Zwickau wird Oberstaatsanwalt Holger Illing die Anklage vertreten.
Als Verteidiger des Angeklagten wird Rechtsanwalt Dirk Simon, Solingen, auftreten.
Die Eltern des getöteten Kindes treten als Nebenkläger auf. Die Mutter lässt sich hierbei durch Frau Rechtsanwältin Gundula Böhme vertreten. Nebenklägervertreter des Vaters wird Rechtsanwalt Michael Windisch sein. Beide Elternteile beabsichtigen, den Prozess im Sitzungssaal zu verfolgen.
Außerdem wird der Sachverständige Dr. Günther Petermann der Hauptverhandlung beiwohnen.


VI.

Zum Prozessauftakt wird - wie üblich- zunächst der Angeklagte zu seinen persönlichen Verhältnissen befragt werden. Nach Verlesung der Anklageschrift wird der Angeklagte Gelegenheit erhalten, zum Anklagevorwurf Stellung zu nehmen.

Das Gericht beabsichtigt, am 2. Verhandlungstag, also am Donnerstag, den 24.11.2005 mit der Beweisaufnahme zu beginnen. Für diesen Tag sind 7 Zeugen geladen.








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Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 17. November 2005



Fall Ayla (5):

Prozessauftakt


Am heutigen Donnerstag begann bei großem Medieninteresse der Prozess gegen den 37jährigen Mario L.. Dem ledigen Reinsdorfer, selbst Vater einer anderthalbjähri-gen Tochter, wird die Tötung der 6jährigen Ayla in Zwickau am 17.05.2005 zur Last gelegt.

Oberstaatsanwalt Holger Illing verlas die Anklage, welche auf Entziehung Minder-jähriger, Freiheitsberaubung mit Todesfolge, schweren sexuellen Missbrauch von Kin-dern, Vergewaltigung und Mord lautet.

Der Angeklagte legte anschließend recht ausführlich seinen persönlichen und be-ruflichen Werdegang dar. Mit den Tatvorwürfen konfrontiert, räumte der Angeklagte im Kern ein, die 6jährige auf ihrem Schulweg in den Kofferraum seines PKW gezerrt und mit ihr in ein Waldstück gefahren zu sein. Dort sei sie seiner Aufforderung, sich zu entkleiden, nachgekommen und habe sich von ihm am ganzen Körper streicheln lassen. Als sie gesagt habe, dies nicht mehr zu wollen und ausgestiegen sei, habe er sie ge-würgt. Als sie dann geschrien habe, habe er ihr mit einem messerähnlichen Werkzeug die Kehle durchgeschnitten. An weitere Details konnte oder wollte sich der Angeklagte nicht erinnern.

Der Prozess wird am kommenden Donnerstag ab 9.00 Uhr fortgesetzt. Für diesen Tag sind 7 Zeugen geladen.




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Medieninformation vom 22. November 2005


Fall Ayla (6):
Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt

Am kommenden Donnerstag, den 24.11.2005 ab 9.00 Uhr im Schwurgerichtssaal 243 wird – unter Beibehaltung der angeordneten Sicherheitsmaßnahmen - das Strafverfahren gegen Mario L. wegen der Tötung der 6jährigen Ayla mit der Beweisaufnahme fortgesetzt. Der 37jährige Reinsdorfer muss sich wegen Entziehung Minderjähriger, Freiheitsberaubung mit Todesfolge, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Vergewaltigung und Mord verantworten.

Insgesamt sollen am Donnerstag 7 Personen aussagen. Die ersten beiden Zeugen, eine 16jährige Schülerin und ein Nachbar, waren die Augenzeugen, die beobachtet hatten, wie das Mädchen in den Kofferraum gesteckt wurde. Anschließend sollen die drei Männer vernommen werden, mit denen der Angeklagte am Tattag noch Kontakt hatte: sein ehemaliger Chef, ein Arbeitskollege sowie ein Gartenfreund. Für den Nachmittag sind die Zeugenvernehmungen der Lebensgefährtin des Angeklagten und seiner Mutter angesetzt.

In der 48. KW sind keine Termine vorgesehen, so dass der Prozess planmäßig erst in der übernächsten Woche mit Terminen am Montag, Dienstag und Donnerstag fortgesetzt wird. Am Montag, den 5.12.2005 sind für den Vormittag weitere zwei Zeuginnen, darunter die Mutter des getöteten Kindes geladen. Am Nachmittag des 5.12.2005 und am 06.12.2005 ganztätig sollen die Gerichtsmediziner ihre Untersuchungsergebnisse vorstellen.


Film- und Fotoaufnahmen im Sitzungssaal sind auch diesmal bis zum Aufruf der Sache durch den Vorsitzenden gestattet, einer gesonderten Drehgenehmigung bedarf es hierzu nicht. Bitte beachten Sie, dass im Übrigen ist das Fotografieren und Filmen im Gerichtsgebäude ausschließlich im Bereich des Haupteingangs, des Treppenaufgangs zum 1. Obergeschoss sowie im Foyer im 1. Obergeschoss gestattet ist.


Pressestelle des Landgerichts Zwickau

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Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 24. November 2005

Fall Ayla (7):
2. Verhandlungstag

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann setzte am heutigen 2. Verhandlungstag im Mordprozess gegen Mario L. die Beweisaufnahme fort.

