Offizielle Pressemitteilung der Stadt zum Thema Bodenbelastung in der Gartenanlage Parkstraße

Laubenpieper in der Zwickauer Gartenanlage an der Parkstraße zeigen sich von Horrormeldungen zur Bodenbelastung ihrer Gärten wenig beeindruckt:

„Wir bauen weiter alles an, was schon meine Eltern angebaut haben und essen das dann auch!“



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Anita Rentsch freut sich über ihre züchterischen Erfolge im Kleingarten. Die lässt sie sich nicht gern madig machen. Foto: Theo Stiegler


Foto: Stiegler


Laubenpieper in der Zwickauer Gartenanlage an der Parkstraße zeigen sich von Horrormeldungen zur Bodenbelastung ihrer Gärten wenig beeindruckt:

„Wir bauen weiter alles an, was schon meine Eltern angebaut haben und essen das dann auch!“



ZWICKAU, im Juli 2013 – Das Damoklesschwert schwebt schon so lange über den Köpfen der Kleingärtner in der Zwickauer Parkstraße, nun scheint es, seine Wirkung ist verpufft . Das Gelände hinter dem Schwanenteich war bis vor hundert Jahren eine Lehmgrube, dann wurde das Loch mit Schlackeabfällen aus der Eisengießerei „Königin Marienhütte“ in Cainsdorf aufgefüllt. Auf die Abfälle kamen dicke Schichten Erde, und seit den zwanziger Jahren wurden hinter dem Schwanenschloss Gärten Blumen, Obst und Gemüse gezüchtet. Der Verzehr hat offenbar über die vielen Jahre niemand geschadet.
Die meisten der Laubenpieper sehen die neuesten Horrornachrichten über Bodenbelastung, die Stadt hat über das Gelände verteilt fünf Meter tiefe Löcher bohren lassen und im Umweltlabor untersucht, Schwermetalle und Arsen wurden festgestellt. Außerdem besteht seit langem die Absicht, durch die Gartenanlage den inneren Stadtring als vierspurige Straße zu bauen.

Werner Wimmer, 65, schon von Kindesbeinen an mit der Kleingartenanlage hinter dem Schwanenteichpark durch seine Eltern verbunden, hat die Entwicklung verfolgt: „Seit Januar haben die nun wieder Probebohrungen gemacht, jetzt hat man uns mitgeteilt, wir sollen kein Wurzelgemüse mehr anbauen. Ich baue an, was schon meine Eltern hier geerntet haben.“









Werner Wimmer, 65, schon von Kindesbeinen an mit der Kleingartenanlage hinter dem Schwanenteichpark durch seine Eltern verbunden, hat die Entwicklung verfolgt: „Seit Januar haben die nun wieder Probebohrungen gemacht, jetzt hat man uns mitgeteilt, wir sollen kein Wurzelgemüse mehr anbauen. Ich baue an, was schon meine Eltern hier geerntet haben.“
Wenige Gärten weiter pflegt das Ehepaar Feuerer Blumenbeete. Kurt und Waltraud Feuerer sind gerade aus dem Urlaub zurück, und nun ist eine Menge zu tun. Kurt Feuerer: „Wir haben den Garten seit 1968. Nach der Wende ging das Theater los“, sagt er und weiß: „Die untersuchen seit Jahren das Brunnenwasser, und im Grunde sind die Proben immer besser geworden, die Belastungen mit Schwermetallen gingen zurück.“ Die Kleingärtner haben zwar Trinkwasseranschluss, „aber eigentlich könnten wir das Wasser auch ohne Schaden trinken“, sagt Feuerer, der vor Jahren selber Vorsitzender der Kleingartenanlage war. Das hat man ihm das aus dem Labor, das die Wasserproben untersucht hat, wissen lassen. „Wir haben denen auch unser Gemüse zur Untersuchung angeboten, das wollte niemand.“ Und weiter: „ In dem Garten sind unsere Kinder groß geworden, offenbar hat keinem der Genuss von frischen Obst und Gemüse geschadet, unsere Gartennachbarn sind alle über 90 Jahre alt geworden, wir sind jetzt beide über 70, da lassen wir uns nicht mehr kirre machen“, fügt seine Ehefrau Waltraud Feuerer hinzu.

Gerda Lahr ist der Meinung: „Die versprühen täglich so viel Gifte in unsere Umwelt, da sollen die sich mal drum kümmern“.








