„Die Dreigroschenoper“ - Ein Stück von Bertolt Brecht mit Musik von Kurt Weill am Gewandhaus in Zwickau


Mackie Messer zwischen Galgenstrick und Adelsglück


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Macheath heiratet Polly und gibt ein rauschendes Fest in seinem umgebauten Pferdestall

Fotos: Theater

„Die Dreigroschenoper“ - Ein Stück von Bertolt Brecht mit Musik von Kurt Weill am Gewandhaus in Zwickau

Mackie Messer zwischen Galgenstrick und Adelsglück

ZWICKAU, am 6. Mai 2011 – Die Rettung naht, als sich die Henkersschlinge schon um den Hals von Mackie Messer windet: Ein reitender Bote der Queen bringt hohe Ehr’ für den Obergangster von London und statt einer Himmelfahrt gibt es die Erhöhung in den Adelsstand.
Bertolt Brecht lässt seinen Helden als Schluss-Resümee schlussfolgern: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Brecht hat diesen Satz 1928 geschrieben, da wusste er noch nichts von den Zuspitzungen der Finanzkrise im Jahr 2008 und dem europäischen Rettungsfond für Not leidende Bankmanager und Regierungen.
Brechts „Die Dreigroschenoper“ mit Musik von Kurt Weill hatte am Freitag Premiere im Zwickauer Gewandhaus.
Das Londoner Halbweltmilieu der Victorianischen Zeit, 1837 bis 1901, spielt sich auf der Zwickauer Gewandhausbühne abwechselnd zwischen stilisierten Pferdeboxen als Behausung der Gangster um Mackie Messer, Gefängniszellen als Gitterboxen oder auf der Straße vorm Pfandleihhaus in düsteren Kulissen ab. (Ausstattung: Tanja Hoffmann).
Julia Zabolitski als Spelunken-Jenny stimmt das Publikum gleich am Anfang mit dem Song von der Moritat des Mackie Messer auf die kommenden drei Stunden stimmungsvoll ein. Zabolitzki ist eine höchst ruchvolle und anziehende Person und weiß ihr Publikum zu fesseln, das ihr mit viel Beifall für den hinreißenden Song und Gassenhauer: „Und der Haifisch, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht - Und Macheath, der hat ein Messer, doch das Messer sieht man nicht“, dankt.
Londons Obergangster Macheath, Saro Emirze, hat seine Gang mit Hakenfinger-Jakob, Münz-Matthias und Säge-Robert fest im Griff. Aber mit seinem Griff nach der Tochter des Bettlerkönigs Peachum, Michael Schramm, nach der hübschen Polly, Julia Rani, stört er erheblich die Kreise eines anderen Gangsters. Der Bettlerkönig macht sein Geld nicht mit Raub und Totschlag, sondern mit der Ausbeutung der Armen der Ärmsten, mit dem Geschäft mit der Armut.
Macheath heiratet Polly und gibt ein rauschendes Fest in seinem umgebauten Pferdestall.


Macheath, Saro Emirze, und Spelunkenjenny, Julia Zabolitzki




Zur Hochzeit erscheint auch Londons oberster Gesetzeshüter, der überaus korrupte Tiger-Brown, Tom Keune. Brown ist nicht als Gesetzeshüter gekommen, er will seinen alten Kumpel aus Militärzeiten Mackie Messer Glückwünsche bringen. Mit dem Kanonensong erinnern sich die beiden, wie sie in den Kolonien als Soldaten gemeinsam ihr Unwesen trieben:
„Soldaten wohnen
Auf den Kanonen
Vom Cap bis Couch Behar.
Wenn es mal regnete
Und es begegnete
Ihnen eine neue Rasse
eine braune oder blasse
Da machen sie vielleicht daraus ihr Beefsteak Tartar.“