Als erste Zeugin schilderte eine 16jährige Schülerin, wie sie - an der Straßenbahnhaltestelle wartend- durch Kinderschreie aufmerksam wurde. Sie beobachte, wie ein Mann ein Kind zunächst auf dem Arm hielt und dann in dem Kofferraum seines Wagens steckte. Hierbei habe es Probleme gegeben, weil der Deckel nach dem ersten Zuschlagen wieder aufgesprungen sei und der Mann dann das Kind anders hereingedrückt habe. Während sie zuerst an eine harmlose Krabbelei eines Vaters mit seinem Kind gedacht habe, habe sie letztere Beobachtung zum Anlass genommen, nach Ankunft an der Schule ihre Vertrauenslehrerin zu informieren, welche den Kontakt zur Polizei herstellte.
Auch der 40jährige Mieter einer Wohnung in der Leipziger Straße, welcher als zweiter aussagte, hörte Schreie und schaute deshalb aus dem Fenster, ohne feststellen zu können, woher diese genau kamen. In der gegenüberliegenden Hofeinfahrt habe er einen Mann etwas in den Kofferraum eines Fiats verstauen sehen. Er habe aber nicht erkennen können, um was es sich gehandelt habe. Der Mann habe noch eine Flasche aufgehoben und sei dann hektisch weggefahren.
Anschließend machten die drei Männer, mit denen der Angeklagte am Tattag noch Kontakt hatte, ihre Aussagen. Weder seinem Chef, bei dem er wegen Arbeit vorsprach, einem Arbeitskollegen, dem er bei dieser Gelegenheit bei der Suche nach Zeichnungen im Betrieb behilflich war, noch dem Gartenfreund, bei dem er am Nachmittag Rasenkantensteine versetzte, war irgendetwas Besonderes aufgefallen. Der Angeklagte sei „wie immer“ gewesen. Die Zeugen lobten allgemein seine Arbeitsleitung und charakterisierten ihn übereinstimmend als unauffällig, ruhig und zuverlässig.

Für den Nachmittag stand die Zeugenvernehmungen der Lebensgefährtin des Angeklagten und seiner Mutter an. Die Verhandlung dauert derzeit noch an.

Der Prozess wird planmäßig in der übernächsten Woche mit Terminen am Montag, Dienstag und Donnerstag fortgesetzt.


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Medieninformation vom 2. Dezember 2005


Fall Ayla (8):

Terminvorschau für die 48. KW: 3 Verhandlungstage


I.

Im Strafverfahren gegen Mario L., welcher des Mordes an der 6jährigen Ayla angeklagt ist, wird es in der kommenden Woche am Montag, Dienstag und Donnerstag Verhandlungstage geben. Das Schwurgericht unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann wird die Beweisaufnahme fortsetzen. Die Verhandlungen beginnen jeweils um 9.00 Uhr im Schwurgerichtssaal 243.
Die sitzungspolizeiliche Verfügung gilt fort, Näheres entnehmen Sie bitte der Vorberichterstattung zum Fall Ayla in den Pressemitteilungen des Landgerichts Zwickau unter www.justiz.sachsen.de/gerichte/homepages/lgz/.


II.

Am Montag, den 5.12.2005 ist für 9.00 Uhr die Mutter der Lebensgefährtin des Angeklagten als Zeugin geladen. Um 10.00 Uhr soll die Mutter des getöteten Kindes, welche auch als Nebenklägerin im Prozess auftritt, als Zeugin aussagen.
Ab 13.00 Uhr wird Dr. Placke vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Leipzig das Sektionsgutachten vorstellen. Der Sachverständige, welcher das getötete Kind obduziert hat, wird dabei u.a. erläutern, welche Verletzungen er festgestellt hat und woran Ayla verstorben ist.

Am Dienstagvormittag werden mit Dr. Thiele und Dr. Dobrowolski zwei weitere Sachverständige des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Leipzig gehört. Sie sollen die Ergebnisse der DNA-Untersuchungen vorstellen und die sichergestellten Spuren an den Körpern des Angeklagten und des Kindes analysieren.
Für den Nachmittag des 6.12.2005 um 13.30 Uhr ist die Mutter des Angeklagten geladen, zu deren Vernehmung es am letzten Verhandlungstag aus Zeitgründen nicht mehr kam.

Am Donnerstag, den 8.12.2005 sollen die Polizeibeamten vernommen werden, welche den Angeklagten nach seiner Ergreifung verhört haben.






III.

Film- und Fotoaufnahmen im Sitzungssaal sind auch diesmal bis zum Aufruf der Sache durch den Vorsitzenden gestattet, einer gesonderten Drehgenehmigung bedarf es hierzu nicht. Bitte beachten Sie, dass im Übrigen das Fotografieren und Filmen im Gerichtsgebäude ausschließlich im Bereich des Haupteingangs, des Treppenaufgangs zum 1. Obergeschoss sowie im Foyer im 1. Obergeschoss gestattet ist.

Die zum Prozessauftakt vorgenommene Platzverteilung der Presse im Sitzungssaal hat weiter Gültigkeit, es bedarf also keiner gesonderten Anmeldung für jeden Prozesstag. Die den Pressevertretern zugewiesenen Sitzplätze im Saal werden bis 10 Minuten vor dem jeweiligen Sitzungsbeginn freigehalten. Danach werden sie an Pressevertreter ohne reservierten Sitzplatz und / oder Zuhörer vergeben werden.





Pressestelle des Landgerichts Zwickau

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Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 5. Dezember 2005


Fall Ayla (9):
3. Verhandlungstag


Im Mordprozess gegen Mario L., welcher sich wegen der Tötung der 6jährigen Ayla verantworten muss, setzte das Schwurgericht unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann heute die Beweisaufnahme fort.

Als erste Zeugin folgte die Mutter der Lebensgefährtin des Angeklagten der gerichtlichen Ladung. Sie beschrieb die Beziehung des Angeklagten zu ihrer Tochter und den Enkelkindern als „ganz normal“. Sei seien liebevoll miteinander umgegangen. Es habe auch mal Ärger, z. B. um Geld und die Kindererziehung gegeben. Der Angeklagte habe in solchen Situationen aber nicht laut gestritten, sondern habe „dicht gemacht“ und einfach nicht mehr reagiert.

Im Anschluss berichtete die Mutter des getöteten Kindes, die als Zeugin gehört wurde, wie sie Ayla am Morgen ihres Verschwindens für die Schule fertig gemacht und den ersten Teil des Schulwegs noch vom Fenster aus beobachtet hatte. Etwa 40 Minuten später habe sie festgestellt, dass das Kind die Turnschuhe für den Sportunterricht liegen gelassen hatte. Als sie diese in die Schule bringen wollte, habe sie einen Schuh ihrer Tochter im Hof liegen gesehen. Außerdem schilderte sie die Begegnungen mit dem Angeklagten, der als Lebensgefährte ihrer Schulfreundin diese bei diversen Besuchen begleitet hatte. Er sei immer sehr still gewesen, Ayla selbst habe ihn als „komisch“ eingeschätzt.

