Zwickauer Freilichtbühne droht das endgültige Aus

siehe auch unserLichtlals Kolumne

Es ist, als ob jedem der 100.000 Zwickauer ein Stück Lebensqualität geklaut wird - wütende Kommentare betroffener Zwickauerinnen und Zwickauer

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In Sichtweite vor den Toren der Freilichtbühne in Zwickau hat ein Bauherr eine protzige Villa hingebaut, jetzt versucht er den Spielbetrieb auf der in Zwickau seit über 50 Jahren beliebten Spielstätte per Gerichtbeschlüssen zu verhindern. Fotos: Theo Stiegler

Zwickauer Freilichtbühne droht das endgültige Aus



Es ist, als ob jedem der 100.000 Zwickauer ein Stück Lebensqualität geklaut wird



ZWICKAU, Anfang April 2011 – Für die Kultur in der Stadt Zwickau ist die Katastrophe schon eingetreten: Im Jahr 2011 wird es keine Freiluftveranstaltungen auf der Freilichtbühne am Schwanenteichpark geben. Jürgen Croy, verantwortlicher Manager für die Zwickauer Kulturbetriebe, der Kultour-Z, sagt: „Es ist fünf vor zwölf!“, und er meint damit, es könnte sein, dass die Bühne mit ihren 3000 Plätzen, die gerade frisch renoviert wurden, für immer geschlossen bleibt.
Schuld an der Misere ist der Einspruch eines neuen Nachbarn neben der Traditionsstätte gegen die Betriebserlaubnis für Freiluftveranstaltungen auf der Traditionsstätte. Der Nachbar hat wegen zu hoher Lärmpegel gegen Musikveranstaltungen und ähnliche Events auf der Bühne geklagt, und der Witz an der Sache, der neue Nachbar, der Putz an der Villa ist noch trocken, hat erst mal Recht bekommen.

Jürgen Croy, Geschäftsführer der Zwickauer Kultureinrichtungen und Ehrenbürger der Stadt Zwickau: Es ist fünf vor zwölf. Für dieses Jahr mussten wir alle Veranstaltungen auf der Freilichtbühne absagen.



Jürgen Croy, 96-facher Nationaltorhüter der DDR-Fußballnationalmannschaft und Ehrenbürger der Stadt Zwickau fällt der passende Vergleich ein: „Das ist etwa so, als wenn eine Familie neben ein Station der Bundesliga ein neues Eigenheim baut, und anschließend ein Spielverbot wegen möglicher Lärmbelästigung gegen die Bundesliga in diesem Station erwirkt!“ Der Bauherr der neuen Villa an der Parkstraße in Sichtweite der Freilichtbühne müsse doch gesehen haben, wohin er baut. Also habe er von Anfang an geplant, den Zwickauern ihren Spaß in der traditionsreichen Spielstätte zu verderben. Allerdings: In dem Bemühen die Bedingungen auf der Bühne zu verbessern, hat die Kultour-Z im letzten Jahr einiges an Geld an Geld investiert. Die alte Bühne wurde abgetragen, die Arena 1,2 Meter tiefer neu gestaltet. Mit dem Bau ging offenbar auch der Bestandsschutz für die Bühne. Ein willkommener Anlass für den Nachbarn einzuhaken.
Die Freilichtbühne wurde in den Fünfziger Jahren von tausenden Zwickauern im so genannten Nationalen Aufbauwerk geschaffen. Millionen von Besuchern erlebten seit über 50 Jahren dort schöne Stunden. Ob „Herzklopfen kostenlos“, der Talentshow des DDR-Fernsehens mit Heinz Quermann, oder den Sommerfilmtagen der DEFA-Spielfilmstudios, ob Theaterveranstaltungen oder heutige Musikfestivals und Veranstaltungen open-air, die Zwickauer liebten und lieben ihre Freilichtbühne heiß und innig.
„Für dieses Jahr mussten wir alle geplanten Veranstaltungen auf der Freilichtbühne absagen“, sagt Croy und macht deutlich, „da waren richtige Kracher dabei, das ist ein großer Verlust für Zwickau. Manches habe man zwar in andere Spielstätten verlegen können, aber, das Musical und Freiluftspektakel zur Sommerzeit des Theaters Plauen-Zwickau „Die drei Musketiere“ wird nun in der Stadthalle aufgeführt, eben kein Freiluftspektakel mehr, wie es geplant war. Noch steht die Veranstaltung mit Comedian Olaf Schubert „Meine Kämpfe“ als Open Air im Juli noch im Plan. Monique Roscher von der Kultur-Z sagt: „Wir haben die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, im schlimmsten Fall gibt’s für Olaf Schubert eine Ausweichspielstätte.“
Zwar hoffen die Verantwortlichen noch auf einen außergerichtlichen Vergleich mit dem streitbaren Nachbarn, „aber die aktuelle Saison ist de facto futsch“, der finanzielle Schaden für die Kultour-Z und damit für die Stadt Zwickau geht schon in die Hunderttausende. Wahrscheinlich geht der Streit vors Gericht. Außerdem, so Croy, gibt es ja noch eine Schädigung unseres Rufes deutschlandweit bei den Veranstaltern, die hier in Zwickau Open Air-Festivals planten, und die wir nun absagen mussten.
Geht die Sache tatsächlich vor Gericht, hat jede Partei, die unterliegt, die Möglichkeit der Berufung und so weiter. Bis der Streit durch alle Instanzen durchgefochten ist, können Jahre vergehen. Croy: „Dann wächst lange Unkraut über die Freilichtbühne, niemand wird mehr etwas in die Anlage investieren.“
Es sei, als ob, den knapp 100.000 Zwickauern und ihren nächsten Nachbarn im Umland ein Stück Lebensqualität geklaut wurde. Croy ruft nun die Zwickauer auf, ihre Erlebnisse aus den letzten 55 Jahren in der Freilichtbühne aufzuschreiben und an die Kultour-Z, die Zwickauer Kulturbetriebe zu schicken, auch Fotos von Veranstaltungen und Erlebnissen in der Traditionsstätte sind sehr willkommen. Monique Roscher: „Wir haben in der letzten Woche, seit wir die Sache öffentlich gemacht haben, schon über 60 Zuschriften von Zwickauern bekommen. Erlebnisse mit den Gruppen Karat und Silly, von den Sommerfilmtagen und Pressefesten sind mit Wort und Bild dabei.“ Inzwischen haben die Zwickauer auch selbst die Initiative ergriffen. An mehreren Stellen der Stadt sollen nun Unterschriftslisten zum Erhalt der Freilichtbühne ausgelegt werden. Auf der Internetplattform Facebook hat sich einen eigene Fangemeinde zum Erhalt der Freilichtbühne gegründet, und innerhalb von fünf Tagen ist die dort registrierte Fangemeinde auf über 1400 Teilnehmer angewachsen. Zum Teil werden im Facebook schon recht drastische Vorschläge mit Unmutsäußerungen gegen den neuen Nachbarn der Freilichtbühne geäußert.

