Premiere der Romantischen Oper von Carl Maria von Weber „Der Freischütz“ am Zwickauer Gewandhaus


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Kaspar liegt getroffen durch die letzte Freikugel am Boden. Finale der Oper "Der Freischütz".Foto: Theater

Dramatik zwischen „Jungfernkranz“ Wolfsschlucht und Freikugel

Zwickau, 16. Dezember 2005. Heinrich Heine haben wir das Wissen zu verdanken, was die Berliner vor 180 Jahren als den Schlager Nummer eins auf den Gassen trällerten. Gewissermaßen an der Spitze der Charts hielt sich in der Biedermeierzeit der „Jungfernkranz“. Und in der Tat, wer den Chor singen hört: „Wir winden dir den Jungefernkranz mit veilchenblauer Seide …“, dem geht das Lied tagelang nicht mehr aus dem Ohr. Aber bevor die Brautjungfern ihr Liedchen anstimmen, braut sich Unheil zusammen. Der Jägerbursche Max hat Angst zu versagen. Am Probeschuss hängt viel, die Erbförsterei und die versprochene Ehe mit der Tochter des Erbförsters sind für ihn futsch, wenn er das Ziel beim Probeschuss verfehlt. Aber seit Tagen hat Max nur noch daneben geschossen. Da wär’s doch gut eine Zauberkugel, die immer trifft, zu besitzen.
Am Freitag hatte die Romantische Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber am Zwickauer Gewandhaus Premiere. Intendant Ingolf Huhn selbst hat die Inszenierung übernommen und geht die Sache klassisch an. Im finsteren böhmischen Wald lärmt die Schützengesellschaft, und ausgerechnet der Bauer Kilian, Michael Simmen, gewinnt die Schützenkrone. Sein und der Gesellschaft Spott richtet sich gegen Max, dem Jägerburschen, Guido Hackhausen, der doch bisher immer gut getroffen hat. Hackhausen scheint die Melancholie nicht nur in der Rolle zu begleiten, der stimmlich gute Tenor scheint die Traurigkeit auch als Mensch gepachtet zu haben, und so richtet sich die Sympathie des Publikums ganz ungewollt mehr in die Richtung von Kaspar, dem verruchten Widerpart. Entsprechend mehr Szenenapplaus fängt Haken Erkrath, der Böse, für sich ein. Geschickt hat Huhn den schwarzen Jäger Samuiel als stumme Rolle mit einer Frau, Franziska Wurzer, besetzt und kann so der schaurigen Wolfschlucht und dem Gießen der Freikugeln um Mitternacht ein wenig das erotische Flair goethescher Hexenküchen verpassen. Schaurig und auch ein wenig schön sind die Bilder mit denen das Spektakel im Bannkreis des Zaubertuns begleitet wird. Das Bühnenbild von Robert Schrag bietet viel Kontrast und Gegenlicht und Kaspar beherrscht die Szene stimmlich und schauspielerisch perfekt. Ein wenig mehr Frische und Lebenslust wünschte man der weiblichen Hauptrolle Agathe, der Tochter des Erbförsters und Verlobten von Max, Maria Gessler. Sicher die Dramaturgie schreibt niederdrückende Szenen vor, aber die Gessler hat mehr Schwung und Pepp unter der Haut, wie man schon erlebt hat, als die matronenhafte, gramgebeugte Biedermeierpuppe, die sie als Agathe zeigen darf. Vielleicht hätte Uta Simone, die als Ännchen die Agathe aufmuntern möchte, besser die Hauptrolle singen sollen, man hätte lieber die muntere Kleine den Max als Braut gegönnt. Musikalisch bietet „Der Freischütz“ unter der Stabführung von Georg Christop Sandmann die erwarteten Höhepunkte, und Freunde vom „Jungfernkranz“ und „Jägerchor“ werden nicht enttäuscht. Keine Standingovations aber zehn Minuten artiger Schlussapplaus danken dem Ensemble für eine sehenswerte Aufführung des „Freischützen“. Nächste Aufführung am 26. Dezember, 2. Weihnachtsfeiertag, 19.30 Uhr. Kartentelefon 0375 834647. Theo Stiegler
Ticket-Service theater zwickau, Gewandhaus, Telefon 0375 834647, 08056 Zwickau oder Tourist-Information, Hauptstraße 6, 08056 Zwickau, Telefon 0375 19433. zur Stadthalle oder zum Theaterservice
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