Am Nachmittag stellte der Gerichtsmediziner Dr. Ralf Placke vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Leipzig das Sektionsgutachten vor. Der Sachverständige, welcher das getötete Kind obduziert hat, erläuterte, welche Verletzungen er dabei feststellen musste. Danach hat der Täter das Kind gedrosselt und ihm anschließend zwei tiefe Schnitte im Halsbereich zugefügt, die den Tod durch Verbluten verursachten. Das Kind wurde zudem zu Lebzeiten durch Schnitte und Stichverletzungen im Bereich der Scheide und der Genitalien erheblich verletzt. Außerdem wies die Leiche weitere Schnitt- und Stichverletzungen auf, die postmortal erfolgt sein müssen, u. a. stellte Dr. Placke einen Schnitt von der Bauchhöhle über den Genitalbereich bis über den After hinweg fest.








Der Prozess wird morgen planmäßig fortgesetzt. Am Vormittag werden mit Dr. Thiele und Dr. Peter Dobrowolski zwei weitere Sachverständige des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Leipzig gehört. Sie sollen die Ergebnisse der DNA-Untersuchungen vorstellen. Außerdem werden sie Angaben zu den sichergestellten Spuren an den Körpern des Angeklagten und des Kindes machen.

Für 13.30 Uhr ist die Mutter des Angeklagten geladen, zu deren Vernehmung es am vorletzten Verhandlungstag aus Zeitgründen nicht mehr kam. Im sog. Selbstleseverfahren werden Urkunden und sonstige Schriftstücke in den Prozess eingeführt.





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Medieninformation vom 6. Dezember 2005


Fall Ayla (10):
4. Verhandlungstag


Am 4. Prozesstag im Strafverfahren gegen Mario L., welcher sich wegen Mordes an der 6jährigen Ayla verantworten muss, setzte das Schwurgericht unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann heute die Beweisaufnahme mit der Anhörung der Sachverständigen fort.

Der Gerichtsmediziner Dr. Karl-Heinz Thiele erläuterte, dass sich an den Proben, welche aus der Scheide und dem After des getöteten Kindes entnommen wurden, Spermien fanden, welche mit 99,9999 % Wahrscheinlichkeit vom Angeklagten stammen. Ungeklärt blieb jedoch die Frage, zu welchem Zeitpunkt diese dorthin gelangt sind.
Der Diplom-Biologe Dr. Peter Dobrowolski gab anschließend die Ergebnisse der Untersuchungen des sonstigen Spurenmaterials bekannt. Bedeutsam waren seine Feststellungen, dass sich sowohl am Zwickel des Slips des Angeklagten, auf dem Abstrichmaterial von seinem Genitalbereich als auch an dem Multifunktionswerkzeug DNA-Material des Kindes fand.

Am Nachmittag sagte die Mutter des Angeklagten als Zeugin aus. Als Junge habe er sehr an seinem Großvater gehangen, der Vater habe sich nicht um die Kinder gekümmert. Ihr Sohn sei fleißig und hilfsbereit gewesen. Die Beziehung ihres Sohnes zu seiner Lebensgefährtin und den Kindern beschrieb sie als unauffällig. Wenn es mal Streit gegeben habe, hätten sich beide schnell versöhnt. Zu Pfingsten, unmittelbar vor der Tat sei ihr nichts Besonderes aufgefallen.

Im Anschluss verlas das Gericht die Gerichtsurteile über die Vorstrafen sowie diverse Briefe, die der Angeklagte nach der Tat an einen Vernehmungsbeamten und eine Psychologin der Justizvollzugsanstalt geschrieben hat. Die Schriftstücke enthielten im wesentlichen die gleichen Angaben zur Tat, welche der Angeklagte zu Prozessauftakt gemacht hatte.

Nach der Verlesung der Aufnahme- und Entlassungsmitteilungen über die bisher verbüßten Strafen gab das Gericht seine vorläufige Rechtsauffassung preis, wonach bei diesen festgestellten Strafzeiten aus formellen Gründen die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung wohl nicht in Betracht kommen dürfte. Sicherungsverwahrung kann nach dem Gesetz - neben weiteren Voraussetzungen - unter anderem nur angeordnet werden, wenn ein Täter mehrere Straftaten von erheblichem Gewicht begangen hat. Diese ist beim Angeklagten zwar der Fall. Jedoch dürfen nach der maßgeblichen Vorschrift (§ 66 der Strafprozessordnung) nur Taten berücksichtigt werden, welche nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Diese sog. Rückfallverjährung dürfte hier anzunehmen sein, da auch unter Berücksichtigung der Haft die Vortaten gegenüber dem Tattag 17.05.2005 länger als fünf Jahre zurücklagen.

Der Prozess wird am Donnerstag, den 8.12.2005 um 9.00 Uhr fortgesetzt. Für den Vormittag sind 4 Zeugen geladen, allesamt Personen, welche den Angeklagten nach der Tat vernommen haben. Am Nachmittag soll der Sachverständige Dr. Günther Petermann sein Gutachten zur Schuldfähigkeit erstatten.



Film- und Fotoaufnahmen im Sitzungssaal sind wie üblich bis zum Aufruf der Sache durch den Vorsitzenden gestattet, einer gesonderten Drehgenehmigung bedarf es hierzu nicht. Bitte beachten Sie, dass im Übrigen das Fotografieren und Filmen im Gerichtsgebäude ausschließlich im Bereich des Haupteingangs, des Treppenaufgangs zum 1. Obergeschoss sowie im Foyer im 1. Obergeschoss gestattet ist.

Die zum Prozessauftakt vorgenommene Platzverteilung der Presse im Sitzungssaal hat weiter Gültigkeit, es bedarf also keiner gesonderten Anmeldung für jeden Prozesstag. Die den Pressevertretern zugewiesenen Sitzplätze im Saal werden bis 10 Minuten vor dem jeweiligen Sitzungsbeginn freigehalten. Danach werden sie an Pressevertreter ohne reservierten Sitzplatz und / oder Zuhörer vergeben werden.







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Medieninformation vom 8. Dezember 2005


Fall Ayla (11):
5. Verhandlungstag

Am 5. Prozesstag im Strafverfahren gegen Mario L., welcher sich wegen Mordes an der 6jährigen Ayla verantworten muss, setzte das Schwurgericht unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann heute die Beweisaufnahme fort.