Emirze und Keune sind auf der Gewandhausbühne eher ein weichgespültes Gangsterpaar. Sie singen eindringlich und aufreizend die Melodien von Kurt Weill, (musikalische Leitung: André Cipowicz), aber sie strömen nicht die Gefährlichkeit und Ruchlosigkeit aus, die dem Publikum den Schauer des Entsetzens über den Rücken jagen sollte, wollte man den ursprünglichen Intentionen von Bertolt Brecht folgen.
Sehens- und hörenswert auch der Streit der Rivalinnen um die Gunst des Obergangsters Meacheth, von Polly und der Tochter des Polizeichefs, von Lucy, Marsha Zimmermann, vorm Gefängnis des Verbrechers. Da lassen die beiden Frauen ordentlich die Fetzen fliegen und das Publikum amüsiert sich köstlich dabei.
Fast wird „Die Dreigroschenoper“ in Zwickau damit unter der Regie von Axel Stöcker zum unterhaltsamen und gut gespielten und gut gesungenen Musical. Die Akteure verdienen sich die vielen Befallsbekundungen redlich.
Leider geht ein Stückchen der bissigen Gesangstexte in der teilweise sehr lauten Orchestermusik unter. Nach drei unterhaltsamen Stunden belohnt das Publikum, sowieso eher dem Musical als der Gangstersatire geneigt, das Ensemble mit viel Beifall. „Die Dreigroschenoper“ in Zwickau will unterhalten und auch den Finger auf die Wunden einer kaputten Gesellschaft legen, eine schwierige aber durchaus gelungene Gratwanderung.
Theo Stiegler







Macheath, Saro Emirze, und Polly, Julia Rani, als "Glückliches Paar"
Fotos: Theater



Die Dreigroschenoper (Angaben nach Programm)


Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern von Bertolt Brecht
nach John Gays »The Beggar‘s Opera« -‚ übersetzt aus dem Englischen von Elisabeth Hauptmann

Musik von Kurt Weill

Macheath, genannt Mackie Messer Saro Emirze
Jonathan Jeremiah Peachum, Michael Schramm Celia Peachum, seine Frau Ute Menzel Polly Peachum, seine Tochter Julia Rani
Brown, oberster Polizeichef von London Tom Keune
Lucy, seine Tochter Marsha Zimmermann Die Spelunken-Jenny Julia Zabolitzki
Smith; Pastor Kimball Frank Siebers Jimmy II/ Filch David Moorbach
Münz-Matthias Johannes Lang
Hakenfinger-Jakob Hans-Joachim Burchardt
Säge-Robert Dieter Maas Ede Johannes Moss
Huren Gabriele Bergner — Angela Ludwig -. Sybille Meyer — Sandra Zapf[Statisterie]

Regie Axel Stöcker
Musikalische Leitung Andre Cipowicz
Bühne/Kostüme Tanja Hofmann
Choreografie Amy Share-Kissiov
Dramaturgie Brigitte Ostermann
Regieassistenz Ulrike Sorge
Inspizienz Gabriele Triems / Evelin Wunderlich
Soufflage Gabriele Triems
Regiehospitanz Margrit Straßburger
Gesangstraining Solisten Kathrin Kapplusch

1. Akt
Die Moritat von Mackie Messer —Julia Zabolitzki
Der Morgenchoral des Peachum — Michael Schramm
Der Anstatt-dass-Song — Ute Menzel — Michael Schramm
Die Seeräuber-Jenny—Julia Rani
Der Kanonensong — Saro Emirze — Tom Keune
Das Hochzeitslied für ärmere Leute —Joachim Burchardt —Johannes Lang - Dieter Maas - David Moorbach - Johannes Mass
Liebesduett —Julia Rani — Saro Emirze
Barbara-Song —Julia Rani
Erstes Dreigroschenfinale: Über die Unsicherheit menschlicher Verhältnisse
Ute Menzel - Julia Rani - Michael Schramm

II. Akt
Melodram — Saro Emirze
Polly‘s Lied —Julia Rani
Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit — Ute Menzel
Die Zuhälterballade —Julia Zabolitzki — Saro Emirze
Die Ballade vom angenehmen Leben —Saro Emirze
Das Eifersuchtsduett —Julia Rani — Marsha Zimmermann
Zweites Dreigroschenfinale: Denn wovon lebt der Mensch? —Ute Menzel - Saro Emirze - Ensemble

III. Akt
Das Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens — Michael Schramm
Salomon-Song —Julia Zabolitzki
Ruf aus der Gruft — Saro Emirze
Ballade, in der Macheath jedermann Abbitte leistet — Saro Emirze
Drittes Dreigroschenfinale: Auftauchen des reitenden Boten — Ensemble
Nächste Vorstellung am 30. April 2011, Informationen zum Theater Plauen-Zwickau zur Theater-Website Karten 0375 274114647


Karten 0375 274114647.


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