Gerda Lahr und Adolf Johnigk freuen sich gerade den Garten, den sie von Gerd Glaser, 60, und Anita Rentsch übernommen haben. Gerda Lahr ist der Meinung: „Die versprühen täglich so viel Gifte in unsere Umwelt, da sollen die sich mal drum kümmern“, sie zeigt sich froh über den Neuerwerb des schönen Gartens, den sie mit ihren Lebenspartner nun genießen möchte. Über den Gedanken, dass man nun die Tomaten, die gerade rot werden, nicht mehr genießen könnte, kann sie sich vor Lachen nur ausschütten.
Gerd Glaser sagt zum Thema Straßenbau über das Gartengelände: „Als wir vor zehn Jahren hier einzogen, wurde uns prophezeit, wir würden nach drei Jahren den Straßenbau weichen müssen, dann war Ruhe. Die haben sowieso kein Geld, dann bauen die auch keine Straße.“
Glaser hat mit seiner Lebensgefährtin nun einen größeren Garten übernommen. „Mir war das hier alles zu fertig“, sagt er über den mustergültig gepflegten Garten.“ Er brauche ein Neuanfang, wo er wieder richtig bauen und gestalten könne. Er wünscht seinen Nachfolgern viel Spaß am neuen Garten.
Theo Stiegler











Die dazu gehörende Pressemitteilung der Stadtverwaltung Zwickau
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STADTVERWALTUNG ZWICKAU
Medieninfo Nr. 313 vom 5. August 2013
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Das Dezernat für Bauen informiert:

ERGEBNISSE DER DETAILUNTERSUCHUNGEN IN DER KLEINGARTENANLAGE PARKSTRAßE LIEGEN VOR


Gärtner müssen Anbau- und Hygieneempfehlungen beachten

Im ersten Halbjahr 2013 führte ein Ingenieurbüro im Auftrag der Stadt in der Kleingartenanlage Parkstraße Detailuntersuchungen vor, um die Bodenbelastungen eingehend zu untersuchen. Mit dem Vorliegen der Ergebnisse steht nun fest, dass Verunreinigungen durch Cadmium, Blei, Arsen und andere Stoffe vorhanden sind. Die Kleingärtner, die heute Abend informiert werden, müssen daher besondere Anbauempfehlungen beachten.

Ursprünglich befand sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert an der Parkstraße eine Ziegelei mit Lehmgrube. Das Restloch der Lehmgrube wurde später verfüllt. Ab 1920 entstanden die ersten Kleingärten. Bereits 1922 wurde der Kleingartenverein „Parkstraße“ gegründet.

Auf Anordnung des Landratsamtes Zwickau wurde im 1. Halbjahr 2013 durch die Stadt Zwickau eine Detailuntersuchung in der Kleingartenanlage „Parkstraße“ in Auftrag gegeben. Dazu erfolgten zunächst 12 Kleinrammbohrungen im Wegenetz der Anlage. Dabei wurde festgestellt, dass sich die Auffüllungen der ehemaligen Lehmgrube über die gesamte Fläche der Anlage erstrecken. Für die weitere Untersuchung wurden die Kleingärten zu Karrees zusammengefasst, in denen insgesamt 16 Oberbodenproben entnommen und ebenso wie die Kleinrammbohrungen auf Belastungen untersucht wurden.

Aufgrund der nunmehr vorliegenden flächendeckenden Untersuchungsergebnisse steht fest, dass Bodenbelastungen vor allem mit Cadmium, Blei, Nickel, Arsen und PAK (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) bestehen. Dadurch können Gefährdungen auftreten, vor allem durch Schadstoffaufnahme beim Verzehr belasteter Pflanzenteile. Das Ingenieurbüro schätzt ein, dass eine eingeschränkte Nutzung der Anlage weiterhin möglich, aber mit Risiken verbunden ist.

Daher rät die Stadtverwaltung den Kleingärtnern, Anbau- und Hygieneempfehlungen zu beachten. So sollte beispielsweise auf den Anbau von Wurzel- und Blattgemüsearten wie beispielweise Kopfsalat, Speiserüben oder Rhabarber gänzlich verzichtet werden. Während Kartoffeln, Lauch oder Zwiebeln bedingt geeignet sind, können Buschbohnen, Erbsen oder Tomaten gezogen werden. Wichtig ist in jedem Fall, Obst und Gemüse zu waschen und ggf. zu schälen. Ebenso wenig sollte das Händewaschen nach der Gartenarbeit oder dem Spielen vergessen werden.

Auf einer Mitgliederversammlung am 7. August werden die Kleingärtner über die Ergebnisse der Detailuntersuchung informiert. Gleichzeitig wird ihnen das Merkblatt übergeben, auf dem die Empfehlungen ausführlich dargestellt sind. Der Untersuchungsbericht wird an die zuständige Behörde beim Landratsamt Zwickau übergeben. Diese entscheidet letztlich über weitere Konsequenzen.



Mit freundlichen Grüßen

Mathias Merz
Presse- und Oberbürgermeisterbüro

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