Am Vormittag sagte der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Zwickau aus. Er schilderte, wie es ihm durch sensible Gesprächsführung gelang, dass der Angeklagte die Ermittler zum Versteck der Leiche führte. Des weiteren vernahm das Gericht drei Polizeibeamte mit dem Ziel zu klären, welche Vorhaltungen dem Angeklagten anlässlich der ersten Vernehmungen gemacht wurden.

Am Nachmittag erstattete der Sachverständige Dr. Günther Petermann sein Gutachten zur Schuldfähigkeit. Er kam aufgrund seiner forensisch-psychiatrischen Untersuchungen zum Ergebnis, dass der Angeklagte schuldfähig sei.
Nach seinen Untersuchungsergebnissen sei der Angeklagte zwar gehemmt, introvertiert und selbstunsicher und könne Erlebtes schlecht verarbeiten. Auch müsse von einer psycho-sexuellen Unreife ausgegangen werden. Jedoch leide der Angeklagte weder an einer sexuellen Präferenzstörung, noch sei er aus anderen Gründen nicht in der Lage gewesen, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln. Aufgrund dessen sei von voller Schuldfähigkeit des Angeklagten auszugehen.

Derzeit hat der Verteidiger des Angeklagten Fragerecht an den Sachverständigen. Die Verteidigung beantragte, dass ihr die Frage- und Bewertungsbögen, welche anlässlich der psychiatrischen Begutachtung vom Angeklagten und dem Sachverständigen angefertigt wurden, zur Verfügung gestellt werden. Über diesen Antrag ist noch nicht entschieden. Das Gericht hat sich zur Beratung zurückgezogen. Die Verhandlung dauert also noch an.

Der Prozess soll planmäßig am Montag, den 12.12.2005 um 9.00 Uhr fortgesetzt werden.


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Fall Ayla (12):
Terminvorschau 50. KW

Im Strafverfahren gegen Mario L., welcher des Mordes an der 6jährigen Ayla angeklagt ist, wird in der kommenden Woche am Montag, den 12.12.2005 ab 8.30 Uhr und am Dienstag, den 13.12.2005 ab 9.00 Uhr weiter verhandelt.

I.

Am Abend des gestrigen 5. Verhandlungstages konnte die Anhörung des Sachver-ständigen nicht beendet werden.
Das Gericht kam der Anregung des Verteidigers nach, ihm die Frage- und Bewer-tungsbögen, welche anlässlich der psychiatrischen Begutachtung angefertigt wurden, zur Verfügung zu stellen. Besprochen wurde, dass der Sachverständige Dr. Günther Petermann die entsprechenden Unterlagen heute der Verteidigung zukommen lässt. Der Verteidiger Rechtsanwalt Simon gab kund, sich am Wochenende einarbeiten zu wollen. Danach will er entscheiden, ob er bezüglich der Bewertung der Schuldfähigkeit des Angeklagten noch Beweisanträge stellen wird. Geschieht dies, ist mit zumindest einem weiteren Verhandlungstermin noch vor den Weihnachtstagen zu rechnen.

Die Befragung des Sachverständigen Dr. Petermann wird am Montag morgen fortgesetzt. Das Gericht verfügte aufgrund dessen die Vorverlegung des Termins auf 08.30 Uhr.

Sollten seitens der Verteidigung keine Beweisanträge mehr gestellt werden, könnte die Beweisaufnahme noch am Montag geschlossen werden. In diesem Fall ist für den Nachmittag mit den Plädoyers und mit einem Urteil am Dienstag den 13.12.2005 zu rechnen.



II.

Die sitzungspolizeiliche Verfügung gilt fort, Näheres entnehmen Sie bitte der Vorberichterstattung zum Fall Ayla in den Pressemitteilungen des Landgerichts Zwi-ckau unter www.justiz.sachsen.de/gerichte/homepages/lgz/.

Film- und Fotoaufnahmen im Sitzungssaal sind wie immer bis zum Aufruf der Sache durch den Vorsitzenden gestattet, einer gesonderten Drehgenehmigung bedarf es hierzu nicht. Bitte beachten Sie, dass im Übrigen das Fotografieren und Filmen im Ge-richtsgebäude ausschließlich im Bereich des Haupteingangs, des Treppenaufgangs zum 1. Obergeschoss sowie im Foyer im 1. Obergeschoss gestattet ist.

Die zum Prozessauftakt vorgenommene Platzverteilung der Presse im Sitzungssaal hat weiter Gültigkeit, es bedarf keiner gesonderten Anmeldung für jeden Prozesstag. Die den Pressevertretern zugewiesenen Sitzplätze im Saal werden bis 10 Minuten vor dem jeweiligen Sitzungsbeginn freigehalten. Danach werden sie an Pressevertreter oh-ne reservierten Sitzplatz und / oder Zuhörer vergeben werden.





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Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 12. Dezember 2005


Fall Ayla (13):
Urteil erst im nächsten Jahr

Am 6. Prozesstag im Strafverfahren gegen Mario L., welcher sich wegen Mordes an der 6jährigen Ayla verantworten muss, konnte die Beweisaufnahme nicht abgeschlossen werden.

Wie geplant erhielt heute morgen zunächst der Verteidiger das Wort, damit dieser die Befragung des Sachverständigen Dr. Günther Petermann beenden konnte.
Anschließend beantragte Verteidiger Rechtsanwalt Simon zum Beweis der Tatsache, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war, mit Frau Dr. Monika Hagen eine weitere Sachverständige zu hören. Das Gericht kam diesem Antrag nach. Die Entscheidung über einen Befangenheitsantrag gegen die Sachverständige stellte das Gericht zurück. Die Nebenklage hält Frau Dr. Hagen für befangen, da sie bislang als Beistand der Verteidigung am Prozess teilgenommen hat.

Frau Dr. Hagen, welche Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist, schätzte ein, dass der Angeklagte an einer sog. dissoziativen Identitätsstörung mit Identitätswechsel leidet. Sie geht davon aus, dass diese Störung zum Tatzeitpunkt vorherrschte, mit der Folge, dass dem Angeklagten die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit gefehlt habe.
Anders als noch der Sachverständige Dr. Petermann kam sie aufgrund der forensisch-psychiatrischen Untersuchungen deshalb zum Ergebnis, dass der Angeklagte nicht schuldfähig ist.
Die Befragung der Sachverständigen ist noch nicht abgeschlossen. Die heutige Sitzung musste um 12.45 Uhr unterbrochen werden, da der Sachverständige Dr. Petermann am Nachmittag einen Gerichtstermin in Chemnitz wahrzunehmen hat.

