Tennesee Williams „Endstation Sehnsucht“ am Zwickauer Gewandhaus


Charakterstriptease in einer verlogenen Lebenswirklichkeit


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Else Henning kommt als ätherische Schönheit daher, dünn und sensibel fällt sie ihrem Machoschwager bald auf die Nerven. Das wird von beiden überzeugend gespielt. Der Schwager beginnt zu allem Überdruss auch die Erb- und Geldverhältnisse der Südstaatenfamilie seiner Frau zu eruieren. Da braucht Blanche nicht zu lügen: Alles ist weg. Fotos: Theater

Tennessee Williams „Endstation Sehnsucht“ am Zwickauer Gewandhaus


Charakterstriptease in einer verlogenen Lebenswirklichkeit



ZWICKAU, am 10. März 2012 – Vorbei der morbide Charme des Südstaatenreichtums der Familie DuBois. Die Villa und die Ländereien samt Geld sind weg. Übrig sind die beiden Schwestern Blanche, Else Henning, und Stella, Johanna Steinhauser, als Nachkommen der mondänen Südstaatenfamilie.
Am Theater Plauen-Zwickau hatte im Zwickauer Gewandhaus Tennessee Williams Drama Endstation Sehnsucht Premiere. Regie: Catharina Fillers.
Stella ist angekommen in der realen Welt. Zwei Zimmer und zusammen gewürfeltes Mobiliar, dreckige Straßen und knisternde Überlandleitungen als Kulisse ländlicher Bilder des amerikanischen Alltags außerhalb der Glitzermetropolen bilden den Rahmen von Stellas Ehe. Ausstattung Amelie Hensel.
Sinniger Weise heißt die Vorortlinie der New Orleaner Straßenbahn auch noch „Sehnsucht“.

Brutal enthüllt Stanley nun die Vergangenheit von Blanche als Lehrerin, die man wegen sexueller Verfehlungen aus dem Gymnasium gefeuert hat. Fotos:Theater














Stella lebt an der Endstation mit Stanley, dem Musterexemplar eines polnischen Machos: Sinnlich und brutal verkörpert Theo Plakoudakis den Typen des schlitzohrigen Geschäftsmannes. Aber Stella liebt ihn in seiner Männlichkeit, und wenn er sie gerade mal nicht verdrischt, feiern sie glückliche Stunden im Bett.
Johanna Steinhauser ist die sinnliche Stella, die sich innerlich und äußerlich von der mondänen Welt der Südstaaten getrennt hat. Lediglich hat sie ihrer Schwester in ihren Briefen einen Wohlstand vorgegaukelt, der nun überhaupt nichts mit der Realität zu tun hat.
In diese Idylle platzt die Schwester Blanche. Eine exaltierte überfeinerte übrig gebliebene Südstaatenschönheit, blasiert, verlogen und heimlich versoffen, trägt die fadenscheinige Diva nach außen die Überheblichkeit und den Snobismus einer dekadenten und überlebten Gesellschaft vor sich her. Innerlich ist sie voller Zweifel und Hoffnungslosigkeit. Da kann sie nur mühsam ihre Enttäuschung über das Vorstadtmilieu zurückhalten und hat doch selbst das Meiste zu verbergen.
Else Henning kommt als ätherische Schönheit daher, dünn und sensibel fällt sie ihrem Machoschwager bald auf die Nerven. Das wird von beiden überzeugend gespielt. Der Schwager beginnt zu allem Überdruss auch die Erb- und Geldverhältnisse der Südstaatenfamilie seiner Frau zu eruieren. Da braucht Blanche nicht zu lügen: Alles ist weg.
Brutal enthüllt Stanley nun die Vergangenheit von Blanche als Lehrerin, die man wegen sexueller Verfehlungen aus dem Gymnasium gefeuert hat.
Da ist es auch vorbei mit der Schwärmerei von Mitch, Saro Emirze, für die Schönheit aus dem Süden. Der etwas schüchterne und verklemmte Mitch würde zwar gern immer noch mit Blanche ins Bett, aber von Stanley über Blanche aufgeklärt, wird er grob: „Heiraten nein, ich schleppe meiner Mutter doch keine Nutte ins Haus!“ Ein etwas Neues aber ein gut beherrschtes Metier für Saro Emirze, den das Zwickauer Publikum auch schon als lockeren Draufgänger kennt.
Feinsinnig enthüllt Tennesee Williams das Innenleben seiner Figuren, und das Publikum erlebt das Abblättern der Tünche aufgesetzter Äußerlichkeiten, und doch macht sich so etwas wie Mitleid mit den in den Lebenswirklichkeiten zappelnden Figuren breit.
Am Ende ist die Situation ausweglos für Blanche.
Minutenlanger Beifall belohnt das Ensemble für knapp drei Stunden überzeugenden Charakterstripteases im Zwickauer Gewandhaus

Theo Stiegler


Karten 0375 27411 4647

Stella lebt an der Endstation mit Stanley, dem Musterexemplar eines polnischen Machos: Sinnlich und brutal verkörpert Theo Plakoudakis den Typen des schlitzohrigen Geschäftsmannes. Aber Stella liebt ihn in seiner Männlichkeit, und wenn er sie gerade mal nicht verdrischt, feiern sie glückliche Stunden im Bett. Johanna Steinhauser ist die sinnliche Stella, die sich innerlich und äußerlich von der mondänen Welt der Südstaaten getrennt hat. Lediglich hat sie ihrer Schwester in ihren Briefen einen Wohlstand vorgegaukelt, der nun überhaupt nichts mit der Realität zu tun hat.





Ticket-Service im Gewandhaus 0375 27411 46 47 oder 0375 27411 46 48 und zur Theater-Website


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