„Faust, der Tragödie erster Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe am Zwickauer Gewandhaus

Viel Beifall für klassisch inszeniertes Drama: Durch Überdruss vernichtetes Lebensglück


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Foto: Theater

Gretchen, Elisa Überschär, gerät in die Fäng von Mephisto, Benjamin Petsche. Fotos: Theater

„Faust, der Tragödie erster Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe am Zwickauer Gewandhaus

Viel Beifall für klassisch inszeniertes Drama: Durch Überdruss vernichtetes Lebensglück


ZWICKAU, 11. Oktober 2013 – Faust ist unglücklich. Nachdem der Gelehrte fast alle Höhen der Wissenschaft errungen hat, muss er im Alter feststellen: „Da steh ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor“. Johann Wolfgang von Goehte versuchte sein Leben lang, das Rätsel des Überdrusses zu lösen.
Regisseur Matthias Thieme hat am Theater Plauen-Zwickau wieder einen Versuch unternommen, den „Faust“ neues Leben einzuhauchen. Vergangenen Freitag war Premiere von „Faust, der Tragödie erster Teil“ am Gewandhaus in Zwickau.
Faust, Marius Marx, wird in letzter Sekunde von den Ostergesängen aus der nahen Stadt vom Selbstmord, den er in seiner Verzweiflung in seiner Studierkammer und in seinem Überdruss plant, abgebracht. Für einen Neustart bekommt der verknöcherte Gelehrte Hilfe aus der Hölle, Mephisto, Benjamin Petschke, der eigentlich immer alles kaputtmachen will, greift Faust unter die Arme. Nicht ganz uneigennützig. Der Pakt ist bekannt: Sollte Faust sich irgendwann eingelullt der Zufriedenheit hingeben, gehört er in die Hölle, bis dahin muss der Teufel alle Register ziehen und Faust jeden Wunsch erfüllen.
Mephisto in der Gestalt von Petschke ist ein rechter Luftikus, eigentlich zu nett für einen Teufel. Petschke tanzt und rockt sich durch die zweieinhalb Stunden klassischen Stoff, auf die hat Regisseur Thieme den Text zusammengestrichen. Trotzdem, lange Passagen goethescher Lebensweisheiten zu deklamieren gelingt Petschke auf wirkungsvolle Weise.
Klassisch geht’s zunächst durch Studierzimmer, Osterspaziergang bis hin zur Hexenküche, wo Johanna Steinhauser als Hexe die Aufgabe übernimmt, den alternden Faust wieder ins beste Mannesalter zurückzubefördern. Das gelingt nicht gänzlich, Marx kriegt auch als jugendliche Faust seine Falten nicht weg.
Verjüngt trifft Faust auf Gretchen, Elisa Ueberschär, und seine Triebe erwachen. Trotz der nun in die Neuzeit verpflanzten Handlung geht’s ganz klassisch weiter. Ueberschär glänzt in der Gretchenrolle und überzeugt als jugendliche Unschuld, die fast noch Elevin gewinnt sofort die Sympathien des Zwickauer Publikums. Die naive Unschuld gerät in die Fänge der lebenserfahrenen Tunichtgute, Mephisto und Faust, Faust hat mit kleinen Geschenken und den üblichen Geplauder leichtes Spiel bei der hübschen Margarethe. Für die junge Frau ist es das Leben, für Faust nur eine Episode auf dem Weg seiner Lebensüberdrüssigkeit.
In die Rolle, der Kupplerin Marthe Schwertlein, brilliert Else Henning, die mit Petsche durch die Kulissen tobt, und die die reine Sinnlichkeit der erwachsenen, ausgehungerten Witwe verkörpert.


Verjüngt trifft Faust auf Gretchen, Elisa Ueberschär, und seine Triebe erwachen.















Es kommt, wie es kommen muss, Gretchen wird verführt und durchleidet alle Stufen der Hölle, die Mutter, der Bruder durch ihre Schuld tot, ihr neugeborenes Kind von ihr selbst im Wahn getötet, kommt sie am Ende zu dem Schluss: Heinrich mir graut’s vor dir.
Schon mit dem Pausenvorhang gibt’s stürmischen Applaus. Minutenlanger Beifall belohnt am Ende die Schauspieler. Besonders viel Zustimmung erfährt Elisa Ueberschär, die sichtlich durch die Anstrengung gezeichnet und glücklich wirkt.
Theo Stiegler

Ticket-Service theater zwickau, Gewandhaus, Telefon 0375 274114647, 08056 Zwickau oder Tourist-Information, Hauptstraße 6, 08056 Zwickau, Telefon 0375 19433. zur Stadthalle oder zum Theaterservice

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