Die Verfahrensbevollmächtigten verständigten sich darauf, mit der Befragung der Frau Dr. Hagen am Freitag, den 6. Januar 2006 ab 9.00 Uhr fortzufahren. Der ursprünglich vorgesehene Fortsetzungstermin am morgigen Dienstag, 13.12.2005, entfällt. Stattdessen wird das Gericht am Mittwoch, den 21.12.2005 um 9.00 Uhr weiter verhandeln. Mit einem Urteil ist aus oben genannten Gründen frühestens in der 2. Kalenderwoche 2006 zu rechnen.


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Medieninformation vom 20. Dezember 2005


Fall Ayla (14):
Terminvorschau 51. KW

Im Mordprozess gegen Mario L. wird es am morgigen Mittwoch, den 21.12.2005 ab 9.00 Uhr im Schwurgerichtssaal 243 nur zu einem kurzen Verhandlungstermin kom-men.

Nach Auskunft des Vorsitzenden, Vizepräsident des Landgerichts Klaus Hart-mann, werden am morgigen 7. Prozesstag vor allem Pläne, Karten und sonstige Urkun-den in Augenschein genommen. Hier soll nachvollzogen werden, wo sich der Ange-klagte am Tattag aufgehalten hat.

Wie berichtet, ist die Anhörung der von der Verteidigung als Sachverständige ge-ladenen Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie noch nicht abgeschlossen. Frau Dr. Monika Hagen war in ihrem Gutachten zum Ergebnis gekommen, dass dem Ange-klagten zum Tatzeitpunkt die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit fehlte und er deshalb schuldunfähig sei. Sie wird sich den Fragen der Prozessbeteiligten jedoch erst am über-nächsten Verhandlungstag, am Freitag, dem 6. Januar 2006 stellen müssen. Grund hier-für ist, dass der durch das Gericht geladene Sachverständige Dr. Günther Petermann morgen dienstlich verhindert ist. Erst nach Beendigung der Befragung wird das Gericht den Befangenheitsantrag des Nebenklägers gegen die Sachverständige bescheiden.


Aufgrund dessen bedarf es aller Voraussicht nach nach dem 6. Januar 2006 weite-rer Verhandlungstermine, welche morgen abgestimmt werden sollen.
Mit einem Urteil ist frühestens in der 2. Kalenderwoche 2006 zu rechnen.


Bitte beachten Sie auch die Vorberichterstattung, die unter den Pressemitteilungen des Landgerichts Zwickau unter www.justiz.sachsen.de/gerichte/homepages/lgz/ abge-rufen werden kann.



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Medieninformation vom 21. Dezember 2005


Fall Ayla (15):
Neue Termine im Januar

Wie bereits in der gestrigen Pressemitteilung zum Fall Ayla angekündigt (s. www.justiz.sachsen.de/gerichte/homepages/lgz/), kam es im Mordprozess gegen den Reinsdorfer Mario L., welcher des Mordes an der 6jährigen Zwickauer Schülerin ange-klagt ist, heute nur zu einem kurzen Verhandlungstermin.

Der Vorsitzende Richter, Vizepräsident Klaus Hartmann, verlas ein Urteil des Amtsgerichts Zwickau aus dem Jahr 1996. Damals war der Angeklagte wegen Unter-schlagung zu einer 6monatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er einen von ihm angemieteten PKW nach Ablauf der Mietzeit nicht zurückgebracht, sondern in einem Waldstück abgestellt hatte. Außerdem wurden Lichtbildmappen und Maßstabsskizzen vom Fundort der Leiche in Augenschein genommen.

Dieser kurze Termin, unter Juristen „Schiebetermin“ genannt, machte sich erfor-derlich, weil nach der Strafprozessordnung ein Strafverfahren nicht länger als drei Wo-chen unterbrochen werden darf. Dies hat seinen Grund darin, dass das Gericht sein Ur-teil auf den sog. „Inbegriff der Verhandlung“ stützen muss, weshalb die gewonnenen Eindrücke und die Erinnerung an die Vorgänge in der Hauptverhandlung frisch sein müssen.
Weil wegen anderer Verpflichtungen des Sachverständigen Dr. Petermann die Befragung der Frau Dr. Monika Hagen am 12.12.2005 nicht beendet und auch erst am 06.01.2006 fortgesetzt werden kann, bedurfte es in der Zeitspanne dazwischen eines Schiebetermins. Anderenfalls hätte der gesamte Prozess von neuem beginnen müssen.

Außerdem wurden heute weitere Termine abgestimmt. Auf dem Verhandlungsplan stehen nun folgende Termine, beginnend jeweils ab 9.00 Uhr im Schwurgerichtssaal: Freitag, 06.01.2006
Mittwoch, 11.01.2006
Donnerstag, 12.01.2006

Sollte am Freitag, den 06.01.2006 die Beweisaufnahme geschlossen werden kön-nen, könnte am 11.01.2006 plädiert werden. Frühester Termin für ein Urteil ist also Donnerstag, der 12.01.2006.

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Medieninformation vom 9. Januar 2006


Fall Ayla (18):
Urteil am kommenden Mittwoch


Das Urteil im Strafverfahren gegen Mario L., welcher sich wegen Mordes an der 6jährigen Zwickauer Schülerin Ayla verantworten muss, wird am kommenden Mitt-woch, den 11.01.2006 um 13.00 Uhr im Schwurgerichtssaal 243 im Gebäude des Landgerichts Zwickau, Platz der Deutschen Einheit 1, 08056 Zwickau gesprochen wer-den.