Ein paar Beispiele zeigen die wachsende Wut unter den Zwickauern:

facebook-kommentare, wie sie auf der Plattform zu lesen sind:

„jo bald ist doch bald ostern... eierschlacht!!!! ich hätte auch noch pferdeäppel im angebot... denn typ müßen wir von dort weg ekeln xD“

Jürgen Krause schreibt: „Geht's noch? Ein Einzelner baut seine Prunk-Villa neben ein Veranstaltungsobjekt , dass dort seit Jahrzehnten steht, und will dann zu Lasten der Allgemeinheit seinen Eigennutz durchsetzen? Was ist der nächste Schritt? Der Schwanenteich wird Sperrgebiet? Soweit kommt’s noch! Allgemeinwohl vor Einzelschicksal! Keine westbundesdeutschen Verhältnisse in Zwickau! PS: Ich hab mich eh gefragt, noch als die Bude im Rohbau stand, wie man auf die doofe Idee kommt, so ein Objekt dort hinzusetzen und ob der Bauherr schon gemerkt hat, dass die Freilichtbühne in unmittelbarer nähe ist?“

Andreas Breitbarth bemerkt: „Wir haben einen Garten gegenüber der Freilichtbühne, da hat sich keiner aufgeregt, im Gegenteil, wir waren froh dass wieder mal was los ist. 1 halbe mille im Sand gesetzt. Ich hoffe dass sie den mal so richtig im Arsch treten. Ich find einfach keine Worte mehr. Bin echt sauer. Eure Zwickauer Bunte

Auch Anders Lundström ist irritiert: „Grundsätzlich verstehe ich die Diskussion gar nicht. Herr Schmidt hätte seine Villa dort nicht hinbauen müssen. Schließlich klage ich als Anwohner in der näheren Umgebung auch nicht, darüber, dass ich beim Anblick seines besonders perfiden architektonischen Verbrechens regelmäßig erblinde. Und auch nicht darüber, dass solcherlei Menschen einem hier den Sauerstoff wegatmet.

Nadja Böckel: „ok, er scheint sich was das angeht in sicherheit zu sehen......son abartiger idiot.........er weiß nicht was den zwickauern genommen wird, schließlich wurde unter anderem viel für kinder veranstaltet wie märchen gespielt wie letztes jahr 80 tage um die welt und viele andere veranstaltungen und das wird einfach dann genommen.“
In diesem Jahr, 2011, wird das Tor zur beliebten Spielstätte wohl geschlossen bleiben.


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