Wie am Freitag berichtet, hatte Verteidiger Rechtsanwalt Simon überraschend angekündigt, in dieser Woche verhindert zu sein. Um das Verfahren wie geplant beenden zu können, verhandelte das Schwurgericht am Freitag bis in die Abendstunden.
Damit das Urteil am Mittwochmittag trotz Abwesenheit von Verteidiger Rechtsanwalt Simon verkündet werden darf, bestellte das Gericht dem Angeklagten heute einen weiteren Pflichtverteidiger. Rechtsanwalt Michael Krapf aus der Kanzlei Krapf und Strake, Zwickau, wird zur Verfahrenssicherung während der Urteilsverkündung am Mittwoch als Verteidiger auftreten.



Am Freitagnachmittag wurde zunächst die Befragung der von der Verteidigung zur Frage der Schuldfähigkeit als Sachverständige gestellten Frau Dr. Monika Hagen abgeschlossen. Anschließend lehnte die Strafkammer Frau Dr. Hagen als Sachver-ständige wegen Befangenheit ab und gab damit dem Antrag des Nebenklägers statt.


Oberstaatsanwalt Holger Illing beantragte in seinem Plädoyer lebenslange Freiheitsstrafe, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sowie Siche-rungsverwahrung für den Angeklagten. Die Nebenklagevertreter Rechtsanwalt Windisch, welcher den Vater der Ayla, und Rechtsanwältin Böhme, welche die Mutter des Kindes vertritt, schlossen sich mit unterschiedlicher rechtlicher Begründung diesen Anträgen an.
Verteidiger Rechtsanwalt Simon räumte in seinem Schlussvortrag ein, dass der Angeklagte wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt werden müsse. Er sah jedoch die formalen Voraussetzungen nicht als gegeben an, unter denen das Gesetz die Anordnung der Sicherungsverwahrung erlaubt.
Der Angeklagte führte in seinem Schlusswort aus, dass er sich die Tat bis heute nicht erklären könne. Es tue ihm leid und er wisse, dass er das Unrecht nicht wiedergutmachen könne.




Hinweis für Pressevertreter:
Auch zur Urteilsverkündung gelten die Hinweise für Pressevertreter aus der Medieninformation vom 10. November 2005 fort (s. die vorangegangenen Pressemitteilungen zum Fall Ayla unter www.jusitz.sachsen.de/gerichte/homepages/lgz.). Von einem neuerlichen Abdruck wird abgesehen.
Die Anfangsakkreditierungen für Zuhörer, Fotographen und Kamerateams behalten also Gültigkeit, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich. Änderungsmitteilungen richten Sie bitte an presseverteiler@lgz.justiz.sachsen.de.

Bitte denken Sie nach Abschluss der Verhandlung an die Rückgabe der Ihnen überlassenen Schließfachschlüssel.




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Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 9. Januar 2006


Fall Ayla (19):
Lebenslange Freiheitsstrafe


Das Schwurgericht des Landgerichts Zwickau unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann hat am heutigen 9. Verhandlungstag das Urteil im Strafverfahren gegen Mario L. verkündet:
Der 37jährige Fliesenleger wurde wegen Mordes an der 6jährigen Zwickauer Schülerin Ayla in Tateinheit mit Entziehung Minderjähriger, Freiheitsberaubung mit Todesfolge, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Vergewaltigung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Außerdem stellt das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung hindert.

Hingegen entsprach das Gericht dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Nebenklage auf Anordnung von Sicherungsverwahrung nicht. Es sah bereits die formalen Voraussetzungen nicht für gegeben an, die nach § 66 Strafgesetzbuch die Anordnung der Sicherungsverwahrung erlauben. Aufgrund der Tatsache, dass die Vorstrafen des Angeklagten nicht berücksichtigt werden dürfen, da diese länger als fünf Jahre zurückliegen, wäre eine Anordnung nur möglich gewesen, wenn zwei selbständige Taten abzuurteilen gewesen wären. Die Kammer geht jedoch tatsächlich wie rechtlich von einer Tat aus.

Weiter Einzelheiten entnehmen Sie dem beigefügten Auszug aus der Urteilsbegründung des Vorsitzenden.




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Auszüge aus der Urteilsbegründung im Ayla-Verfahren

Die 1. Strafkammer des Landgerichts Zwickau hat den Angeklagten wegen Mordes jeweils in Tateinheit mit Entziehung Minderjähriger, Freiheitsberaubung mit Todesfolge, schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern und Vergewaltigung schuldig gesprochen und gegen ihn eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt, wobei zusätzlich die besondere Schwere der Schuld des Angeklagten festgestellt wurde.

Die Kammer erachtete folgenden Sachverhalt für erwiesen:
Am Morgen des 17.05.2005 entführte der Angeklagte die Ayla, um sie sexuell zu missbrauchen und anschließend zu töten. Er ergriff das arg- und wehrlose Mädchen, als es an dem geparkten PKW des Angeklagten vorbei zur Schule gehen wollte und verfrachtete es in brutaler Weise in den Kofferraum. Anschließend verließ er fluchtartig den Tatort und fuhr in ein ca. 10 km entferntes - entlegen gelegenes - Waldstück zwischen Zwickau - Mosel und Dänkritz, wobei er am Anfang der Fahrt darauf achtete, nicht wieder mit seinem PKW im vermuteten Blickfeld der Mutter zu erscheinen. Was dann genau in dem Waldstück passiert ist, konnte nach Auffassung der Kammer nicht vollständig aufgeklärt werden, da den diesbezüglichen Angaben des Angeklagten nicht gefolgt werden konnte. Anhand der vorliegenden objektiven Spurenlage ist die Kammer davon überzeugt, dass das knapp 7-jährige Kind vaginal und anal vergewaltigt und anschließend mit einem Gürtel des Opfers in Tötungsabsicht stranguliert wurde. Dies erfolgte in der Absicht, die vorangegangenen schweren Straftaten zu verdecken. Anschließend - vermutlich nach einer für den Angeklagten überraschenden Reaktion des Opfers - schnitt er ihr mit der Klinge eines Kombiwerkzeuges aus dem Handschuhfach des PKW's die Kehle durch, wodurch nach kurzer Zeit der Tod des Kindes eintrat. Zuvor führte der Angeklagte noch die Klinge in die Scheide des Mädchens ein, wobei die anatomischen Strukturen des Scheideneinganges zerfetzt wurden. Ob dies zu Lebzeiten des Kindes nach dem Strangulieren oder unmittelbar nach dem Kehlenschnitt erfolgte, blieb ungeklärt. Die Kammer geht jedenfalls davon aus, dass dies zu einem Zeitpunkt erfolgte, zu dem der Angeklagte davon ausging, dass das Kind bereits tot gewesen sei. Danach verstümmelte der Angeklagte die Leiche mit Stichen und Schnitten im Bauch- und Genitalbereich, wobei er die sägeartig gezackte Klinge des vorgenannten Werkzeuges benutzte. Der Beweggrund für diese Handlungen konnte ebenfalls nicht geklärt werden. Anschließend schleifte der Angeklagte den Leichnam wenige Meter zu einer kleinen Erdmulde, legte ihn hinein und bedeckte die Leiche mit Reisig. Im folgenden versuchte er, die Spuren der Tat zu verwischen und fuhr mit dem PKW nach Gößnitz zu seiner ehemaligen Arbeitsstelle. Unterwegs warf der Angeklagte an drei verschiedenen Stellen mehrere persönliche Gegenstände des Opfers weg.

Die maßgeblichen Fragestellungen in diesem Verfahren lauten wie folgt:

1. Motivlage, subjektive Tatseite bei Beginn der Entführung
2. Schuldfähigkeit des Angeklagten
3. Rechtsfolgen der Tat
- Feststellung der besonderen Schwere der Schuld
- Anordnung der Sicherungsverwahrung.

Der Angeklagte ist geständig. Seiner Einlassung zum Tatkerngeschehen sowie zur Motivlage schenkt die Kammer keinen Glauben. Sie erachtet sie als konstruiert, um sich in ein besseres Licht zu rücken. Maßgeblich zur Rekonstruktion des Tatgeschehens sind danach die Zeugenaussagen zur Entführung und die objektive Spurenlage am Tatort bzw. DNA-Spuren am Körper des Opfers und des Angeklagten.
Nach Auffassung der Kammer handelte der Angeklagte bereits zu Beginn der Entführung mit Tötungsvorsatz. Sein Handeln war primär motiviert, seine sexuellen Phantansien zu befriedigen. Angesichts seiner einschlägigen Vorstrafen war ihm bewusst, dass er im Falle der Tatentdeckung mit einer erheblichen Freiheitsstrafe rechnen musste. Da zudem das Opfer ihn kannte, blieb zur Tatverdeckung nur die Tötung des Kindes. Bereits das brutale Vorgehen bei der Entführung deutet in diese Richtung. Gegenüber dem Opfer handelte der Angeklagte ohne jede Sicherungstendenz, z. B. in Gestalt einer Verkleidung. Die Tat war auch keine Kurzschlusshandlung, da sie in seinem Garten und auf der Fahrt zum Tatort gedanklich vorgestaltet worden ist einschließlich des Bewusstseins der Konsequenzen seiner Handlungen. Die Bejahung des Tötungsvorsatzes hat Bedeutung für das Mordmerkmal der Heimtücke sowie für die Klärung der Konkurrenzfrage im Vorfeld der Prüfung der Anordnung der Sicherungsverwahrung.

Die Kammer folgt der Einschätzung des Sachverständigen Dr. Petermann und erachtet den Angeklagten bei der Tat für schuldfähig im Sinne von §§ 20, 21 StGB. Danach kann der Angeklagte lediglich als akzentuierte Persönlichkeit bezeichnet werden, die sich auszeichnet durch sexuelle Unreife und einer Neigung, unangenehme Dinge konsequent aus dem Gedächtnis zu verdrängen.
Die Kammer hat nach den Ausführungen der wegen Befangenheit abgelehnten Sachverständigen Dr. Hagen keinen Anlass, an den zutreffenden Ausführungen des Sachverständigen Dr. Petermann zu zweifeln. Die mangelnde Plausibilität der Schlussfolgerungen von Frau Dr. Hagen wurde besonders deutlich durch ihre Wankelmütigkeit am Ende ihres Vortrages am 12.12.2005. Da gab sie zunächst an, sie benötige noch eine Zusatzuntersuchung, um abschließend zur Schuldfähigkeit Stellung nehmen zu können. Auf Vorhalt, dass dies ihrer Stellung als präsentes Beweismittel widerspreche, gab sie an, "in dubio pro reo" sei von Schuldunfähigkeit auszugehen. Auf weiteren Vorhalt, dass dies eine rein juristische Kategorie sei, äußerte sie, sie halte den Angeklagten für positiv schuldunfähig, da die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit bei der Tat aufgehoben gewesen sei.
Im Übrigen knüpfte die Sachverständige Dr. Hagen zur Begründung ihrer bejahten dissoziativen Identitätsstörung an Phänomene an, die nicht als psychopathologische Verhaltensmuster gewertet werden können. Außerhalb der von dem Angeklagten begangenen Taten hat sich der angeblich pathologische Zustand in keiner Weise ausgewirkt im Sinne einer nachhaltigen Beeinträchtigung seiner sozialen Anpassungsfähigkeit. Die zu Tage getretenen Defizite in der Persönlichkeit des Angeklagten sind nicht so gravierend, um ihnen forensische Bedeutung beizumessen.
Eine nachvollziehbare Erklärung für die Tat - insbesondere die Verstümmelungen - konnte auch mit Hilfe von Dr. Petermann nicht gefunden werden. Für eine sadistische Prägung des Angeklagten gibt es außerhalb der Tat keine Anhaltspunkte. Die Kinderzeichnungen gaben keinen Hinweis auf irgendwelche Gewaltphantasien und auch die Lebensgefährtin des Angeklagten, mit der immerhin schon längere Zeit zusammenlebt, konnte in dieser Richtung keine Hinweise geben. Es gibt lediglich mögliche Erklärungsversuche, wie z. B. Wut auf das Opfer, ohne das sie vollständig befriedigen können.

Gem. § 57 a StGB erachtet die Kammer die Schuld des Angeklagten für besonders schwer wiegend. Das hat zunächst die gesetzliche Folge, dass eine Mindestverbüßungszeit von 15 Jahren anzunehmen ist.
Als maßgeblich schulderhöhend sind zunächst die schweren Verbrechen, die der Angeklagte neben dem Mord begangen hat, d. h. die brutale Entführung und die mehrfache Vergewaltigung des erst knapp 7-jährigen Kindes heranzuziehen. Weiterhin sind auch zwei Mordmerkmale, Heimtücke und Verdeckungsabsicht, erfüllt und der Angeklagte ist bereits zweimal einschlägig vorbestraft.

Die geforderte Verhängung der Sicherungsverwahrung gem. § 66 StGB konnte die Kammer aus Rechtsgründen nicht verhängen. Auch die Kammer erachtet diese Maßnahme als wünschenswert, sie ist jedoch an die rechtlichen Vorgaben gebunden, die unter keinem Gesichtspunkt so ausgelegt werden können, dass die formellen Voraussetzungen der Sicherungsverwahrung bejaht werden könnten. Die beiden Vorstrafen können wegen der eingetretenen Rückfallverjährung nicht herangezogen werden. Das Gesetz geht davon aus, dass eine prognostische Verwertung (d. h. zukünftige Gefahr für die Allgemeinheit) früherer Taten dann grundsätzlich ausscheidet, wenn der Angeklagte zwischen ihnen und der jeweils nachfolgenden Tat 5 Jahre in Freiheit gelebt hat, ohne weitere gravierende Straftaten zu begehen. Diese Voraussetzungen liegen im vorliegenden Fall vor. Zwischen dem am 06.06.1985 begangenen Mord und der weiteren Tat am 24.10.1997 liegt ein Zeitraum von länger als 5 Jahren vor, in dem der Angeklagte in Freiheit war. Dies trifft auch für den Zeitraum zwischen der am 24.10.1997 begangenen und der hier verhandelten Tat am 17.05.2005 zu.

Auch auf der Grundlage der angeklagten Tat können die Voraussetzungen für die Anordnung der Sicherungsverwahrung nach § 66 Abs. 2 oder 66 Abs. 3 Satz 2 StGB nicht bejaht werden, da nach Auffassung der Kammer nur eine Tat im materiell-rechtlichen Sinne vorliegt. Die Aufspaltung der Tat in eine Entführung, eine Vergewaltigung und einen Mord ist unter keinem Gesichtspunkt rechtlich gerechtfertigt. Die diesbezügliche Einlassung des Angeklagten erachtet die Kammer als konstruiert. Der Angeklagte ging bereits zu Beginn der Entführung davon aus, das Kind sexuell zu missbrauchen. Eine andere Erklärung für dieses Verhalten ist abwegig. Wie bereits ausgeführt, geht die Kammer davon aus, dass er bereits zu diesem Zeitpunkt mit Tötungsvorsatz handelte.
Aber auch für den Fall, dass der Tötungsvorsatz erst später gefasst wurde, liegt materiell-rechtlich nur eine Tat vor, da das Dauerdelikt Freiheitsberaubung mit Todesfolge die Delikte Vergewaltigung und Mord zu einer Tat verklammert. Insofern sind eindeutige obergerichtliche Vorgaben zu beachten.
Die Annahme, die Freiheitsberaubung sei zwischenzeitlich beendet worden, so dass die Klammerwirkung entfällt, ist bei dem vorliegenden Sachverhalt unhaltbar. Das Kind befand sich ununterbrochen in der Gewalt des Angeklagten. Wohin hätte das orientierungslose, dem Angeklagten körperlich hoffnungslos unterlegene Kind flüchten sollen? Von einer Beendigung der Freiheitsberaubung kann nur in dem Moment gesprochen werden, in dem das Kind wieder in Sicherheit gelangte, z. B. in die Obhut der Mutter.

In diesem Zusammenhang muss auch Beachtung finden, dass die Sicherheitsinteressen der Allgemeinheit auch ohne die Verhängung der Sicherungsverwahrung beachtet werden bei der zukünftigen Festlegung der effektiven Vollstreckungsdauer. Der Sachverständige Dr. Petermann hat den Angeklagten solange als gefährlich für die Allgemeinheit eingestuft, als es ihm nicht gelingt, die Gewalttaten schonungslos aufzuarbeiten und daran anschließend aktiv und vorbehaltlos an einer Psychotherapie mitzuwirken, um ihn in die Lage zu versetzen, in angemessener Weise auftretende Konflikte lösen zu können. Falls dieses Defizit zukünftig fortbestehen sollte, ist dies bei der Aussetzungsentscheidung zu Lasten des Angeklagten zu verwerten. In diesem Zusammenhang ist auch daran zu erinnern, dass das Bundesverfassungsgericht mehrfach entschieden hat, dass unter Umständen im Einzelfall die Strafe im Wortsinn ein lebenlang vollstreckt werden kann. Die Annahme, der Angeklagte sei nach beispielsweise 17 oder 18 Jahren wieder in Freiheit, ist unter den vorliegenden Voraussetzungen fernliegend.

Landgericht Zwickau


Medieninformation vom 19. Januar 2006


Fall Ayla (20):
3 x Revision eingelegt


Sowohl die Staatsanwaltschaft Zwickau als auch beide Nebenkläger haben im Fall Ayla gegen das Urteil des Landgerichts Zwickau vom 11.01.2006 Revision eingelegt. Alle drei Schriftsätze gingen fristgerecht innerhalb der am gestrigen Mittwoch ablaufenden Rechtsmittelfrist bei Gericht ein. Hingegen akzeptierte der Angeklagte das Urteil, er legte keine Revision ein.

Die Revisionsführer müssen die Revision noch begründen. In der Revisionsbegründungsschrift muss jeweils dargelegt werden, aus welchen Gründen die Revisionsführer das Gesetz durch das Urteil als verletzt ansehen. Für diese Begründung haben sie einen Monat Zeit. Diese Frist beginnt, sobald ihnen das vollständige Urteil zugestellt wird. Hiermit ist etwa Anfang März zu rechnen.

Nur und erst wenn die Revisionen auch begründet werden, werden die Akten an den Bundesgerichtshof weitergeleitet. Eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs ist darum frühestens im Sommer 2006 möglich.

Das Schwurgericht des Landgerichts Zwickau unter Vorsitz von Vizepräsident Klaus Hartmann hatte in der letzten Woche den 37jährigen Mario L. wegen Mordes an der 6jährigen Ayla in Tateinheit mit Entziehung Minderjähriger, Freiheitsberaubung mit Todesfolge, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Vergewaltigung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt.




Pressestelle des Landgerichts Zwickau

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